Biebrich, um seinen Gegenbesuch zu machen, traf aber den Herzog nicht mehr an.
Heute wurde dem Grafen von Chambord von dem rühmlich bekannten Maler Octave b « Roche- bru ne ein Gemälde: daS von Franz I. erbaute im Departement Loire et Cher gelegene Stammschloß Chambord darstellend, hier überreicht.— Das Gemälde ist meisterhaft auSgeführt. Der reichvergoldete Rahmen ist mit dem Wappen Frankreichs und dem NamenSzug deS Grafen geschmückt.
* Wiesbaden, 15. August. Unter den gestern angekommenen Fremden befinden sich: Hr. Boiffils, Advokat, Hr. de Conn, Propr., Graf de BroyeS, Graf Philipp du Luart, Marquis de Gaucheville aus Paris; Baron ve Montecloque, Hr. Thellier de SarS, Trlbunalpräsident auS ArraS; Hr. Thellier de Poucheville auS ValencicnS; Hr. Nebelte, Advokat, Graf de Maurui, Hr. Gardey, Marquis d'Epinay de St. Luc, Hr. David aus Paris; Hr. Solle auö Vesaul; Hr. Adilol Baille auS Montpellier.
Kassel. In dem hiesigen Komite für Schleswig - Holstein sind folgende nähere Angaben des schleswig-holsteinischen Departements deS Kriegs über die Annahme von Offizieren zugegangen: 1) Fremdherrliche Offiziere, welche definitiv in die schleswig-holsteinische Armee eintreten, werden nach ihrem ersten Offizierspatent, d. h. nach ihrer Ge- sammtdienstzeil als Offiziere, cingereiht, wobei indessen den hier bereits in Dienst stehenden Offizieren eventuell die hier mitgemachten FeldzugSjahre doppelt in Anrechnung gebracht werden. Da daS hie, sige Offizierkorpö, namentlich in den untern Chargen, ein sehr junges ist, so kommen die fremdherrlichen Offiziere bei solchem Einrangiren unverhâlt- nißmäßig gut zu stehen gegen die Stellung in ihrer eigenen Armee. Offiziere, welche unter vier Jahre als solche gedient haben, treten alS Sektzndc- lieutenants, aber nach ihrem Dienstalter, ein; bei vier bis acht Jahren Dienstzeit als Premicrlieute- nantS; bei acht bis dreizehn Dienstjahren alS Hauptleute zweiter Klasse; bei längerer Dienstzeit alS Hauptleute erster Klasse. Der Unterschied der beiden Klassen von Hauptleuten besteht nur in der Gage. Jeder Hauptmann zweiter Classe ist Kompagniechef einer eigenen Kompagnie. Das Avancement läuft durch alle Truppentheile einer und derselben Waffe. 2) Die Anmeldungen zum Eintritt geschehen beim Generalkommando der schleswig-holsteinischen Truppen, sowie auch mit^ dieser Behörde die ersten Anstellungs-Verhandlungen geführt werden. In den schriftlichen Gesuchen sind die bisherigen militärischen Verhältnisse im Umriß darzulegen, sowie die Offiziers-Patente, respekt. Entlassungs - Patente und Qualifikationszeugnisse gleich beizufügen. Durch persönliches Melden beim kommandirenden General v. Willisen wird die ganze Angelegenheit sehr erleichtert und beschleunigt. 3) Die angestellten Offiziere erhalten ein sogenanntes Mobilmachungsgeld : der Seconde« lieutenant 50 Mark, der Premierlieutenant 62 M. 8 Sch., der Hauptmann 150 M.; deßgleichen eine Vergütung für Reisekosten von ihrem Wohnsitz bis ins Hauptquartier, gegenwärtig Rendsburg, mit % Thlr. preuß. für die Meile. 4) Nach dem definitiven Eintritt stehen sie in jeder Beziehung den eingebornen schleswig-Holsteinischen Offizieren gleich. Ein Militärpensionsgesetz gibt Anspruch auf Pension, welches bei Verwundung oder Invalidität in unmittelbarer Folge des FeldzugS, ohne Rücksicht auf die Dienstzeit, sehr ansehnliche Pensionen auswirft. 5) Offiziere, welche nur mit Urlaub versehen hier eintreten, erhalten als Volontäroffiziere eine ihrem Dienstalter angemessene Verwendung. Verbleiben dieselben während der Beurlaubung in ihrer Gage, so wird ihnen hierselbst eine neue Feld- zulage auSbezahlt, sowie Naturalquartier und eventuell eine Verpflegungsportion verabreicht.
München, 11. August. Die Nachricht, daß die bayerische Regierung gesonnen sei, der schleSwig- holsteinischen Statthalterschaft die rückständigen Truppenverpflegungsgelder auszuzahlen, bestätigt sich nicht: das verstand sich im Grunde von selbst. Aber auch die weitere Nachricht, daß König Ludwig dem Oberst- lieutenant v. d. Tann die Summe von 36,000 fl. für die Herzogthümer angewiesen und selbst, daß er den Liedertafeln, welche ihn zu ihrer Produktion für Schleswig-Holstein geladen, 1000 fl. eingehändigt, hat sich nicht bewahrheitet. Der deutschgesinnte Monarch wird seine warme Theilnahme ohne Zweifel auf nachhaltigere Weise an den Tag legen und die Herzogthümer ansingen. — Inzwischen fließen die Beiträge von minder hochgestellten Personen in erfreulicher Weise fort und die Kammer der Abgeordneten hat 540 fl. gespendet.
Der Ministerpräsident v. d. Pfordten ist, um seine sehr angegriffene Gesundheit zu stärken, auf drei Wochen nach Kissingen gegangen. Eben dort stärkt bekanntlich auch der russische StaatSkanzler, Graf Nesselrode, seine sehr angegriffene Gesundheit.
Gotha, 12. August. Unsere Bataillone haben von Berlin den Befehl bekommen, sich, sobald sie
in Kriegszustand gesetzt sind, marschfertig zu halten. Den übrigen Unionsregierungen soll ein gleichlautender Befehl zugesendet worden seyn. — AuS Erfurt geht uns die Nachricht zu, daß auch einige dortige Offiziere zur Armee der Herzogthümer zu gehen beabsichtigen. Die erste Kompagnie der 4ten Pionierabtheilung ist von Erfurt am gestrigen Tage nach Magdeburg abmarschirt, um sich im Brückenschlägen auf der Elbe zu üben.
Braunschweig, 12. August. In Folge deS von dem Ausfchusse unserer Abgeordnetenversamm- lung ergangenen Antrages hat das Ministerium auf die 54,000 Thlr. betragende Forderung der Herzogthümer für die Truppenverpflegung eine Ab, schlagszahlung von 30,000 Thlrn. beschlossen und bereits angewiesen. Aus gewöhnlich guter Quelle erfahre ich, daß unser Herzog die Ratifikation deS Friedensschlusses mit Dänemark verweigert hat.
Berlin, 11. August. Die widersprechendsten Gerüchte sind im Umlauf und beschäftigen die Gemüther. Während Wohlunterrichtete von einer nicht mehr zweifelhaften Annahme der Radowitz'schen Vorschläge und—in Folge dessen von einem wiederholt eingereichten EnilassungS, Gesuch deS Herrn Ministers deS Innern sprechen, wollen Bestuntcr- richtete von einem mühsam erkämpften, aber entscheidenden Sieg der Manteuffel'schen Politik wissen. In einem gestern stattgehabten Ministerrath soll er mit seinen Ansichten durchgedrungen seyn, Hr. v. Radowitz war nicht zugegen. Sie ersehen aus Vor- stehendem, daß man selbst über Fakta, über Thatsachen, die nöthigcnfaÜS durch jeben Thürstehcr in die Oeffentlichkeit gelangen könnten, sich durchaus nicht im Klaren befindet und mögen darnach ermessen, um wie viel weniger Bestimmtes über die eigentlichsten Intentionen der sich befehdenden Parteien beizubringcn ist. Während Tausende in Hrn. v. Manteuffel den „Anker der Union" erblicken,, schwören Andere darauf, baß er die Zeit kaum abwarten könne, sie fallen zu lassen. Wir halten eS nicht für unmöglich, daß ähnlich klingende, hinten, drein böswillig entstellte Aeußerungen vom Minister des Innern gemacht worden sind. Im Unmuth über die halben Maßregeln mag er sich dahin auSge, sprachen haben, daß eine solche Unionspolitik schlechter denn gar keine fei. Wir sind derselben Meimmg und wollen doch die Union in aller Aufrichtigkeit. Wenn nun schon Hr. v. Manteuffel den verschiedenartigsten Auffassungen und Beurtheilungen ausge- fefclJfLJo ist es Hr. v. Radowrtzdoppelt und drei« fach. Jeder Ausdruck, 'der zwischen y besser" und „Verrâkher" liegt, wird auf seinen Scheitel gehäuft. Wir persönlich enthalten unS eines Urtheils und bekennen freimüthig, daß wir nicht tief genug blicken, um irgend eines verantworten zu können. Die augenblickliche Sachlage aber fassen wir dahin auf, daß Hr. v. Manteuffel auS den ihm drohenden Gefahren allerdings siegreich hervorgegangen und in Folge dessen schon in nächster Zeit ein energische- res Auftreten Preußens, namentlich Oesterreich gegenüber^ zu gewärtigen ist.
Berlin, 9. August. (Wes.-Ztg.) In dem engeren BundeSrathe muß ein bedenkliches noli me tangere liegen, da weder Fürst Schwarzenberg, noch daS Frankfurter „Plenum" sich zur Konstituirung desselben entschließen können. Nach den hier eingegangenen Nachrichten Hal das „Plenum" sich nun definitiv dahin ausgesprochen, die Initiative bei diesem vielbesprochenen Schritte dem Wiener Kabinete zu überlassen. Aber Fürst Schwarzenberg zaudert, wenn er überhaupt je ernstlich wünschte, daß der engere Rath ins Leben treten möchte, so nahm er doch an, daß er sich wie 1815 aus dem Plenum entwickeln müsse; aber die Neun in Frankfurt entziehen sich der ihnen von Oesterreich zugedachten Aufgabe; schon als Mitglieder deS Plenums gegeneinander voll Mißtrauen, fürchten sie mit Recht, vollständig untereinander zu verfallen, wenn sie den letzten Schritt zum Bundestage thun sollten. Hier fängt man an zu glauben, daß Schwarzenberg nun das ganze Projekt aufgeben wird, und zweifelt so« gar, daran, daß er damit je mehr als einen Schreckschuß beabsichtigt hat. Auch Personen, welche die österreichische Politik, wie feindselig sie auch gegen Preußen war, doch in ihren Beziehungen zu den kleineren Königreichen für aufrichtig hielten, schütten jetzt bedenklich den Kopf und sprechen die schüchterne Vermuthung auS, daß die vier Königreiche doch wohl von Oesterreich schnöde gemißbraucht sein und von ihm bei der ersten Gelegenheit im Stiche gelassen werden dürften. Die Unions-Bevollmächtigten, welche in Frankfurt Gelegenheit hatten, die Gegenpartei zu beobachten, sind mit der Ueberzeugung hierher zurückgekehrt, daß ein einigermaßen festes Auftreten unserer Regierung das feindliche Lager auseinandersprengen würde. Schon der Umstand, daß die ersten badischen Truppen glücklich vor Mainz vorbeigelangten, soll auf die Bevollmächtigten mehrerer Staaten einen bedeutenden Eindruck gemacht haben, so daß sie ihre Sprache sichtlich herabstimmlen. Namentlich soll sich Hessen-Darmstadt in seiner gegenwärtigen Lage höchst unbehaglich fühlen und schon einmal nahe daran gewesen
sein, zur Union wieder zurückzutreten. Die Absichten der nassauischen Regierung sind noch unbekannt.
Berlin, 13. August. (Telegraphische Depesche der Kölnischen Zeitung.) Zu einer eigentlichen Abstimmung über die am 5. d. nach Wien an unseren Gesandten abgeschickte Weisung ist es im Ministerium nicht gekommen, weil es dazu für jetzt an einem Gegenstände fehlte, nachdem der Grundsatz, die Union aufrecht zu erhalten, beschlos. sen war.
Von Oesterreich ist noch keine Antwort einge, troffen.
Von der Eider, 8. August, schreibt man der Wes. Ztg.: Bei dem Rückmärsche in unsere Kan. tonnementS begegnet uns ein älterer Offizier in Der Uniform des Stabes, und Niemand wußte auf die Frage: wer ist dieser Offizier? Antwort zu erthei. len. Haltung und würdevolle Miene kamen mir bekannt vor, den Mann hatte ich im Leben öfter und zwar in Deutschlands bewegtester Zeit des Jahres 1848 gesehen: es war Heinrich von Sägern , seit einigen Tagen Mitglied unserer Armee, burch Armeebefehl zum Major ernannt und dem Generalkommando zur Disposition gestellt.
Aus Schleswig-Holstein. Die Dänen beun-
1 • unltre Vorposten - Linie , sind aber überall mit Gluck zurückgewiesen worden. Die Schleswig- Holsteiner haben die Brücke über die Sorge (auf dem Wege von Rendsburg nach Schleswig) ge, sprengt, um Angriffe auf diesem Wege zu erschwe- rfn* ^16 hallen sich bei Rendsburg konzentrirt; die Truppen sind in guter Stimmung; es wäre in politischer Hinsicht sehr zu wünschen, baß sie wieder ' zum Angriffe übergehen könnten. Die Dänen befestigen ihre Stellung bei Schleswig und haben sich geschwächt indem sie sie 7000 Mann nach dem Westen geschickt, wo sie alle Städte, wenigstens vorübergehend, besetzten und bei Friedrichsstadt Ver« schanzliungen aufwarfen. Sie haben jetzt fast ganz Schleswig inne, entlassen und ernennen nach Her. zenslust, und setzen Alles auf den alten Fuß. Ueber ihre Willkür und Grausamkeit werden viele Klagen geführt, die theilweise übertrieben sein mögen. Am schlimmsten behandeln sie die Bauern, welchen sie Feindseligkeiten gegen ihre Truppen Schuld geben. Ein paar davon'sind erschossen worden. Das Land leibet entsetzlich. Die Ernte verdirbt zum Theil auf dem Halme.
Kiel, 10. August. (D. Ref.) Nach dâletzten RekognoszirungSangriffe der Dänen haben dieselben sich bis zu ihrer Avantgarde nach Kropp zurückgezogen; eS wird diese Operation damit in Verbindung gebracht, daß plötzlich in Schleswig, dem dänischen Hauptquartiere , ein englischer außerordentlicher Gesandter eingetroffen sein soll, welcher Vorschläge zu einem längeren Waffenstillstände gemacht, auch spricht man von einem russischen diplo- malischen Agenten, welcher in derselben Angelegen-
sich dort aufhalten soll. Zuverlässiges verlautet darüber nichts, doch wird von Unterhandlungen, die jetzt gepflogen werden, in gewissen Kreisen mit Bestimmtheit gesprochen. Die Stellung unserer Armee ist dieselbe wie früher, die VorpostelrfMen bei Groß-Wittensee und Sorgbrück längs der Sorge.
_^_âiel, 11. August. (A. Z.) Ein französischer Offizier, welcher früher den Krieg in Algier als Freiwilliger mitgemacht hat, steht jetzt in gleicher Eigenschaft bei der schleswig-holsteinischen Armee, und schreibt über den dortigen Krieg unter andcrm Folgendes in die Heimath: „Welcher Unterschied zwischen diesen Truppen und unserer Armee in Afrika! Die Truppen sind entschieden schlecht geschult und nicht kriegSgeübt, aber sie schlagen sich gut, weil sie patriotischer Enthusiasmus aufrecht erhält. Unsere holsteinischen Kavallerieregimenter sind ausgezeichnet und trefflich, eS läßt sich aber nicht leugnen, daß die dänische Kavallerie an Zahl und Kriegsübung noch vorzüglicher ist. Wenn wir in Der Schlacht von Idstedt nicht tüchtig verschanzt gewesen wären, so würde es unS noch viel schlimmer gegangen sein (nous aurions èté bien autre- ment frottès). Die zahlreichen preußischen Offiziere sind die Seele des ganzen Heers; unglücklicherweise sind sehr viele geblieben. Die Dänen haben zwei Tirailleurregimenter, die furchtbar unter unS aufgeräumt haben. Eines ihrer Bataillone schoß auS unglaublicher Ferne und jeder Schuß traf; da die Dänen nur auf unsere Offiziere schossen, so haben sie uns eine große Zahl gelobtet. Ein einzelnes Bataillon meiner Brigade verlor allein 27 Offiziere. Es war schrecklich. Ein dänisches Husarenregiment, das sich von der Masse entfernt hatte, blieb großen« theils in einem Sumpf stecken. Eines von unsern Bataillonen wurde von Kartätschen ganz aufgerieben. Wir haben jedoch eine Zahl Gefangene gemacht, besonders in den Scharmützeln, darunter viele Schweden, die als Freiwillige den Feldzug mitmachen. Wir haben noch 25,000 Mann gute Truppen, und aus Hannover erwarten wir mit Nächstem viel Offiziere, daran fehlt es uns sehr nach den großen Verlusten in der Schlacht. Dit