Nassauische Allgemeine Zeitung.
M 209.
Donnerstag den S. September
ISSO.
—— ----------—:------177---- Großfolio-Format, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige PräiiumecationSpreiS
Die Naff. Allg. Zeitung mit dem Wanderer"Nye _ GrovherjoatlmmS und KurfürstenthumS Hessen, der Landgrafschan Heffën-Homhurg und der freien Stadt Frankfurt ist in Wiesbaden für den Umfang des #eyi°ö“’1 „ VerwatluuaSaebieteS 3 Ä. Ni» fr. — In sechste werden die dreifvaltige Petitfeile oder deren Raum mit » fr.
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berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der i. aoi ^.LL 3, ................. ............. — ■ ^■■■■i................ ' ■ -
u e b e r s i ch t.
Ansprache des Präsidenten Langhans an dre Ge- schworneu.
Deutschland. Wiesbaden (Assisen). -Dillenburg (Die Eisenbahnverbindung zwischen Frankfurt, Arnheim und Emden). — Frankfurt (Konstituirunz des engeren Rathes). — Darmstadt (Wahlen). Gaffel (Die Auflösung der Ständeversammlung). — Stuttgart (Die öftere. Forderung. Der Notenwechsel der Laudeöversamni- lung und der Regierung). — Magdeburg (Gottfried Kinkel). — Berlin (Die Unionsfrage. Die neue Konstruktion. Hr. v. Schleinitz. Das Londoner Protokoll. Hr.Liebe nach Sybillenort. Die Cholera). — Hamburg (Regsamkeit im schleâw.-holst. Heere. Hr. v. Breidbach in Rendsburg angelangt).— Schleswig-Holstein (Zustände. Vorbereitungen der Dänen). — Prag (Die Stadtverordneten. Fürst Metternich. — Von der Mur (Erzherzog Johann). — Wien (Resultat der Jschler Konferenz). Frankreich. Paris (Die Militär. Bankette. Lamartine.
Salvandy. Die Söhne Lonis Philipp'S).
Neueste Nachrichten.
Ansprache des Präsidenten Langhans an die Geschwornen bei Eröffnung Ifer außerordentlichen Assisen für den Monat September 1 850.
Jin Begriff, die ersten außerordentlichen Assisen in unserm Herzogthum für eröffnet zu erklären, bin ich — ich kann und mag dies nicht bergen — zu meinem großen Leidwesen, zu meiner lebhaften und tiefen Bekümmerniß nicht in der Lage, dies als ein günstiges Zeichen zu betrachten und deshalb ein erfreuliches Wort an Sie, meine Herren, zu richten. Jeder, dem das Wohl des großen Ganzen und feiner Mitbürger am Herzen liegt, wird, ich bin fest hiervon durchdrungen, diese Gefühle theilen. Zu beklagen ist am meisten, daß in dem hiesigen HofgerichtSbe- zirke, der doch durch die Natur so vielfach begünstigt und bevorzugt ist, diese außergewöhnliche Maßregel zuerst und so sehr schnell nothwendig geworden ist.
Die ordentlichen Assisen deS hiesigen Bezirks haben bereits in diesem Vierteljahre drei volle Wochen gedauert, am 15. Juli wurden sie eröffnet und erst am 4. August geschlossen. ES wurden in zwei Fällen wegen der Schwere deS Verbrechens lebenslängliche Zuchthausstrafen ausgesprochen. In den übrigen Fällen wurden Zuchthausstrafen von 8, 7, 3 und 2 Jahren und CorrcktionshauSstrafen bis zu 2 Jahren erkannt. Eine einzige Untersuchung gegen eilf Angeklagte nahm allein sechs volle Tage in Anspruch.
Die Zeit von 3 Wochen reichte zur Vorbereitung und Aburtheilung aller Straffälle nicht hin. Die Anordnung außerordentlicher Assisen, die Einberufung neuer Geschwornen an die Stelle der vielfach in Anspruch genommenen früheren, war nicht zu umgehen, und bereits sind jetzt schon so viele Sachen vorbereitet, daß auch die eben beginnenden Sitzungen bis in die dritte Woche dauern, und der Schluß derselben vor dem 18. September nicht erfolgen wird. —
Nicht günstiger sind die Aussichten für die Assisen des 4. Quartals. In voriger Woche noch waren 61 Untersuchungsgefangene in dem hiesigen Kriminalgefängniß in Untersuchungshaft. Heute nud eS noch 60 Personen. Gerade die am günstigsten gelegenen Striche unseres Bezirks dem Main und Rhein entlang liefern die reichlichsten Beiträge hierzu und zur Beschäftigung der Assisen.
Wenn,ich den von der Natur im Durchschnitte weit stiefmütterlicher behandelten, dabei dennoch nicht weniger zahlreich bevölkerten Hofgerichtöbezirk Dillenburg erwähne, so werden Sie die betrübende Betrachtung, die sich wie erwähnt, für unS hieran knüpfen, vollkommen bestätigt und gerechtfertigt
Die Eröffnung der Assisen des 3. Quartals "folgte dort gleichzeitig mit den hiesigen am 15. 3uli, aber schon am fünften Tage nachher, am 19. Juli, nach Aburtheilung von ebensoviel Fällen, konnten sie geschlossen werden. Fünf Tage reichten also ym, wo hier fünf volle Wochen und etwas darüber,
beinahe die Hälfte des Vierteljahrs, erfordert werden. Sechs Jahre Zuchthaus war die höchste der dort erkannten Strafen und noch vor wenigen Tagen waren von dem dortigen Anklagesenat nicht mehr als zwei Fälle zur Aburtheilung vor die Assisen des 4. Quartals verwiesen.
Unter diesen Umständen konnte dort bei der Eröffnung der Assisen des 3. Quartals der Vorsitzende mit dem Ausdruck freudiger Empfindung mit Recht sagen, daß die sehr geringe Zahl der abzuurthei- lenden Fälle ein recht günstiges Licht auf den Ittte lichen Zustand deS Bezirks werfe. Dahier gilt leider ein Gleiches nicht.
Lassen wir es daher, meine Herren, unser ernstliches gemeinsames Bestreben sein, so viel an uns liegt, durch strenge und unparteiliche Pflichterfül- lung Alles aufzubicten, damit dieser beklagenS- wcrthe Zustand verschwinde. Lassen Sie uns mit Anstrengung aller Kräfte hierauf hinwirken, nicht nur so lange wir hier versammelt sind, sondern auch hauptsächlich später, wenn wir zu unserem gewöhnlichen Berufe zurückkehren.
Ihre Pflichten, meine Herren, werden Ihnen theilweise ohne Zweifel schon bekannt geworden sein, theilweise wird sich bei einzelnen Punkten deS Verfahrens Gelegenheit ergeben, ihre Aufmerksamkeit darauf zu richten. Als den Hauptgesichtspunkt bei der Abgabe ihres Wahrspruchs, als den sichersten Prüfstein der Aechtheit desselben möchte ich Ihnen bezeichnen: „Sprechen Sie im einzelnen Falle in der Weise, wie Sie selbst und alle einsichtsvollen Freunde der öffentlichen Ordnung und Sicherheit wünschen müssen, daß in allen andern gleichen Fällen, die täglich sich erneuern und wjede rholen können, beurtheilt werden möge.— Kann mit Ihrem Wahrspruche, vorausgesetzt, daß stets von allen Gerichten in allen Fällen ohne Ausnahme im gleichen Sinne gcurtheilt. würde, das Wohl des Ganzen, die Sicherheit Aller — den Verletzten wie den Befchädiger mit cingcfchlossen — bestehen, so ist derselbe ganz gewiß dem Gesetze und dem Rechte gemäß ausgefallen. Gegentheili- genfalls dürfte die Richtigkeit den erheblichsten und gegründetsten Bedenken unterliegen.
Siewerden es, meine Herren, sehr natürlich und erklärlich finden, wenn man von einem unerfreulichen Bilde, von einer betrübenden Erscheinung, wie die diesmal erwähnte, schnell und bekümmert den Blick abwendet. Geben wir uns aber dec belebenden Hoffnung hin, nicht nur daß es gelingen möge, dem Umsichgreifen deS Uebels durch energische Mittel Schranken zu setzen, sondern auch, daß der Zustand sich recht bald und gründlich bessern möge.
Stimmen der Presse.
Die „TimeS" machen in ihrer heutigen Nummer über den Friedenskongreß, der schnell nach einander die Paulskirche in Frankfurt gefüllt und wieder geleert hat, ihre derben Scherze. Herr Cobden, meint sie, habe das unbegrenzteste Vergnügen durch die humoristische Weise hervorgerufen, womit er die buntgeflickte Versammlung der Pauls- kirche in daS Mysterium eines spezifisch britischen Cheer, in daS Hiphjp-Hurrah, einweihle. Seine oratorischen Leistungen hätten nicht denselben Erfolg gehabt. Ein furchtbarer Rival für ihn sei der Od« schibbcwah-Häuptling gewesen, den die „TimeS" die „Jenny Lind der Paulskirche" nennen. Die „Times" versichern, auch ihrerseits den Tag mit Entzücken begrüßen zu wollen, an welchem das letzte Bajonnet in einen Korkzieher oder ein Vorschneide- messer verwandelt werden würde, aber bis zu dem Tage dürfte noch manche Generation in'S Grab sinken. Ob den Leuten nicht die Hoffnung schwinde, fragen sie, wenn sie sehen, daß trotz all' ihreS Geredes der Kaiser von Rußland im Laufe èineS Vormittags in der City feine Anleihe zu Stande bringe? Die „Times" fahren dann fort: „Es ist keine große Entfernung von der Paulskirche zu Frankfurt bis zu den Ebenen Schleswigs. Welche ernsthafte Anstrengung machten Herr Cobden und feine Partei, dem furchtbaren Blutvergießen, welches dort stattfand, ein Ziel zu setzen? Als ein Mitglied deS
britischen Parlamentes hätte Herr Cobden auf daS Verhalten der britischen Regierung Einfluß üben können; so daß vielleicht den unseligen Begebenheiten in Norddeutschland vorgebeugt werden mochte. Doch nein, daS wäre ein viel zu prosaisches Verfahren für ein Mitglied der Friedensbewegung gewesen." Auch ihr Berichterstatter über die Berathungen in der Paulskirche hat noch einen hübschen Schlußartikel (auS Mainz vom 26. August batitt) folgen lassen. Ohne alle Aergerlichkeit erzählt er, wie er in dem Dampfzuge, mit welchem er von Frankfurt nach Mainz gereist, mit einer luftigen Gesellschaft Deutscher zusammengelroffen sei, die daS ganze Friedensparlament als eine Art feierlichen Puffeö betrachtet und dabei versichert hätten, daß England viel daran liege, Deutschland in Uneinigkeit zu erhalten und daß die Diskussion in der Paulskirche auch nur eine Finte gewesen sei.
Der Korrespondent sagt weiterhin: „Ein Frie- denSsymbol erblickte ich in einem Kunstladcn, daS ausgezeichnete Portrait deS Herrn Jaup, welchem Herr Cobden so warm dafür dankte, daß er bei dem Friedens - Kongresse den Vorsitz geführt, indem er hinzusetzte, der „gute Doktor" werde, wie er glaube, seine Unterthanen nicht allzuschwierig zu be, Handeln gefunden haben." Der Korrespondent räth schließlich den in ihre Heimath rückkehrenden Friedensfreunden, in ihren ArbeitS- oder Speisezimmern die beiden Portraits deS Generals Haynau und Präsidenten Jaup nebeneinander zu hängen, daS eine als Symbol deö unter den Deutschen sich kundgebenden kriegerischen Geistes, das andere als Symbol deS Vertrauens auf den Frieden, welches sich so artig von Neuem in der Paulskirche ausgesprochen habe. Der „Standard" bemerkt: Hr. Hindley habe in der Paulskirche erzählt, daß er auf der Straße, einen Soldaten mit nnr einem Beine gesehen habe aber vergessen zu erzählen, wie viele Verkrüppelte und Verstümmelte in den englischen Fabrikstädten gesehen würden.
Ueber die Hauptfrage des Augenblicks, d. h. über die Haltung, welche die Generalräthe des Departements in Bezug auf die Revision der Verfassung einnehmen, spricht sich die lcgilimistische „Union" in einer Weise aus, die abermals beweist, daß Berryer und seine Partei in Bezug auf die Verlängerung der Präsidentschaft Louis Napoleon Bonapar- tc's zum Mindesten noch keinen festen Entschluß gefaßt haben. Die Sitzungen der Generalräthe , sagt die „Union", haben kaum begonnen, und schon kann man behaupten, daß die Anzahl derjenigen, die sich für die Revision der Verfassung aussprechen, weit geringer fein wird, als man cS bei einer gewissen Partei hoffte. Man wünschte lebhafte Diskussionen, die vor allen Dingen die Nothwendigkeit darthun sollten, das Oberhaupt der Erckutiv-Gewalt durch alle möglichen Mittel auf seinem Posten zu erhalten. ES scheint aber, daß die Debatten im Gegentheil ziemlich ruhig sind, und daß die Achtung vor der Verfassung überall die Wünsche um Revision derselben begleitet. Dieselben verlieren daher die Wichtigst, welche die ungeduldigen Freunde deS Elysee ihnen seit lange zuschrieben. Sie sind der Ausdruck eines ganz gesetzlichen Wunsches und keines, wegS eine Kundgebung von weiterer Bedeutung. Die Verfassung von 1848 enthält Mängel und Widersprüche genug. Es ist daher natürlich, daß der Gedanke an die Revision bei vielen Leuten entstehe. Allein man könnte nur mit Uebertreibung andere mehr oder minder abenteuerliche Schlüffe daraus ziehen. Die Gencralräthe bleiben noch mehrere Tage zusammen. Bezeichnendere Wünsche werden vielleicht ausgesprochen werben. Einstweilen stellen wir fest, daß die Revision der Verfassung bisher nur allgemeine, unbestimmte und ganz unschuldige Diskussionen hervorgerufen hat.
Deutschland.
* Wiesbaden, 4. Sept. Gegenstand der heutigen Verhandlung ist die Anklage gegen Agnese Weber geb. Kempcnich auS Hattenheim wegen Meineids. Agnese Weber ist dem Kaufmann Jo-