Nassauische Allgemeine Zeitung
M 205»
Samstag derr 31» August
1850
ist in
---. „ _ . . Wanderer erscheint einmal täglich in Gropf 0 lr 0 - F 0 r M at, mrt Ausnahme des SanntagS. - Der vierteljährige PrânumeeationSprciS des GroßherzsgthumS und Kurfnrstentbums Hessen, der Landgrafschau Yeffen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt
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Uebersicht. '
Die Bekenntnisse deS Johann Stauff.
Stimmen der Presse.
Deutschland. Wiesbaden (Feierlicher Trauergottesdienst für Louis Philipp. Angekommene). — Mainz (Bundesfestung). — Karlsruhe (Adresse. Jtzstein). — Stuttgart (BerfaffungSentwurf). — Von der Oo.S (Forderung Oesterreich's an Würtemberg). — Leipzig (Die Schwurgerichte). — Berlin (Die Denkschrift über die deutsche Frage. Die Union. Die Cbolera). — Neustrelitz (Glaßbrenner ausgewiesen). — Schleswig- Holstein (Nachrichten vom Kriegsschauplätze). — Wien (Zollverein. Donaufürstenthümcr).
Dänemark. Kopenhagen (Die Friedenspartei. Russische Orden).
Niederlande. Haag (Beschickung des engeren Rathes).
Frankreich. Paris (Die Reise des Präsidenten. General Castellanc. Vermittlung in Rom. Einstellung des Verfahrens gegen die Verhafteten. Louis Philipp. Vermischtes). Großbritannien. London (Louis Philipp'S letzte Augenblicke).
Polen. (Aufhebung der Zolllinie).
Neueste Nachrichten.
Die Bekenntnisse des Joh. Stauss.
(Aus der Darmst. Ztg.)
Am 3. Juni d. J. war Johann Stauff an die Straf, und Besserungsanstalt Marienschloß zu lebenslänglicher Haft abgegeben worden. Bei seiner Ankunft daselbst zeigte er eine gewisse devote Un« terwürfigkeit. Bald darauf bat er, daß ein sicherer Heinrich Schäfer, welcher am 6. Juni nach Marien- schloß gebracht werde und der schon inDarmstadt "fein Zimmergenosft gewesen sri, mit ihm die Haft theilen dürfe; der ankommende Schäfer stellte das gleiche Ersuchen, und man entsprach diesem und wurden dem Stauff auch religiöse und Unterhal- tungSbüchcr gegeben. Bis dahin hatte Stauff immer von seiner Unschuld gesprochen und zwar mit einem gewissen offenen und dünkelhaften Benehmen, welches jene wahrscheinlich bezeugen sollte, und in dieser Weise verfaßte er schon am 1. Juli ein Promemo- ria, das er als Gnadengesuch an Ee. k. H. den Großherzog abzusenden bat, welches nur Betheuerungen seiner Unschuld und offenbar ein neues Ge. spinnst von Unwahrheiten enthielt. Die höchste Entscheidung ließ sich voraussehen, und als diese abschlägig erfolgte, nahm Stauff die Verkündigung deS Bescheides mit großer Fassung auf. Am 8. August erfolgte durch Schäfer Anzeige, daß Stauff sich nunmehr entschlossen habe, in einem neuen Gnadengesuch das offene Bekenntniß seiner Schuld abzulegen. Stauff war an diesem Tage, so wie am 11. v. M. während des Gottesdienstes sehr nachdenklich, viel blässer als sonst, die Stirne gerunzelt, in seinem Aeußern die sichtbaren Spuren inneren Kampfes. Am 14. überreichte Schäfer Namens des Stauff das neue Gnadengesuch des letzter» (Bekenntnisse allgemeiner Art enthaltend und um Erlaß der Strafe unter Bedingung der Auswanderung nach Amerika bittend), so wie ein Schreiben, an den Grafen Görlitz, und fügte bei, Stauff wünsche sehr, den Direktor der Strafanstalt zu sprechen, als Stauff vor diesem erschien, erklärte er sich bereit, ausführlichere Geständnisse abzulegen, sowie alle Umstände, so weit sein Gedächtniß reiche, mitzutheilen; und rießmäl zeigte sich Stauff so zer- Uurscht und in Thränen zerflossen, daß man seiner mene Glauben schenken konnte, aber um seines über« aus bewegten Zustandes ihm Fassung gönnen und d e Depositton auf die nächsten Tage anberaumen mußte. —
. ^ /r zu diesem Zwecke am 16. vor dem Di- rektor Ealmberg wieder erschien, war sein innerer Zustand von dem vorangedeuteten merklich verschieden, er zeigte sich ruhig, und neben seiner üblichen Devotion hatte eine Art von Keckheit Platz genommen : er ermahnte seiner That, die er nunmehr zugab, nicht mit reuiger Scibsterkennung und Buße, son- dern mit leichtfertiger Gleichgültigkeit und meinte dafür schon hinlänglich gebüßt zu haben. Die Grä- lu , die er jetzt seine Wohlthäterin nannte, habe hm langst verziehen, denn in seinen Träumen er» $eine sie ihm in freundlichen Gestalten, der Graf aber und die Menschen würden ihm verzeihen,
wenn sie hörten, daß er die Gräfin nicht absichtlich gemordet habe. Während daS Protokoll niedergeschrieben wurde, führte er Reden und Fragen über andere gar nicht dahin gehörige Dinge. — Wir erfüllen unser gegebenes Versprechen, indem wir den Lesern nachstehend eine ausführliche und auS verläßlicher Quelle geschöpfte Mittheilung auS den neuen Stauff'schen Depositionen geben, diese ganz ihrem Urtheil überlassend.
Indem er die Vorereignisfe des verhängnißvollen TageS als bekannt vomussetztc und darüber hinwegging, gelangte Stauff, zu der fünften Nach- mittagSstunde, um welche er der Gräfin seinen Abgang ins großherzogliche Palais melden wollte, deßhalb hinaufging und hier die Thüre sowohl zu ihrem Vor- als Wohnzimmer offen fand und eintrat. Im Wohnzimmer war die Gräfin nicht; er warf einen Blick in daS Kabinet, dessen Thüre offen stand, auch hier sah er Niemand, wohl aber die Thüre zu dem braunen Eckzimmer angelehnt und vermuthete dort die Gräfin. Im Wohnzimmer war die obere Hälfte der den Sekretär schließenden Klappe herabgelassen, folglich waren die sonst verschlossenen Schubladen, worin er die Werthsachen der Gräfin wußte, leicht aufzuziehen. Gelegenheit macht Diebe; ihn lockten die Kostbarkeiten und er konnte dem Gedanken, sich hier zu bereichern, nicht widerstehen. Er öffnete di'e Schublade und nahm nun, wie er angibt, ein goldenes Bracelet, ein anderes auS Goldfäden, zwei weitere von Bronze, ein Paargol- dene Ohrringe, eine goldene Brosche und eine dreifache Schnur weißer Wachsperlen und steckte diese Sachen, deren einen Theil sein Vater später geschmolzen habe und die fast alle im EtuiS sich befanden, in seine Taschen.
In diesem Augenblick erschien die Gräfin auf dxr Schweij-e» e-rs K>,brne-v ano tute auf ihn zu ^ waS sie ihm zugerufen, wisse er nicht mehr, aber der Schreck vor den Folgen und die Beforgniß, durch einen Lärm der Gräfin nach außen ergriffen zu werden, habe ihn nur mit dem Gedanken, wie sich retten, erfüllt und in diesem habe er die Gräfin mit Kraft am Halse gefaßt und ihr beide Daumen in die Gurgel gedrückt. Sie suchte sich loszumachen, verwundete ihn, jedoch nur unbedeutend, an dem Ringfinger, er mußte für einen Augenblick sogar mit einer Hand lodiaffen, aber bei diesem Wider, stand strengte er sich an, nur um so fester zu halten. Der Kampf fand in der Nähe des Sekretärs statt. Nach 5 bis 7 Minuten sah er die Augen der Unglücklichen fest geschlossen, ihr Antlitz dunkel- roth uqb fühlte ihre Glieder erschlaffen, er sah, daß sie todt war, ihn überfiel Angst, er lies den Körper fallen, wobei der Kopf an die scharfe Kante der linken Ecke deS Sekretärs schlug und eine kleine Blutwunde erhielt. Nun eilte er hinaus, verschloß beide Thüren und lief aus dem Hause. Nachträglich darum befragt, gab Stauff an, daß die Rouleaux schon herabgclassen waren, als er in das Zimmer trat ; im Kabinet fei das Rouleau auch in der Regel herabgclassen gewesen. Einen Schuh (der Gräfin, welcher im Kabinet gefunden worden) habe er während und nach seiner That nicht bemerkt oder vielleicht nicht darauf geachtet. Die gestohlenen Gegenstände habe er, vor dem Fortgehen, in seinem Bette verborgen. Auf dem Wege nach dem PalaiS trat èr in daS Frei'sche Wirthshaus und stürzte dort drei Schoppen Wein hinab. Das Palais betrat er um 57, Uhr in der Angst, er komme vielleicht zu spät; allein die Tafel dauerte bieftmal länger und der Graf kam erst um 67, Uhr, wo nach Hause gefahren wurde. Als der Graf sich hier umgcklcidct und nach Oben ging, um seiner Frau vom Dessert zu bringen, war Stauff dadurch nicht besonders beunruhigt, weil er wußte, daß Niemand, auch der Graf selbst nicht, bei der Gräfin durch Klopfen sich Einlaß verschaffen durfte. Wirklich kam der Graf auch bald herab, bemerkend, seine Frau müsse ausgegangen sein, gab seinen Zimmerschlüssel an Stauff ab und verließ daS HauS um 7% Uhr.
Jetzt beeilte sich Stauff, seinen inzwischen auS- gefonnenen Plan auszuführen, nämlich allej Spuren des Verbrechens durch Feuer zu vertilgen und sich selbst uMS Leben zu bringen, wenn er dabei überrascht würde. Wegen des kühlen TageS hatte der Graf etwas Feuer im Ofen gehabt; von diesen noch glimmenden Kohlen holte er, nahm Zündspäne
und Zündhölzer dazu und eilte hinauf, wo die Gräfin noch wie früher auf der rechten Seite lag. Nur der Weingenuß habe ihm den Muth gegeben, die Leiche anzusehen und anzugreifen. Er stellte nun zuerst einen Stuhl vor die noch geöffnete Klappe des Sekretärs, ergriff dann die Gräfin, deren Glieder noch ganz gelenk waren, richtete sie auf den vor die Klappe gerückten Stuhl, legte ihre Arme auf die Klappe, so wie man thut, um den Kopf darein zu senken, legte diesen darauf, so daß sie mit dem Kopf vorgebeugt saß und mit der Brust, Armen, Hals und Kopf auf der Mitte der Sekrelärklappe auflag, gleichsam als ob sie schliefe. Er schüttete vor den Kopf die Kohlen, Kienspäne und Papier und zündete sie an; dann legte er auf den Divan im Kabinet einen flammenden Kienspan, verließ die Zimmer, verschloß sie, nahm beide Schlüssel mit sich und warf sie in den Abtritt. ' Den Grund zu letzterem Verfahren wisse er selbst nicht, da er später die Schlüssel leicht in den Zimmern der Gräfin hätte, widerlegen und so einen günstigen Umstand für sich haben können.
Stauff begab sich nun auf sein Zimmer, zündete hier ein Feuer im Ofen an und legte in dieses die Etuis, in welchen sich die gestohlenen Schmucksachen befunden hatten. DaS Feuer wollte aber nicht recht brennen und verbreitete großen Dampft Er fand, daß die Klappe des Ofenrohrs geschlossen war, öffnete diese und nun flog der zurückgehaltene Rauch mit einmal hinaus, welchen Hauptmann von Stockhausen gesehen haben mag. Mehrere in der Ofenkachel liegende Schächtelchen mit Zündhölzern habe er vergessen, und diese habe man dann verkohlt vorgesunden. Das von Kekule's gesehene Feuer könne nur daS auf dem Divan an« gezündete gewesen sein. Durch die in den Zimmern dex-Gxäflrr-iUiAszüudeteu Feuer wollte Stauff nur die Spuren seines Verbreches vernichten, nicht bedenkend, wie weit sich diese Feuer ausvehnen könnten, und, er widersprach allen etwa auf Anderweitiges bezüglichen Muthmaßungen und Annahmen. Als Frau Schiller im Hause erschien, will Stauff weder eine Mordabsicht gefaßt, noch viel weniger die Gräfin schon ermordet gehabt haben. Seine Unhöflichkeit gegen die Schiller, sei nur ein Widerschein des hastigen und kurzen Tones gewesen, in welchem sie nach ihrem Manne gefragt. Der Glockenzug im Zimmer der Gräfin, sagte Stauff, sei während des Kampfes nicht berührt worden und müsse wohl durch die Gluth im Zimmer verkohlt und dann durch seine eigene Schwere herabgerissen fein. Stauff nahm ferner alle gegen den Grafen ausgesprochene Verdächtigungen als unwahr und erdichtet zurück und bat diesen im Protokoll wegen der ihm ange- lhanenen harten Verunglimpfungen von Herzen um Verzeihung. Dem angeblich gegen den Grafen unternommenen Vergiftungsversuch aber widersprach er als erfunden und völlig ungegründet.
Als die Gründe seines bisherigen Läugnens führte Stauff an: Scham vor den Menschen, namentlich vor seiner Geliebten, um in deren Augen nicht als Mörder zu erscheinen; dann hoffte er immer auf ein „Nichtschuldig" der Richter, da über die That ein großes Dunkel schwebte; endlich habe er in einem ihm von dem Untersuchungsrichter mitgetheilten AndachtSbuche gelesen, daß Gott selbst jenen Sündern verzeihe, die, wenn auch ihre Schuld den Manschen nicht bekennen, doch vor Ihm Reue darüber empfänden und Buße thäten. Stauff schloß seine Deposition mit der Versicherung, daß er schon Millionen Thränen vergossen und Golt gebeten, ihn von diesem Leben der Qual und Reue zu befreien; er gebe gern tausendmal sein Leben hin, wenn er die That ungeschehen machen könn«; er sei kein böser, nur ein leicht aufgeregter Mensch und heftig. Schließlich bat er um die Gnade, sein übriges Leben in einem fernen Welttheile hinbringen zu dürfen.
Stimmen der Presse.
Die Neue Münchener Zeitung beginnt bereits gegen die österreichisch - preußische Verständigung in Betreff der Verwaltung des BundeScigenthumS zu reagiren: „Durch die vorgeschlagene besondere Kommission würden nicht nur dem einberufenen engern Rathe hochwichtige, ja unentbehrliche Mittel für