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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Sonntag den 8. September

1850»

Die Naff. Allg. Zeitung mit dem Wanderer ist in Wiesbaden für den Umfang des Herzogthun S sD, in den übrigen Ländern des fürstli^ :T'..:.. . .

berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in béY L. Schellender

< : erscheint einmal täglich in Gro p so l l o - F o r mat, mit Ausnahme des Sonntags. - Der vierteljährige Pränumeeationsvreis

Her^ogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und KurfurstentkumS Hessen, der Landgraffchan Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt cstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes « fl. IO fr. Inserate werden die dreisvaltige Petit-eile oder deren Raum mit 3

~ ' g' scheu Hof- Buchhandlung , auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Wochenschau.

Deutschland. Wiesbaden (Asfisen). A ll S dem

Rheingau (Ser Gerichtsvollzug). KarlSrube (Ver- urtheilungen. Interpellation die Entschädigungsgelder betr).

Kassel (Die Steuerangelegenheit). Berlin (Die deutsche Frage. Die ministerielleKorresv." über Kurheffen).

Schleswig-Holstein. Die Cholera). Schleswig-Hol­stein (Die dänische Armee. Jagd auf die Ueberbleibsel des Christian VIII.). Altona (Die Besetzung der Inseln Nordstrand und Pellworm). Kiel (Die Landesversamm­lung). Rendsburg (Major Klaproth. Die dänischen

Listen über die Gefangenen. Rüstungen). Von der Westseite Schleswigs (Stellung der Dänen). Kö­nigsberg (Der Gutenberg - Bund aufgelöst). Wien

(Auch ein Attentat. Graf Medem).l

Dänemark. Kopenhagen (Die Ratifikationsangelegenheit). Frankreich. Paris (Russische Sympathieen. Aus Rom.) Italien. Turin (Der (Erzbischof Fransoni).

Neueste Nachrichten.

Wochenschau.

Unter den vielen und wichtigen Begebenheiten dieser verflossenen Woche ist es besonders eine, der das traurige Vorrecht, zuerst erwähnt zu werden, gebührt, eine Begebenheit, deren Vorherverkündung im Jahr 1848 in den Narrenthurm geführt hätte, die jetzt mit einer Apathie ausgenommen wird, in welcher die beste Berechtigung der Regierungen liegt, auf dem hiermit betretenen Pfade noch weiter vor- zugehen. Es sind der Regierungen zwar nicht viele, die sich an der W! e d c r b e l e b u n g d e-S B u n- destageS betheiligt haben und eS sind wohl Aus­sichten vorhanden, daß di-ses schöne Werk in sein voriges Nichts zusammen falle, cS handelt sich ei­gentlich nur darum, daß überhaupt der Nation solch ein Hohn geboten werden konnte. Preußen hat seine Stellung richtig erkannt und hat in seiner Denkschrift vom 25. August in einem eben so würdigen als entschiedenen Tone dem Wiener Kabinet den Mangel jeden Rechtes zur Wiederher­stellung deS alten Bundestages dargethan, wie seinen festen Entschluß erklärt, an diesen Vorgängen sich nicht betheiligen zu wollen. Preußens Beispiel ist nicht ohne Nachahmung und Erfolg geblieben. Von Seite der unionsgetreuen Staaten sind im Sinne obiger Denkschrift Noten nach Wien abgegangen, und gestern wurde eine telegr. Depesche aus Ber, lin mitgetheilt, nach welcher England und Frankreich auf die Nothwendigkeit der Herstellung eines ge­meinschaftlichen Organes für Deutschland hingewic- sni, zugleich aber erklärt haben, daß Preußens Mitwirkung hierbei unumgänglich erfordert werde. Da Preußen seiner Denkschrift gegenüber unmöglich zum Bundestag zurückkehren kann, so bliebe kein anderer Weg zur Erreichung des von den beiden Großmächten bezeichneten Zieles, als der der be­antragtenfreien Konferenzen". Mögen diese zu einem anderen und volkSthümlicheren Resultate füh­ren; denn zwischen einem oktroyirten und einem in Freier Konferenz beliebten Bundestag ist kein Nn. terschied.

In Berlin hat sich seit der Denkschrift die unglaubliche, unverantwortliche, durch die Zei- tuiigSpresse herbeigeführte Verwirrung wie mit ei­nem Schlag gelöst; viel mag auch das energische Auftreten der im Fürstenkollegium tagenden Bevoll­mächtigten dazu beigetragen haben, den politischen Horizont von diesen Nebeln der Vermuthungen, Er- dichtungen und Entstellungen zu klären. Die Rückkehr

Ferlin steht zu erwarten ; da die entschieden im konservativsten Linne ausgefallen sind , und dieß als die Bedin- gung der Rückkehr bezeichnet wurde.

Die R a t i fi k a t i o n s a n g e l e g e n h e i t ruht und kann auch ohne Gefahr ruhen, indem auch jetzt be' langst verstrichener Frist die Feindseligkeiten nicht begannen, sondern eine neue Frist begehrt und ertheilt wurde, und gegen die immerwährende Er- streckung dieser Fristen wohl von keiner Seite ein âltand erhoben werden wird. Nach den neuesten Nachrichten findet die dänische Regierung die be- nerlhi 0^ Ratifikationen Preußens und einzel- ^^"'""^staaten hinreichend. Der preußisch-dänische 8 ede kann daher als abgeschlossen angesehen werden.

In Wi.cn beschäftigt man sich neben der deutschen Angelegenheit, die man seit dem 2. Sept, für gänzlich beglichen ansieht, angelegentlich und noch immer mit der Lösung deS staatsrechtlichen Räthsels der Gesammlmonarchie. Dort bewährt sich daS Sprichwort vom Splitter und Balken. Oesterreich widersetzt sich der Gestaltung der Union und scheint ganz zu vergessen, daß es selbst mit einer schon fertigen Union dem deutschen Bunde b e i t r e t e n will.

Ueber die Jschler Konferenzen bestehen nur Vermuthungen; nach Einigen soll dort die Erb­folgeordnung in Dänemark geordnet, nach Anderen ein europäischer Kongreß beschlossen worden sein.

In Sachsen Huben sich Volk und Kammern an die wie de r e i n g e h rte alte Verfassung wie, vor ganz gewöhnt, und tagen und verordnen letztere gemüthlich weiter.

Bayern ist von seinen Versuchen, als Groß­macht aufzutreten, allmählig zurückgekehrt, sein Beo­bachtungskorps am Main ist zu einer Brigade, und seine welthistorische Sendung zu einem He, bst Ma­növer zusammengeschrumpft.

In Würtemberg dauern die Reibungen zwi, schen der Regierung und der LandeSver- sammlung fort und die Partei Römer droht noch immer mit einer Koalition mit den Demokra- ten. In Baden herrscht eine erquickende frische annbmidcStägliche Gesinnung. Dagegen ist daS Kursürstenthum Hessen nun der Schauplatz der be- trübendsten Vorgänge. Die Kammern kaum ein­berufen aufgelost die Steuern verweigert, die Finanzen zerrüttet, kurzum der Staat an dem Vor­abend von Ereignissen, von denen man den Blick bekümmert abwcnven muß.

In unserem hartbedrângten SchleSwig-Hol- stein herrscht trotz der vielen Unfälle noch immer frischer Muth und Zuversicht; um die Ungeduld der Armee zu zügeln, versucht man cS nun die Dänen Mit dem kleinen Krieg zu ermüden. Die Lan» dcSversammlung ist einberufen, alles deutet auf einen entscheidenden Schlag, auf die Aufbietung energischer Mittel. Möge der Erfolg der Zuversicht unserer Brüder entsprechen.

England hält seine Parlamentsferien, die Königin ist in Schottland, Lord Palmerston schwärmt für die dänische Gesammtmonarchie, und behelligt Preußen mit Noten aus denen hervorgcht, daß er über die eigentliche Rechtsfrage der schleswig-Hol­steinischen Sache nicht ganz gut unterrichtet ist.

Der Präsident der französischen Republik ist von den Ergebnissen seiner BeobachtungSreise nicht sonderlich erbaut heimgekehrt, und nun auf dem Wege nach Cherbourg, wo ihm allen Nachrich. ten zufolge, von Seite der Flotte auch kein beson­ders warmer Empfang zu Theil werden durfte.

Die militärischen Bankete sind eingestellt. Ge- neral Changarnier hat seinen Untergebenen verbo- ten, an denselben Theil zu nehmen.

, , ?n CherboMg bereitet sich während der Anwe­senheit des Präsidenten ein diplomatischer Kongreß h°r' ^0U'k Philipps Tod hat die Fusion der bei­den Bourbonenlinien in eine unabsehbare Ferne hinauSgeruckt.

M Nonien bewegt die bevorstehende Wahl ^e .A"'ugal sieht der Begleichung seines Zerwürfnisses mit den Vereinigten Staaten entgegen. In Sardinien scheint die Differenz mit dem paplichcn Stuhl auf die höchste Spitze ne, trieben; die Vermittelung Oesterreichs ist in Aus­sicht gestellt, doch scheint die Lösung der Frage nahe; gegen Freilassung deS Erzbischofs Fransoni dürfte die Anerkennung deS Siccardischen Gesetzes erfolgen. In Neapel kämpft der König mit seinem Gewissen Ä sucht im Vorhinein um Absolution für den Eidbruch an, den er durch Aufhebung der Versas- lung begehen würde. Durch daö neue Preß, gesetz ist die Zensur in vollster Ausdehnung wie- d emgefuhrt - Der hohen Pforte gelang es, die ^Etande in Bosnien und Bulgarien zu dämpfen; M nun ^umâ d>e Aufmersamkeit derselben nyohemGrade erregen zu wollen. Griechen­land steht nun während der Abwesenheit deS- Äunt" dmer Regentschaft mit der Königin an

& ^reigmß, welches auf die gesellschaft- 6?nflS fiVA trugen Frauen von bedeutendem Einfluß seyn durfte.

In den Vereinigten Staaten ist daS neue Kabinet bereits gebildet. Die Sklavenfrage beschäftigt noch immer den Kongreß; Kalifornien ist in die Union ausgenommen; die kubanische An­gelegenheit mit Auslieferung der Gefangenen beendet. Brasilien ist in einen Konflikt mit England ge­rathen. Auf die Zerstörung des FortS von Para­nagua durch ein englisches Kriegsschiff hat der Kon­greß der Abgeordneten mit einer Zollerhöhung auf englische Waaren geantwortet. Die Lapl ata- Angelegenheil ist durch den mit dem Admiral Le- Prebour abgeschlossenen Vertrag in ein neues Sta- Dium getreten. Die Nachrichten aus den übrigen Welkthcilcn sind ohne besonderes Interesse gewesen.

Zum Schluß wollen wir noch einen Blick auf unsere Zustände werfen. Die Einberufung der Ab- geordneten steht bald zu erwarten. Nebst umfang­reichen Entwürfen über die Reorganisation des Me­dizinal- und Schulwesens und einigen anderen soll auch der Entwurf einer neuen Zivil- und Prozeß­ordnung von mehr als 700 Paragraphen zur Be- rathung kommen. Hier begannen mit dem Anfang der Woche die außerordentlichen Asfisen, ein trau- riger Beweis für den sittlichen Zustand unseres Gerichtsbezirkes, namentlich im Vergleich zu dem Dillenburger; was Präsident Langhans in seiner Eeöffnungsredc den Geschwornen umfassend darge- legt hat. Die Sammlungen für Schleswig-Hol­stein nehmen in hiesiger Stadt einen erfreulichen Fortgang; von den übrigen Orten des Amtes Wies­baden ist leider dasselbe nicht zu sagen. Die eilige- gangene Summe beläuft sich bereits auf 3395 fl. 51 fr. Die eingelciteten Wochen- und Monatsammlungen finden immer mehr und mehr Betheiligung. Sonst ist wenig reges politisches Leben zu bemerken. In hiesiger Stadt ist es seit der Abreise des Gra- fen v. Chambord ruhig geworden. Die Kurgäste entfernen sich nach und nach und bald wird Wies­baden wieder zu Hause fein.

Deutschland.

* Wiesbaden, 7. Sept. (Assisenverhandlung.) Theodor Zeitz von Idstein, 25 Jahre alt, Schnei- der, ist angeklagt, dem Steindecker Karl Rübsamen zu Anfang deö Monates November v. J. nach Uebersteigung einer Bretterwand aus dessen um­schlossenem Hofraum ein Paar Stiefel, ein Paar Schuhe, und eine dem Schreiner Carl Hartmann daselbst gehörige Säge entwendet; kurze Zeit vor­her in derselben Weise in den bezeichneten Hofraum eingedrungen und sich eine dem Karl Rübsamen gehörige Säge zugeeignet, und endlich im Herbste 1849 zwei in der Werkstätte deS Karl Reinemer zu Idstein befindliche Dreschflegel gestohlen zu ha- den. Der Angeklagte scheint blödsinnig zu sein; die Frage, ob er zurechnungsfähig sei, wurde bei einer früher gegen ihn Diebstahls wegen eingeleite, ten Untersuchung schon angeregt und damals be, jahend beantwortet, indem er wenigstens fremdes Eigenthum von dem feinen zu unterscheiden wisse, und überhaupt, sobald er sich «in ihm nicht gehö­riges Gut zugeeignet hat, die Entdeckung deS Ver­brechens auf listige Weise zu verhindern suche. Dieß hat er auch in dem vorliegenden Falle bewiesen, indem er einen entwendeten Dreschflegel, den er verkaufen wollte, dadurch unkenntlich zu machen suchte, daß er den Kolben, den Hut und die Leder- bekleidung vom Dreschflegel entfernt, und gegen die­selben Stücke eines ihm gehörigen Dreschflegels vertauschte.

Aus dem Rheingau, 6. Sept. (Noch ein Wort über d e n G e r i ch t S v o l l zu g.) Wenn in der ministeriellen Bekanntmachung vorn'10. Aug. der Wunsch der Gerichtsvollzieher resp. Erekutanten, daß man sie der Beitreibung ihrer Gebühren ent­heben möge, auch in sofern Berücksichtigung gefun­den hat, alS dieselben auS den eingehenden Geldern vorzugsweise berichtigt werden sollen, |o hat an der anderen Seite diese alleflirte Verordnung dem Ge­richtsvollzieher einen sehr großen Theil seines Dien­stes und sonach auch seines Einkommens entzogen. Sie bestimmt nämlich, daß für Finanzsachcn des StaateS, der Zivil- und Kirchengemeinden, so wie der öffentlichen Diener eigne Erekutanten bestellt werden sollen-