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Nassauische Allgemeine Zeitung.

M 190.

Mittwoch den 141. August

1830.

erscheint einmal täglich in Großfolio-Format, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PränumecationSpreiS ,s Nassau, des GrwßherjogthumS und KunürstentbumS Hessen, der Landgrafscha'l Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt

Die Na ff. Allg. Zeitung mit dem Wanderer ( , , ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzogtbumS Nassau, ... -----»----»-»-^----- - ... , - . - . - ' i ««»" o««i»»

2 in den übriaen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSichen Verwaltungsgebietes 2 fl. fr. Inserate werden dle drelsvaltige PeNtzeile oder deren Raum mit 3 ft.

Uebersicht.

Ernst Moritz Arndt's neuester Mahnruf in alle deutschen Gauen.

Deutschland. Wiesbaden (Die Fremdenliste. Der Graf von Chambord. Gerüchte über die Legitimisten). F r a n k- surt (Gerücht über die Pacifizirung. der Herzogtümer. Schiffe mit badischen Truppen vor Mainz. Die Frankfurter Offiziere in Schleswig-Holstein). Karlsruhe (AuS- marsch der badischen Truppen). München (Professor Schell). Dresden (Die Entschädigungsgelder). Berlin (Die Gefion. Die deutsche Frage. Das Plenum. Die Ministerkrifis). Aus Schleswig-Holstein (Die Gagen der Offiziere). Rendsburg (Gefecht bei Sorg- brück). Altona (Besetzung von Friedrichstadt). Wien (Stimmen für den Grafen von Ehambord. Die dänische Frage. Reise des Kaisers. Vermischtes). Frankreich. Paris (Das Militärbanket. Gegcnkommis- sion der Linken. Die Reise des Prâfidenten).

Spanien. Madrid (Die Königin. Auflösung der Kortes). Neueste Nachrichten.

E M. Arndt's neuester Mahnruf in alle deutsche Gauen.

Der alle Professor am rheinischen Siebenge­birge, der urkrästigc Sänger deS deutschen LiedeS: Was ist das deutsche Vaterland?" hat sich wieder einmal geistig-kräftig zusammengerafft, und schleudert, wohl mit geballten Fäusten und in der tiefsten Kränkung seines verletzten Vatcrlandögefühls, in derDeutschen Zeitung" folgenden Zuruf an die d e u t s ch e N a t i o n und deren Fürsten, mahnend daran, daß man dennoch, nach so vielem Heillosen, waS wir besonders jetzt im Hinblick auf die un- glücklichen Schleswig-Holsteiner erleben müssen, am Vaterlande nicht verzwei fe l n woll e, noch dürfe;

In welchem Kampfe steht Schleswig-Holstein? Es steht und kämpft, eS steht da wie ein stiller, tapferer, zum Letzten und Aeußersten gerüsteter und entschlossener Mann, schweigend und stolz auf Speer und Schild gestützt, und sein edles Blut stießt aus schönen Wunden vom Schilde herunter. Und Deulschland schaut zu und die Könige und Fürsten schauen zu, und die Kabinette Europa's winken und flüstern gegen einander:Diese dürfen nicht stehen bleiben, denn wenn sie ferner ständen und beständen, könnte eS den übrigen Deutschen einfallen,. daß sie alle mitsammen gewaltig stehen könnten und stehen müßten". Und diese Stillen und Tapfern stehen allein und kämpfen allem für Deutschland, ja sie stehen im eigentlichen Sinn für daS deutsche Vaterland. O dieses Vaterland! wo ist eS? Sie stehen und kämpfen allein und Deutschland hat eine Million kampfgeübter Männer. O ein Wehe! muß man rufen, eine Schande! möchte man rufen. Doch heute keine Klage und kein Wehegeschrei, sondern fest und hell den Blick in die Zukunft gerichtet und in kürzesten Worten ausgesprochen, was jetzt nicht länger gelitten wer­den darf und künftig noch weniger gelitten werden wird.Wohin sind wir gekommen? Wieder dahin, daß die eigenen und fremden Herrscher und Kabinette sich unterstehen dürfen, über die Schick- sale und Länder eines großen Volkes mit Hohn und Uebermuth die Loose der Theilung und Entscheidung zu schütteln. Wie oft sind wir Deutsche und unsere Lande durch unsere Fürstcngeschlcchter verhochzeitet und vererbt worden, wie man Häuser und Schlösser und Rosse und Rinder verhochzeitet und vererbt! wie oft sind die europäischen Kriege mit allen ihren P agen und Graueln auf und herabgehochzeitet und slud den HvchlNtbettcn der gottorpischen Peter und Paule und der habsburgischen Karle und Ferdinande und der braun,chwe,gischen George hat man Mord­stricke geschnitten und geflochten und will malt eben -nördliche .Stricke flechten, Deutschland zu fesseln und niederzuwurgen. lind jetzt, was möchte man in London und Petersburg weben und fädeln, damit der dumme deutsche Riese nimmer zu Kräften kom­men könne, damit der Vers im Hannoliede nimmer zur Geltung kommen könne, der da lautet:

Wer möchte den Dütschen widerstuhn, Wenn sie könnten zusammengahn? !!

Ich spreche eS hier kühnlich auS, und Millio­nen deutsche Männer sprechen und empfinden eS gleich mir: Wäre in unsern Königen und Fürsten daS Gefühl für deS Vaterlandes Ehre und Macht, daS Gefühl, welches da sein sollte, hätte es den Engländern, Russen und Franzosen jemals einfallen können, solche Protokolle zu fertigen, wie sie gewagt haben, dem preußischen Minister Bun­sen in London vorzulegen? Was will jenes Pro­tokoll ? Vor Allem zuerst will es hindern, daß Deutschland nimmer Herr seiner ihm von Gott und Natur verliehenen Meere werde. Zweitens will es Schleswig-Holstein von Deutschland losreißen und für alle Zeiten unauflöslich mit dem schwachen Dä­nemark verbinden. Für diesen Zweck will eS in den Häusern, welche Holsteiner Fürstenhäuser heißen, für Dänemarks Vortheil nöthigenfalls daS gültige Haus- und Landerbrecht ändern. Ich nenne hier auch daS Landerbrecht. Denn das alte Landrecht der Stände Holsteins stand durch Vertrag weiland sogar so, daß sie auS den Fürsten deS Hauses den ihnen beliebigen wählen konnten. Und jetzt? Ja, die Fremden würden den Gedanken solcher Proto­kolle nicht wagen, wenn die deutschen Könige und Fürsten wagen könnten, indem jeder für die einzelne besondere Jämmerlichkeit listet und zettelt, für die Ehren und Herrlichkeiten deS Vaterlandes muthig zu sein. WaS sage ich? mu- thig zu sein? Nein, wenn sie Gefühl dafür hätten. Einheit, Ehre und Macht hat Deutsch­land gebetet und gerufen auS seinem Elend heraus, so lange ich denken kann, sechzig, siebenzig Jahre hindurch. Diese Worte hat eS lauter gerufen in den jüngsten Jahren 1848 und 1849, und in der Angst deS Tages haben die Könige und Fürsten sich gebärdet, als wen» sie den Inhalt dieses Rufes verstanden, ihn, je tri-? ihh> jetzt? O horchet und schauet, horchet und schauet denn in der^ Angst hatten sie sich zu einer großen Einigung für Aufrichtung deutscher Macht und Ehre verpflichtet; wie jetzt einer nach dem andern auS der gelobten und beschwornen Ei­nigung entweicht, wie er zu dem alten faulen nichtigen EhrentodeSschlummer deS mit Schande verklungenen und abgeklungenen deutschen Bun­destags zurückweicht. Das thun sie, das wa­gen sie wieder im Jahre 1850! Sie wissen nicht, waS sie wagen. Gottlob, das peulsche Volk hat dem Reim deS Hannoliedes singen gelernt, und wer von unS Lebenden noch einen Athem in der Brust hat und noch einen Pulsschlag von Zorn und Liebe fühlt, wird ihm den VerS fort und fort Vorsingen. Ja, wir Männer von Frankfurt und Gotha und Tausende unserer Gleichgesinnten wol­len jen e n R cim for t und fort fingen. Mö­gen die Könige und Fürsten an ihren erblaßten SouveränetätSlappen zupfen und zerren, mögen die rothen Kommunisten von unsterblichen Grundrech­ten der Menschheit, an welche sie selbst nicht glau­ben, und welche sie jeden Augenblick brechen, faseln und gaukeln, wir wollen mit den Einen nicht für die Schande beten und heucheln, mit den Andern nicht für die Freiheit fluchen und lügen Gott wird die Welt doch seine unvermeidlichen Wege führen und die zur blinden Finsterniß Strebenden fallen lassen, wohin sie gelüstet. Leider an vielen menschlichen Wegen, welche wir treu und redlich mit unsern Herrschern und Fürsten zu gehen w ünsch- ten, müssen wir v erzwe ifeln ; gottl ob am Bat er lande wollen und dürfen wir nicht verzweifeln! Es gibt ein weißes und ein rothes Geheimniß, worum die Wissenden wissen und wel­ches die Hohen nicht scheinen wissen zu wollen. Im Sinn dieses Geheimnisses und im Hinblick auS den Wirren und Sünden ber Gegenwart in die dunkle Zukunft rufen jene Wissenden auf jeden Fall ge­trosten Muthes : Venict Ille, qui

Deutschland.

* Wiesbaden, 12. Aug. Nach der heutigen Fremdcnliste sind angelangt: Herr Rour Carbon- uel, Hr. Chapot, Hr. de Surville, Hr. de Chau- lin, Hr. Castelieu, Hr. Jarveau und Hr. Chauvin, Mitglieder der Nat.-Versammlung; Hr. Bourdon, Hr. Boiffere'e, Hr. Fontoim aus Paris; Hr. Fuvreau aus Nantes; Hr. Chaurin aus Lyon:

Marquis de Sauvaire-Barthelemy ; Professor Bour­bon; Hr. de Lamberty, Marquis de Morl; Hr. Dr. Patel de Courleille f Hr. Malain Verigcrd, Graf de Croy, Hr. Chaulin, Hr. de Lafont, Hr. Despres, Hr. de Chousy, Hr. de Chavagnac, Stu­dent, Hr. Manoury, Hr. Lemmonier und Cheva­lier Carihy aus Paris.

* Wiesbaden, 13. August. Gestern Vormit­tag hat der Ministerpräsident v. Wintzingerode Sr. k. Hoheit dem Herzog von Bordeaur einen Besuch abgcstattct.

Die Zusammenkunft der Legitimisten mit dem Träger ihres Prinzipes gibt natürlich zu verschie­denen Konjekturen und Gerüchten Veranlassung.

Zu den interessantesten Neuigkeiten gehört jedoch, daß, wie man im gestrigen Frankfurter Journal liest, die Konferenzen der Legitimisten bei verschlossenen Thüren und so geheim gehalten werden, daß die Wandnachbarcn im Hotel Düringer, welche fran­zösisch verstehen, die Wohnung räumen mußten.

Die Pläne der Legitimisten liegen wohl klar am Tage, und werden von diesen stets mit einer Oeffentlichkeit verfolgt, welche sie 'oft in eine nach- thcilige Stellung den Bonapartisten und Orleanisten gegenüber bringt. WaS nun zur Besprechung vorlie­gen mag, weiß die ganze Welt, eS ist das von der Partei einzuhallcnde Verfahren in Bezug auf die beabsichtigte Verlängerung der Präsidentschaft, auf die Llusdehnung derselben zu einem lebenslänglichen Konsulat; in Bezug auf Larochejaquelin'S Antrag über Zurücknahme deS Wahlgesetzes tc. eS wäre daher wohl kein Grund vorhanden, diese Bespre­chungen mit einer größeren Heimlichkeit vor sich gehen zu lassen, als dieß bei Parteibesprechungen überhaupt gewöhnlich der Fall ist.

Aussalleno ist auch die von der OberpostamtS- Zeitung in der gestrigen Beilage auS Berlin ge­brachte Nachricht, daß der Graf von Chambord dort erklärt habe, er werde sich an demLegitimistenkon- greß" nicht beiheiligen.

Nach dem Vorausgeschickten scheint der Graf v. Chambord sich allerdings an demLegilimisten- kongreß" zu beiheiligen; eS kommt aber darauf an, ob die jetzige Zusammenkunft in welcher die Jour­nale durchaus einenKongreß" in der faktiöse» Bedeutung deS Wortes sehen wollen, mit Recht als ein solcher bezeichnet werden kann.

In der heutigen Nummer widerruft daS Frank­furter Journal nicht nur die ebenfalls gestern mit. getheilte Nachricht, daß auch der österr. Gesandte von Frankfurt im Hotel Düringer wohne; sondern bringt auch folgende Aufklärung:Bei näherer Beob­achtung der dermalen zu Wiesbaden staltfindendcn diplomatischen Zusammenkunft so vieler notablen Legitimisten scheint vor Allem die irrige Meinung der deutschen und französischen Zeitungen berichtigt werden zu müssen, als wenn sie einenKongreß" zur Beschaffung bestimmter staatlicher Zustände und nun gar auf gewaltsamem Wege mit revolutionären Mitteln beabsichtigt hätten. Welcher unparteiische, tolerante und gerechte Politiker wird ihnen aber verargen, wenn sie in ihren historischen Erinnerun­gen alS lleberzeugungS- und GesinnungSverivanbte sich um den Herzog von Bordeaur sammeln, um sich gegenseitig kennen zu lernen, und dem Erwähl- teil ihres konstitutionellen Königthums, ein Jeder auS seinem Fache, die dermaligen Zustände in Frankreich zu berichten, sie mit ihm auszutauschen, und selbst an eine Verwirklichung ihrer Hoffnungen ihrerzeit glauben?

Frankfurt, 10. August. (D. Z.) Seit einiger Zeit laufen dunkle Gerüchte von Ausstellung eines Bundesarmeekorps an der Unterelbe, angeblich zum Schutze Schleswig-Holsteins durch die Blätter. Wir sind im Stande hierüber Folgendes mitzuthei- len. Herr von Bülow, der dänische Vertreter eines deutschen StaateS, forderte zunächst den Grafen Thun auf, daS Nöthige zur Aufstellung eines Ar­meekorps zu veranlassen, welches stark genug wäre, die legitime Autorität in Holstein wieder herzu­stellen. Die Sache kam in dem sogenannten Plenum zur Sprache und gewandte Diploma­ten fanden in diesem Projekt ein vortreffliches Mittel gegen Preußen zu agitiren. Einmal nämlich war man überzeugt, daß die großbeut- schen Regierungen sich in hohem Grade populär