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Wien, 14. Septbr. -DemSchwâb. Merk." unb| demDreSdn. Journ." wird von hier unter vorstehendem Datum Die folgende Mitthelung: Man sagt, daß Rußland in neuester Zeit einen Kongreß vorgeschlagen habe, an dem auch Preußen Theil nehmen solle und welcher die endliche Feststellung bei deutschen Angelegenheiten bezwecken würde. Oesterreich jedoch will auf keine weiteren Vergleiche mehr eingehen; eS verlangt die einfache Wiederher­stellung des Bundestags und stützt sich dabei auf das Versprechen Rußlands, daß seine Regierung sich durchaus nicht in die innere Reorganisation Deutschlands mischen werde.

S ch w e i z

Neuenburg, 16. Sept. Nach derN. Pr. Z." zirkulirt unter den Royalisten die Copie eines Hand­schreibens des Königs von Preußen in Antwort auf eine Ergebenheilsadresse, welches also lautet:

Ich habe zahlreiche Adressen erhalten, in denen meine getreuen Neuenbnrger, trotz aller Schwierig leiten, die sich an ihre gegenwärtige Lage knüpfen, den Ausdruck ihres Schmerzes niederlegen wollten, den sie über daS Attentat des 22. Mai empfinden. Indem ich Ihnen meine ganze Befriedigung zu er­kennen gebe, ergreife ich diese Gelegenheit, Ihnen meine feste Absicht inS Gedächtniß zu rufen, Sie nicht zu verlassen, sondern, sobald eS die Umstände erlauben werden, eine Gewalt wieder herzustellen, die ich nur zum Besten meines FürstenthumS benützt habe. Ich bin überzeugt, daß Gott, der meine Tage bewachte, mir noch weitere gewähren wird, auch deßhalb, um sie dahin zu verwenden, der Revolution ein Ziel zu setzen, die Euch niederhält. Bleibt also treu in Erwartung Eurer Befreiung, (gez.) Fried­rich Wilhelm. Sanssouci, den .. . Juni 1850. An meine treuen Unterthanen im Fürsten thu m Neuenburg und Valangin.

Frankreich

Paris, 17. Septbr. Es geht heute das Ge- rücht, in Folge des Wiederbeginnens der Feindselig­keiten zwischen Holstein und Dänemark habe die Flotte Befehl erhalten, vorläufig noch in Cherbourg zu bleiben. Die Flucht deS Kurfürsten von Hessen war Veranlassung zu einem Ministerrathe, der gegen vier Stunden dauerte. Unmittelbar danach wurde eine telegraphische Depesche nach Straßburg an General Magnan, den Kommandanten der Ostarmee, abgesendet. Der russische Gesandte Kisseleff hatte heute eine längere Konferenz mit dem Präsidenten. Kurz darauf wurde Perstgny zu demselben entboten und erhielt den Auftrag, sich zur Reise nach Berlin fertig zu machen. Er wird Depeschen in Bezug auf die jüngsten deutschen Angelegenheiten mitneh- men und einen Tag in Hannover verweilen.

Gestern Abend sind zwei Attaches deS Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten, der eine nach Berlin, der andere nach Wien abgereist, wohin sie dem Vernehmen nach wichtige Depeschen und In­struktionen in Bezug auf die schleswig-holsteinische und die kurhessische Frage für die französischen Lega- tionen tragen.

Man spricht viel von einer wichtigen Devesche, welche der Minister der auswärtigen Angelegenhei­ten, General de la Hitte, an den französischen Ge­sandten in Turin, Hrn. Ferdinand Barrot, gerichtet hätte, um demselben den förmlichen Auftrag zu er­theilen, auf die sofortige Freilassung des Erzbischofs zu dringen. Herr Sentis, der französische Con- sul zu Pernambucco, welcher, wie wir unlängst be­richteten, in ernste Händel mit den brasilianischen Behörden verwickelt worden, ist in Paris ange- fommen.

Man spricht von einer neuen bonapartistischen Gesellschaft, die den Namsn :Verein vom 15. Au­gust" (Namenstag Napoleon's) führen und noch entschiedenere Tendenzen, als die Gesellschaft vom zehnten Dezember haben soll. Während die Dezem­bristen in der Regel bloß:Es lebe der Präsident! Es lebe Napoleon"! rufen, sollen die Mitglieder jenes Vereins ganz unumwunden den Ruf:Es lebe der Kaiser! Nieder mit den Weißen! Nieder mit den Republikanern" ! angenommen haben. Man setzt hinzu, daß dieser Verein in der Nähe der Bar­riere de l'Eioile seine Zusammenkünfte hält, seinen politischen Zweck unter dem Aushängeschild einer

von gegenseitiger Assekuranz-Gesellschaft, die Militärische Familie" genannt, verbirgt und sich deMderS in der Armee Anhänger zu erwerben sucht. Alle bei Gelegenheit der Reise deS Präsi-

Drr ^publik in Straßburg, Belfort und Muhlhausen verhafteten Personen, die als Theil­nehmer an Verschwörungen und selbst Attentaten angeklagt worden waren, sind in Freiheit gesetzt worden. .

Italien.

Turin, 13. Sept. Ein Regiern ngsdampsschiff überbringt Hrn. Pinelli sein Rückberufungsschreiben.

Auf der Insel Sardinien soll der Erzbischof von Cagliari den Kirchenbann über König und Minister ausgesprochen haben und die Bevölkerung in großer Aufregung begriffen seyn. Bedeutende militärische Verstärkungen sind dahin geschickt worden.

A tu e r i k a

Vereinigte Staaten. In Betreff der Hinrich­tung deS Professors Webster erfährt man, daß die­selbe, dem Landesgebrauch gemäß, im Geheimen statlfand und daß sich Webster dabei eben so gezie­mend als gefaßt benahm, auch Reue über sein Ver­brechen ausdrückte.

Jenny Lind war am 1. September in New- Nork angekommen; der Zulauf, um sie zu sehen, war ungeheuer.

Aus den Ntittagsposten

Frankfurt, 19. Sept. (Fr. I.) Der BundeS- tag soll sich allerdings geneigt zeigen, in Kurhessen einzuschreiten, fordert aber ganz bestimmt formulirte Anträge von Seiten der kurhesstschen Regierung, und der Vortrag, welchen Herr Hassenpflug vorgestern in derselben gehalten hat, soll überaus verworren gewesen seyn. Man meint nämlich, es handle sich in Kurhessen um die Wahrung der monarchischen Autorität gegenüber der Volkssouverânetät, und will gegen eine Steuerverweigerung einschreilen, die be­kanntlich gar nicht stattgefunden hat. Unterdessen ist man sowohl in München als in Hannover im­mer noch genöthigt, der öffentlichen Meinung irgend eine Berücksichtigung zu schenken und bedenkt sich sehr, eine bewaffnete Jnrervention auszuführen, die einer, seits gar keinen Grund hat, andererseits unbedingt eine Kollision mit Preußen hervorrufen würde. Wie wir hören, verläßt der kön. preußische Geschäfts­träger, Herr v. Thiele, Kassel und wird in diesen Tagen hier eintreffen.

Kassel, 19. Sept. Das heule ausgegebene 15. Stück der Gesetzsammlung enthält folgende Verord­nung vom 17. September 1850, die Verlegung deS Sitzes der Regierung nach WilhelmSbad betreffend. Von Gottes Gnaden Wir Friedrich Wilhelm der I., Kurfürst 2c. thun kund und zu wissen: Der die Pflichten deS Staatsdienstes gröblich verletzende Widerstand der meisten Unserer oberen Staatsbe­hörden in Kassel gegen Unsere verfassungsmäßigen Verordnungen vom 4. und 7. diesen Monats ver­anlaßt UnS, da eS sich mit der Würde Unserer Regierung nicht vereinbaren läßt, daß dieselbe mit wiederstebenden untergeordneten Behörden an einem und demseben Orte verweile , so lange diese Behörden nicht zu ihrer Pflicht zurückgekehrt sind, über den Sitz Unserer Regierung anderweite Verordnung zu treffen. Wir werden es Unsere ernste Sorge sein lassen, den Gang der StaatSge- schäft ungestört zu erhalten und vertrauen dem ge­setzlichen Sinne Unserer Unterthanen , daß sie UnS in Unseren auf die Erhaltung der Landes­verfassung und der dieselbe wesentlich bedingen­de , monarchischen Regierungöform, sowie aus die Aufrechterhaltung eines zur Führung Unserer, wie überhaupt jeder Regierung unumgänglich erforder­lichen, gesetzlichen. Zustandes gerichteten Bestrebun­gen unterstützen werden. Die zur Handhabung der Gesetze und insbesondere der Ordnung des Staats­dienstes erforderlichen Maßregeln werden Wir ohne Verzug ergreifen und wollen Unsere sämmtlichen Behörden und Staatsdiener hiermit ausdrücklich an ihre Pflicht erinnern, sowie vor den unvermeidlichen Folgen des Widerstandes gegen Unsere verfassungs­mäßige Anordnung ernstlich verwarnen. Wir ver­ordnen hiernach auf den Antrag Unseres Gesammt- slaatsministeriumS: der Sitz Unserer Regierung ist nach Wilhelmsbad verlegt. Urkundlich Unserer aller- höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrückten SlaatSsiegels. WilhemlSbad, am 17. Sept. 1850. Friedrich Wilhelm. (St. S.) vdt. Hassenpflug, vdt. Haynau. vdt. Baumbach. (Auögegeben zu Kassel am 17. Sept. 1850.)

Das erste Bataillon des Garde-Regiments ist heute nach Wilhelmsbad abgegangen. Die Haupt­staatskassenbirektion hat die Mittel beschafft, auch die zweite Hälfte der Gehalte und Löhnungen für Sep­tember zahlen zu können.

Dessau, 16 Septbr. Die Regierung hat die VerpflegungSforderung der schleswig-holsteinischen Statthalterschaft und zwar vollständig ausgezahlt. Der Minister, Hr. v. Plötz, hat seine Entlassung eingegeben und als seinen Nachfolger nennt man den preußischen Abgeordneten, Herrn von Kleist- Netzow.

Detmold, 17. Sept. Seit dem 20. August zirkulirt unter den Mitgliedern des seitdem geschlos­senen Landtags eine Petition an fürstl. Regierung um baldige, wenigstens theilweise Auszahlung der den Herzogthümern Schleswig-Holstein für Verpfle­gung lippischer Truppen schuldigen 14000 Thlr.

Braunschweig, 16. Sept., Mittags. (Magd. Ztg.) Aus zuverlässiger Quelle wird mir mitge-

theilt, (auch fängt die Nachricht bereits an, sich im Publikum zu verbreiten):Nachdem der Herzog sich entschieden geweigert hatte, den preußisch-dänischen Frieden zu ratifiziren, begab sich gestern Nachmit, tag das Ministerium nochmals zu Seiner Hoheit nach Richmond, und hat nunmehr seine Demission eingereicht". Ob die Demission angenommen, ist nicht bekannt. DaS Gerücht trägt sich mit einem Ministerium unter dem Vorsitz CampeS, ja speziell mit einem Ministerium Campe-Koch-Pini. Ist die Nachricht begründet, so erscheint zugleich eine ent­schiedene Aenderung der bisherigen Politik als ge­wiß. DaS Ganze ist indeß eben so plötzlich, als unerwartet und überraschend gekommen. Eine andere Nachricht sagt, daß daS Ministerium auch für den Fall abtrelen wolle, daß eine Aenderung der Politik überhaupt in Folge der Nichtratifikalion eintreten solle.

Oldenburg, 17. Sept. (Weser-Ztg.) Die Re­gierung hat die Zahlung einer Abschlagssumme von 10.000 Thaler auf die Forderung der Statthalter­schaft verfügt.

Rendsburg, 16. Septbr. (H. N.) Beider Armee ist nichts von Bedeutung vorgefallen. Ge­stern Mittag haben Patrouillen vom 10. Bataillon einige wenige Schüsse mit seindlichen Patrouillen in der Gegend von Kropp gewechselt. In der Ge­gend von Friedrichstadt, daS von den Ilnsrigen ge­nommen sein sollte, hat ein Zusammentreffen überall nicht stattgefunden.Der seit länger hier weilende nassauische Oberst a. D. v. Breidenbach-BürreSheim ist bei dem Generalstabe als Oberst aggregirt. Derselbe ist ein sehr tüchtiger Offizier und ein trefflich ge­sinnter Mann. Er hat bereits während der Be, sreiungskriege in zehn Schlachten mitgefochten.

Rendsburg, 16. Sept. Der als militärischer und politischer Schriftsteller bekannte, ehemals preu­ßische Offizier, Hr. H. v. Hasenkamp, ist hier als Hauptmann bei dem 11. Jnfanteriebataillon in die schleswig-holsteinische Armee eingetreten.

Wien, 16. Sept. (F.Z.M.) Haynau ist ge­stern hier angekommen und im GasthofZum wil­den Mann" abgestiegen.

Wie früher für Ungarn, so ist jetzt auch für Wien dieKöln. Ztg." verboten worden.

Wien, 17. Sept. (Tel. Dep.) Die heutige Wiener Ztg. bringt eine ministerielle Verordnung, wodurch den ungarischen und siebenbürgischen, durch den Wegfall von Roboten und UnterthanSgelblei- stungen verkürzten Grunrherreu Vorschüsse aus der Staatskasse angewiesen werden.

Paris, 17. Sept. Der Präsident der Repu­blik soll mit der gestrigen Note imMoniteur", wodurch die Nachrichten von Unterhandlungen mit Belgien -über eine Zollvereinigung widerlegt wur­den, sehr unzufrieden sein. Der Handelöminister Dumas hat dieselbe, wie versichert wird, auf eigene Hand einrüden lassen. Die thatsächliche Richtigkeit der Note ist indessen außer Zweifel.

Mehrere der Fusion feindlich gesinnte Orleani« sten haben sich gegen Ludwig Bonaparte für die Verlängerung seiner Gewalten für 2 oder 3 Jahre ausgesprochen, wenn derselbe sich nicht ver­pflichten wolle, später keine Ansprüche mehr zu machen.

Die französische Regierung hat, in der Absicht die griechische SuccessionSfrage zu ordnen, eine Note an die verschiedenen Großmächte ergehen las, sen, um dieselben zu einer Konferenz in dieser Angelegenheit aufzufordern. Lord Palmerston soll auf diese Note mit der Erklärung geantwortet ha­ben, baß, was England anbclange, kein Grund vorhanden sei, sich jetzt schon mit dieser Angelegen­heit zu beschäftigen.

DaS zu Cherbourg versammelte Geschwader wird vor der Hand seinen Aufenthalt im Canal fortsetzen. Der Marine, minister hat durch den Te­legraphen den Befehl geschickt, daS Geschwader mit den nöthigen Vorräthen zu versehen.

Rom, 11. Sept. (Tel. Dep.) Ein Dekret regelt daS Ministerium wie folgt: Inneres, Justiz, Finanz, Handel, Ackerbau, Industrie, schöne Künste, öffent­liche Arbeiten, Krieg. Staatssekretäre: ein Kardinal, jede ausländische Angelegenheit muß im Einver- ständniß mit dem SlaatSsekretariate behandelt wer­den. Ein zweites Dekret organisirl die StaatSkon- seilS ^mil 9 ordentlichen und 6 außerordentlichen Räthen, mit einem Kardinal an der Spitze.

In China ist die Cholera auSgebrochen und der Gouverneur von Macao soll bereits daran ge­storben sein.

Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Boczek.

Eingegangene Gaben für den Neubau der evangelischen Kirche.

Von Hrn. Chabert 150 Guide». Von einer Ungenannten

100 Francs. Schultz.