Einzelbild herunterladen
 
  

lenbura-Sckwerin für verbunden erachtet ist, dem Landes-Erbvergleiche vom Jahre 1755 gemäß noch in diesem Herbste einen Landtag auszuschreiben. Durch diesen Richterspruch, gegen welchen nach der mecklenburgischen Patent Verordnung vom 29. Nov. keine weitere Berufung statiftndct, ist die Frage definitiv entschieden. Die umfangreichen Enlschsi- diN'gsqründe sollen, wie wir Horen, mit dem Uri sofort in Rostock gedruckt werden, sie werden daher r .hr bald Jedermann zugänglich sein. Sie schließen mit der ausdrücklichen Bemerkung, daß alles in der Sache Ausgesprochene auf dem einmüthigen Be­schlusse aller drei Schiedsrichter beruht. Der großh. Kommiffarius reiste sofort nach der Publikation des Urtels wieder ab, die ritterfchafilichen Depulirten folgten ihm am Nachmittage und heute haben nun auch die drei Schiedsrichter den hiesigen Ort, wo sie über eine Woche verweilt, wieder verlassen.

Stettin, 13. Sept. (St. Ztg.) Nachdem die neue Festung, die zur Erweiterung der Stadt ge- baut wurde, bis auf kleinere Arbeiten vollendet ist, wird sie heute Mittag um 12 Uhr feierlich ein» geweiht.

Wien, 12. Septbr. Ein Beamter aus dem Kriegsministerium, Frhr. v. Pfetter, ist in einer mi­litärischen Mission nach München abgegangen, wie man vermuthet, bezüglich der der hessischen Regle- rung zu leistenden BundeShülfe. In den übrigen großdeutschen Staaten kann kein Mann Militär enthehrt werden; auS Oesterreich kann man auch nichts herausziehen, da die inneren Zustande mit jedem Tage fabelhafter sich gestalten; so ist Bayern der einzige Anker der Reichs- und BundeSerckuiion geworden.

Hier kursirt folgender VolkSwitz: ES wird ge­fragt, warum Haynau nach London gereist sey und darauf geantwortet:Weil Haynau in Ungarn sei­nen Glanz verloren, sey er nach Loudon gereist, um sich dort wichsen zu lassen.

Wien, 12. September. ES gewinnt immer mehr den Anschein daß man sich mit Preußen direkt zu der Verständigung neige, zu welcher England und Rußland rathen. Dem Vernebmen nach hat der Kaiser .gleich nach dem Eintreffen der ersten Londoner Depesche dem Baron Haynau ein Bei­leidsschreiben mit einem Adjutanten übersendet. Se. Maj. wird am 18. hier zurückerwartet. Auch soll der Ban im Lauf der nächsten Tage auS Agram hier eintreffen.__

Fr a U kre i <Ä

Waris, 13. Septbr. DerSiècle" beschreibt folgendermaßen einen Auftritt der sich vor der An­kunft des Präsidenten, gegen neun Uhr, in der Straße du Havre (in der Nähe deö Rouener Bahn­hofs) zugetragen haben soll: Die vorbeiziehenden Truppen wurden von der stets zunehmenden Menge mit lebhaftem Rufen:Es lebe die Republik! Es lebe die Verfassung!" empfangen. Einige Gruppen von 10 bis 12 Personen, die in Blousen gekleidet waren, riefen:ES lebe Napoleon!" schienen aber, da sie sich vereinzelt sahen, nur schüchtern ihre Rolle auszuführen. Endlich um neun Uhr erschien daS Cavallerie-Detachement, daS zur Eskorte des Präsidenten bestimmt war, und hinter ihm eine Menge von Blousenmännern, worin man im Pu­blikum daS Armeekorps der Gesellschaft vom 10. Dezember erkennen wollte. Bald darauf wurde die Straße du Havre zum Schauplatze einer Art von Erneute, wobei die erwähnten Blouseumânucr die Hauptrolle spielten und die einen Augenblick so­gar das Schließen der Läden zur Folge hatte. Der Ruf:Es lebe Napoleon!" ertönte von allen Sei­ten und wurde von dem Rufe:Nieder mit den Rothen und Weißen!" begleitet. Wenn es einer wagte, mit dem Rufe : ES lebe die Republik!" zu antworten, so wurde er angefallen, umhergestoßen und mit Fußtritten, Faustschlägen und Stöcken fort­geprügelt. Der Ruf:Nieder mit der Republik!" gesellte sich dabei zu dem Rufe:ES lebe Napo­leon!" Die Pollzeisergenten gingen unterdessen ruhig in der Menge auf und ab und schienen gar nicht den Auftrag zu haben, dergleichen Auftritte zu verhindern. Von 10 Uhr ab fährt der ,,Steele" fort - hätten sich die Blousenmänner an die.Punkte begeben, durch welche der Zug deS Präsiden en kommen mußte, worauf eS ruhig ae- worden sey nur daß hie nnd da einige heftige Zankereien staltgefunden, alS man im Publikum mitunter den Ruf:Es lebe Napoleon!" auSge-

Präsident hat sich übrigens heute im Ministerium entschieden gegen diese Demonstra- tionen ausgesprochen.

Paris, 14. Sept. Der Siecle versicherte heute Morgen, daß die gestern von ihm gegebene Nachricht über die Versöhnung der beiden Bourbonenlinien sich bestätige, und da man diese als eine vollendete Fläche betrachten dürfe. Gestern soll dieses po- litische und Familienereigniß in dem Faubourg St. German, und bei einigen finanziellen Notabilitäten zu einer förmlichen Feier Anlaß gegeben haben. '

Man schreibt auS Havre von 13., daß daselbst am 12. große Aufregung an dem Pariser Eisen­bahnhofe herrschte, indem daS Gerücht verbreitet war, der General Haynau sei angekommen, und im Begriff nach Paris zu reisen. Eine Masse Leute hatten sich versammelt, die einen ältlichen Mann ' von militärischem Aussehen, mit langem Schnulbart bedrohten, indem sie riefen: eS ist der österreichische Schlächter! der Frauen peitschen ließ. Glücklicher Weise stellte eS sich jedoch noch zeitig genug heraus, daß die bedrohte Person keineswegs Haynau, sondern ein amerikanischer General, Na- menS Santa Cruz sei. AehnlicheS begegnete einem von Caen nach Havre reifenden Manne, der nur mit genauer Noth den Demonstrationen ä la Hay­nau entging.

In Paris war heute früh vaS, wie man jedoch später erfuhr falsche Gerüchte von dem Tod Men- dizabalS verbreitet.

Der amtliche Moniteur bestätigt heute die Nachricht, daß der Präsident der Republik die be­sprochene Reise in den Süden nicht unternimmt, mit dem Beisatz, daß die vorgerückte Jahreszeit eine dritte Reise unmöglich mache.

Mehrere bei dem Einzuge des Präsidenten von den Dezembristen mißhandelte Personen haben An­klagen bei dem Prokurator der Republik niederge­legt. Der GeneralstabSosfizier der Nationalgarde Herr von Menziauz soll sich unter ihnen befinden.

Spanien.

Madrid, 8. Septbr. DerHeraldo" gibt folgendes Resultat über die stattgehablen Wahlen: Konservative 290; Progrcsststen 14; doppelt (kon­servativ) Gewählte 19; doppelt (progressiv) Ge­wählte 1. Unbekannte und streitige Wahlen 25. Die inoderirte Opposition, die bei den letzten Wah­len 44 Kandidaten durchgebracht hatte, hat dieses Mal keinen einzigen Vertreter.

Italien.

Florenz, 9. Sept. Der Senator Nikolaus Lami ist zum Minister der Gnaden und Justiz, der RegierungSrath Johann Bologna zum Kultusmini­ster ernannt worden. (Statuts.)

Aus den Mittagsposten.

G Frankfurt, 17. Sept. Der Bundestag scheint bis jetzt noch keine Entscheidung in der ikurhessischen Angelegenheit getroffen zu haben. In den letzten Mittheilungen der kurhessischen Regierung über die Sachlage hat man versucht, die dermaligen kurhes- sischen Verhältnisse als eine Folge demokratischer Organisationen darzustellen und insbesondere her­vorzuheben , daß der Kriegszustand zur Verhinde­rung einer großen Volksversammlung verhängt worden sei, von der man fürchtete, eS könnten sich die Vorgänge auf derPfingstweide" wiederholen. Ich kann Ihnen namentlich über den letzten Punkt auS bester Quelle die Versicherung geben, daß seit Monaten an die Abhaltung einer Volksversamm­lung bei Kassel und überhaupt in Kurhessen nicht gedacht worden ist.

Darmstadt, 16. Sept. Abends 6'/, Uhr. So« eben sind F e.n bt, F. O. Sche n.k, Redakteur, und Buchdrucker Schild von Gießen der Anklage we­gen desoffenen Briefes" von den Geschworenen freigesprochen worden. DaS auf der Straße zahlreich versammelte Volk empfängt den von GenS- darmen in einem Fiaker nach dem Arresthause be­gleiteten Fendt mit lauten Lebehochs.

Kassel, 16. Sept. (Tel. Dep. d. Köl. Zlg.) Die Ministeranklage beim OberappellationSgerichte ist noch unerledigt. Generallieutenant Bauer fun- girt noch als Oberbefehlshaber. Weitere Regie­rungsschritte werden vorerst abgekartet. Hier wal­tet ungestörte Ruhe.

Dresden, 14. Sept. Der König, eben erst auS Bohmen von einer Zusammenkunft mit dem Kai, ser von Oesterreich zurückgekehrt, ist heute nach Bayern abgereist.

Berlin, 14. Sept. (D. Ref.) Die kurhessische Regierung hat den Ort Bockenheim zu ihrem Sitz erwählt. Da diese Wahl eine besondere Bedeutung durch die Thatsache zu gewinnen scheint, daß sich tn Bockenheim ein Bataillon preußischer Truppen befand, so halten wir eS für wichtig, daß nach einer unö so eben zugegangenen Nachricht, die diesseitige Regierung jenem Bataillon den Befehl ertheilt hat, sich aus Kurhessen z u r n ckzu zi eh e n und sich, sei eS nach Hessen-Darmstadt oder Nassau, sei eS auf preußischen Boden zu begeben.

Berlin, 15. September. In der Neuenburger Frage macht eine einflußreiche Partei die Ansicht

geltend, daß man zusehen müsse, durch Verstände gung mit den übrigen Großmächten die Eidgenossen, schaft dazu zu zwingen, der Neuenburger Bevölke­rung anheimzugeben, ob sie in ihrem jetzigen Ver­hältniß verharren oder unter daS rechtmäßige Zepter deS Königs von Preußen zurückkehren wolle. Man hält sich überzeugt, daß Neuenburg daS Letztere vor- ziehen würde.

Schleswig-Holstein, 14. Septbr., Abends. Rach Eroberung des Coseler Lagers waren mehrere schleswig-holsteinische Kompagnien biS Miffunde vor­gegangen; zwei derselben unter Hauptmann Ritter und Hauptmann Ohlsen gingen, raS Gewehr auf der Schulter,SchlcSwig-Holstein meerumschlungen" singend, auf den Brückenkopf loS. Sie wurden von einem heftigen Karlätschenfeuer empfangen, wobei Hauptmann Ritter 3 Kugeln in den Arm erhielt. In der Nacht zogen sich die SchleSwig-Holsteiner zurück. Gestern Morgen war daS Hauptheer bei Wittensee angekommcn. Der Verlust der SchleS­wig-Holsteiner wird auf 250300 Mann an Tod­ten und Verwundeten und 5 verwundeten Offizieren angegeben. 50 Dänen sollen gefangen seyn, 32 wurden bereits gestern in Glückstadt eingebracht.

Mit großer Bravour haben die SchleSwig-Hol« steinet sich an allen Punkten geschlagen. Schade, daß so viel Muth, so viel Kraft oft unnütz geopfert wird. Der Plan der Unternehmung ist noch un­bekannt; Niemand weiß ihn zu erklären.

Auch dießmal kam eS vor, daßin der Nähe von Missunde die Munition den SchleSwig-Holsteinern auSgegan- gen war (nach lÄzählung eines verwundeten Un­teroffiziers). Die Truppen sind nicht in Rendsburg eingerückt, sondern bivouakiren bei Wi'ttensee. Heute Morgen sollen einige Bataillone gegen Friedrich­stadt beordert worden sein.

Schleswig-Holstein. Der kommandirende Ge­neral hat den folgendenArmeebefehl" erlassen: Hauptquartier Schulendamm, den 13. Sep­tember 1850. Ich danke der Armee für die in den Tagen vom 12. und 13. bewiesene Ausdauer und Tapferkeit. Alle Truppen, welche am Gefecht Theil genommen, haben ihre Pflicht gethan , die Armee wird so immer kriegSfâhigcr. Die Tage sind nicht ohne schmerzliche Verluste gewesen, daS 1. Ba- taillon hat durch seinen ruhmwürdigen Angriffausden Brückenkopf von Missunde am meisten gelitten. Wir haben erreicht, waS wir wollen, dem Feinde durch eine gewagte Unternehmung, die ihn aus seiner Stellung von Schleswig herauslocken sollte, die Schlacht auch im offenen Felde unter den günstig­sten Bedüigungen für ihn angeboten, haben ihm alle feine Verschanzungen und Lager im Osten bei Eckernförde, Holm, Kochendorff und Hummelfelvt zerstört, ihm gezeigt, das er nicht so Herr in Schles­wig ist, wie er eS zu sein vorgibt. Ich sehe den Berichten der Truppen entgegen, um ausgezeichnete Tapferkeit durch Beförderungen zu belohnen. Der kommandirende General: v. Willisen.

Altona, 14. Sept. (H. K.) Der gestern auf dem rechten Flügel aufgegebene Kampf wird nun auf dem linken wieder ausgenommen; 2 Bataillone rückten heute Morgen in aller Frühe wieder nach Friedrichstadt auS. DaS Generalkommando ist nicht nach Rendsburg zurückgekehrt, auch General von Willisen nicht; ein Beweis, daß heute oder morgen wieder etwas zu erwarten ist.

Rendsburg, 14. Sept. Die rückgänge Bewe­gung eines Theiles unserer Armee erklärte sich auS der Unhaltbarkeit Eckernfördes und daraus, daß die Operation gegen die Absicht deS Generals Willisen vereinzelt geblieben ist. Die Dänen haben die Schlacht, zu der sie im Centrum bewogen wer­den sollten, nicht angenommen, und eS war daher unmöglich eine mehrere Meilen weit vorgeschobene Stellung zu halten, da nur eine kleinere Truppen- abtheilung (2 JâgerkorpS und das 1. Bataillon), nicht daS Gros der Arme, daS vielmehr bei Du­venstedt stand,' die Bewegung nach Eckernförde und gegen die Schlei auSgeführt hat.

Wien, 12. Septbr. (D. I.) Eine gestern Abend hier eingetroffen» telegraphische Depesche deS Marschalls Radetzky brachte die Nachricht, daß die italienische Anleihe abgeschlossen.worden sey.

Wien, 13. Sept. Die Regierung scheint die Absicht zu haben die Kriegsmarine zu germanisiren. Im Arsenal zu Venedig wurden alle bis jetzt ita­lienisch geschriebene Anzeigetafeln auf den Werkstâtl- ihüren inS Deutsche übersetzt.

Paris, 14. Septbr. Der Finanzminister Fould und Lord Normanby sind wieder hier eingetroffen. Letzterer gibt dem Gesandten von Nepaul, der in etwa 10 Tagen Paris verläßt, ein großes Fest. Man kündigt auch einen Kongreß von Orleani- sten zu Ostende an, dem mehrere Mitglieder der Familie Orleans und Thiers beiwohnen würden.

Verantwortlicher Redakteur: Dr. A» Boczek.