Und würdig appellirt wurde, schlug die Bitte unter Anderem mit den Worten ab: „Wenn ich auch noch für Kirchen singen soll, dann wird mir vollends vaS Messer an die Kehle gefetzt". Alâ ihr auf diese gewiß sehr menschenfreundliche (!) Antwort recht passend gedient wurde, entschuldigte sie sich damit, daß sie in wenigen Tagen nach Amerika ab« reisen wolle um dort zu fingen und daß sie sich deßhalb jetzt schonen müsse. Auch meinte sie, wenn sie auch wirklich ein Konzert geben wollte, so würden doch die Menschen weniger ihretwegen kommen, als um einen Zuschuß zu dem bestimmten Zwecke zu liefern, und dieß könnte man ohne sie eben so gut thun.
Dieß als Beitrag zur Charakteristik der weit« berühmten schwedischen Nachtigall.
4» Wiesbaden, 28. Juli. Das seit diesem Frühjahre an die Stelle des früheren „Schulblat- »eS" getretene allgemeine nassauische Schulblatt brachte neuerdings zwei Artikel, welche auch in weiteren Kreisen Aufmerksamkeit verdienen, auf welche wir hier aber nur in aller Kürze eingehen können. Der erste derselben in Nro. 9. d. 931. von dem Schulrath Müller begründet die Bedeutung der Realgymnasien für die Verwaltung mit großer Vollständigkeit und Umsicht.
Wenn einigermaßen bekannt ist, an welchen Mängeln zum Theil die nassauische Verwaltung, wo dieselbe technische Gegenstände berührte, so lange gelitten und welche Geldmittel das Land falschen Ansichten derselben zum Opfer gebracht hat, der wird gewiß anerkennen, daß eine solche Erörterung an der Zeit sey. Der Verfasser weis't im Speziellen nach, wie nur durch die Einrichtung der Realgymnasien neben der allgemeinen Bildung den künftigen Vcrwaltungsbeamtcn eine so gründliche Vorbildung für die meisten Zweige ihrer Wissenschaft mitgegeben werden könne, daß sie den täglich wachsenden Anforderungen der neueren. Zeit an dieser Branche auf der Hochschule vollkommen Genüge leisten können, ohne Zeit und Kraft wie bisher zu zersplittern. Schließlich wünscht er, daß der Staat wenigstens jungen Leuten gestatte, sich für das Verwaltungsfach auf solchen Schulen auszubilden und ist überzeugt, daß alSdann der gesunde Sinn derselben sie von selbst dazu veranlasse.
Der zweite Artikel berührt eine für unser industrielles Leben sehr wichtige Sache, nämlich die Errichtung einer Bergschule. Der Verfasser holt zur Begründung der Nothwendigkeit derselben ziemlich weit aus und unterzieht die nalionalökonomische Bedeutung unseres Bergbaues, die Verwaltung desselben einer sehr ausführlichen Kritik. Wir können ihm jedoch trotz unserer sonstigen großen Achtung vor seinen patriotischen Bemühungen zur Hebung unseres Bergbaues lange nicht in allen Punkten beistimmen. Namentlich werden einige Unzukömmlichkeiten mit Unrecht als allgemein herrschend dar- gestellt, welche sich in bestimmten Bezirken finden, wie z. B. daß die Schichtmeister zugleich Krämer sind und die Bergarbeiter durch die Nöthigung, ihren Lohn in Waaren zu nehmen, verkürzen re. So viel uns bekannt ist, hat die Bergbaubchörde überall, wo Klagen in dieser Beziehung laut geworden sind, abgeholfen. In manchen Gegenden möchte es aber sehr schwierig seyn, andere Schichtmeister zu bekommen, als solche, welche zugleich dem Krämergewerbe obliegen. Hinsichtlich der Bestimmung der projek- tirten Schule selbst, deren Errichtung bereits vor dem März von der Regierung bei den Ständen beantragt war, hat sich der Verfasser des Artikels nicht klar genug ausgesprochen.
Soll dieselbe zur Bildung der Untersteiger dienen, so scheint uns der Plan derselben etwas zu weit ausgedehnt und dürfte bei seiner Durchführung mehr Zeit erfordern, als die sich zu diesem Dienste vorbereilenden Individuen ihren ganzen Verhältnissen nach für den wissenschaftlichen Theil ihres Gewerbes verwenden können. Für angehende Obersteiger wäre dagegen wohl der vorherige Besuch einer Realschule vorzuziehen, in welchem Falle der Plan um einige Lehrgegenstände vermindert werden könnte. —
*f* Frankfurt, 30. Juli. Meine Berichterstattung hat Sie nicht getäuscht. Die Bevollmächtig- ten Preußens und der übrigen UnionSstaaten sind, da auch die versöhnlichsten Beschläge deS Berliner KabinetS nichts gefruchtet haben, abberufen, und werden morgen insgesammt unsere Stadt verlassen. General von Peucker bleibt natürlich hier, da er Mitglied der BundeS-Zentral-Kommission ist. Die Abberufung hat großes Aufsehen erregt und auf die österreichischen StaatSpapiere nachtheilig gewirkt. Die großdeutschen Blätter hatten dem Publikum so lange den Eintritt der Bevollmächtigten in daS Plenum vorgelogen, daß die Leute hier eS am Ende glaubten, die Demokraten frohlockten schon darüber, nun ist alles anders. DaS Plenum ist gescheitert. Der engere Rath , in welchem (3 Regierungen sitzen, wird nichts auSrichten können, wenn Preußen ihn nicht anerkennt. UebrigenS ist jetzt in Wien eine Krisis eingetreten, die sehr erheblich ist und namentlich in der Opposition des Finanzministers ihren Grund hat, weil er kein Geld mehr für die Armee aufzutreiben weiß.
Dresden, 26. Juli. (L. Z.) Die hierselbst gepflogenen Verhandlungen über daS Telegraphenwesen sind gestern mit der Zeichnung eines den internationalen Telegraphenverkehr zwischen Oesterreich , Preußen, Bayern und Sachsen auf einem Telegraphennetze von mehr als 1000 Meilen umfassenden Vertragsentwurfs geschlossen worden.
Berlin, 28. Juli. (O.-P.-A -Z.) Die vorgestrige Sitzung deS SlaatSministeriumS, welche die Abberufung der preußischen Bevollmächtigten als Resultat brachte, darf in anderer Beziehung nur als eine vertagte angesehen werden. Die allgemein österreichisch-preußische Frage, die durch die letzten österreichischen Schritte in ihrem ganzen Umfange zur Sprache gebracht werden mußte, wird den Stoff einer weitern/ morgen oder übermorgen abzuhaltenden Ministerberathung bilden. Die Debatten in der statigehadten Sitzung scheinen äußern Anzeichen nach sehr lebhaft gewesen zu sein; über ihren eigentlichen speziellen Inhalt verlautet nichts. — Der preußische Bestandtheil der FestungSgarnison Mainz wird eine Verstärkung erhalten. So viel wir bis jetzt in Erfahrung gebracht, beschränkt sich dies aus das zweite Bataillon des 39. Infanterie (7. Reservej-ReaimentS, welches bisher in Luxemburg garnisonirte. Das Bataillon ist zum Abmarsch bereits kommandirt und wird schon Mitte nächster Woche in Mainz erwartet. Ob weitere Verstärkungen diesem Bataillon folgen werden, ist noch nicht bekannt.
Dem Vernehmen nach hat sich Mecklenburg- Schwerin von Dem mit andern deutschen Staaten abgeschlossenen Postvertrage jetzt losgesagt.
Berlin, 29. Juli. (T. D. d. K. Z.) Man versichert, daß wegen Verlängerung der für die Ratifikation deS Friedens vom 2. Juli nöthigen Frist Verhandlungen eingeleitet worden seyen.
Hamburg, 27. Juli. Die Nachricht, v. d. Tann sey mit seinem Korps versprengt, entstand dadurch, daß derselbe ein weites Moor (worin vorher eine Abtheilung dänischer Kavallerie verunglückte) ganz umgehen mußte, bevor er wieder zur Armee stoßen konnte. —
Altona, 28. Juli. (K. Z.) Wenig Neues von der Armee. Ihre Stellung ist unverändert. Die dänischen Vorposten sind bis auf eine Meile diesseits Schleswig vorgeschoben. Eckernförde war auch gestern noch nicht besetzt. Viele Freiwillige eilen zu den schleswig-holsteinischen Fahnen. Wil- lisen erließ folgende Bekanntmachung:
9 ci dem »erhâltnißmäßig großen Verluste an Offizieren, den die schleswig-Holsteinische Armee bei Idstedt gehabt, ist ein Ersatz an diesem wichtigen Bestandtheile der militärischen Kräfte das größte Bedürfniß der Armee. Es ergeht daher an Offiziere aller deutschen Truppen, welche jung und kräftig sind und ein Herz für die Sache haben, die hier verfochten wird, die Aufforderung, so schnell als möglich nach Rendsburg zu kommen, wo sie sicher sein dürfen, eine ihren Fähigkeiten und ihrem -Dienstalter angemessene Stellung zu finden, fei es als Volontär, sei cs definitiv.
Sämmtliche deutsche Blätter werden ersucht, diese Bekanntmachung in ihre Blätter aufzunehmen.
Cluvensieck, 27. Juli 1850.
Der komm. General, v. Willisen.
Rendsburg, 25. Juli, Abends. (A. M.) (Auszug aus dem Schreiben eines Soldaten an seine Eltern.) „Seit gestern Morgen um 11 Uhr habe ich noch keine ruhige Stunde gehabt. Gestern Morgen um 11 Uhr gaben die Vorposten das Zeichen, daß der Feind sich nähere, unser Bataillon rückte vor, die erste und zweite Kompagnie von der Seite, die dritte Kompagnie von der Fronte, die vierte als Unterstützung. Unten am Wege stand zum Schutz, um uns wieder aufzunehmen , das 8. Bataillon ausgestellt, während von der nördlichen Seite her das erste Bataillon in den Wald eindrang. Die Schützenlinien wurden ausgestellt und bald darauf kam der Befehl, daß die letzte Hälfte unserer Kompagnie wie die vierte mit gefälltem Bajonnet einen Angriff auf das Holz machen sollte. Wir rückten vor, zuerst über Moorland, wo wir bis über die Knöchel einsanken, dann über Haideland, wo schon die dänischen Kugel» unö umsausten; immer weiter ging's voran, immer mehr schwirrten die Gewehrkugeln über unsere Köpfe weg. Als wir uns dem Holz auf etwa 1000 Schritte genähert halten, wurde aber das feindliche Feuer so lebhaft, daß wir uns niederwerfen mußten, auf Händen und Füßen krochen wir weiter; wo ein schützender Gegenstand sich unS zeigte, da sprangen wir auf und stürzten uns mit Hurrah dahinter. So kamen wir dem Gehölz immer näher, ich hörte die Kugeln über meine Schultern wcgsausen, eS war ein beständiges Pfeifen derselben. Wir krochen weiter, und wenn ich dann meinen Nebenmann aufforverie mit vorzulriechen, dann bekam ich nicht selten zur Antwort: „Kamerad! Ich habe meine Schuldigkeit gethan, ich kann nicht weiter, ich bin verwundet, ich kann nicht mehr". Als ich so da lag und die Kugeln über uns pfiffen,
da war mein Gedanke nur der: „Herr Gott, wie eS Dir gefällt"! neben mir und um mich fielen meine Kameraden, mich schützte Gott, unverseh» erreichte ich das Gehölz, aber so ermattet, daß ich in den ersten fünf Minuten ganz erschöpft da lag. Aber bald kam ich wieder zu mir, und rückte mit meiner Kompagnie vor. Wir unterhielten im Holz ein lebhaftes Gewehrfeuer; aber gegen uns standen 14,000 Mann und wir waren ja nur zwei Kompagnien und ein Bataillon auf der andern Seite. Wir konnten unö nicht länger halten, unsere Offi ziere fielen schon an diesem Tage zum Theil, und viele Gemeine waren todt und verwundet. Endlich ward zum Rückzug geblasen.
Morgens liy2 Uhr begann das Gefecht. Abends 8 Uhr war es zu Enke, wir ließen unsere Offiziere hoch leben, diese und selbst der General ließen uns sagen, daß wir ruhmvoll gekämpft hätten. Noch denselben Abend ward eine Feldwache ausgestellt und ich mit dahin beordert, die Nacht ging ziemlich ruhig vorüber, unser Lederzeug hatten wir um und standen immer bei den Gewehren, an Ruhe war nicht zu denken; von 2% Uhr Morgens kam ich auf Vorposten, wir glaubten, Alles ginge ruhig vorüber, aber eben als ich adgelöst werden sollte, eröff« neten die Dänen wieder ein lebhaftes Gewehrfeuer, wir zogen uns zurück ins Dorf, der Major bat unè, nur so lange auszuhalten, bis die Brigade käme. Die Artillerie unterstützte uns, wir drangen vor bis zum äußersten Ende von Idstedt. Hier stieß die Brigade zu unS. Das 11., 12., 13, und 14, Bataillon und das 1., 2., 3. und 4., die anderen waren an andern Stellen vertheill, furchtbar war das Gewehr, und Kanonenfeuer. Die Dänen waren schon vorher ins Dorf gedrungen, mit gefälltem Bajonnet wur. den sie wieder hinausgeworfen, unsere GranaMi« terie schlug furchtbar ein unter die dichten'däMfwen' Kolonnen, die Dänen wichen, wir gmgen mit Hurrah vor. Da steckten sie das Dorf Idstedt in Brand, und während wir nach Front hin vorgingen, suchten sie uns von den Flanken auS zu umzingeln, feind-" liche Schützenlinien nämlich breiteten sich schon weit über unsere Seitenlinien hinaus. Da wurde zum Rückzug geblasen und seitdem war keine Ordnung mehr in die Schlachtlinie zu bringen, unser Bataillon war versprengt, ich schloß mich dem 8. an, Alles zog die Straße nach Schleswig, aber der General trieb Alles wieder zurück in die Schlacht, kein Grund der Ermüdung und Erschöpfung half; sie mußten. Ein Hauptmann der 4. Kompagnie sammelte die Reste unseres Bataillons, es waren gegen 100 Mann, wir brachen vor und sollten die Kanonen schützen, noch glaubten wir, daß wiL-sir- gen würden. Die Artillerie schoß jetzt V« Stunden lang, die dänische antwortete, eö war ein mörderisches Feuer; wir lagen in einem Graben, Sechs-^ Pfänder umschwirrten unS, ohne uns zu schaden? Schon glaubten wir, die Dänen retirirten, da gebrach eS unserer Artillerie an Munition, diese hatte sich verfahren, in wilder Eile brach sie auf und Kavalerie hintenher, um sie zu schützen. Sie verließen daS Schlachtfeld. . . . (Der Schreiber berichtet dann, wie er bei der Flucht, die nun erfolgte, erst auf einen Kanonenwagen, dann auf einen Dauernwagen sich geworfen und so nach Rendsburg gekommen sey.) So bin ich, Gott sey Dank, gesund und wohl in Rendsburg aus Kampf und Schlacht hervorgegangen, auch für die Folge wird Gott sorgen, seine Gnade hat mich gerettet; soM fehlt mir nichts. ....."
Travemünde, 26. Juli. (Lüb. Ztg.) Gestern Morgen erschien das dänische Kriegsdampfschiff „Hekla" auf unserer Rhede und gab baö Signal, daß ein Loolse an Bord kommen möge. Nachdem dieser vom Kommandeur des „Hekla" über VdS Schicksal der Besatzung deS bei Neustadt in die Luft gesprengten schlesw. holst. Schraubendampfschiffes, über die Zahl der Tobten und Verwundeten ic. befragt war, wurde er wieder entlassen; der „Hekla" ging von unserer Rhede, wahrscheinlich um daS Wrack des „v. b. T." in Augenschein zu nehmen, nach der Neustädter Bucht zu.
Bei dieser Rekognoszirung mag sich das dänische Schiff wohl ein wenig zu nahe an die Strand- batterie gewagt haben, von denen auf dasselbe gefeuert ward. Es konnte aber keineswegs Absicht deS „Hekla" sein, diese Batterie anzugreifen, und entfernte er sich, nachdem gegenseitig einige Kugeln gewechselt waren, wieder seewärts.
Wien, 26. Juli. Nach neueren und zuverlässigen Nachrichten ist die Angelegenheit deS Veroneser Gerichtshofs wohl eben wegen ihrer großen Tragweite gar nicht zur Entscheidung gekommen, sondern wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Damit verschwinden auch alle Gerüchte von Minister- Veränderungen.
Der Herzog v. Bordeaur stattete gleich bei seiner Ankunft dem Kaiser einen Besuch ab. Seine Bemühungen, der Heirath deS Grafen Montemolin mit der Prinzessin von Neapel Unterstützung zu erwirken, sollen an den Grundsätzen unseres KabinetS gescheitert sein. — Baron VrintS ist nach Kopenhagen F.M.L. Haynau ist nach Gräfenberg gereist;