licherweise bei Kopenhagen überwintern zu wollen. Man kann dieß wenigstens mit Wahrscheinlichkeck daraus schließen, daß sic, bei dem verfrühten EiS, welches sehr häufig diese nordischen Gewässer unfahrbar macht, bereits in den ersten Tagen deS Oktober in Kronstadt eintreffen, ihre jetzige Station also bereits verlassen haben müßte. Um aber nur Kopenhagen zu erreichen, kann sie ohne Gefahr ihren hiesigen Aufenthalt bis in die zweite Hälfte vcS November verlängern. Demnach wäre für'S Erste wenig Aussicht vorhanden, diesen unbequemen, wahrscheinlich nicht parteilosen Zuschauer unserer kriegerischen Operationen los zu werden, und wenn es wahr ist, daß man Hähern Drt6 gesonnen ist, mit Wiederergreifung der Offensive bis zum Abzug der Russen zu warten, so wäre derselben ein ziemlich fernes Ziel gesteckt.
Prag, 24. Sept. (A. Z.) Gestern kam die Weisung von Kriegsministerium an, 30,000 Pferde für die Armee anznkaufen. Die Eisenbahustrccke von Lobositz bis Aussig soll am 1. Oktober eröffnet werden.
Wien, 24. Sept. (O.-P.A.-Z.) Der Kaiser nimmt heut ein großes Feldmanöver ab, zu welchem die ganze Garnison auSrückt. — Der Kaiser geht in einigen Tagen nach Brandhof zum Erzherzog Johann, in dessen Revieren große Gemsenjagden deßhalb veranstaltet werden. — Die-Zeit der Juter- nirung der ungarischen Flüchtlinge in der Türkei geht zu Ende. Mit der Entlassung der nach Kiu- tahia Verbannten (Kossuth, Balthiany, Messaros, Dembinsky, Perczel re.) steht auch im nächsten Zusammenhang die Jnstallirung der nach Aleppo verbannten Renegaten (Bem, Stein Kmety, Wornetz- ky 2C.) in die ihrem Range zukommenden Aemter. Man glaubt, die osmanischen Würdenträger werden den gefürchteten Eindringlingen alle möglichen Kabalen und Hindernisse in den Weg legen, um dieselben von Einfluß und Macht entfernt zu halten. — Die Frage, ob Galizien in zwei oder drei Theile getheilt werden soll, ist noch nicht gelöst, daher wohl auch die Veröffentlichung der Organisation dieses Landes aufgehoben ist. Im Ministerium soll über diesen Gegenstand Unentschiedenheit und Schwanken herrschen. Der Statthalter hat sich gegen die Theilung ausgesprochen, doch will man ihm nicht will, fahren; vielleicht in der Absicht, dem als revolutionär verschrienen polnischen Element ein neues streng konservatives und von einer innigsten Anhänglichkeit an das Haus Oesterreich beseeltes ent- gegcnzusetzen, was man aus der Bevorzugung des Ruthenenthums deutlich erkennt.
Beim Ministerrath soll eine Bankreform beschlossen worden sepn. — ES wird für bestimmt versichert, Baron Day habe die Statthalterstelle in Ungarn abgelehnt, und wieder taucht das Gerücht aus, Graf Franz Zichy sey dazu destgnirt.
Der Auftrag, den die StaatSdruckerei vom Handelsministerium erhielt, die Zeitungsmarken ohne Benennung deS Betrags anzufèrtigen , gibt dem Gerücht Wahrscheinlichkeit, daß die neuen Anordnungen in Betreff der Zeitungspostgebühren modifi- zirt werden.
Herr von Salvandy ist hier angekommen und begibt sich nach FrohSdorfzum Grafen Chambord.
Wien, 28. Sept. (Tel. Dep. d. Fr. Bl.) Die heutige offizielle „Oesterreichische Correspondenz" bringt in Bezug auf Preußens Stellung in der kurhessischen Frage einen kriegerischen Artikel.
Wien, 25. Sept. Ein Prinz des Hauses Orleans soll in Frohsdorf eingetroffen sein, wo eine Zusammenkunft zwischen ihm und dem Herzog von Bordeaux schon längere Zeit festgesetzt ist. Die legitimistischen Besuche in Frohsdorf häufen sich.
D ä n e in a r k
Kopenhagen, 26. Sept. (Tel. Dep. d. Fr. Bl.) Der König, sowie Prinz Ferdinand sind nach Flensburg abgereist, werden aber in acht Tagen wieder hier zurück erwartet.
F r a n k r e i eh
Paris, 26. Sept. Das große Bankett, welches der Präsident LouiS Napoleon nach der Truppen- lchau zu Versailles gab, ist ohne erhebliche Zwischen- saUe^vorubcrgegangen. Die Rufe: „ES lebe der Präsident", „Es lebe Napoleon", waren sehr häufig zahitelch; einzelne Stimmen erhoben auch den r r § ^be der Kaiser", sie waren jedoch an . genug» Daß der Ruf: „ES lebe die Republik angestlmmt worden wäre, hat man nicht ge- c J . dm neuesten Mittheilungen aus Nea, Pel sollen Die diplomatischen Beziehungen zwischen Len Hofen von Neapel und Madrid, welche in Folge bet' Vermahlung der Schwester deS Königs mit dem rNrasen von Müntemölino abgebrochen worden wa, ren, demnächst wieder angeknüpft werden; der Herzog
von Rivas würde in Kurzem auf seinen Posten als Botschafter Spaniens am Hofe der beiden Sizilien wieder zurückkehren.
Paris, 26. Sept. Die von dem Elysee auS- gegangenen offiziellen Widerlegung des Artikels: „Was der Präsident will" verwischen den tiefen Eindruck nicht, den die in dem letzter» enthaltenen bestimmten Erklärungen in der politischen Welt hervorgebracht haben. — Die Widerlegung kam noch zeitlich genug, um die Permanenz-Kommission zu verhindern, die Versammlung sofort einzuberufen.
Paris, 26. Septbr. Der Constitutionnel de- nunzirt heute den Plan einer gewissen Fraktion der Majorität, wornach sie bei Eröffnung der Sitzungen der Nationalversammlung die Frage zur Diskussion bringen will: „Wer soll unter der gegenwärtigen Verfassung regieren, der Präsident oder Lie Nationalversammlung?" Es ist eine Variation auf das bekannte Thema: der König herrscht, aber regiert nicht. Jetzt will man sagen: der Präsident präsi- dirl, aber regiert nicht. Der Constitutionnel diS- kutirt im Voraus diese Frage sehr weitläufig und entscheidet sie natürlich zu Gunsten deS Präsidenten.
Man spricht von einem Manifeste, welches von den Mitgliedern der Familie Orleans erlassen werden soll. Dasselbe soll sehr freisinnig abgefaßt sein.
Man versichert, daß in London die Rede von der Ernennung des Präsidenten der Republik zum Ritter des Hosenbandordens ist.
Paris, 27. Sept. (K. Z.) Der Prozeß gegen einunddreißig Personen, welche wegen eines legitimistischen Komplottes angeklagt waren, hat heute begonnen.' — Larochejaquelin ist aus dem Klub geschieden. — Ein Journal in Dijon wird wegen einer Rechtfertigung des londoner Attentats auf Haynau gerichtlich verfolgt. — Einem Gerüchte zu, folge soll in nächster Kammer-Session ein neues Ministerium sofort die Präsidentschafts-Verlängerung beantragen.
Italien.
Rom, 16. Septbr. In einem Gasthause der Vorstadt Trastevere ward die Büste des Papstes von trunkenen Leuten aus dem Pöbel und zahlreich anwesenden französischen Jägern gemeinsam aufdaS gröbste beschimpft. Nachdem man in den Mund I derselben Wein gegossen und eine brennende Cigarre I gesteckt hatte, ward sie in kleine Stücke gebrochen. S Am folgenden Morgen erschienen zwei französische I Offiziere in jener Lokalität und brachten eine neue Büste mit, indem sie zugleich eine strenge Untersuchung deS betreffenden Vorfalls zusagten. — Den zur Untersuchung deS politischen Benehmens verschiede- dener StandeSklaffen bereits ntcdergesetzten Zensur- kommisionen wird demnächst eine weitere angereiht werden, welche das Benehmen der Kaufleute und Krämer während der Revolutionsperiode zu unter, suchen und ihnen nach Befund der Umstände ihre Handelsprivilegien entweder zu belassen oder abzu- nchmen haben wird. (Oest. C.>
Florenz, 22. Sept. Das Generalkonseil der Deputirten ist vom Großherzoge aufgelöst worden, gleichzeitig wurden Restriktivmaßregeln gegen die Presse veröffentlicht. Jede Publikation eines periodischen Werks oder einer Zeitung kann nur mit Bewilligung des Ministeriums erfolgen. Einzelne Nummern einer Zeitung können wegen gefährlicher Artikel vom Gouverneur und Präfekten mit Beschlag belegt werden. Wer Druckschriften ohne Erlaubniß verbreitet, unterliegt dafür einer Kerkerstrafe von 15—30 Tagen. Der Verkauf verbotener ausländischer Schriften wird mit 15—60 Tagen Kerker bestraft. Ausländer sollen wegen derartiger Vergehen auf ein bis fünf Jahre aus dem Lande verwiesen werden.
Aus den Mittagspoften.
Kassel, 28. Sept. Die N.H.Z. schreibt: Morgen werden, wie eS heißt, 3 Bataillone Infanterie, und zwar vom 2. und 3. Linienregimente, so wie ein Bataillon Schützen hier eintreffen. Daö als StaatS- gefängniß dienende, an der Fulda liegende Kastel, welches unter dem Befehle deS obersten Militärchefs steht und in der letzten Zeit der Strafkompagnie als Kaserne diente, soll ergangener Ordre zufolge schleunigst geräumt werden. Die gedachte Strafkompagnie ist nach Hofgeismar verlegt worden. Außerdem enthält dieses Blatt eine Bekanntmachung des jetzigen Oberbürgermeisters Hartwig über die Nieversetzung des Ausschusses behufs Auszahlung der Staatsbeamtengehalte, und die Mittheilung, daß das Comite sich dem Vernehmen nach alsbald mit andern bedeutenderen Orten des Landes in Verbindung setzen werde, um die Beiheiligung an dem patriotischen Unternehmen möglichst allgemein zu machen. Namentlich dürfte ein Benehmen mit dem in Hanau vom Stadtrathe schon int Juli zu ähnlichem Zwecke niedergesetzten Ausschüsse:c. sogleich erfolgen.
Dessau, 26. Sept. (D. R.) In den Zeitungen kursiren jetzt die verschiedensten Gerüchte über einen Ministerwechsel in Dessau und über Aeußerungen deS Ministers v. Plötz, die derselbe in Berlin gethan haben solle. So soll derselbe Unruhen in Dessau befürchtet und Hilfe in Berlin erbeten haben. Aus guter Quelle können wir versichern, daß der Minister von Plötz weit davon entfernt ist, Unruhen zu besorgen, jedenfalls aber die Ueberzeugung hegt, daß der Regierung genügende Kräfte zu Gebote stehen, um, die Ordnung aufrecht zu erhalten; eventuell würde die Regierung aber auch keinen Anstand nehmen, die mit dankbarer Bereitwilligkeit angebotene Hilfe Preußens anzurufen. Den Mini- sterwechfel betreffend, so ist nur so viel richtig, daß der Minister v. Plötz ganz entschieden gewillt ist, abzutreten, so sehr auch Se. Hoh. der Herzog und der überwiegend größte Theil deS Volkes ihn in dieser Stellung zu erhalten wünschen.
München, 27. Septbr. Wieder hat ein bayerischer Offizier, Oberlieutenant M. Thumser im vierten Jägerbataillon, die erbetene Entlassung aus dem Heeresdienst erhalten und begibt sich nach Schleswig-Holstein.
Hannover, 27. Sept. Morgen wird die hiesige Garnison bedeutenv beurlaubt, auf die Kompagnie 40 Mann, — ein Beweis, daß keine Ueber« schreitung der kurhessischen Grenze stattfinden soll.
Der neue öfter. Gesandte, General v. Langenau, ist hier eingetroffen.
Berlin, 28. Sept. Die Voss. Ztg. sagt: Es sind hier Nachrichten eingegangen, daß auf den Bericht des Lord Cowley aus Frankfurt die äußerste Mißbilligung sowohl der Haffenpflug'schen Politik als der damit verknüpften Vorsätze der Koalition im auswärtigen Amte zu London ausgesprochen worden ist. Es scheint überhaupt, baß, wenn die Koalition in dem offenbaren Bestreben, einen Konflikt mit Preußen herbeizuführen, fortfâhrt, die bisherigen auswärtigen Stellungen sich bedeutend verändern dürften.
Eine Berliner Zeitung hatte die Behauptung aufgestellt, daß die Ernennung deS Herrn v. Rado« Witz zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten ohne Wissen und gegen die Neigung eines Theils des Staatsministeriums erfolgt sei. Hierauf erwidert die Reform; „Die Angregung zu der Wahl ging von Sr. Exzellenz dem Ministerpräsidenten unter Zustimmung sämmtlicher Mitglieder des KabinetS aus, und weit entfernt, daß für letztere die Ernennung eine Ueberraschung gewesen, war dieselbe vielmehr, wie wir erfahren, schon vor längerer Zeit Gegenstand gemeinsamer Derständi« gung und ist jetzt nach ausdrücklich erklärter Zustimmung des ganzen MinisterratheS vollzogen worden".
Berlin, 29. Sept. (Telegraphische Depesche.) Die fünfte und sechste Infanterie-Brigade haben heute Vormittag Ordre bekommen, sich sofort marsch, fertig zu halten.
Rostock, 26. Sept. (Nat. Z.) Der Versuch- den die Abgeordnetenkammer gemacht hat, am 24' d. MtS. dem StaatSgrundgesetz gemäß zusammen* zutreten, ist an hem gewaltsamen Widerstände ber Regierung gescheitert. ES ist nun an den Behörde" der einzelnen Städte, die Sache der Verfassung i" die Hand zu nehmen und sich gegen das vollkommen ungesetzliche Verfahren der Regierung auSzu- sprechen. —
Die hiesige Stadtverordneten-Versammlung hat ebenfalls gegen die Gewaltmaßregeln der Regierung prolestirt. — Auf heute Abend ist eine Volksversammlung ausgeschrieben, worin die Abgeordneten über ihre AuSeinandertreibung in Schwerin berichten werden. Es ist unzweifelhaft, daß auch hier die öffentliche Stimme sich entschieden für das Staats, Grund, Gesetz vom 10. Oktober 1849 aussprechen wird. —
Rendsburg, 26. Sept. In höheren Kreisen will man jetzt hier wissen, daß der Großherzog von Oldenburg auf die ihm angebotene Krone Dänemarks verzichtet habe.
Paris, 27. Sept. Die französische Akademie hat Herrn Guizot zum Direktor und Herrn von Pongerville zum Kanzler erwählt.
General Changarnier will mit dem Luftschiffer Godard eine Luftfahrt machen.
London, 26. Septbr. „Morningpost" erklärt sich in den Stand gesetzt, milzutheilen, daß das Verfabren Schombergs, des Kommandirenden der Dampfschaluppe „Cormorant" an der brasilianischen Küste, der bekanntlich vier Sklavenschiffe weggenommen und die Beleidigung der britischen Flagge durch Zerstörung des Forts, aus welchem auf denselben gefeuert worden, gerächt hat, nicht nur von dem Stationsadmiral und der britischen Admiralität, sondern auch von den Behörden in Rio vollkommen gebilligt worden ist.
Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Boczek.