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in bem Verdikte jedenfalls ein Dienstverbrechen aus- gesprochen fand.

Der Assisenhof erkannte in seinem Urtheil: eS sey nach der Antwort der Geschworenen nur stehen geblieben , daß der Angeklagte einen vorhan­denen Kassendefekt durch Erstattung unrichtiger Be- richte und durch Fälschung der Bücher zu verdecken gesucht habe, eine eigentliche Veruulreung aber (wie der Art. 469 sie bezeichne) nicht begangen worden sei. ES folgte sodann die Verhängung der Strafe auf den Grund deS Art. 472, mit deren Quantum wir unS hier nicht weiter zu befassen haben.

Der Vertheidiger aber legte die Nichtigkeits­beschwerde ein. Er stellte hierbei drei Anträge, von welchen die beiden ersten sich lediglich gegen daS Strafuriheil des AssisenhofS richteten, und erst der dritte, ganz eventuelle, bis auf den Wahrspruch der Geschwornen zurückging, dahin nämlich, daß der Kassationshof denselben aufheben möge, weil er, wenn man ihm nicht die von ihm, dem Defensor, in den beiden ersten Anträgen gegebene Auslegung geben wolle, undeutlich oder in sich widersprechend sei. Welches war aber die Auslegung, oder viel- mehr, welches waren die b e i d e n Auslegungen, die der D?fensor der Antwort der Geschworenen geben zu müssen glaubte, um sie als deutlich und nicht in sich widersprechend anerkennen zu können? In erster Stelle fand er darin die Eriffnz einer That bejaht, die in keiner Weise vom Gesetze mit einer Strafe bedroht, also gar kein Verbrechen sei (bei der Verlesung des VcrdiftS hatte er ein Dienstv erbrechen darin erkannt.) Sollte aber der Kassationshof auf diese Ansicht nicht cing.heu wol­len, so ließ der Defensor die Deutlichkeit deS Ver­dikts auch für den zweiten Fall noch unange­fochten, daß man zwar ein Verbrechen darin bejaht fände, aber doch ein solches Berbrechen, auf welches die von dem Afsiseuhose ausgesprochene hohe Strafe gesetzlich nicht passe. Erst wenn auch diese Inter­pretation nicht durchginge, glaubte der Defensor dem Verdikte die Eigenschaft der. Deutlichkeit ab­sprechen und die Kassirung desselben verlangen zu müssen.

Der Kassationshof erkannte ebenso, wie der Assisenhof gethan hatte, den Ausspruch der Ge­schworenen als deutlich an und hielt ihn folglich aufrecht; aber er gab diesemdeutlichen" Ausspruch eine ganz andere Deutung;, als jener. Er fand nämlich nur das Verbrechen der Veruntreuung im Dienste, nicht aber den Versuch der Verdeckung ei­nes NezesseS durch falsche Einträge und Berichte, konstatirt; er kassirle demzufolge das U theil deS AssisenhofS und strafte auf den Grund der Art. 469 und 470, nicht des Art. 472

So war, um die Sache nochmals zusammen- zufassen, in dem auch von der höchsten Gerichtsbe­hörde für deutlich erklärten Verdikt als bejaht er­kannt worden : 1) vom Staatsanwalt: Veruntreu­ung im Dienste und Versuch der Verdeckung eines Rezesses, 2) vom Assisenhose: bloß diese Ver­deckung, 3) vom Vertheidiger: in erster Stelle gar kein Verbrechen, eventuell zwar ein Verbrechen, aber jedenfalls nicht das vom Assisenhose angenommene, 4) vom KassationShofe: bloß die Veruntreuung im Dienste.

Und was war endlich, oder vielmehr ursprüng­lich, die Auslegung, welche die Geschworenen selbst, auf die eS hier doch als Ausleger am meisten an­kommen muß, ihrem Ausspruche gegeben wissen wollten? Dürfen wir der Mittheilung Einzelner unter ihnen glauben, und wir haben keinen Grund zum Zweifel, so wollten die Geschwore­nen durch die Erklärung, eS fei nicht bewiesen, daß der Angeklagte diè fragliche Summe unmit­telbar sich zugeeiguet und raß er die Verun treuung im Dienste zu verstecken gesucht habe", den Thatbestand in der Weise bestimmen, daß die dem Angeklagten zur Last fallenden Handlungen nicht als im Dienste begangen anzusehen seien, und sie be­absichtigten somit dieselben von der Kategorie der Dienstverbrechen gänzlich auszuschließen.

War dieS wirklich die Meinung der Geschwore­nen, so wird sich allerdings nicht leicht behaupten lassen, daß sie in ihrem Verdikte den adäquatesten AuSdrUck für dieselbe gefunden haben. (Darmfi. Z.)

Deutschland.

* Wiesbaden, 22. August. Für die außeror­dentlichen Assisen deS III. Quartals deS JahreS 1850 werden als H a up tg e s ch w o r ne fungiren : Johann Dâr von Frauenstein; Andreas Prasse! von Caub; Philipp Caspar Engel von Esch; Müller Heinrich Pfeifer von AnSpach; Lorenz Eber von Hochheim; Lehrer Hendorf von Id­stein; Wilhelm Löw von Wiesbaden; Feldgerichts- schösse Jätob Wagner von Rauenthal; Daniel Wiegand von Wörsdorf; Oekonom Johann Anthes sen. von Sulzbach; Bürgermeister Phi­lipp Buhlmann von Naunstadt; Bürgermeister Wilhelm Hofmann von Katzenelnbogen; Philipp Kahl 7r von Massenheim; Bürgermeister Kleber von Diedenderger; Gottfried Pfaff jun von Kö­nigstein; Kaufmann Jakob Dienst von Hatters­

heim; Jakob Christoph Schaller von Oberursel; Brunnenkommiffär R o t l w i t t von Niederselters ; Johann Roth von da; Hausverwalter Friedrich Aug. Riehl von Schlangenbad; Rudolph Eis- feller von Nassau; Johann Heinrich Diefen­bach von Langenschwalbach; Joseph Schaurer von Camp; Konditor Friedrich Scholl von- deSheim; Philipp S ch > e i ch e r von Eppstein ; Bür­germeister Adam Weinbach von Kriftel; Holz- Händler Anton Schweitzer von Höchst; Philipp Christian Zimmerschied von EmS; Müller Fr. Will von der Elendsmühle bei Heinzenberg; Kon­rad Halm 2r von Glashütten.

AlS E r g ä nzun g Sg esch wo rnne; Doktor Müller von Wiesbaden; Philipp Carl Schwär­zel von da;, Daniel Stuber von da; Lorenz Petri von da; Ludwig Neuendorf von da; Heinrich Berges von da; Daniel Rohr von da; Karl Götz von da; Kappenmacher Fra undt von da.

* Wiesbaden, 22. August. Vorgestern und gestern sind angelangt: Vikomte de Jturigaray; Hr. Valdivielso; Hr. Chonest; Hr. Nauroy ; Graf Leon de Bethune; Hr. Sabic Philippon; Graf Colinet; Baron de Bionville; Baron Aug. de Bionville; Graf Dillars; Baron Foucauld, Oberst; Baron Brugiere, Kapitain; Baron Karbonicre; Hr. Dau­der de Peril; Hr. de Richemont; Hr. Larregny de Civrieur; Graf de Lezardiere; Hr. d'Espaulart; Hr. de Piperey aus Paris; Hr. d'Orthal, Oberst auS Versailles rc.

Frankfurt, 21. August. (O.-P.-A.-Z.) Die gestrige Nachricht über den beklagenswerthen Unfall auf der Mainweserbahn , sind wir durch die Direk­tion in den Stand gesetzt dahin zu berichtigen, daß, so weit jetzt bekannt, 2 Personen todt, 3 stark, 5 leicht und 9 sehr wenig verletzt sind.

Frankfurt, 21. August. (F. I.) Zn dem hier stattfindenden Friedens-Kongresse, welcher Morgen Vormittag um 10 Uhr in der denkwürdigen PaulS- kirche eröffnet werden wird, werden heule Nachmit­tag und am Abende noch eine große Zahl französi­scher , englischer und amerikanischer Gelehrten und Philanthropen erwartet. Aus unserer Stadt hatten sich bis heute Mittag etwa 40 Thcilnehmer schrift­lich gemeldet. Dagegen ist die Zahl der aus dem übrigen Deutschland angemeldet habenden noch sehr gering zu nennen. Geheimer Staalsrath Dr. Jaup, der sich, um an diesem Kongresse Theil zu nehmen, bereits hier befindet, dürfte wohl dazu ausersehen werden, die Würde eines Vizepräsidenten zu begleiten.

Frankfurt, 21. August. (O.-P.-A.-Z.) Gestern waren die hier anwesenden Mitglieder des Aus­schuffs des letzten, zu Paris gehaltenen FriedenS- KongresseS versammelt, um die Resolutionen aufzu- ftelkn , welche dem Morgen hier zu eröffnenden Kongresse zur Annahme vorgelegt werden sollen. Der erste in Vorschlag gebrachte Satz war in einer All­gemeinheit gefaßt, wonach schlechthin alle Kriege alsder Religion, der Moral, der Vernunft und der Humanität zuwiderlaufend" bezeichnet wurden. Sicherem Vernehmen nach verlangte Dr. Carovë die Einschaltung einiger Worte, durch welche aus" drücklich die Ergreifung der Waffen zurrechtmä­ßigen Selbstverlhcidigung" von jener Verwerfung I ausgenommen wurde. In Folge der Ablehnung dieses ausführlich begründeten Antrages soll nun Dv. Carovö bei den Arbeiten des hiesigen Kon­gresses sich nicht mehr betheiligen zu können er­klärt haben.

Darmstadt. Weitere Wahlen: Zur zweiten Kammer, in Büdingen: der Oberstudienrath Dr. Thudichum. Zur ersten Kammer in Osthofen-West­hofen, Weisheimcr von Osthofen; in Heppenheim- Worms : O.-A.-G.'Rath Schenk.

Kassel, 16. August. Minister Hassenpflug hat vor Kurzem eine persönliche Zusammenkunft auf der hessen-darmstädtischen Gränze zwischen Marburg und Gießen mit Hrn. Aber, der in seiner Abwesen­heit interimistisch vcm Ministerium des Innern vor­steht, gehabt. Man will wissen, daß auch der Kur­fürst dieser Konferenz beigewohnt habe. Eine Folge derselben war die Einberufung der Ständeversamm- lung auf den 22 August. Ohne Zweifel hat Herr Hassenpflug bereits seinen Entschluß für alle mög­liche Fälle gefaßt. (D. M.)

Leipzig, 17. August. Gestern ist die Vollmacht für Den Umversitälsabgcordnctcn, unterzeichnet von Dem Rektor, den Prodekanen der theologischen und juristischen Fakultät (Domherrn Dr. Winer und Dr. Schilling), dem Dekane Der medizinischen Fakultät (Hofrath Dr. Jörg) und dem Prodekane der philo­sophischen Fakultät (Professor Dr. Westermann), dem Professor Dr. Tuch auSgchandigt worden.

Leipzig, 10. Aug. Von Den Maiangcklagteu in Werdau sind fast alle, gegen 40, begnadigt wor­den. Ausgeschlossen davon sind namentlich Advokat Schubert und Buchhändler Schreiter, welche beider­seits auch noch verhaftet find.

Berlin, 19. August. (D. Z.) Heute findet i» Sanssouci ein Kabinetsrachs statt, dem auch König beiwohnt, nachdem schon am Sonnabend das Staatsministerium die österreichischen Vorschläge be, rathen hatte. Das nächste Ergebniß gibt wohl die gestrige telegraphische Nachricht. DieLith. Corr« sagt vorgreiflich, die Verständigung sei in der SaH als erfolgt anzusehen; sie hat aber überdenangeb­lichen Inhalt nur unklare Andeutungen. Als In, stanz, sagt sie, für.die schwebenden Streitfrage» zur Beseitigung formeller Bedenken, wie auch >^ einer weiteren Feststellung der äußeren Forme» wünscht man preußischer Seils die Entscheid«»- aller Deutschen Regierungen in Anspruch zu nehmen Bei dieser Konstruclion einer entscheidenden Jnstain werde man auch österreichischer SeitS auf die von geschlagene Austrägalinstanz verzichten.

Die konstitutionelle Partei empfiehlt jetzt, mit die Lith. Corrsp. meldet, den preuß. Gesandten in London, Ritter Bunsen als Kanditaten für die zweiten Kammer. Namentlich soll man am Rhei» bei einer Wahl sein Augenmerk auf Herrn Bun­sen richten.

Berlin, 19. August. (Lith. Corr.) Die Ab­geordneten, welche von England aus den Friedens, Kongreß besuchen wollen, haben sich an die preuß, Ministerien deS Innern, der Finanzen und des Aus, wärtigen mit dem Gesuche gewendet, daß ihnen p einer Reise durch den preußischen Staat der Bch eines Reisepasses nachgelassen werde und eine Duch suchung deS Gdpäckes nicht statlfinden möge. Dm Gesuche ist Seitens der genannten Ministerien gewiß, fahrt worden.

Der Major vom großen Generalstabe, Herr v. Voigts-Rheebz welcher sich gegenwärtig in Posen besindet, soll eine Mission nach Frankfurt am Main erhalten, um dort dem General von Surfer" zur Seite zu stehen. .

Wien, 17. August. (Nat.-Zkff) " Wie En bereits wissen werden, brachte heute die ministeriell! Reichszeitung" an der Spitze ihrer Nachrichle» nach derOesterr. Corresp." die großartige Notiz, daß unsere Regierung auf Grundlage der in Frank­furt am 7. und 8. gefaßten Beschlüsse des Bun- beSplenums (neun Stimmen, worunter die deè dänischen Gesandten, dessen König Deutsch- land mit Krieg überzieht!) die Aufsorderung an sämmtliche Mitglieder des deutschen Bundes zur R e a k t i v i r u n g der Bundesversamm­lung ergehen lassen." DieOesterr. Corresp.".ast der Tagesbefehl, der aus den ministeriellen Bureaup ergeht und den Reaicrnnasorgau^ . das jeweilige Losungswort überbringt. In einem Worte jener Notiz tritt unS die ministerielle Vaterschaft entschie­den entgegen:R eaktivirung der BundeS- v e r s a m m l u n g." Dieser Ausdruck kommt direkt aus der Staatskanzlei; nur Fürst Schwarzenberg kann sein Schöpfer seyn. Mit derReaktivirung der Bundesversammlung" ist endlich die Reihe der Metamorphosen, welche die Schwarzenberg'sche Idee seit anderthalb Jahren durchmachte, beendigt. Mün­chener Projekt, Staatenkongreß, Plenum, engerer Rash mit Reformbestrcbungen, diese waren die ver­schiedenen Formen, unter welchen sich die einzige un­wandelbare Idee deS alten Bundestages uns je nach den verschiede-denen Zeitpunkten prâsenlirte. Die letzte Hülle ist nun gefallen. Der Bundestag hat nie zu bt- stehen aufgehört; er war nur müde. Die Reaktiviruv erweckt ihn aus seinem momentanen Schlummn. Soll das Bild vollständig sein, soll es die Id« seines Schöpfers treu und ganz wiedergeben, so müssen wir auch Hrn. v. Münch in den nächsten Tagen in Frankfurt wieder einziehen und seinen Platz auf dem Präsiventenstuhl deS Bundespalastes einnehmen sehen. Doch in diesem Punkte soll Schwarzenberg zu Konzessionen geneigt seyn; er will mit Preußen den Präsidenlenstuhl theilen, er weiß, wie theuer Preußen diesen Ehrenplatz (?) bezahlen muß. Man sagt heute in wohlunter­richteten Kletten, daß vom preußischen Kabinete hierher Vorschläge eingegangen sind, die von den Bestrebungen unseres Ministeriums nicht mehr weit abseits liegen. Man geht so ziemlich auf Alles ein, man will d i e Union fallen lassen, den engeren Rath beschicken. Doch müßte dieser sogleich zur Revision der Bund es- a h e schreiten, und die Beschlüsse müßten nach ab­soluter Majorität aller Stimmberechtigten gefaßt werden. Wenn man durch diese Vcrklausulirungen das Urtheil Deutschlands irre führen wollte, oder wenn man durch geschickte Umgestaltungen der Geschäftsordnung, in Frankfurt das verlorene Terrain retten wollte, so ist man wohl sehr, im Irrthume. Auf dem Parquet des Bundes-. tagSpalasteS lassen sich die österreichischen Diploina-. ten der Slaalskanzlei nicht den Rang ablaufen; Preußen hat einen andern Boden für einen rühmli­chen Kampf, hat eS diesen ausgegeben, so muß eS wieder Oesterreich den Vorrang überlassen..

Wien, 16. August. (Allg. Z.) Der Regierung ist vermittelst telegraphischer Depesche die höchst wichtige Nachricht zugegangen daß, Hr. v. Man­teuffel ;m Ministerium bleibt , obwohl die Union