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Nassauische Allgemeine Zeitung.

M g 77, Dienstag den 30. Juli

1850.

Die Nass Alla Zeitnna mit dem Wanderer erscheint einmal täglich in G x o ß so li o-Format, mit Ausnahme deâ Svnntagâ. Der vierteljährige Prânum-catiouSpreiS in Wiesbaden für den Umfang des HerzogtbumS Nassau, deS GroßherzogthumS und KurfurkenthnmS Hessen , der Landgrauchait Veyen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S Ü in den übriqen Ländern des fürstlich Thurn - und Tariâschen Verwaltn^ - tr. - Jn.erate werden d.e dr-,svalt,g- P-titzeile oder deren Raum mit 3 tr.

berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L Sch ellenberg Ichen Hot-Buchhandlung , auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Kampf der W'leSwiü-holsseinkschen uud der däni­schen Armee.

Die Anklage gegen die Lehrer Dersner, ^o.n unb Schmidt wegen Meineids und Verleitung zum Meineid.

Deutschland. Wiesbaden (Asfisen. Der Brand der evangelischen Kirche. Die deutsche und die dänische Frage).

Idstein und Dillenburg (DaS Geburisfest Sr. Hoheit des Herzogs). Köln (ObservationSkorPS zwischen Koblenz und Wetzlar). Aachen (Abreise des Königs von Bayern). Konstanz (Berurtheilung von drei Hoch- verrâtherinuen). Kassel (Der Herausgeber der Neuen Hess. Ztg. freigesprochen). Hannover (Gegen Aufhe­bung des ElbzolleS). Berlin (Daâ provisorische Für­stenkollegium. Hannover verweigert die BerpflegungSgelder für Schleswig-Holstein. Die deutsche Frage. Abberufung der Bevollmächtigten in Frankfurt). Kiel (Englische Flotte). Swinemünde (Herzog von Leuchtenberg). Wien (Radetzky. Haynan. Jellachich. Baron Brinks. Die konfiszirten Güter in Ungarn. Zollfreie Einfuhr).

Dänemark. Kopenhagen (Offizielle Berichte).

Frankreich' . Paris (Causfidiere. Abänderung des Wahl­gesetzes. Vermischtes).

Großbritannien. London (Das Unterhaus. Baron Rothschild).

Neueste Nachrichten.

Kampf der schleswig holsteinischen und der dänischen Armee.

Ueber DaS Gefecht vom 24. schreibt man der Kölner Zeitung aus Hamburg vom 25. Juli. Ge­stern haben im Schleswig'fchen sehr ernsthafte Ge­fechte Statt flefurmn , Die für beide kriegführende Parteien nicht ohne namhafte Verluste gewesen sind. Die dänische Avantgarde hat zwischen 7 und 8 Uhr den Angriff bei Helligbek mit großer Energie eröff­net, wurde aber von den holsteinischen Truppen so tüchtig empfangen, und schlugen sich dieselben so brav, baß der Feind bis Stonderup zurückgeworfen wurde. Von schlcSwig-hvlsteinifchcr Seite waren das 3. Jägerkorps und das 1. Infanterie-Bataillon engagirt. Nach den ersten Angaben wäre hierbei ein Verlust von etwa 150 Mann zu beklagen ge­wesen ; wohlverstanden, nicht Todler, sondern mei­stens Leichtverwundeter; unter den Blessirten wer­den auch die Hauptleute Olsen und Buboch nam­haft gemacht. Die Dänen sollen zwei Brigaden ins Feuer gebracht, und in dem Poppholz, einer Waldung bei Helligbek und Losbusch, eine Vortheil- hafte Position inne gehabt haben. Sie wurden von den Schleswig-Holsteinern aus deren Granaten- Balterie (es ist die einzige, welche bis jetzt im Felde steht) sehr wirksam mit ShrapnellS beschossen. Mindestens soll der Verlust auf Seiten der Dänen der größere gewesen sein. Eine kleine Anzahl bâni- scher Gefangener wurde in daS Hauptquartier ge­bracht; auch hört man von der Verhaftung eines schwedischen Spions. Noch ernster scheint sich die Affaire am Nachmittag auf dem linken Flügel ge- ftnltet zu haben; eine Position der Schleswig-Hol­steiner bei dem kleinen Fluß Treene wurde von einer Jägerabiheilung lange Zeit mit rühmlichster Tapferkeit gegen die Uebermacht von mehreren Nischen Bataillonen vertheidigt, mußte indessen zu­letzt aufgegeben werden.. Bald darauf aber über­nahm hier der General v. Willisen selbst das Kom­mando und nach einem sehr glänzenden Gefechte, wobei auch der Feind sich hartnäckig schlug, wurde der letztere geworfen, die Position von den Schles- behauptet. Die gestrigen Gefechte, so ernsthaft es dabei hergegangen sein mag, sind übrigens nur als Vorspiel eines sehr blutigen Kampfes zu betrachten, der sich vermuthlich schon heute aus der stanzen Linie entsponnen hat. AuS einem Briefe, der Aufmerksamkeit verdient, führen wir an, daß die Dänen beabsichtigten, die ganze Starke ihrer drei Armeekorps 30,000 Mann siegen die Schleswig-Holsteiner in der Position bei Jvstädt ungefähr 20,000 Mann stark - heute in die Schlacht zu führen. Der Abcndzuq kann uns mindestens die Gewißheit darüber bringen, ob dies geschehen oder noch verzögert ist. Gestern

Abends rückte die letzte der mobil gemachten Feld- Batterieen aus Rendsburg aus. Auch bei Eckern­förde soll seit heute in der Frühe (3'/2 Uhr) stark kanonirt worden sein. Am Ende ist eS auf einen gleichzeitigen Haupt-Angriff der Flotte und der Landarmee abgesehen. Weiß doch zufällig die heute hier angelangte Kreuzzeitung von dem dänischen KriegSplan, durch einen Angriff der Flotte im Rücken Willisens diesen zu zwingen, die vortheil- hafle Stellung bei Jdstädt aufzugeben.

Ueber die ersten S tun d en der Schlacht vom 25. Juli haben dieHamburger Nachrichten" fol­gende Mittheilungen.

Rendsburg, 25. Juli. Heute Morgens 2% Uhr wurde der Angriff vom Feinde erneuert; bis 6% Uhr stand das Gefecht mit abwechselndem Glück; von da an entschied eine Bayonettc-Attaque unserer Ba­taillone, und seit der Zeit ist der Feind unaufhalt­sam im Weichen;. von Schleswig erfahren wir l;ier konnte man gegen 9 Uhr Morgens kaum noch den fernen Kanonendonner hören. Wir haben viele Gefangene gemacht; wie groß die Anzahl der­selben, ist noch nicht mit Sicherheit anzugeben.

Schleswig, 25. Juli, Mittags 12 Uhr. Tür Kampf begann heute Morgen 3 Uhr, und noch dauert die Kanonade, wenigstens auf dem linken Flügel in der Gegend von Lührschau fort. Der Ver­lust auf feindlicher Seite übertrifft den unsrigen bei Weitem, namentlich ist das Moor in der Ge­gend von Lusbusch, mit dänischen Todten bedeckt, indem dort ein großer Theil der dänischen Kavallerie festgerathen. Jetzt wird der Feind verfolgt; sämmt­liche Bagage des General-Kommando'S, die heute Morgens hier eingebracht wurde,-rückt nordwärts. An Gefangenen sind bis jetzt gegen 300 hier einge­bracht. General Willisen kommandirt das Zentrum, v. d. Tann den Linken, v. d. Horst Den rechten Flügel. Nachschrift. So eben kommen noch 150 Gefangene, v. d. Tann soll den rechten Flügel der Dänen durchbrochen haben. Die Dänen haben einige Dörfer, die sie verlaffen mußten man nennt Idstedt und Helligbek angezündet.

Altona, 25. Juli. Der heutige Abendbahnzug brachte uns einige Verwundete vom Norden, nament­lich vom 3. und vom 1. Jäger-Korps und vom 10. und vom 12. Bataillon. Von dem letzteren scheinen die 2. und 3. Kompagnie keinen Verlust gehabt zu haben. Mehrere Verwundete sprechen voller Jubel von zwei eroberten' dänischen Fahnen, Von Eckern­förde her erfährt man gar nichts.

Ein Ertra-Blatt der HamburgerBvrsen- Halle" vom 26. Juli, Nachmittags zwei Uhr be­richtet :

Nach einem beispiellos blutigen, gegen elf Stunden anhaltenden Kampfe bei Schleswig hat sich gestern Nachmittags die schleswig-holsteinische Armee, die mit bewunderuswenher Tapferkeit und Ausdauer kämpfte, vor der übergroßen Uebermacht der Dänen, welche immer neue Bataillone inS Ge­fecht zu führen im Stanke waren, zurückzichen und dem Feinde die Stadt Schleswig überlassen müssen. Sie hat ihren Rückzug, ohne von den Dänen ver­folgt zu werden, in guter Ordnung bewerkstelligt und steht jetzt konzentrirt bei Schestedt auf fchles- wig'schem Gebiete. Wir geben nachstehend die aus­führlichsten Berichte, die uns über den Verlauf der Schlacht zugekommen sind:

Schleswig, 25. Juli. Heute Morgen gegen 3 Uhr hat die erwartete Schlacht mit einem Angriff von dänischer Seite auf den beiden Flügeln der jchlcSwig-holsteinischeu Armee angefangen. ES ge­lang den Dänen anfänglich nicht, weil vorzukommen, nach einiger Zeit aber gewannen sie mehr Boden auf dem linken Flügel, wo sie sich festzusetzen ver­suchten; sie wurden aber sehr bald durch einen wü­thigen Angriff der dort aufgestellten Jäger und In, fanterie gänzlich zurückgedrängt und weit zurückqe- trieben, so daß sie sich auf diesem Punkte nicht wie­der sammelten. Am rechten Flügel wurden sie aber kräftig empfangen, und es wurde ihnen unmöglich nur einen Fuß festen Platz zu gewinnen. Nachdem nun das Gefecht zwischen den beiden Flügeln zwei oder drei Stunden gedauert hatte, griffen die-

neu daS Zentrum längs der Chaussee nach FlcnS- bürg an mit Infanterie , Kavallerie und Artillerie zugleich: die leichte schleswig-Holsteinische Infanterie zog,sich hinter die Haup,Position bei Idstedt Krug zurück, und die anrückendeu Dänen wurden von den Schanzen aus mit einem Hagel von Kanonen­kugeln empfangen, welcher sie ziemlich bald zwang, sich zurückzuziehen; die Holsteiner rückten im Zentrum wieder vor, ob zwar so lebhaft, daß die Dänen bald ganz nach Poppholz zurückiveichen mußten. Zweimal geschah daS nämliche Manöver, zweimal griffen die Dänen die Haupipositionen am rechten Flügel und im Zentrum von Neuem an. Am lin­ken Flügel dauerte nur noch das Tirailleurfeucr fort. Schon hatte dieser Kampf gegen acht Stun­den gedauert, und zwischen zehn und eilf Uhr schien es sicher, daß er nur einen glücklichen Ansgang werde haben können. Gerade in diesem Augenblick wurde man aber gewahr, daß der Däne all seine Kräfte himmelte, um einen Hauptangriff gegen das Zentrum und den rechten Flügel zu versuchen. Von der Anhöhe, wo ich stand, konnte man deutlich die ganze dänische Linie aus dem Poppholz heraus debouchiren und sich in voller Linie den Schleswig- Holsteinern gegenüber aufstellen sehen. Mehrere neue Batterien wurden von dänischer Seite aufge- fahren, und man konnte deutlich sehen, daß die Truppen, die Ichon im Gefechte gewesen waren, durch frische abgelöst wurden. Der kommandirende General Willisen ließ seine Reservebatterien auch Auffahren, die Kavallerie, die zum Theil noch gar nicht gebraucht war, wurde auch herbeigezogen, um dem Feinde zu begegnen, und gegen 11 Mr begann ein furchtbarer Kanonendonner von beiden Seiten, welcher von den Schleswig-Holsteinern, obgleich die Geschütze ihrer Feinde größer und viel zahlreicher waren, mit vieler Ausdauer dritthqlb Stunden lang auSgchalten wurde. Einzelne Beweise von Muth wurden gezeigt, die wirklich unerhört waren. Eine kleine Feldbatterie von Zwölfpfündcrn fuhr mitten durch daS feindliche Feuer, stellte sich in halber Distance auf und begrüßte die Dänen auf eine höchst unangenehme Weise, mußte sich aber nach kurzer Zeit sehr schnell aus dem Staube machen, um einer Kavallcriealtaque zu entgehen. Der große ))luth der ganzen Armee half aber nichts gegen eine solche Uebermacht, wie sie die Dänen jetzt ins Feld brachten; es fehlte auch theilweise an Muni- tion. Gegen zwei Uhr rückten die Dänen weiter vor, und da ich mich etwas zurückzieben mußte, konnte ich nicht mehr sehen, waS geschehen. Kurz daraiff aber sah man einzelne Soldaten die Chaussee nach Schleswig entlang laufend, und der AuSgang der dänischen Attaque wurde klar. Den einzel­nen Soldaten folgten bald größere Massen und man hörte jetzt die traurige Nachricht, daß die Dä­nen das Zentrum durchbrochen hätten. Unter sol­chen Umständen war wohl nichts Anderes möglich, als ein Rückzug, der auch erfolgte. General Wil- lifen gab die nöchigen Befehle und die kleine brave Armee sah sich genöthigt , das Schlachtfeld zu ver­lassen. General Willisen war unter den Letzten, die dasselbe verließen. Der Rückzug geschah mit Ordnung und Ruhe, v. d. Tann deckte denselben mit mehreren Bataillonen; die Dänen aber schienen zu müde oder zu träge, ihren Vortheil zu vergrö, ßeru, denn sie verfolgten nicht. General Willisen ritt von Schloß Gottorf gegen fünf Uhr weg; mit Bestimmtheit aber kann ich nicht sagen, wohin das Hauptquartier verlegt wurde, denn einzelne Batail­lone erhielten Befehl, auf den Feldern längs der Chaussee nach Eckernförde bei Fahr.dorf zu bivoua, kiren, andere aber wurden nach Rendsburg beordert. Die Schlacht bei Idstedt wird gewiß einen blutigen Rang in der Geschichte behaupien; von beiden Sei­ten waren die Verluste ungeheuer groß; die Dänen werden aber mehr gelitten haben, als die SchleS- wig-Holsteiner, sonst würden sie mit ihrer großen Uebermacht nicht auf dem Schlachtfelde stehen ge­blieben seyn. Sie müssen nicht weniger wie 45 50,000 Mann gehabt haben, der Aussage der Ge- fangenen nach, die ohngefähr 400 an der Zahl, zuerst nach Schleswig und dann Rendsburg ge­bracht wurden. Unter ihnen sollen auch Schweden und Norweger seyn , in Dänische Uniformen geklei­det. Zwanzig Offiziere sind auch dabei. Von dem Generalstabe der schleswig-holsteiiiifchen Armee ist dem Vernehmen nach kein Einziger verwundet. General