Nassauische Allgemeine Zeitung.
M 21L
Samstag den 7. September
1830.
Alla Zeituna mit dem Wanderer erscheint einmal tLalich in Großfolr o - Forma t, mit Ausnahme des sonntags. — Der vierteljährige Pränum-cationSpreiS in WÜSbaden kür den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und KurfurstenthumS Hessen. der Landgr-fichaU veffen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt »Ü in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn - und Tarisschen V-rw-ltungSg-bieteS S fl. IO F* - .J-fs-rate werden die dreispaltige P-t, je.le oder deren Raum mit » fr. ^'n " Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der r. Sch elle n be r g' scheu Hof-Buchhandlung , auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
U e b k r f i ch t.
An die Freunde Schleswig -Hol)tenè. Deutschland. Wiesbaden (Asfisen). — Frankfurt (Ertrâgniß der TaunuSbahn). — Dar m st a d i (Ein Schreiben von Stauss an die Professoren Bischof und Liebig). — Karlsruhe (Der Bundestag). — Kassel (Zustände).
— Berlin (DaS Fürstenkollegium. Die deutsche Frage. Rückkehr deâ Königs. Deputation der konservativen Vereine. Die Cholera). — Hamburg (General de Meza und Oberst du Pin).— S ch leSw i g - H o l st e in (Die Avantgarde. Der Annenorden. Dänische Kriegsschiffe vor Sylt. Die Landesversammlung. Elihu Bucrit. Vermischtes). — Re nd s bu r g (Die dänischen Offiziere). — R eutte (König Otto). — Teplitz (Uebungslager). — Wien (Einverleibung der deutschen Kreise in Ungarn. Fürst Schwarzenberg. Umgehung der Verfassung. Gerüchte in Ungarn. Die Riesenpetition. Rücknote an Preußen. Die LandeSversammlung für Galizien)., Dänemark. Kopenhagen (Eine österreichische Korvette. Die Prediger in Schleswig).
Frankrcrch. Paris (Die unterseeische Telegrapbenlinie. Generalkommissariat für Algerien. Steckbriefliche Verfolgung. Ausspruch des Grafen von Chambord. Die beiden Bourbonenlinien. Vermischtes).
Großbritannien. Londo n (General Napier. Louis Philipps Lcichenbegängniß).
Italien. Turin (Der Handelsvertrag mit England. —
Rom (Stempeltare).
Griechenland. Athen (Londos und Delijanni).
Neueste Nachrichten.
An die Freunde Schleswig- Holsteins.
Unter obenstehender Rubrik bringt der „Kourier", Halle'sche Zeitung für Stadt und Land, folgenden von Dr. Gustav Schwetschke herrührenden Aufruf, der eS verdiente, allgemeinen Anklang zu finden:
Die Opfer, welche der Kriegszustand von den Bewohnern der Herzogthümer fordert, sind so bedeutende, täglich wiederkehrende, ja täglich sich steigernde, daß es jedem Deulschen, der die Sache SchleSwig-HolsteinS im Herzen trägt, als eine Ehrenpflicht gelten muß, die begonneneHilfeleistung in einer, jenen gewaltigen Anforderungen entsprechenden Weise fonzuführen.
Dies kann aber nur geschehen, wenn die Hilfeleistungen Deutschlands organisirt werden und zwar auf die zwei Hauptpunkte hin: einmal, daß für einen längeren Zeitraum die Beiträge gesichert werden, und dann, daß diese Beiträge den dortigen Verhältnissen angemessen nicht zu gering ausfallen. Bei der bisherigen Art der Sammlungen, so auer- kennenswenh dieselben sind, und so sehr ihre Fortsetzung zu wünschen ist, lassen sich jene zwei Hauptpunkte nicht erreichen, da die Beiträge entweder in bestimmter Zeitfrist gegeben werden, oder bei den bereits eingerichteten Wochen- oder Monatsammlun- gen durch die, meistens für jeden Theilnehmer gleiche Summe die Bemittelten zu wenig in Anspruch genommen sind. Einige Ausnahmen, wie z. B. bad rühmeitswerthe Beispiel von Elberfeld, sind für daS Ganze nicht von Belang.
AlS eine Einrichtung nun, welche diesen Uebel- ständen abhelfen kann, gestatte ich mir, die Errichtung von Gewährlei st ungS-Gesellschaften vorzuschlagen, welche folgende Organisattion haben: Auf so viele Wochen, als die Hilfeleistung vorläu- fig gewährt werden soll, also ungefähr auf 10, 12 oder mehr Wochen, treten 10, 12 oder mehr be- mlttelte Freunde der Sache zusammen. Diese bestimmen zuvorderst die Höhe deS für jede Woche gleichen Betrages, je nach den Verhältnissen ihres Wohnortes auf 10, 20, 30, 50 oder mehr Thaler für die Woche, und »ertheilen dann, vielleicht durch daS Loos, unter sich die einzelnen Wochen. Für die ihm zugetheilte Woche übernimmt nun der Einzelne die Garantie auf die Höhe der bestimmten Wochensumme von 10, 20, 30, 50 oder mehr Tha. lern, welche er, wenn feine Woche eintritt, zu zahlen
ES versteht sich, daß, namentlich auf dem Lande, die Freunde von mehreren Orten zu einer können Gewährleistungs-Gesellschaft zusammentreten
Daß übrigens diese Gesell,chaftcn mit den schon bestehenden Hilfsvereinen sich in Verbindung setzen, ist schon der Einmüthigkeil in dieser Sache wegen höchst wünschcnSwerlh, auch könnte eine Verschmelzung der Garantie-Gesellschaften mit den HilfSvereinen in der Weise eintreten, daß die ersteren nur für den Betrag aufkommen, welcher an den Wochensammlungen der Hilföverciue zur Vollmachung einer bestimmten Summe fehlt, so daß z. B. wenn die Gewährleistungs-Gesellschaft den Wochenbelrag auf 50 Thaler festgesetzt hat und der Hilfsverein in einer Woche nur 30 Thaler zusammenbringt, der Wochen-Garant 20 Thaler zuzuschießen hätte. Man könnte zwar auch die Einrichtung treffen, daß sämmtliche Wochen-Garauten zu gleichen Theilen für die bestimmte Zahl der Wochen aufjufomnien hätten, dies würde jedoch namentlich bei solchen Garantie- gesellschaften, deren Mitglieder zerstreut wohnen, den Ucbelstand mit sich führen, daß von jedem Mitglieke wöchentlich daS repartirte Quantum herbeizuschaffen wäre oder ein Mitglied viele Auslagen übernehmen müßte. Doch wäre natürlich hierin daS Er messen der einzelnen Garantie-Gesellschaften maßgebend.
Mehrere Freunde, welchen ich diesen Plan verlegte, haben denselben gebilligt und sind zur Theilnahme bereit; es kommt nur darauf an, daß überall, wo die Noth unserer bedrängten Brüder in Schleswig-Holstein theilnehmende Gemüther findet, ebenfalls eine solche Betheiligung (wenn kein anderes geeignetes Mittel gefunden wird) eintrete.
Unternimmt eS jetzt der Däne, daS arme Schleswig systematisch auSzupressen, so müssen wir auf eine systematische Hilfe für unsere Brüder in den Herzogthümern bedacht seyn.
Nothwendig dazu ist aber vor Allem, daß die bemittelten FreundeSâSrvig-Hvlsteins einen regen Sinn und Eifer für die Sache haben, und daß sich Niemand durch die kleinmüthigen Worte: „Es hilft doch nichts!" zurückschrecken lasse.
DaS Beispiel der Schweiz, der Niederlande und Griechenlands sollte uns Deutschen stets vor Augen stellen, was vereinte Kraft und unverdrossene Ausdauer Großes zu wirken vermögen.
Ein herzerhebendes Wort will ich noch hinzufügen, das ich vor wenigen Tagen bei meiner Anwesenheit in Schleswig-Holstein vernahm. Ein schleS- wigschcr Landmann, dessen HauS die Spuren feindlicher Verwüstung aufzuweisen hat und der stündlich die Wiederholung der äußersten Kriegsnoth erfahren kann, sprach mit festem Worte: „Alles Ungemach, wie viel ich schon d a v o n erduldet habe, will ich auch ferner gern ertragen, wenn nur unsere große Sache durch gesetzt wird!" Nun, ihr Freunde in Deutschland, so helfe doch auch bei uns Jeder an seinem Theile, daß die große Sache durchgesetzt wird, für welche dort die Leute willig Alles zum Opfer bringen!
Halle, 1. Sept 1850.
Deutschland.
* Wiesbaden, 6. September. (Assisenverhand- lung.) Adam Korbach von Schönberg ist zur Verhandlung der auf heute eingesetzten gegen ihn erhobenen Anklage wegen Fälschung nicht erschienen. Derselbe wurde somit als dieses Verbrechens geständig angesehen, und da er schon Diebstahls wegen bestraft worden war, zu einer Korrektions- Hausstrafe von 6 Monaten verurtheilt.
Frankfurt, 4. Sept. (Fr. I.) Die Taunus- eisenbahn hat im verwichenen Monate August einen Ertrag geliefert (77,202 fl. 29% kr.), der stärker war, wie je seit ihrer Errichtung und namentlich den Ertrag des vorjährigen August um die Summe von 23,002 fl. 8% kr. übersteigt, während 20,194 Personen mehr auf derselben befördert wurden.
Darmstadt, 5. Sept. (D. I.) Die zu Braun- 'wweig erscheinende „Deutsche Reichszeitung" und nach ihr die heutige hiesige Zeitung theilt ein Schreiben mit, welches der Mörder der Gräfin von Gör« Iitz, Johannes Stauf, an die Professoren Bischoff und v. Liebig in Gießen aus dem Marienschloß
vom 12. August gerichtet hat. Wer die in seinem Prozesse vorgekommenen verschiedenen Skripturen des Stauf, eines höchst verschmitzten und verschro. denen, aber ungebildeten Menschen kennt, der weiß, daß derselbe unmöglich diesen Brief so geschrieben haben kann, wie er hier abgedruckl ist. Wohl aber sieht ihm der Inhalt des Briefes ganz ähnlich. Er erzählt die That ungefähr ebenso, wie sie unsere Leser bereits kennen, und sucht dann die Herrn Professoren durch schöne Worte und Schmeichelreden einzuuehmcn, damit sie sich mit ihrem bedeutenden Einflüsse für ihn verwenden möchten, auf daß er begnadigt werde unter der Bedingung der Auswanderung in einen andern Welttheil. Auch an den Hrn. Grafen von Görlitz, der eben nach Würtcm, berg verreist ist, hat der Joh. Stauf einen BiMf geschrieben, sehr wahrscheinlich ganz ähnlichen Inhaltes. Zugleich soll 'er den Hrn. Grafen darin um Reisegeld ersucht haben!
Karlsruhe, 3. Sept. Die gestern von Seiten der Minderheit stattgehabte Wiedereinsetzung beS engern Raths der Bundesversammlung wurde hier mit der größten Gleichgültigkeit ausgenommen, darüber sind Krone, Regierung, Stände und Volk einverstanden: Baden wird diesen engern Rath nicht beschicken.
Kassel, 4. Sept. (F. I.) Die Schilderung, welche ein anderer Korrespondent von hier in Ihrem Blatte von den Folgen deS dermaligen finanziellen Zustandes in Kurheffen macht, sind übertrieben. Die Zölle werden überall forterhoben, weil sie auf Staatsverträgen beruhen; aus dem Lande geht die Nachricht ein, daß Chaussee- und Brückengelder u.dgl. überall fortgezahlt und die Stempel notirt werden.— Hassenpflug wird wahrscheinlich Gesandter in Wien £?2_ober am Bundestage. — Einer neu zu- sauimenzunifenden Ständeveriammlung wird ein ordentliches Budget vorgelegt werden, worauf eine neue Steuerverweigerung nicht mehr zulässig ist.
Berlin, 3. Sept. (C. B.) Folgende Mit,Hei- lung über den gegenwärtigen Personenbestand deS provisorischen Fürstenkollegiums dürfte vielleicht nicht ohne Interesse sein. Dasselbe wird gebildet aus Sr. Excellenz dem Generallieutenant v. Radowitz als Vorsitzenden, geh. Legationsrath v. Sydow als stellvertretendem Vorsitzenden, und dem geh. Justizrath Blocmer als Protokollführer preußischerseitS: Seitens der andern Staaten aus den Herren Lega- tionSrath Dr. Liebe für Braunschweig, Obrist MoSle für Oldenburg, Präsident Vollpracht für Nassau, Legationsrath v. Schack für Meckleilburg-Schwerin, Legationsrath v. Porbeck, der nunmehr täglich erwartet wird, für Baden, StaalSrath Seebeck für die thüringischen Staaten, Dr. Banks für Hamburg, Bürgermeister Schmidt für Bremen und Syndikus Dr. Eder für Lübeck. Die beiden Hessen und Meck, lenburg-Strelitz sind bekanntlich zur Zflit nicht ver, treten. Die ordentlichen Sitzungen des Fürstenkollegiums finden Dienstag und Freitag statt. DaS Versammlungslokal ist das auswärtige Ministerium. Chef deS BüreauS ist Kanzleirath Horn, dem noch zwei andere Beamte zur Seite stehen.
Berlin, 3. Sept. Zieht man aus der preußischen Depesche vom 25. August die richtigen Konsequenzen , so muß sie zu einem entschiedenen. Er- cigniß werden, vorausgesetzt freilich, daß die Nation Preußen nicht im Stich läßt. Die Unmöglichkeit der Rekonstruktion eines Bundestages über ganz Deutschland ist dem k. k. Kabinet und seinen inländischen und ausländischen Helfershelfern für den Augenblick zwar zur Evidenz klar geworden, aber auch die Hoffnung auf die spätere Ausbildung eines analogen Instituts, welches die freie Unii- rung auf parlamentarischer Grundlage verkümmern und polizeilich überwachen könnte, muß gebrochen werden. Oesterreich wich zurück, als sein sogenannter „engerer Rath" konsequenter, v. h. rabulistischer Weise sich des BundeSeigenlhumS hätte bemächtigen müssen, und gab eine besondere BundeSkommission znr Verwaltung deS BundeSeigenthumS zu. Oesterreich wird auch weiter gehen und von dem Attentate abstehen müssen, ein anderes Eigenthum unabhängiger deutscher Staaten anzutaften, welches ihnen noch eigenthümlicher ist, als die lee-