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als solche anzuerkennen, bis eS entschieden ist, daß Preußen nicht gesonnen ist, nachzugeben. Von dem Augenblicke an, wo dasselbe diesen seinen Willen entschieden ausgesprochen hätte und der ordnungS- mäßig ergangenen Einladung nicht Folge leisten würde, wäre es alS abwesendes und zustimmendes BundeSglied zu betrachten; wenn es unterläßt, von seinem ihm nach der Bundesakte zustehenden Rechte Gebrauch zu machen, so ist dieS eben seine eigene Schuld, deren Folgen es tragen muß".

Der Londoner Korrespondent der Assemblee nationale, der wie wir bemerken, die Ereignisse allerdings sehr oft richtig vorausgesagt und sich über diplomatische Vorgänge meist sehr wohlunter­richtet gezeigt hat, theilt dem genannten Blatte folgende Enthüllungen über die Pläne der europäi­schen Reaktion mit:Die europäischen Angelegen- Heften biegen in eine ganz friedfertige Bahn ein und die Entwaffnungen beginnen sogar schon. Die Kabinette hatten sich die Kräfte der revolutionären Partei im Zentrum und im Süden übertrieben vor­gestellt. In Deutschland, der Schweiz, Italien und sogar in Frankreich hatten sie den Widerstand nach dem des heldenmüthigen Ungarns, eines reli­giösen UrvolkeS beurtheilt. Sie hatten nicht gesehen, daß die Philosophie und der Materialismus die alte liberale Partei entnervt hatte und daß die Auflösung der Sitten zu der Aufopferung, die den wahren Patriotismus bedingt, unfähig macht. Nur ein fester Glauben bringt Märtyrer hervor. Die Armeen hatten also nur eine beobachtende Rolle zu spielen, und dieß erklärt manche der Geheimnisse der diplomatischen Zusammenkunft von Warschau. Der Kaiser Nakolaus war mit dem Pläne eines ernsthaften Feldzugs gegen die Revolution dorthin gekommen. Niemals war eine schönere und stärkere Armee voll Verlangen, gegen den Westen zu mar- schiren, versammelt. Allein zu Warschau wurde dem Kaiser gesagt:Gegen wen will Ew. Maje­stät marschiren? Sie glauben Löwen, wie in Ungarn, zu finden? Es sind Hasen, die mit allen Beinen davonlaufen". Dies erklärt, warum der Aufenthalt des Kaisers in Warschau so kurz war. Er sah, daß eS sich nur um diplomatische Angelegenheiten handle und überließ dieselben seinen Ministern. Man wird sich in diesem Jahr auf die Ordnung zweier Angelegenheiten, derjenigen Deutschlands und Dänemarks, beschränken und zwar dergestalt , daß man sich vor 20 Jahren nicht wieder darum zu kümmern braucht. Man wird zn den Verträgen von 1815 zurückkehren und sogar durch ein Zusatz­protokoll die etwas zu liberalen Ideen, womit der UniversitätSgeist von 1815 sie versetzt hatte, modi- fiziren (!), Da die Erfahrung gezeigt hat, daß die revolutionäre Wühlerei sich der Versammlungen be­mächtigt, so können die Souveräne denselben Arten von Ständen substituiren, die, alle 5 Jahre zusam­menberufen, die Ausgaben prüfen und daS Budget feststellen. Die beiden Hauptgefahren Deutschlands, die Presse und die Universitäten, werden unter die Bundesangelegenheiten gestellt, daS heißt faktisch durch Preußen und Oesterreich geregelt werden".

Deutschland.

Wiesbaden, 16. Juli. (Nachtrag zur Assi- senverhandlung gegen Peter und Katharina Münch.) DaS Verdikt der Geschworenen lautet: I a die Ehe­leute Münch sind schuldig, die bezeichneten Vermö­gensgegenstände bei Seite geschafft zu haben (zur Erläuterung: jedoch nicht in der Absicht, ihre Gläu­biger zu verkürzen, sondern aus Selbsterh Utung für sich und ihre Familien) und ferner: Ja die Ehe­leute Münch sind schuldig, einen Meineid geschworen zu haben.

Der Ausspruch des Gerichtshofes lautet nach Antrag der Staatsbehörde gegen beide Angeklagte auf eine Korrektionshausstrafe von 2 Jahren.

Wiesbaden, 16. Juli. Die heutige Assi- senv er Han d lu n g 'gegen Johannes Ochs aus Reifenberg wegen versuchter Nothzucht findet bei ver­schlossenen Thüren statt.

8 Wiesbaden, 15. Juli. Der erwählte Bi­schof von Mainz, Freiherr v. Ketteler, wird morgen gegen 5 Uhr Nachmittags mit einem eigens hierzu von der Düsseldorfer Gesellschaft zur Disposition gestellten Dampfboote in Mainz eintreffen. Er soll am Ufer feierlich begrüßt und in einem großartigen Festzuge in den Dom, wo ein Tedeum abgehalten wird, und von da in das bischöfliche Hotel geleitet werden. In Bingen werden ebenfalls Empfangs­feierlichkeiten vorbereitet. Auch von hier aus wird eine Deputation den Ankommenden in Biebrich begrüßen.

Mainz, 15. Juli. (O.-P.-A.-Z.) Gestern fuhren drei Dampfschiffe der Kölnischen Gesellschaft nach Mannheim, um die großherzoglich-badischen Truppen von dort abzuholen; heute .Morgen sind

diese Schiffe leer wieder hierhergekommen mit der Nachricht einer abermaligen Verzögerung des Aus- marsches, da durch einen in der letzten Nacht in Karlsruhe eingetroffenen Eilboten Gegenbefehl ge­kommen sey und die badischen Truppen einstwei­len noch im Großherzogthum Baden verbleiben werden.

Karlsruhe, 14. Juli. Die hiesige Zeitung enthält eine Proklamation des GroßhèrzogS. An die in königl. preußische Garnisonen abmarschiren- den Truppcnabtheilungen. Der Schluß derselben lauter : Soldaten! Mein ganzes Leben auf daS Ich mit dem Bewußtseyn treu erfüllter Re- gentenpflichl zurückblicken kann mag Euch Bürge seyn, daß Eurer Verlegung nach Preußen die reinste Absicht für das Wohl des Vaterlandes zu Grunde liegt; die Aufnahme, die Ihr dort finden werdet, wird Euch beweisen, daß Ich überall väter­lich für Euch sorgen, und daß Ich hierin von einem edlen, hochherzigen Bundesgenossen treue Unter­stützung finden werde. Durch das Beispiel einer großen, musterhaft geordneten und pflichttreuen Armee werdet Ihr in kurzer Zeit gestärkt in Euerm Pflichtgefühl und der Liebe zum Vaterland zurück- kehren, in welchem alle treuen Herzen freudig Euch entgegenschlagen werden. Mit Sehnsucht steht Mein Vaterherz diesem Augenblick entgegen. Bis dahin folgt Euch Meine innigste Theilnahme, begleiten Euch Meine lebendigsten Wünsche für Euer Wohl. Soldaten, liebe LandeSkinver! Mit dem herzlich­sten Lebewohl rufe Ich Euch zu,macht, wohin Euch die Pflicht ruft, dem badischen Soldatenna­men Ehre, tilgt die Schande, die Eure verblende­ten Kameraden, hingerissen durch die Macht bedau- ernSweriher Zeitverhältnisse, über unsere Waffen gebracht haben, welche Eure Väter einst so ruhm­voll in vielen blutigen Schlachten geführt hatten; vergeßt nicht, daß das Vaterland seine Hoffnun­gen einer bessern Zukunft auf Euer Betragen baut". Der Himmel begleite Euch und sey Euer Hort, bis ein freudiges Wiedersehen Uns wieder verei­nigt. Karlsruhe, den 11. Juli 1850. Leopold. A. v. Roggenbach.

Stuttgart, 11. Juli. Der Staat scheint nun in einen neuen Konflikt mit der Taris'schen Post zu gerathen, da diese stch weigert, das würtembergische Staatspapiergeld nach dem im Gesetze hierüber be­stimmten ermäßigten Tarife zu befördern.

Landau, 11. Juli. (O.-P.-A.-Zi) Die râthsel- haften Umstände, unter welchen es dem Junker Fach gelingen konnte, auö seinem sonst so scharf bewachten Gewahrsam und aus einem so festen Platze wie der hiesige, zu entfliehen, bilden noch immer das Tagesgespräch. Aus der bisherigen Durchsuchung des Lokals und auS den Verhören der sogleich am Morgen nach Entdeckung der Flucht verhafteten Mannschaft, weiche die Wache in der Umgebung deS Gefängnisses hatte, sowie deS Bar­biers und des Essenträgers, welche Fach bedienten, hat sich noch nichts ergeben, was zur Enthüllung der Fäden, die längst außer- und innerhalb Landaus zu seiner Flucht angesponnen sein mußten, führen könnte. Man behauptet Vieles, waS nichts weni­ger als erwiesen ist, und wir deßhalb nicht wieder­holen mögen. Einmal außerhalb der Festungwälle, über die Fach nur mit Hilfe einer Strickleiter ge­langen konnte, nachdem daS Durchfeilen deS Fen­stergitters glücklich von statten gegangen war, und vom Dunkel der Nacht begünstigt, mußte Fach viel­leicht schon in nächster Umgebung der Stadt ein Fuhrwerk mit zuverlässigen Personen und den nöthi­gen Kleidungsstücken auf ihn harrend wissen, um noch vor Tagesanbruch die nahe französische Grenze erreichen zu können, wo er in Weißenburg im Kreise seiner geheimen Freunde sich bei einer guten Mahlzeit von der auSgestandenen Todesangst erholte und sodann nach Straßburg weiter reiste, von wo auS, da den politischen Flüchtlingen daselbst kein Aufenthalt mehr gestattet, er auf der Eisenbahn nach der Schweiz sich begab. Wie eS heißt, hat er sich in Hemd und Unterhosen aus der Kaserne ge­flüchtet ; wenigstens fand man in seiner Zelle sämmt­liche Kleidungsstücke, Uhr und Geld.

München, 12. Juli. Die zweite Kammer hat diesen Abend die heute Mittag vertagte Debatte über daS Finanzgesetz fortgesetzt. Der Ministerprä­sident v. d. Pfordten erklärte sich dahin, daß jeder Abstrich an den beschlossenen Ausgaben unthunlich erscheine; was die Kammer nach reiflicher Erwä­gung alS nothwendig erkannt habe, könne jetzt nicht wieder in Bausch und Bogen abgekürzt werden. Einen Abstrich der Appanage, die der König von Griechenland alS Prinz von Bayern beziehe, hielt der Redner ans rechtlichen und politischen Gründen nicht für thunlich; die Regierung könne nicht dar­auf eingehen. Der Staalsminister der Finanzen suchte dann ebenfalls daS Unthunliche eines Ab­striches an den Ausgaben darzuthun; was die Deckung deS Defizits betreffe, so habe die Regie, rung den Weg des Anlehen vorgeschlagen; allein eine Steuererhöhung sey allerdings der richtigere Weg, den man, wenn die Kammer auch jetzt nicht

daraus eingehen wolle, beim nächsten Budget doch wohl werde betreten müssen. Wolle die Kammer jetzt nicht darauf eingehen, so sey die Aufnahme eines Anlehens jedem anderen Mittel vorzuziehen. Die Ausgabe von Papiergeld hielt der Redner wenigstens für jetzt nicht für thunlich, auch nicht für nothwendig. Die dann erfolgte Abstimmung ergab daS Resultat, daß die Anträge der Abgg. Kolb und Langguth auf Abstrich der vorläufig be­schlossenen Ausgaben verworfen wurden, womit die Sitzung schloß. Die Anträge wegen Deckung deS Defizits kommen erst morgen'bei der speziellen De­batte über das Finanzgesetz zur Abstimmung.

Berlin, 13. Juli. (O.-P.-A'.-Z.) Nach einer von Wien hierher gelangten vertraulichen Mitthei, lung des Grafen Bernstorff sind die letzten Eröff­nungen Preußens nicht in einer Weise ausgenommen worden, welche eine Verständigung zwischen Preußen und Oesterreich erwarten ließe. Wenn die Form der Aufnahme dieser Erklärung auch weniger schroff war, so scheint vorläufig an eine Annäherung doch nicht zu denken zu seyn. Preußen wartet die amtliche Antwort deS Wiener KabinetS ab, bevor es den diesseitigen Bevollmächtigten in Frankfurt über ihr Verbleiben oder Nichtverbleiben weitere^ Weisungen zugehen läßt. Das Abbrechen aller Verhandlungen von Seite der preußischen Bevoll­mächtigten dürfte wohl zu erwarten seyn , wenn Oesterreich bei seinen Ansprüchen verharrt. In Bezug auf daS Londoner Protokoll in der dänischen Angelegenheit scheint Oesterreich mit Preußen, nach den neuesten Nachrichten aus Wien, Hand in Hand gehen zu wollen. Dem entschiedenen Einspruch deS preußischen Gelandten, Dr. Bunsen, gegen die Auf­fassung einer dänischen Gesammtmonarchie, dürfte sich, wie erfreulicherweise Andeutungen von Wien hierher gelangt sind, der österreichische Gesandte an­schließen , so daß also die Ehre Deutschlands in dieser Angelegenheit gewahrt wäre. Ohne die bei­den deutschen Großmächte möchte aber die Durch­führung des Londaner Protokolls auf die größten Schwierigkeiten stoßen, da Deutschland bei seiner engen Beziehung zu dieser Angelegenheit die ge­wichtigste Stimme darin zu führen hat. Schwerlich würden die übrigen europäischen Großmächte sich wohl veranlaßt sehen, wegen der in Rede stehenden Frage einen allgemeinen europäischen Krieg zu ent­zünden.

Dem Durchmarsch der badischen Regimenter durch hannoversches Gebiet hat die hannover'sche Regierung Schwierigkeiten entgegengesetzt. Hanno­ver verlangt von Preußen einen Einblick in die Ver­handlungen zwischen Baden und Preußen in Bezug auf die getroffene militärische Uebereinkunft. Preu­ßen ist indessen nicht im Geringsten gemeint, auf diese Vorbedingung einzugehen, und werden die ba­dischen Regimenter bei ihrem Marsche nach Preußen daher einen Weg einschlagen, welcher sie das han­nover'sche Gebiet nicht berühren läßt. WaS die süd­deutschen Verdächtigungen anbelangt, so wird den­selben am bündigsten durch die Thatsache begegnet, daß Preußen sich erst durch wiederholtes dringendes Ersuchen von Seite Badens zur Aufnahme der ba- dischen Regimenter in preußische Garnisonen har be­stimmen lassen. Die Richtigkeit dieser Angabe wird von Baden nicht in Abrede gestellt werden. Wenn von österreichischer Seite der Ausmarsch der badi­schen Regimenter nach Preußen alS eine alle Grän­zen bundeSmâßiger Zulässigkeit überschreitende Maß­nahme bezeichnet wird, so möge man wenigstens nicht in erster Linie sich über Preußen deßhalb er­eifern.

Die Constitutionelle Zeitung läßt sich einen Brief auS Baden schreiben, laut dessen der Groß­herzog aus Dankbarkeit noch an der Union festhalte; die Dankbarkeit werde aber zuletzt dem Anbringen anderer Gefühle unterliegen, wenn eS nicht vor­wärts mit der Union gehe.

Berlin, 13. Juli. In der gestrigen zehnten Sitzung deS provisorischen Fürstenkollegiums sind die verbündeten Regierungen über die folgende Be­stimmung übereingekommen: Die Regierungen ver­pflichten sich wechselseitig, eine ÄußerkourSsetzung des von ihnen ansgegebenen oder auSzugebenden Papiergeldes nicht anders eintreten zu lassen, alS nachdem eine Einlösungssrist von mindestens vier Wochen festgesetzt und wenigstens drei Monate vor ihrem Ablaufe sowohl im eigenen Staate öffentlich bekannt gemacht, als auch den übrigen verbündeten Regierungen behufs der Verkündigung in ihren Staaten amtlich notifizirt worben ist. Ueber dte in der Sitzung vom 5. d. von Preußen vorgeschla­gene Verlängerung beS Provisoriums der Union sind von Mecklenburg-Schwerin, Braunschweig und Oldenburg die zustimmenden Erklärungen einge­gangen.

Berlin, 13. Juli. DieKonst. Korrespondenz" schreibt: Wir erfahren, daß die beiden hessischen Regierungen den von ihnen miternannten Mitglie­dern deS Unionsschiebsgerichts, dem Geh. Legations­rath Dr. Jordan und dem Ministerialrath Eigen­brodt, untersagt haben, der an beide seitens des Vorsitzenden des Schiedsgerichts ergangenen Auf-