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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Sonntag den 4G August

1850.

Die Nass Alta Zeitunq mit dem Wanderer erscheint einmal täglich in Großsol. v - F o r m a t, mit Ausnahme des Sonntags. - Der vierteliâhrige Prânume-a-ionSpreiS in Mi-sb-r-n ben Umfang des Herzogthums Nassau, des GroßherzogthumS und KurfurstenthumS Hessen, der Landgrasschait veffet,-Homburg und der freien Stadt Frankfurt den übrigen LânRn^ -°"d Tarlsschen Verw-ltungSgebieteS S ft. IO kr. - Inserate werden o.e dreiivaltige -Betitele oder beten Raum mit « fr.

« ^ ? Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der 8. Sch - lle u b - r g'sch-n Hof- Buchhandlung . auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienstnachrichtcn.

Nichtamtlicher Theil. .

Armeebericht über die Schlacht bei Idstedt.

Deutschland. Wiesbaden (Asstsen. Schleswig-Holstein). _ Usingen (Adresse an den Herzog). Kassel (Die Gehalte). Berlin (Stand der Dinge. Konzerte für Schleswig-Holstein. Ohm auf freien Fuß gesetzt. General von Schack). Rendsburg (Unterstützungen. Land­sturm. Urtheile über die Schlacht von Idstedt). Ham­burg (Di- Gefion). Breslau (Haynau). Wien (Schleswig-Holstein. Ultimatum).

Großbritannien. London (Baron Rothschild noch immer nicht zugelassen).

Spanien. Madrid (Die Königin. Cuba. Vermahlung Ferdinand'S von Bourbon mit einer Tochter des Erzherzogs

Karl).

Neueste Nachrichten.

Sprechsaal für Stadt und Land.

Amtlicher Theil.

Dem HofgerichtSAkzessisten Ebel zu WieS- baden ist die nachgesuchte Dienstentlassung ertheilt und der RechlSkandidat Maximilian v. Rößler von Wiesbaden zum Akzessisten bei dem Justizamt zu Hochheim ernannt worden.

Die Bergmeisterciakzcssistcn Zachariä zu Diez und Forst zu Weilburg sind nach Dillenburg und der Bergmeistcrciakzcssist Giebel er von Dillenburg nach Weilburg versetzt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Armeebericht über die Schlacht bei Idstedt.

(Schluß.)

Der Angriff deS Feindes begann bald nach 3 Uhr bei unserm Vorposten. Es entspann sich zuerst eine heftige Kanonade mit unserer l2pfündigen Bat­terie in der Stellung und mit einer 2., welche auf einem vorspringenden Terrainabschnitt westlich von Idstedt aufgefahren war. Der Feind halte in der Nacht und am Abend vorher den größten Theil seiner Kräfte bei Unter- und Oberstolk und Böck- lunv konzcntrirt, mindestens 3 Brigaden. Seinen ersten heftigen Angriff machte er auf daS Gryauer- Holz, und nahm eS, durch einen noch nicht aufge­klärten Umstand im ersten Anlaufe. ES war ihm dabei der Umstand zu Statten gekommen, daß Ne­bel und ein heftiger Regen jede Uebersicht unmög­lich machten. Es gelang indeß dem 4. Jägerkorps, nachdem eS den Befehl dazu bekommen, daS Holz wieder zu nehmen. Dies heftige Gefecht und der Umstand, daß der Feind einen großen Theil feiner Kräfte in diese, wie schien, sehr gefährliche Rich­tung geworfen, gaben nunmehr die Veranlassung, in die beabsichtigte Offensive überzugehen. Die 3. und 4. Brigade wurden dazu durch Fanale in einem Moment beordert und beide begannen ihre Bewe­gungen sofort. Die 2. Brigade -dcbouchirte über WedelSpang gegen Böcklund, die 3. von ihrem Uebergangspunkte gegen beide Stolck. Der Feind war durch diese Bewegung sichtlich überras 11. Die 4. Brigade sollte 2 Bataillone zu gleicher Zeit auf Idstedt, wo sich ein heftiges Gefecht mit dem 15. Bataillon der Avantgarde entsponnen hatte, debou- chircn, und wäre diese Bewegung eben so gelungen, so wären die Kräfte des Feindes, welche sich gegen daS Gryaucr Holz gewendet, wohl leicht gänzlich aufgcriebcn worden, und die kombinirle Bewegung der 3 Brigaden, der 4., der 3. und der 2., wäh­rend die Avantgarde und die 1. Brigade auch ihrer SeitS die Offensive ergreifen sollten, hätte wohl die Aussicht auf ein völliges Gelingen geboten. Dieser Angriff der 4. Brigade mißlang aber vollständig, als jenseits deS DeboucheeS die Toten vom Feinde heftig aiigefallen wurden. Der Gryauer Wald und Idstedt gingen abermals verloren. Es schien in

diesem Augenblick möglich, daß die Stellung in ihrem Zentra durchbrochen würde. Es hat wohl nur die Bewegung der 3. und 2. Brigade den Feind abgehalten, hier nicht heftiger nachzudrängen, ja sogar die Möglichkeit gegeben, selbst mit unsern zurückgeschlagenen Truppen die steinerne Brücke un­terhalb deS Idstedter Sees nochmals zu nehmen. Die 3. Brigade halte mit großer Tapfeikeit bei Ober-Stolck den Feind rasch zurückgeworfen, drei I2Pfünder erobert, eine feindliche Eskadron, welche wiederholt im Dorfwege eine kühne Attaque ge­macht, gänzlich zu Grunde gerichtet; 2 Stabsoffi­ziere , den Batteriechef und den EökadronSchef ge­fangen. ' Als aber ein Theil des Feindes, welcher die 4. Brigade -urückgedrängr, sich längs des Sees in der Richtung gegen Süderfahrenstedt wandte, und so den linken Flügel und den Rücken der 3. Brigade bedrohte, während er sich auch ihr gegenüber immermehr mit neuen Kräften verstärkte, mußte diese ihr Vorgehen einstellen. Zu dieser Zeit und durch diese Bewegung stellte sich auch daS Gefecht bei der 4. Brigade wieder her. Die 3. Brigade ging nun theilt über die Idstedter Brücke, theils über die Furth zurück, die 2. Brigade, welche ebenfalls mit großer Entschlossenheit vorgegangen war, stieß später auf eine bedeutende Nebermacht und zog sich nun auch auf die Stellung von Wedelspang zurück, ohne irgend einen bedeutenden Verlust zu erleiden. Von dem Platean von Idstedt wurde die rückgängige Bewegung unseres rechten Flügels durch ein wie­derholtes Vorschieben der Avantgarde und der schwe­ren Batterien unterstützt. Von der 1. Brigade hatte zu gleicher Zeit daS 1. Jägerkorps und das 2. Ba­taillon, unterstützt von dem 12. Bataillon, welches von der 4. Brigade herübergezogen war, eine Be­wegung von Gammelund gegen daS Buchholz ge­macht und drängte da den Fâd gegen Helligbcck zurück. So hatte denn die Schlacht von Tagesan» bruch bis gegen 11 Uhr gedauert, als der Feind auf seinem linken Flügel nicht mehr gedrängt, neue Kräfte gegen die Idstedter Stellung entwickelte. Diesem gegenüber wurde nach und nach der größte Theil der Reserveartillerie verwendet. Es entspann sich hier der heftigste Geschützkampf des Tageö, und man glaubte eS noch nicht aufgeben zu dürfen, diese Position zu halten, da hier noch ein großer Theil der 1. Brigade zur Reserve stand. Als aber plötz­lich die Meldung einging, daß der Feind abermals bei Treya die Treene forzirt und Schubye schon besetzt, so schien cs, obschon er hier von der Reserve- Kavallerie und einigen Geschützen aufgehalten wurde, nicht zweckmäßig, cs aufs Aeußerste kommen zu lassen, im Gegentheil wurde gegen 1 Uhr der Ent­schluß gefaßt, die Schlacht abzubrechen und zurück- zugehen. Bei der numerischen Ueberlegenheit deS Feindes schien die Bewegung in unserm Rücken große Kräfte bekommen zu können. Es wurde also zunächst der noch disponible Theil der ersten Bri­gade, bestehend auS dem dritten und vierten Ba­taillon , dazu verwendet, die Umgehung des Feindes zurückzuwerfen, und diese auch dadurch so weit zurückgedrängt, daß sie für den Rückzug nicht mehr schädlich werden konnte. Der Rückzug wurde zwischen 1 und 2 Uhr Mittags angetreten, ohne andern Verlust an Material als 3 demontirte Ge­schütze. Bei Falkenberg wurde durch eine Aufstel­lung der Reserve-Artillerie die Avantgarde und die 4. Brigade ausgenommen, und die rückgängige Be­wegung durch ein lheilwciseS Anrücken der 3. Bri- gade von Behrend gegen die Ehaussec unter spe­zieller Leitung des Obersten und Chef deS Stabes, v. d. Tann, so unterstützt, daß sie nicht mehr vom Feinde gedrängt wurden. Es erging nun an die 2. und 3. Brigade der Befehl, sich nach Missunde an die 4., und an die Avantgarde sich nach Schles­wig, an die 1. Brigade und die Kavalerie sich von, Schubye nach Rendsburg zurückzuziehen. Bei Schloß Gvltorf angekommen, zog sich die 4. Brigade und die Avantgarde (nunmehr Arricrcgarde) seitwärts hinter den starken Abschnitt von Fahrdorf, um auf diese Weise einmal die Verbindung mit der 2. und 3. Brigade nach Missunde sicher zu haben, um ferner durch diese Seitcnstcllung den Feind zu verhindern, auf gerader Straße nach Rendsburg schnell vorzu­bringen, und zuletzt um der 1. Brigade, der Reserve- Kavalerie und der großen Bagage ihren Rückzug zu erleichtern und das Terrain zu vermeiden, wo die überlegene feindliche Kavalerie der Arme hätte ge­

fährlich werden können. Alle diese Absichten sind glücklich erreicht worden; sämmtliche Bagage ist ohne Verlust nach Rendsburg gekommen; die Re­serve-Kavalerie und die I. Brigade sind auf dem Rückzüge wenig beunruhigt worden und die 4 Bri­gaden des Gros der Armee mit der Reserve-Artillerie fanden sich am Abend der Schlacht völlig vereinigt. Da eS aber die Absicht bleiben mußte, die gesicherte Stellung von Rendsburg so bald als möglich zu erreichen, so trat daS Korps nach 10 Uhr in 2 Ko­lonnen seinen Marsch nach Cluvensieck und Königs­förde an. Der große Park ging über Eckernförde und Gotidorf und dann über die Eider. So befand sich die Armee am 26. Morgens vereinigt und in gesicherter Verbindung mit Rendsburg. So groß auch ihr Verlust gewesen, so ist der schmerzlichste doch der, daß verhâltnißmäßig viele Offiziere todt oder verwundet auf dem Platze blieben. Wenn die­ser Verlust ersetzt worden, wird sich die Armee bei dem Sinne, der sie belebt, bald wieder eben so stark und eben so schlagfertig finden, wie vor der Schlacht. Der Verlust an Mannschaften hat aus den Ersatz­kompagnien gleich gedeckt werden können. Für die Verpflegung ist reichlich Sorge getragen, so daß ich mit vollem Vertrauen den künftigen Begebenheiten entgegen sehe. Ich werde das Vergnügen haben, einzelne hervorragende Thaten, die in Menge Vor­kommen, Einer Hohen Statthalterschaft zur Beloh­nung vorzulegen. Das Genauere über unsere Ver­luste werde ich erst in einigen Tagen nachliefern können. Gefangene haben wir wenig verloren, deren aber zwischen 400 und 500 gemacht.

Rendsburg, den 27. Juli 1850. W illi sen.

Deutschland.

* Wiesbaden, 3. August. (Assisenverhandlung gegen Deis ner, Schmitt, Horn und Genos­sen.) In der gestrigen Nachmittagssitzung wurde das Jnquisslorium geschlossen. Heute beginnt das Plaioyer, und dürfte der Prozeß heute zu Ende ge­führt werden.

* Wiesbaden, 2. August. Im Lauf der Untersuchung gegen den ehemaligen Schullehrer Christian Deisner, hat sich ein neuerdings von ihm gemachter Versuch einer Kolludirung und Verlei­tung zur Ablegung eines falschen Zeugnisses hcr- auSgestellt. Wie bekannt hat derselbe aus dem Gefangenhause eine Menge KollusionSbriefe geschrie­ben , worin er seinem damals noch auf freiem Fuße befindlichen Sohne Jakob Deisner, den Stand der Untersuchung thcilweise mittheilte, namentlich aber ihn zur Werbung falscher Zeugen und zur Verekelung der durch die verschiedenen Untersuchun­gen gegen ihn und seine Genossen gewonnenen Resultate aufforderte. Lehrer DeiSner und sein würdiger Sohn haben angegeben: diese Briefe habe er diesem bei, unter Aussicht und auf dringendes Verlangen gestatteten Unterredungen über vorgege­bene Familien-Angelegenheiten zugesteckt. Ob diese Briefe unter Aufsicht zugesteckt oder auf andere Weise dem Jakob Deisner zugegangen sind, ist nicht ermittelt. Die Unterredungen haben in dem Ver­hörzimmer deS Inquirenten, in dessen Gegenwart und in Gegenwart des AktuarS und Gefangcnwâr- ters stattgefunden und man bezweifelt sehr, daß bei dieser Gelegenheit, die zu verschiedenen Zeiten geschriebenen und abgegeben Briefe, jedes Mal un­bemerkt hätten zugesteckt werden können.

' Alle diese KollusionSbriefe verrathen ein siche­res und genaues Auffassen der dem Lehrer DeiSner mitgetheilten Zeugenaussagen und gemachten, zum Theile auf sehr feinen, theils entfernten, theils na­hen Indizien basirten Vorhalte und geben raffinirte Pläne an, auf welche Weise die vorliegenden, DeiSner und seine Genossen überführenden Beweise durch zu werbende falsche Entlastungszeugen besei­tigt werden müßten. AuS diesen Briefen geht wei­ter auf das klarste und schlagendste hervor, daß Lehrer Deiöncr in dem Preßprozesse gegen Lehrer Schmidt und in der Rechtssache der Erben des ver­lebten Hrn. Vizepräsidenten Freiherrn v. Preu'chen gegen Schmidt falsches Zeugniß abgelegt hat. Von dem Hrn. Assisenprâsidcntcn befragt, zu welchem Zwecke er diese Briefe geschrieben habe, gab Lehrer