Dänen besetzt ist, darüber widersprechen ft* die Nachrichten; jedenfalls liegt der Hafen voll dänischer Schiffe (man hat 3 Dampfschiffe, 3 Kanonenboote, 1 Fregatte und ein Linienschiff gesehen), welche die Stadt in den Grund schießen würden, wenn die SchleSwig-Holsteiner sie besetzten. „An den Dänen hat eS nicht gelegen, schreibt man den Hamburger Nachr., wenn die Gefion noch cristirt; daS so freund- lich in'Brand geschossene Holzlager hat daS ganz nahe davor liegende Schiff förmlich gebraten und die Besatzung ist dem Schicksal des heil. Laurentius kaum entgangen. Der Kommandant soll eine Esta, fette nach Berlin geschickt haben. Man wird dort zu spät bedauern, die Gefion nicht zu rechter Zeit in den Kieler Hafen geborgen zu haben. Ohne Zweifel wird aber der Major Etzel zu energischen Vorstellungen in Kopenhagen ermächtigt werden, und diese werden unfehlbar den tiefsten Eindruck machen." Der Altonaer Merkur meldet sogar, die Gefion sey nur dadurch gerettet worden, daß eS ihr bei dem zufällig hohen Stande des Wassers möglich gewesen, sich etwas von dem Orte zu entfernen, an welchem sie früher gelegen hatte.
(Eine nach Frankfurt gekommene telegraphische Privatmittheilung soll melden, daß die Schleswig- Holsteiner bei dem Versuche, die Schlei zu überschreiten, zwischen ein Geschütz-Kreuzfeuer gerathen seyen, welches di? Dänen aus einem Hinterhalt eröffnet hätten.)
* Kiel, 14. Sept. In der heutigen Sitzung der Landesversammlung machte der Departements- chef Franke über die Gefechte vom 12. und 13. dieses Monats eine umfassende Mittheilung: Am Schluß derselben heißt cs: Ueber den Verlust an Todten und Verwundeten, der nicht ganz unbedeutend zu sein scheint, sind noch keine offiziellen Listen eingegangen. Der feindliche Verlust ist nach der Schätzung des Generals bedeutend größer als der unsrige. Die Armee hat erneuertes Vertrauen zu ihren Kräften gewonnen, und sieht freudig neuen Kämpfen entgegen.
Wien, 11. Sept. Der Herzog von Bordeaux ist sammt Gemahlin nach Frohsdorf geeilt, weil dem Vernehmen nach dort eine Seelenmesse für den verstorbenen König Ludwig Philipp abgehalten wird. Die Umgebung des Herzogs scheint seit dessen Rückkehr von Wiesbaden mehr als je voll von Hoffnung für die Zukunft desselben, zu sein. In der Begleitung deS Herzogs befanden sich der MarquiS de Pastoret, ein Sohn des vormaligen Kanzlers von Frankreich, und der ehemalige Erzieher des Herzogs, Herr Barrand, welche beide daS vollste Vertrauen des Fürsten besitzen. Der Herzog von Lewis hat die Ankommenden in Frohsborf empfangen. —
Wien, 13. Sept. (O. C.) DaS provisorische Gesetz bezüglich der politischen Organisation deS KronlanbeS Ungarn steht auf dem Punkte veröffentlicht zu werden. Die Verwaltung des KronlandeS wird ein zu Pesth-Ofen rcsibirender Statthalter leiten. DaS Land zerfällt in 5 Distrikte : Pesth, Preßburg, Oedenburg, Kafchau und Großwardein, die von Distriktsobergespanen geleitet werden. Die alte Komitatseintheilung wird beibehalten; jeder Distrikt umfaßt eine entsprechende Anzahl von Ko- milaten. Die unterste Stufe der politischen Administration bilden die sogenannten Stuhlgerichte.
Wien, 11. Sept. Ueber das Verhältniß des Grafen Goluchowsky (LandeSchef von Galizien) zum Ministerium kreuzen die wunderlichsten Gerüchte. Man sagt sogar, daß schon ein Bruch erfolgt sey, da die dem Kaiser zur Sanktion vorgelegte Landes- Verfassung Galiziens nicht mit den Ansichten Golu- chowsky's übereinstimmen und er sie als dem wahren Volkswohle entgegenstrebend betrachtet, daher auf seinen Posten resigniren will. Man nennt schon die Candibaten: Lazancky, Emminger, Bach und Ethel, von denen einer zum Nachfolger bestimmt sein soll. —
Die Verschmelzung der ungarischen Alt-Con- servativen mit der vormärzlichen OppositionS-Partei scheint trotz aller Gerüchte doch nicht in so naher Aussicht zu stehen. Die Bestrebungen der ersten, Deal als Haupt der Vereinigung zu gewinnen, find total gescheitert, und so dürfte auch daS zu veröffentlichende Programm unterbleiben.
nmtliS"'^3, T^br. DaS heutige Blatt der kckes Zeitung" bringt ein provisori- Ges/k welckeS Stettsgebiet verbindliches
welches Kalender, Svlelkarten mm Me ^nr stehörige Zeitungen und öffent- liche Anruttdigungen, bestimmten Gebühren die grvßtenlheilS mittels Aufstempelung entrichtet we!- den, unterzieht. — Die „JnSbrucker Zeitung" will wissen, daß im Oktober d. J. bet Bllaiernna«, ftslno in Wien aufgehoben werde, jedoch 'das Waf- fkiiverbot noch länger fortbauere.
Frankreich
Paris, 15. Sept. Die Gesellschaft „Dir De- zembre" läßt eine Petition unterzeichnen, worin sie beantragt: l) Verfassungsrevision ; 2) die Präsidentschaft aufzehn Jahre für Ludwig Napoleon; 3) eine Civilliste von 6 Millionen Fr. jährlich; 4) die Residenz in den Tuilerien. — Man spricht viel von einer Reise deS Grafen v. Chambord einerseits und des Prinzen v. Joinville und Herzogs von Aumale anderseits, auf welcher diese Prinzen sich in einer neutralen Stadt begegnen sollten.
Die Königin Marie Christine von Spanien, deren baldige Ankunft angekündigt ist, hat die Absicht geäußert, mehrere ihrer Besitzungen in Frank« und namentlich ihr hiesiges Hotel (in der Courzellesstraße) zu veräußern. Sie wird sich auch nach Belgien begeben, um der Familie Orleans einen Besuch abzustatten. — Die legitimistischen und orleanistischen Zeitungen bestätigen heute die von „Siecle" gegebene Nachricht von einer Ausgleichung zwischen den beiden bourbonischen Linien noch nicht. DaS Gerücht von der Wiederaufnahme der Unterhandlungen über einen Zollvertrag zwischen Frankreich und Belgien wird amtlich widersprochen. —
Es heißt, daß L. Napoleon, der bett' Rest der schönen Jahreszeit hi, durch im Schlosse von St. Cloud residiren wird, nächstens für mehrere Tage große Jagden in den Forsten von Compiegne, Rambouillet und Fontainebleau abhalien werde, wozu er mehrere Engländer von Rang Ungeladen habe. Lord Douglas, ein Verwichdter des Präsidenten, soll ihm eine Meute der trefflichsten Jagdhunde zugeschickt haben.
Gestern war großer Empfang im Elysee und heute ist Ludwig Napoleon von St. Cloud ab# gercis't. —
Aus dem Elsaß, 13. Sept. Von den beut# schen Flüchtlingen in der Schweiz sind in den letzten Wochen wieder mehrere durch unsere Provinz gezogen, um sich nach Havre zur Einschiffung nach Amerika zu begeben. Der Aufenthalt im Elsaß ist allen streng verboten. Raveaur's GesundheitSum- stände haben sich noch immer nicht gebessert.
Großbritannien.
London, 14. Sept. Der Herzog von Wellington wurde gestern beim Ausfahren umgeworfen, indem die an seinem Wagen gespannten Pferde scheu geworden waren; glücklicherweise wurde er nicht verletzt. Nachrichten aus Rio de Janeiro zufolge, verlangt Rosas von Brasilien 200,000 Dollars für angeblich geraubten £mbeis#r4m~»SSi^et^ droht er mit Krieg. — In Canada werden vie Desertionen unter den britischen Truppen immer häufiger.
Italien.
Turin, 11. Sept. Hr. Pinelli ist im Begriff, Rom zu verlassen, oder befindet sich vielleicht bereits auf dem Rückwege. In der letzten Depesche, welche die Regierung von ihm erhalten, ist der Entschluß seiner Abreise von Rom ausgesprochen. Es wird auf daS bestimmteste versichert, daß die Mission deS Hrn. Pinelli völlig mißlungen sei.
Der Papst hat in einem Privaibricfe dem Ritter Pinelli erklärt, nicht eher mit ihm in Unterhandlungen treten zu können, alS bis Seitens der sardinischen Regierung daS Gesetz Siccardi aufgehoben und Erzbischof Fransoni seiner Haft entlassen jey; biS dahin betrachte er Pinelli nur als Privatmann und könne ihm nur in dieser Eigenschaft Audienz gewähren. Pinelli hat einen Courier nach Turin gesendet. Die Entschließungen der Regierung sind noch nicht bekannt. Das Ministerium wünscht dringend Ausgleichung.
Aus den Mittagspoften.
Frankfurt, 17. Sept. Der Kurfürst von Hessen hat dieß Mal gleich nach seiner Ankunft in unserer Stadt dem älteren Herrn Bürgermeister und dem Stadtkommandanten die förmliche Anzeige machen lassen, daß er hier angekommen sey, worauf zahlreiche Patrouillen vorgestern und gestern Abend die Umgegend der kurfürstlichen Wohnung durchzogen. Gestern Abend 7'/2 Uhr hat der Kurfürst unsere Stadt wieder verlassen und sich Wahlschein, lich nach Philippsruhe oder Wilhelmsbad begeben.
Frankfurt, 18. Sept. Das Räthsel des kurhessischen Regierungssitzes scheint sich zu lösen. Nicht Bockenheim, nicht Hanau, sondern Wilhelmsbad wird mit demselben beglückt werden. Der Kurfürst hat sich daselbst im sogenannten Fürstenbau ctablirt. Haynau und Baumbach waren dort schon heimisch, als auch gestern Nachmittag mit einer schwer bepackten Chaise der unvermeidliche Hassenpflug ein# traf. Derselbe suchte alsbald um eine Audienz nach, mußte übrigens warten, bis Se. kgl. Hoh, gespeist hatte. Der Bahnhof von WilhelmSbad ist von einem
Piket Truppen besetzt und im Bade selbst eine ganze Kompagnie stationirt, deren Sack und Pack auf der Straße bereit liegt.
Hanau, 17. Seplbr. Der Kurfürst von Hessen traf gestern Abend in WilhelmSbad ein, wo er in dem sogenannten Fürstenhaus abstieg. Wie eS heute heißt, wird der Kurfürst vorerst daselbst residiren und WilhelmSbad soll eine ziemlich starke Garnison erhalten. Die Residenz soll indessen in unsere Stadt selbst verlegt werden und eS wird bereits daS geräumige Schloß in Bereitschaft gehalten. —
* Darmstadt, 17. Sept. Im Wahlbezirk Hom- berg-AlSfcld ist Assessor Lichtenberg als Abgeordne- lcr zur ersten Kammer gewählt worden. Durch diese Wahl hat nun die demokratische Partei auch in der ersten Kammer die Mehrheit.
Karlsruhe. In der Deutschen Reform wird der Mittheilung der Köln. Zlg., daß eine Verminderung der preußischen Truppe» in Aussicht stelle, mit dem Bemerken widersprochen', daß daran „für die nächste Zeit nicht zu denken ist."
Kassel, 16. Sept. DaS Garderegiment, ein Husarenregiment und, wie eS heißt, auch daS Leib, regiment haben Befehl, nach der Provinz Hanau zu marschiren. Nach dem Wortlaut der an den „Oberbefehlshaber" gelangten Ordre soll sich die Handhabung deS KriegS-ZustandeS „auf die Aufrcchlhal tung der gesetzlichen öffentlichen Ruhe und Ordnung beschränken."
Kassel, 16. Seplbr. DaS vom Herausgeber der „Neuen Hess. Zeitung" unterm 9. d. MtS. erwirkte unbedingte Mandat gegen die bekannten mi« litârischen Gewaltmaßregeln ist nicht ohne Weiteres befolgt worden, vielmehr hat der Staatsanwalt im ParitionStermine dagegen Einwendungen vorbringen müssen. Dieselben stützen sich hauptsächlich auf die behauptete RechtSgültigkcit der Verordnung vom 7. September und schließen mit der Bitte um Zurückziehung deS Mandats. DaS Obergericht hat diesen Antrag jedoch durch Bescheid vom heutigen Tage verworfen und daS Mandat einfach bestätigt, unter Bestimmung einer 24ftünbißen Frist zur Befolgung.
Berlin, 16. Seplbr. General v. Radowitz ist nach Erfurt abgereist, um seit langer Abwesenheit wieder einige Tage bei seiner Familie zuzubringen.
Berlin, 16. Sept. Der König hat vorgestern in einer Privataudienz daS Schreiben entgegeuge« nommen, durch welches Herr v. Porbeck als groß- herzoglich badischer Bevollmächtigter bei ihm be« gläubige wird; gestern ist er zu den Manövern der 5. Division nach Müncheberg abgereist.
Die Hainb. Nachrichten melden, daß der Kriegsminister auf telegraphischem Wege die nöthigen Befehle zur Zusammenziehung und Verstärkung der Truppen an der hessischen Grenze — ertheilt habe und daß definitiv beschlossen sei, eine fremde Intervention in Hessen nicht zu dulden.
Schwerin, 16. Sept. (Telgr. Dep.) DaS Urtheil deS Schiedsgerichts ist heute publizirt. DaS StWUSgrunbgesetz ist aufgehoben und die Beamten sind ihres Eiden entbunden.
Oldenburg, 15. Septemb. (Reise reS Groß« Herzogs). Morgen wird der Großherzog auf einige Tage von hier abreifen und mit seinem Neffen, dem Prinzen Peter von Oldenburg in Rehme Zusammentreffen. Vermuthlich wird sich dort auch der vom Bade EmS zurückk beende Erbgroßherzog einfinden. Daß eine persönliche Besprechung über die dänische SukzessionSfrage der wesentliche Zweck der Zusammenkunft sein wird, errath sich leicht.
Ob in dieser Sache von den Unterzeichneten deS Londoner Protokolls überall schon offizielle Anfragen oder Aufforderungen hierhergelangt sind, davon weiß man hier nichts. UebrigenS geben wir keineswegs die Hoffnung auf, daß die bekannt» deutsche Gesinnung unseres Fürstenhauses mit einem entschiedenen Schritte daS rechtswidrige diplomatische Gewebe zerreißen werde, und diese Hoffnung stärkt unS mehr alS die Gewißheit, daß die Großmächte auf ein unbedingtes diesseitiges Eingehen in ihre Absichten nicht werden rechnen können.
Altona, 15 Sept. Das 5. und 7. Bataillon, welche gestern nach Friedrichstadt auSgerückt sind, waren gestern Nachmittag nach einem Briefe von dort in Erste eingelroffen, um sich von da nach Süder- und Norderstapel zu bewegen und Friedrichstadt anzugreifen. Details über diese Bewegung kennt man noch nicht.
9k a ch s ch r i f t.
* Wiesbaden, 18. Sept. Privaibricfe melden von einem- großen Brand in Elz. An 100 Gebäude sollen vom Feuer verzehrt und zwei Kinder in den Flammen umgekommen sein.
Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Boczek.