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So wenig sich auch hiergegen sagen läßt, weil strenge Trennung der Verwaltung von der Justiz diese Anordnung gebietet, so möchte doch wohl dem Gerichtsvollzieher gestattet sein, die Behörden aus einen weiteren Punkt aufmerksam zu machen, der ebenwohl der Regelung so sehr als einer bedarf. ES ist die Uebertragung deS VcrsteigerungS- vollzugeS an den Gerichtsvollzieher. Nicht allein, daß auf diese Weise dem Gerichtsvollzieher Ersatz für den Verlust, der ihm durch den Entzug obiger Klagen geworden, dürfte dieses auch ebenwohl in Festhaltung an dem Grundsätze der Trennung der Verwaltung von der Justiz geboten sein, weil kein haltbarer Grund abzusehen ist, aus welchem der letzte und gehässigste 9lft der Justiz, die Versteige­rung, von einem bloßen Verwaltungsbeamten vor» genommen werden soll.

Bekanntlich lassen die Bürgermeister rie Zwangs­versteigerungen so lange hängen, bis Beschwerde darüber geführt wird, und auch diese reichen häufig nicht auS, um der in diesem Zweige der Bürger­meisterei cingerisscnen Saumseligkeit zu begegnen, die übrigens bei der oft ausgedehnten Basen - und Vaterschaft der Herren Bürgermeister, und in dem weiteren Umstand erklärlich ist, daß dieselben gegen ihre Wähler nicht mit Strenge auftreten dürfen.

Der Gläubiger kommt durch die Verschleifung nicht zu Geld und der lässige Schuldner gewinnt dadurch Zeit, die Pfandobjekte zu verbringen, wo­durch ^dem Ersteren nicht selten daS leere Nach­sehen bleibt.

Nur durch Uebertragung der Versteigerungen an den Gerichtsvollzieher kann diesem Uebelstande abgeholfen werden.

Weiter nimmt nach den bestehenden Gesetzen der Landoberschultheis die Wechselproteste auf, was in andern Staaten, wo Gerichtsvollzieher eristiren, lediglich zu deren Funktionen gehört. Bei Erlaß des Wechselgesetzes (d. d. 25. Art. 1848) bestand noch nicht das Institut der Gerichtsvollzieher, was wohl auch den Grund dazu abgab, daß man die be­sagte Funktion dem Landoberschultheiß übertrug; denn daß die Prolestation eines Wechsels zur frei­willigen Gerichtsbarkeit in s. pr. gehört, wird wohl Niemand behaupten wollen und dürfte es daher angemessen sein, den Behörden einen Fin­gerzeig zu geben, wie cS wünschenSwerth und den dermalsten Gesetzen entsprechend sein dürfte, die Vornahme dieser Handlung als ein zur Justiz gehöriges sowie die Aufnahme des vorgeschrie­benen AktuS den Gerichtsvollziehern zu übertragen.

Karlsruhe, 25. Septbr. Der frühere Ober­lieutenant Eichfeld, in der ersten Zeit der vorjähri­gen Revolution bekanntlich mit der Leitung des KriegSdepartements betraut, ist vom Hofgericht deö Mittelrheinkreises in contumaciam zu 9jähriger Zuchthausstrafe verurtheilt worden. Gegen Karl Steinmetz von Durlach wurde 20jährige Zuchthaus­strafe ausgesprochen, gegen den ehemaligen Pfarr­verweser Ching von Bietingen eine solche von 4, gegen Wilhelm Henrici von Borberg von 6 und gegen Chr. Eichhorn von Walldorf von l'/2 Jahren. Sämmliche Verurtheilte sind flüchtig.

Karlsruhe, 5. September. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer erhob der Abgeordnete Weller die Anfrage, was die Regierung in Bezug auf die von der schleswig-holsteinschen Statthalter­schaft verlangte Bezahlung der Verpflegungsgelder für die Reichstruppen beschlossen habe. Der Staats­rath v. Stengel gab hierauf die Erklärung, daß diese Sache im Staatöministerium einer reiflichen Erwägung unterzogen worden sey, und daß die Re­gierung in Anbetracht der traurigen Finanzverhält­nisse , in welchen sich Baden dermalen befinde, zu ihrem größten Bedauern daS Ansuchen der Statt­halterschaft habe ablehnend beantworten müssen.

Kassel, 4. Sept. Das Ministerium hat die sämmtlichen Steuern ausgeschrieben bis dahin, daß mit densobald als thunlich" einzuberufenden Land- stänven anderweite Vereinbarung getroffen ist; eben so sind die bereits erhobenen und bisher deponirten Steuern sofort zu verwenden. Die Zuziehung deö bleibenden Ausschusses hat, wie die betreffende Ver­ordnung selbst erklärt, nur in der Weise stattgefun­den, daß er zu der Sitzung deS StaatSministeriumS geladen ist. Die Verordnung beschuldigt übrigens die Ständeveriammlung, daß sie durch ihr Verhal­ten in der ©teuerfrage einen Verfassungsbruch be­gangen , welcher den ersten Schritt zur Rebellion enthalte. Mehrere obere Finanzbehörden haben be­reits sich dahin entschieden, der obigen Verordnung als verfassungswidrig keine Folge zu geben.

Die Blätter verkünden heute amtlich die Ent­bindung des FinanzministerS Hrn. Lometsch von seinem Amte und die interimistische Uebertragung desselben auf Hrn. Haffenpflug. Dagegen wird Hr. v. Baumbach neben dem Auswärtigen hinfort auch die Justiz besorgen, an deren Spitze bisher Herr Hassenpflug stand.

Ueber die Steuerverweigerung bemerkt ein Kor­respondent derDeutschen Zeitung". Es kennt die Verfassungsurkunde nur Steuerbewilligungen zur Deckung desermittelten StaatSbedarfS". Nur

wenn die übrigen Einkünfte des Staates zur Be^ streitung der Lasten nichtauSreichen", nur dann haben die Stände über die Aufbringung deS Feh­lendenzu beschließen". Zu dem Ende muß ihnen die Regierung zeitig,,einenVoranschlag aller Ein­nahmen und Ausgaben" vorlegen; auch ist dabei dieNothwendigkeit und Nützlichkeit der Ausgaben" besonders nachzuweisen. Diesen und anderen Er­fordernissen hat die Staatsregierung in keiner Weise entsprochen, indem das noch von Wippermann vor- gelegte Budget zurückgezogen und ein neues bis zur Stunde nicht einmal auögearbeitet, geschweige denn vorgelegt .worden |ift. Die Stände- Versammlung konnte daher eine Verwilligung nicht eintreten lassen, wenn sie den Vorschriften der Verfassungsurkunde nachkommen wollte. Und diese streng aufrecht zu erhalten,dazu konnten wohl niemals die Umstände mehr aufforbern als gerade im gegenwärtigen Au­genblicke. Auch ist kein einziges Beispiel bekannt, daß je eine Ständeversammlung Steuern verwilligt hätte, ohne daß ein Büdget vorgelegt worden wäre. Im Jahre 1838 machte zwar die Regierung den Versuch, eine Vorbewilligung ohne Büdget zu er­langen, allein selbst die damalige Ständeverfamm- lung, selbst in damaliger Zeit, selbst einem Mini­sterium gegenüber, das nicht bekämpft, sondern eher unterstützt wurde, lehnte daS Ansinnen einstimmig ab. Und die aufgelöste Ständeversammlung hätte Herrn Haffenpflug gegenüber weniger streng sein sollen, zu einer Zeit, wo die Zustände sprüchwörtlich geworden und die Finanzverwirrung den höchsten Grad erreicht hat?

Kassel, 5. September. Eine Ertrabeilage zur heutigenHornisse" meldet, daß der ständische Aus­schuß das Gesammtministerium aufgefordert hat, das verfassungswidrige Steuerausschreiben zurückzu­nehmen, widrigenfalls der Ausschuß mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dagegen auftreten werde. Zugleich hat derselbe die oberen Finanzbe­hörden (Hauptsteuer-Kollegium, Hauptzolldirektion, Generalstaatskassendirektion) aufgefordert, der Ver­ordnung keine Folge zu geben und die Unterbeam­ten in diesem Sinne zu instruiren, indem gegen Zu­widerhandelnde nach §.61 der Verfassung verfahren würde. Endlich hat der Ausschuß eine Proklamation an daS Volk erlassen.

Berlin, 4. Sept. Man hat von Andeutungen aus Wien gesprochen, welche die Annahme der Konferenzen vermuthen ließen. Die Andeutungen müssen sehr leise gewesen sein, denn kundige Per­sonen wollen nichts davon gehört haben. Irgend welche Kundgebung, wodurch sich Oesterreich enga« girt hatte, liegt gewiß nicht vor. Dies glaube ich bestimmt versichern zu können. Daß die Kabinette und Diplomaten eine Einigung fürchten, steht nichts desto weniger fest. Stüve beeilt sich, nachzuweisen, daß Oesterreich die Traktate von 1815 und sein System Preis gebe, daß der Sieg des Dualismus bevorstehe. Wäre dies wahr, wäre die Einigung so nahe, man ließe eS nicht drucken. Wahrschein­lich soll Schwarzenberg erschreckt, in Zorn gebracht werden. Man macht uns -darauf aufmerksam, daß es anderSwo aus halboffizicller großdeutscher Quelle gerade umgekehrt verlaute. Dort wird Oesterreichs Sieg proklamirt. Preußen habe so zu sagen alle seinePositionen" schon aufgegeben. WaS bedeutet daS? Die Kleinen wollen die Verständigung der Großen nicht zugeben, ein seit 1815 nicht un­erhörtes Spiel. Wenn es aber den Kleinen gelingt, werden wir dabei verlieren? Die Sache ist sehr zweifelhaft. Mit bin freien Konferenzen, heißt eS, gebe Oesterreich den Bundestag auf. Freilich, wenn daS Programm der Note vom 25. August in den Konferenzen aufrecht erhalten wird. Darauf wird am Ende alles hinauslaufen. Mag sich Oesterreich besinnen, mögen die Kleinen schüren und wühlen, wenn man sich hier nur nicht irre machen läßt! Ueber daS furchtbare bairische Armeekorps am Main ungefähr 1200 Mann soll man in Frankfurt diplomatisch beruhigt haben. Man wollte nur für die Eventualität der Agitation, die hessische Zustände an der Grenze herbeiführen könnten, ge­faßt sein.

Berlin, 4. Sept. Die Const. Korresp. be­spricht heute die Lage der Dinge in Kurhessen, und stellt dabei Grundsätze auf, deren Anerkennung ge­rade von dieser Seite her sehr erfreulich ist. Die Worte lauten:Die Auflösung der kurhessischen Ständeversammlung ist ein sehr ernstes Ereigniß. Angesichts der innern Verwirrung deS Landes und mit Rücksicht auf die jetzige Haltung der Regierung nach außen kann man kaum anders annehmen, als daß Letztere auf Beseitigung oder Veränderung der Verfassung sinnt. Wenigstens wäre ohne dies das Verfahren deS Ministeriums zwecklos, obgleich dasselbe , wenn man die Verfassung nicht antasten will, nicht viel weiser erscheint. Denn mit der Verfassung zu regieren, dürfte diesem Ministerium, welches alle Parteien gegen sich hat, nicht möglich sein; ohne die Verfassung aber stellt es sich ganz außerhalb deS wahren Bedürfnisses der Zeit. ES liegt nichts vor, wodurch daS Ministerium Hassen- pflug die Berufung auf daS Staatöwohl als das

höchste Gesetz und die Anwendung von Staatsstrü. eben rechtfertigen könnte. Die Zeit der äußersten Mittel ist vorüber und deutsche Regierungen können gegenwärtig nicht besser in ihrem und deS Volkes Interesse handeln, als durch Heilighaltung geschwor, »er Eibe und Erfüllung übernommener Verpfleg, tungen. Eine Regierung, welche anders handelte würde daS konservative Prinzip auf'S Tiefste letzen, und sich auf den Boden der Revolution stellen. Alle Energie und Konsequenz des Jndivu duums vermag aber so wenig diesen Boden in ei, nen legitimen zu verwandeln als, waS von ihn, auS unternommen wird, zu einem sichern Ende zu bringen. Wir wünschen, daß die kurfürstl. Regie­rung dies um so mehr beherzigen möge, als sie in diesem Augenblicke zugleich die Verantwortung fut die kaum wieder hergestellte Ruhe und Ordnung jn ganz Deutschland trägt". Die Lith. Corr, übersetz, die letzteren Worte in folgende mehr verständliche Sprache:Die preußische Regierung soll entschloß sen sein, keinesfalls ihre Truppen nach Kurhessin zu schicken, wenn dort Konflikte ernster Art end stehen".

Die Const. Ztg. enthält einen erneuerten Ans, ruf deS Hilfsvereins für Schleswig Holstein. T« bisherigen Beiträge weisen eine Summe von eit; 13,500 Thlrn. auf, wobei sich beträchtliche Bcit^ von außen befinden. Neben reichlichen Gaben È zelner sind Andere und zum Theil die Vermög sten zurückgeblieben. Gerade die wohlhabende Schichten der Bevölkerung haben sich verhältni- mäßig am wenigsten betheiligt, die mittleren « ärmeren sind mit aufopferndem Eifer vorangega« gen. Zu diesen Thatsachen Seitenstücke aufzufindi« ist leider keine schwierige Aufgabe.

Bis zum 2. d. M. Mittags waren als an bei Cholera erkrankt gemeldet 600; Zugang bis zu« 3. Mittags 35, Summa 635. Davon sind genesen 143, gestorben 321, in Behandlung geblieben 171. Unter den zuletzt gemeldeten 35 waren 8 To> deSfälle.

Schleswig-Holstein, 2. Septbr. (H. C.) Nach Mittheilungen aus der dänischen Armee soll bei Geist derselben nicht gut seyn. Sie riefen heiß es immer Hurrah, wenn sie vorgehen sollten, blieben aber unbeweglich stehen, denn sie hätten feini Lust, eine zweite Schlacht wie bei Idstedt zu schl» gen. Ihre besten Offiziere wären gefallen. Viel­leicht ist dies die Ursache, daß die Dänen die ihm mehrmals angebotene Schlacht, wie noch vorgester wiederum, nicht annebmen*

In Eckernförde macht man Jagd auf Sachen, die aus dem HolzeChristian VIII.", beb in dke Luft gesprengten Linienschiffes, verfertigt sind. WaS man von diesem Stoffe findet, wird zerschlagen oder verbrannt. Auch keine Spur jenes, den dänischen Hochmuth so tief demüthigenden Ereignisses darf in der Stadt verbleiben.

Mona, 3. Septbr. Durch die Besetzung bei Strand-Inseln Norbstrand und Pellworm an btt Westküste Schleswigs durch die Dänen haben die­selben neue Quellen erlangt, aus denen sie reiche Nahrung ziehen werden, ist ihnen neue Gelegenheit gegeben, zu plündern und zu brandschatzen und die auf diese Weise zusammengebrachten Naturalien es die Russen für einen Spottpreis zu verschachm Diese Inseln nebst der ganzen ihnen nahe liegend« Inselgruppe bildeten vor 1634 eine Insel, wB die Marsch genannt wurde, die aber durch die gtè Sturmfluth von 1634 zerklüftet und in viele tiefe Inseln getheilt wurde. Nordstrand, welche die völkertste der Inseln (sie hat 1800 Einwohner), W von Deichen umringt und durchschnitten, und ß sehr fruchtbar. Außer der Widding- und Bökinâ' Harde besitzt Schleswig keine so reiche Marsch, »l( diese Insel ist, auf der nun auch der DanebiG wie auf Pellworm, die 1500 Einwohner hat, wehd Auch auf der ganzen Westküste Schleswigs, auf allen Deichen ist der Danebrog aufgepflanzt, und man kann kaum 20 Schritte gehen, ohne daß daS Aug- des Deutschen sich senken muß. Die Besetzung dm ser beiden Inseln ist aller Wahrscheinlichkeit nach von Husum auS geschehen.

Kiel, 3. Septbr. Die Versammlung derLan- deSvertreter wird für daS Publikum nicht großes Interesse gewähren, da die Sitzungen ohne Zwesifl meistens geheim sein werden. Man vernimmt ubr^ genS, daß nicht vorzugsweise auS finanziellen Grün­den schon jetzt die Einberufung geschehen ist. Sitzungen werden jetzt wieder im Schlosse gehalten werden, da das bisherige Lokal in der Schloßstrape zum Lazareth eingerichtet ist.

Die schleswig-holsteinische Landesversammlung besteht nach dem StaatSgrundgesetz von 1848 au 100 Mitgliedern; in Nordschleswig konnten inbene unter dem Regiment der Landesverwaltung meine Wahlen nicht vorgenommen werden. Mehrere geordnete dienen im Heere.

Rendsburg, 3. Sept. (H. N.) Der badisch- Major KlÄproth, von dem die Blätter so manche w erzählen, war allerdings kürzlich hier anwesend, u