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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Freitag -en 30» August

1850,

Z Mass Alla Zeitlina mit dem Wanderer erscheint einmal täglich in Großsollo -Format, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PränumecationSpreiS ft i^WieSbaden für den Umfang des Her;ogtl,umS Nassau, deS GroßherzogthumS und KunurftentlmmS Hessen, der Landgrancha" Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt « S -Thurn - und Tarisschen VerwaltungSgebieteS S fl. IO fr. - Inserate werden die dreispaltige Petit, eile oder deren Raum mit » kr.

betet/ man in Wiesbaden in der L, Sch e ll e n b - r g' scheu Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern ,u machen.

Uebersicht.

Das Londoner Protokoll.

Stimmen der Presse.

Deutschland. Wiesbaden (Briefe aus Schleswig-Hol­stein. Herr Obristlieutenaut Breidbach - Bürresheim). Homburg (Dekorirung). Karlsruhe (Jtzstein). Kassel (Die Kammern), Berlin (Die deutsche Frage. Ablehnende Antwort. Burschentag). Oldenburg (Ge­rücht über die Beschickung deâ engeren Rathes). Altona (Major Klaproth). Rendsburg (Das Vorpostengefecht bei Altenhof). Swinemünde (Sturm). Prag (Handwerker nach Rußland). Wien (Die Mainzer An­gelegenheit. Konferenz mit Graf Neffelrode. Lenau. Di- Krönung).

Schweiz. Bern (Die Bundesangelegenheit).

Dänemark. Kopenhagen (Großfürst Konstantin. Ra­tifikation. Gefangene).

Frankreich. Paris (Die Gesellschaft des zehnten Dezem­ber. Demokratenkougrcß).

Großbritannien. London (Louis Philipps Tod).

Italien. Neapel (Die Schweizerregimenter. Das Preß­gesetz). Tur i n (Die römische Frage. Bianchi-Giovini).

Rom (Manifestation).

Amerka. New-Jork (Kaliforniens Aufnahme in die Union. Neu-Meriko. Expedition nach Kuba. Daâ kana­dische Parlament).

Neueste Nachrichten.

Sprechsaal für Stadt und Land.

Das Londoner Protokoll.

DaS Protokoll der Londoner Konferenz ist ein Râihfel ;. Folgendes ist der Schlüssel dazu. Die Deutschen benutzten die Bewegung von 1848 , um ihr Land zu einer Seemacht zu machen; Sie dekre- tirten eine Flotte, und sprachen Schleswig und Holstein mit einigem Grund als ein Theil ibreS Staatenbundes an. Das gab ihnen beide Ufer der Elbe und den Hafen Kiel. (Beides war nicht streitig!) jAbec nun sind die vier Seemächten Europa'S, Frankreich, Rußland, England und Dä­nenmark, zusammengetreten, um durch ihre Bevoll­mächtigten zu erklären: Deutschland soll keine See, macht werden. Und damit Deutschland nicht die Mittel erlange, eine zu werden, wollen sie gemein­sam erwirken, daß beide Herzogthümer künftig einen integrirenden Theil von Dänemark bilven sollen. So würde ein Theil der Elbe antideutsch, während die Güter und jeder Hafen der wichtigen Halbinsel, welche die Ostsee vom Ocean scheidet, gleicher Weise für dänisch erklärt wird. Deutschland, den Einzel- staaten wie dem Bunde, wird verboten, sich darein zu mischen; die Deutschen sollen sich nicht anmaßen eine Seemacht zu werden. Allein die sicherste Art, alle Eifersucht und Energie eines großen Landes in die Richtung auf ein Ziel zu lenken, ist leider, wenn man dasselbe beleidigt und reizt durch die Erklärung, daß ihm die Erreichung dieses Zieles nicht erlaubt werden soll. Das Verbot der Lon­doner Konferenz wird nur die Folge haben, daß cs dem deutschen Volksherzen tiefer den Wunsch ein­prägt, den Lauf und die Mündung der Elbe, so wie den Theil der cimbrischen Halbinsel, der nach Abstammung und Sprache, so wie durch die alte Satzung und Abmarkung Europa'S deutsch ist, zu seiner freien Verfügung zu haben. Wenn je ein deutscher König sich populär machen will, wenn je ein deutscher Patriot den nationalen Enthusiasmus entflammen will, so wird er auf Holstein zeigen und sagen:Da ist ein deuftcheS Land, das man auf das Geheitz fremder Mächte von Deutschland g'.risten hat. Auf, und laßt uns das Unsrine wieder erobern!"" 1 u

3n diesem Falle sind aber England, Frankreich und Rußland nun verbunden, mit Deutschland Krieg anzufangen, um es zu verhindern. Aber jeder die,er Staaten würde sich in einen Krieg zu solchem Zwecke nur soweit einlassen, als es jewei­lig in seine eigene Rechnung paßte. Frankreich wurde jederzeit bereit sein, seine Protektion Däne- eine Stadt am Rheine zu verkaufen. Und England! welcher englische Minister dürfte ^,n' d?S epische Volk zum Kriege aufzufor. dein, um Holstein an Dänemark zu vergeben ? WaS kümmert sich daS' englische Volk darum, daß Hol­

stein danisirt werde? Deßhalb betrachten wir den vorige Woche in London abgeschloffenen Vertrag als eine bare Null. Möglich, daß er für den Au­genblick den König von Dänemark in den vollen Besitz der Herzogthümer bringt, wiewohl dies nicht so klar ist. Aber ob er sie definitiv und bleibend für sich bewahren kann, das wird davon abhangen, wie er sie regiert und die Zuneigung ihrer Bevöl­kerung gewinnt. Als DeSpot mit dem Schwerte regierend, und in seiner Politik von den Befehlen Rußlands geleitet, wäre die Herrschaft deS Dänen- königS über die Herzogthümer ohne Dauer und ohne Werth. Aber obschon die Seemächte ein gemein­sames Interesse hatten, die Deutschen vom Meere zu verdrängen, sie zu hindern, daß sie auch nur einen Zinken von Neptuns Dreizack fassen, so hat doch jede derselben wieder ihre besondern Zwecke. Rußland will das dänische Reich in seiner Inte­grität, nebst dem Wächtcramte über den Sund, für den Herzog von Oldenburg, den Vetter des Kaisers, mit anderen Worten: für sich selbst, er­halten. England, dessen Interessen durch die Aus­dehnung des allzu prohibitiven Zollvereins gehemmt und bedroht sind, sah mit Mißvergnügen, wie die­ser Zollverein gegen Holstein, Hamburg und Meck­lenburg vorwärts drang; so sichert eS durch diesen Vertrag sich mindesten Holstein. Frankreich fürchtet nicht blos die maritime Entwicklung Deutschlands, sondern auch seine Territorial-Einheit, und wünscht Deutschland gelähmt durch Wiebercinsperrung in den engen und armseligen Käfig feiner alten Bun­destags Verfassung., welchem französisch-russischen Wunsche leider der deutsche PartikulariSmus selbst am fördersamsten in die Hände arbeitet.

Ob nun diese kleinlichen Gründe stark und plausibel g-uug^ âwv4ur, ,Èle Urrzul-iuglichkr.it deS vorgeschobenen Haupt-Beweggrundes zu ergân- zen, daS möge Jever für sich beurtheilen. WaS wir bezeichnend hervorheben , das ist die Ungerech­tigkeit des Vertrages. Er verstößt nicht blos gegen daS europäische Slaatsrecht und die wohlverbrieften Rechte der Herzogthümer, sondern auch gegen die Wiener Verträge. Die Unterjochung der Herzog, thümer mit dem Schwerte, ohne ein einziges redli­ches und aufrichtiges Anerbieten zur Befriedigung ihrer gemäßigten Ansprüche, muß die Folge haben, Schleswig-Holstein in einen Heerd der Unzufrieden­heit und der Rebellion zu verwandeln, welcher nur durch die bleibende Anwesenheit eines großen Heeres darnieder gehalten werden könnte. Gün solches Sy­stem würde Dänemark, für dessenIntegrität"" man eintritt, gänzlich zu Grunde Achtem Dies aber ist die unvermeidliche Zukunft, der seine Ver­bündeten eS jetzt entgegenführen.

Stimmen der Presse.

Der Kölnischen Zeitung wird aus Wien ge­schrieben: Vor ungefähr vierzehn Tagen gab man sich in den Feldlagern deS hiesigen und des Berliner Kabintcs den Anschein, als wolle man die Rüstung ablegen und in leichtem Ballgewande eine Versöh. nungS-Contredanse anführen. Noch dröhnte daS Echo journalistischer Kanonade, und schon machte man sich bereit, die MelodienHeil Dir" undGott erhalte" in einander verschwimmen zu lassen. Wir achteten wenig auf dieses Gerede, weil wir nur zu gut wissen, welche Manöver versucht werden, um da und dort zu influiren; wir kennen die Taktik, sich daS Ansehen des Schlummerns zu geben und dann gepanzert zu überrumpeln und wissen, daß bei allem freischützmäßigem Halloh der wilden politischen Jagd zuletzt der Ruf erschallt: Schieß nicht, ich bin die Taube! Wir verharren fest und unverbrüchlich bei unserer wiederholten Angabe, daß der österrei­chische Premier-Minister weder mit dem preußischen Kabinete sich versöhnen, noch mit Preußen Krieg fuhren kann und wird. Und wenn alle Armeekorps an die deutschen Gränzen rücken, wenn man Schlacht­plan.- entwirft und die Parole austheilt, wenn man die Kanonen abprotzt und die Mannschaft mit bren­nenden Lunten hinpostirt, wenn selbst der Komman- dant schon den Mund geöffnet hat, um Feuer - eS wird dennoch, außer aus Versehen ober Mißverstandniß, kein Schuß gegen Preußen fallen. Und eben so wenig ist nach den jetzigen Sach- und

Personalverhâltnissen eine Aussöhnung möglich, die mehr als ein eigentlicher Waffenstillstand wäre.

Fürst Schwarzenberg hat noch immer keine Proposition außer bem Bundestag, den er im Na-- men des kaiserlichen Hofes selbst ächtet: die von der Pfordten'sche Mißgeburt wird auch jetzt schon als eine einzuscharrende Leiche erkannt, und alle Versuche und Anstrengungen, um auS dem großen HandelSprojekte eine politische Schöpfung herauSzu- schälen, müssen mißglücken, wie jeder HauSbau, der beim Giebel begonnen wird. Man ist nach den angeb­lichen Siegen in der Diplomatie in großer Furcht, eine Niederlage zu erleiden, wenn der engere Rath als Trophäe eingesetzt wird, und mit Hast griff man nach der Berliner Depesche, um sich wieder geschmeidig und bereitwillig zu zeigen. DaS Ans- kunftSmittel, die Verwaltung deS BundeS-Eigen- lhumeS von der obfchwebcndcn BundeS-Gestaltuug zu sondern, löst auch nicht eine Masche deS wirren Knotens und flößt neuerdings geringes Vertrauen ein in die diplomatische Apotheke an der Spree; gleichsam mit leichtem Anfluge von Spott und über­legener Einsicht heißt es in der Depesche an Pro- kesch:Wir können unsere Ueberzeugung nicht ber­gen, baß daS beabsichtigte Auskunftsmittel, wenn auch in versöhnlichstem Geiste gehandhabt, sich den noch sehr bald, als unzureichend erweiten werde". Wie zwei als Mohren maSkirte Statisten fürchten sich die leitenden Männer an der Spree und der Donau vor einander, es könnte doch Einer der wirkliche Schwarze sein, und so gehen sie gegen einander los und fliehen vor einander.

Fürst Schwarzenberg droht, und bekommt er eine gespornte Antwort, so schreibt er zuvorkommende Privatbriefe; Manteuffel ist nachgiebig wie Gummi- Elastikum, nm, wenn man ihn total zerquetschen will, springt er seitwärts in die Höhe. Aber die deutsche Angelegenheit ist bei allem dem um keine Linie vorwärts, obwohl die Union um viele Klafter rückwärts, gekommen. Dies betrachtet man hier als einen Sieg, und auf diese Rückschritte baut man mehr, als auf alle Beschlüsse des Plenums oder des engeren Rathes. Für jetzt ist Stillstand. Die Nach, richt, baß in Berlin schroff und bestimmt die Ein- ladung zur Bilbung deS engeren Rathes abgelehnt wurde, wirkt verstimmend; denn man hatte eine solche bezibirte Abweisung nicht erwartet. Die Ver­treter der Frankfurt beschickenden Regierungen sind nicht so sattelfest, daß sie nach solchem Stoße sitzen bleiben. Man ist also der Dinge gewärtig, die bis zum Beginne deS nächsten Monats sich entwickeln müssen. Einstweilen wird die kaum zurückgchaltene Meute der Gouvernementalen wieder gegen die Mi, nisteriellen Berlins losgelassen werden, und schön spricht ein subventionales Blatt:Eine Analyse der Beweggründe und Zielpunkte der preußischen Politik ist gleichbedeutend mit einem Verdammungs- Urcheile über dieselbe".

Deutschland.

* Wiesbaden, 29. August. Zufolge der aus Rendsburg erhaltener zuverlässiger brieflicher Nach- richten scheint es keinem Zweifel mehr zu unterlie­gen, daß nächstens die schleswig-holsteinische Armee die Offensive ergreifen, und die Dänen zur Schlacht zwingen wird. Ueber Herr von Breidbach-Bür­resheim ersehen wir, daß derselbe seine Dienste ungesäumt nach der Schlacht von Idstedt der Statt­halterschaft aiigeboten, von dort erst vor Kurzem eine Einberufung erhalten, und derselben bereits Folge geleistet habe. Herr von Breidbach-BürreS- heim war früher Herzog!, nassauischer Oberstlieute­nant, erster Flügeladjutant Sr. Hoheit deS verbli­chenen Herzogs Wilhelm, in besten Stabe er die Kampagne vom Jahre 1815 mitgemacht, sowie auch herzogl. nassauischer Oberstallmeister und ist s. Z. ohne Pension ans seinen Dienststellen geschieben. Seiner militärischen Tüchtigkeit wird allseits lobend gedacht.

Homburg, 27. August.Der landgräfliche Bevollmächtigte erklärte Hr. von Holzhausen in der dritten Sitzung der Bundesversammlung vom 7. August ist ermächtigt, der Präsibialproposi- tion vollständig beizustimmen." Oesterreich ist nicht undankbar. Herr von Menßhengen hat heute dem