Nassauische AllMeine Zeittmg.
Jo 187» Samstag den 1« August 1850»
Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich in Großfol io - ^ o r mat, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Prânüm akienspreis ist in Wiesbaden für den Umfang des HerzogibumS Nassau, des Großherzo^thums und Kursurnentbums Hessen, der Landgrajscha^ He^en-Homburg und der freien Siadt Frankfurt *> ft , in den übrigen Ländern deS fürstlich Thurn- und Tarisschen VerwaltungSgebleteS 5 H* tu. — Inserate werden die dreispaltige Pelit^eile oder deren Raum mit 3 kr. erechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der'L. Sch ellen berg'schen Hof- Buchhandlung , aufwärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
u e b e r s i ch t.
Vierter Aameebericht des Generals Willisen. Stimmen der Presse.
Deutschland. Wiesbaden (Ueber den Stand der Sammlung für Schleswig-Holstein. Die Eingabe an das Ministerium. Die Hygieafeier. Anerkennenâwerthe Thätigkeit der Stadtpolizeimannschaft). — Diez (Beiträge für Schleswig-Holstein). — Frankfurt (Gerüchte. Abgang gedienter Soldaten nach Schleswig-Holstein. Der Kurfürst von Hessen). — Darmstadt (Wahlen). — Köln (Ritter Bunsen). — Stuttgart (V. Rüpplin. Sammlung für Schleswig-Holstein. Der dänische Abgeordnete v. Dirkingk- Holmfeld. — München (Ueberwachung russischer Unterthanen. Entschädigungsgelder). — Osnabrück (Zigarren- arbeiterinnen). — Berlin (Der Krieg mit Oesterreich. V. Manteuffel. Bier deutsche Kardinäle. Die preußische Flagge auf der Gefion. Die russische Intervention. Ritter Bunsen. Die deutsche Frage. Hr. v. Katte). — Hamburg (Dänischer Armeebericht). — Altona (Daâ Verbot der Volksversammlung). — Rendsburg (Erplosion). — Wien (Die italienischen Verhältnisse).
Dänemark. Kopenhagen (Stimmung. Die Schlacht bei Jdstevt).
Frankreich. Paris (Die Nationalversammlung. Kabi- netâäudernngen. Reise des Präsidenten. Die Legitimisten. Prinz Kanino. Vermischtes).
Großbritannien. London (Ausschließung des Baron von Rothschild).
Spanien. Madrid (Auflösung der Kortes).
Neueste Nachrichten.
Vierter Armeebericht des Generals
Willisen.
Seitdem ich nun eine volle Uebersicht über die blutigen Tage des 24. und 25. Juli habe, muß ich zuerst bestätigen, daß unser Verlust, besonders an Offizieren, groß gewesen; wie schmerzlich aber auch dieser Verlust, er ist an sich das schönste Zeugniß für die Truppen. Alle Bataillone- ohne Aus- nahme sind im Feuer gewesen, cs gab keine Reserve mehr; und dennoch sind auf dem Rückzüge dem Feind nur unsere schwer Blessirtcn in die Hände gefallen; er wagte nicht, unS zu verfolgen. Die Bataillone, welche durch ihre Stellung am meisten Gelegenheit hatten, sich auSzuzeichnen, waren daS 4. und 5. JägerkorpS, das 1., 4., 6., 7., 9. und 10. Bataillon. General v. d. Horst hat mit seltener Entschlossenheit seine Brigade bei Stolts dem Feinde entgegengeworfen, ihn dadurch im Marsche überrascht und ihm Die größten Verluste hergebracht. Als die Uebermacht sich gegen ihn wandte, hat er mit gleicher Festigkeit sich auf den Feind geworfen, der ihn zu umgehen drohte, und seine bra- ven Truppen in die Stellung zurückgeführt. General v. Baudissin warf am Abend deS 24. mit seiner bekannten Tapferkeit den Feind bei Sollerup über die Treene zurück, am 25. war er, wie immer, an der Spitze seiner Truppen, unter den ersten, welche verwundet wurden. Der Brigademajor von Gagern übernahm die Führung der Brigade mit bestem Erfolg.
Der Oberst von Gerhard als Führer der Avantgarde hat sich als ein eben so thätiger als tapferer Offizier gezeigt, und sich in wenigen Tagen das unbedingte Zutrauen feiner Truppen erworben. Ein Schuß am linken Vorderarm hat ihn seinen Truppen keinen Augenblick entzogen. Oberst von Aber- cron hat seinen Ruf als tapferer Offizier von Neuem bewahrt. Die Artillerie hat unter der umsichtigen Leitung des Obersten von Wissel sich mit größter Auszeichnung geschlagen. Unter den Batteriechefs yaven sich der Hauptmann Gleim und der getöbtete Hauptmann Krause besonders ausgezeichnet. Die Kavallerie hat, wo sie Gelegenheit hatte zu handeln, wie die Eskadron, welche die letzte Attaque auf der Hohe von Idstedt machte, gezeigt, daß sie, wo sie Terrain findet, das Beste leisten wird. Die Offiziere meines Stabes haben sich sämmtlich durch den größten Eifer, unermüdliche Thätigkeit und Kaltblütigkeit ausgezeichnet. Der Chef des Stabes, Oberst v. d. Tann, zeigt sich wie er bekannt ist, eben so umsichtig als entschlossen; er ist zugleich der tapferste Soldat. Major Wyneken, der Souschef des Stabes, ist ein eben so wissenschaftlich gebilve,
ter, wie thätiger und tapferer Offizier und jeder Aufgabe gewachsen. Ich werde in einem Armeebefehle eine ganze Reihe der Tapferen auS allen Graden nennen, welche sich besonders hervorgethan. Die öffentliche Anerkennung mit dem lohnenden eigenen Bewußtsein ist daS Einzige, was wir bieten können, der edlen Gesinnung aber, welche Alle belebt, der schönste Lohn. — Von weiteren Begeben- heilen habe ich seit dem 27. Juli nichts von Bedeutung zu berichten. Zwei Eskadrons unter dem Rittmeister v. Pultkammer machten am 29. eine Rekognoszirung über die Sorge bis vor die Thore von Schleswig und griffen zwei feindliche Eskadrons, welche ihnen entgegen kamen, rasch und entschlossen an, gingen aber später zurück, wie es in der Aufgabe kag, ohne vom Feind verfolgt zu werden. — Die Armee hat sich erholt und auSgcruhl; sie steht auf schleSwig'schem Boden und erwartet mit Ungeduld die Erneuerung deS Kampfes. In direkter und unmittelbarer Verbindung mit Rendsburg ist die Armee stärker, als sie bei Idstedt war. Es könnte unS also nur eine zweite und eine dritte Schlacht von schleSwig'schem Boden vertreiben, und sie würden blutiger sein, als die erste. Hauptquartier Rendsburg, 4. August 1850. Der kommandi, rende General (gez.) v. Willisen".
Stimmen der Presse.
Einen beachtenswerthen Artikel bringt die heutige „Reichszeitung" in Bezug auf Preußen; er lautet: „Die preußischen Zeitungen sprechen viel von Truppenkonzentrirungen in den Rheinlayden. Zwei preußische Observationskorps sollen bei Kreuznach und Wetzlar vereinigt werden. So viel uvS auS zuverlässiger Quelle bekannt ist, werden diese beiden ObservalionSkorpS eigentlich blos aus zwei Brigaden bestehen, wovon die eine 5000 Mann, die andere etwas weniger stark sein soll. MilltAri- sche Zwecke können mit einer solchen Macht schwerlich beabsichtigt werden, oder sollen cS politische sein? Soll es, wie das Gerücht geht, auf eine Demonstration gegen Mainz oder Frankfurt abgesehen sein? Wir glauben es nicht, wir halten nicht dafür, daß eine solche Demonstration zu etwas führen könne, wir meinen im Gegentheil, von Seiten des Bundes ist man in der Lage, Repressalien unter günstigeren Auspizien zu treffen".
Die „Berlingsche Zeitung" weist auf einen Artikel des Ocsterr. Lloyd über die Stellung Oesterreichs zur schleSwigschen Frage hin und faßt bei dieser Gelegenheit die neueste Stellung Dänemarks mit folgenden bemerkenswertsten Worten zusammen: „Wir haben einen großen Sieg über die Aufrührer gewonnen, wir haben Frieden geschlossen (obgleich er noch nicht ratifizirt ist) mit Preußen und Deutsch, land, wir wissen, daß die Großmächte sich für die dänische Sache ausgesprochen und daß eS ihre ernste Absicht ist, dem unglücklichen Kriege ein Ende zu machen. Allein obgleich unsere Sache unter diesen. Umständen sich günstiger stellt, als vorher, so verlangt die Zeit doch/ und vielleicht mehr als früher, Ausdauer, Einigkeit und Eintracht, so wie den höchsten Grad von Vorsicht, so daß wir stets auf die Möglichkeit vorbereitet sind, eine größere Seemacht zu entwickeln, als wir im Augenblick bedürfen".
Ueber den zwischen England und der Republi- Nicaragua geschloffenen Handels- und Schifffahrtsverlrag liest man in der „Deutschen Reichszeitung" Folgendes: „Es ist nicht unwichtig, schon jetzt die Folgen zu berechnen, die wahrscheinlich der Vertrag haben wird, den Die vereinigten Staaten mit England über die Erbauung eines Kanals durch die Landenge von Panama abgeschlossen haben. England , das sich mittelst deS Mosquitokönigs und durch Besetzung der Tigerinsel eine Theilnahme an diesem Kanale sichern wollte, willigte zuletzt in einen Vertrag, der die Erbauung eines Kanals einer amerikanischen Gesellschaft überließ, eines Kanales, der allen seefahrenden Nationen geöffnet sein sollte. Durch diesen Vertrag hat Brudèr Jonathan
seinen schlauen Vetter John Bull vollkommen überlistet. Denn der Plan, eine Kaualverbindung durch den San Juan , den Nicaraguasee und 16 — 17 Meilen bergiges Land nach dem stillen Ozean hcr- zustellen, ist freilich sehr ausführbar und gut ent# morsen. _ Aber die allgemeine Behauptung der Sachverständigen ist, daß dieser Weg sehr leicht für einen seichten, nicht aber für einen tiefen Schiffskanal sich eignet. Nun entspricht der seichte Kanal den Bedürfnissen der Vereinigten Staaten vollkommen. Ihr Seehandel wird hauptsächlich in Schonern von 50—150 Tons getrieben, die 6—9 Fuß lief gehen. Der Kanal würde aber 7 — 10 Fuß haben. DaS ganze Erfordernis) Europas, ein tiefer Kanal, auf dem schwere vollbeladene Schiffe von dem atlantischen inS stille Meer fahren können, bleibt durch jenen Kanal unbefriedigt. England wird durch diesen Vertrag wenig wirkliche Vortheile ernten. Baut cs aber einen großen Schiffskanal mit ungeheuern Kosten über Panama, so wird Amerika natürlich eben so wohl daran Theil nehmen wollen, als eS den Nicaraguakanal andern Staaten öffnet. Inzwischen wird Amerika den Handel an der Westküste noch mehr in seine Hände bringen, ja den chinesischen Handel zum großen Theile an sich reißen, wenn das Projekt einer Dampfschifffahrlöver« bindung zwischen San Francisco über die Sandwichsinseln nach China auSgeführt wird.
D e u t f ch l a n d.
* Wiesbaden, 9. August. Nach den vom Vorstände deS Deutschen Vereins in der Generalver- samlung am 7. d. M. gemachten Mittheilungen beträgt der gegegenwärtige Stand der Sammlung 1352 Gulden. Davon sind bereits an das Hülfs- Co,iiite zu Kiel gesendet 1116 fl. (Die bereits an- gezeigte Sendung von 600 fl. und Die nachträgliche im Betrag von 43 Pf. St. oder 516 fl.) Unter der der obigen Summe sind Beiträge von Hachenburg 100 fl.; von Hadamar 100 fl.; von St. Goarshausen und Caub 100 fl.; von Catzenelnbogen 10 fl. 30 kr.; von Hahnstetten 13 fl. 48 kr.; von Höchst 92 fl. 30 kr. Ferner wurde von dem Vorstand die nachstehende, ausländische Darlehen betreffende, aus Kiel eingcgangenc Bekanntmachung deS schleSwig- holsteinischen Finanzdepartements mitgelheilt. Diese lautet:
Von verschiedenen Seiten sind Aufforderungen an die Regierungen gelangt, der patriotischen Be- reilwilligkeit, die Verpflichtungen der Saatskassc zu erleichtern, einen geregelten, dem Zwecke entsprechenden Weg zu zeigen. In dieser Veranlassung wird cs zur öffentlichen Kunde gebracht, daß freiwillige Gaben durch Vermittelung des schleSwiq- holsteinischen Vereins in Kiel , in die Staatskasse fließen werden. Freiwillige Darlehen werden dagegen unmittelbar von den Amlstubcn und den städtischen Hebungsbehörden, sowie von der Haupt- lasse in Rendsburg für die Staatskasse cnlgegcnge- nommen, unter folgenden Bedingungen: 1) als freiwillige Darlehen werden Zeichnungen und Einzahlungen von 100 Mark und darüber in runden Summen, welche in 100 Mark aufgehen, bei den Amtstuben, den städtischen Hebungsbehörden und der Hauptkasse in Rendsburg entgegengenommen. Die Einzahlung muß bis zum 1. Sept. d. I. erfolgt sein; 2) Für die geschehene Einzahlung werden Staals- obligationen ausgestellt, welche die Zusicherung enthalten von 4 pCt. jährlicher Zinsen, zahlbar zuerst in Octavis Triurn Regum 1851, nach Verhältniß der in der Obligation bezeichneten Zeit der Einzahlung. Die Obligationen können nach dem Wunsche des Darleihers auf Namen oder auf Inhaber ausgestellt werden. 3) Die Obligationen sind von Seiten dcö Gläubigers bis Octavis Trium Regum 1853 unaufkündbar; von diesem Zeitpunkte an un- terliegcn.sie der halbjährigen Kündigung in der Weise , daß behuf der Auszahlung zum 12. Juli oder 12. Januar jeden JahrcS die Kündigung Neujahr oder Johannis erfolgen muß. Von Seiten der Staatskasse sind die Obligationen allezeit kündbar, mit halbjähriger Frist von Neujahr oder von Johannis. 4) Die Rückzahlung des Kapitals erfolgt in denselben Münzsorlcn, in welcher die Einzahlung geschehen ist. Andere Münzsorten als Spezies,