NassauW Allgemeim Zeitung.
M 163. Dienstag den 16. Juli 1856»
Die »bâff. Allg. Zeitung mit dem Wunderer erscheint einmal täglich in G r o ß fo lr o-Form at., mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige PränumecationSpreiS ist in Wiesbaden für den Umfang des Herzogtbums Nassau, des GroßherzogthumS und ârfürstentkums Hessen, der Landgrafschau Heffen-Hombnrg und der freien Stadt Frankfurt S fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn - und TariSsche» VerwallungSgebicteS » fl. IO kr. — Inserate werden die dreispaltige Petit, eile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch ell e n b - r g'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern ,» machen.
Uebersicht.
Die Gruppirurgen.
Deutschland. Wiesbaden (Asslsen. Bereicherung des naturhistorischen Museums durch den Grafen MonS,. — Raucntha l (Entgegnung den Lehrer Deisner betreffend). -Mainz (Dampfschifffahrt). - Fran kfurt (Die Gefion).
— Düsseldorf (Uebersckuß des Sängerfest-Erlragâ). — München (Deputation aus Schleswig-Holstein. Die deutsche Frage). — Leipzig (Fürst Ghika. Gen. Wrangel. Missive an den akademischen Senat). — Hannover (Traueradreffen). — Berlin (Der Prinz von Preußen. Die russische Flotte. Besuch eines Asiaten. Haffcnpsiug. Frhr. von Lauer - Münchhofeu). — Oldenburg (Das Unionsprovisorium). — Kiel (Russische Flotte. Eintreffen der Permittirten. Die neunzehnjährigen Schleswig - Holsteiner).' - A p e ii r a d e (Die schleswig-holsteinische Kokarde verboten). — K ö n ig sb e r g (Die freie Gemeinde). — W ie n (Vorschläge in der deutschen Frage. Hayuaus Entsetzung. Radetzky. Weldeu. Die Staatsgefangenen. Das Kricgâ- miuisterium. Das Statut für Ungarn).
Dänemark. Kopenhag en (Die Gefion. Einmarsch der Truppen).
Frankreich. Paris (Das Preßgesetz. Departementalpreffe). Großbritannien. London (Robert Pate. Verurthei- lung. Der Sitz für Tamworth).
Neueste Nachrichten.
Die Gruppirungen
(Aus dem Deutschen Volksblatt).
Der oberste Grundsatz der nationalen Partei: Unter keiner Bedingung darf Deutschland getheilt, geschwächt oder verkleinert werden!, ist für jeden deutschen Ehrenmann dergestalt ein Axiom, daß selbst die Gegner eS nicht wagen, denselben offen anzugreifen, mit Ausnahme etwa derjenigen, welche unverholen der Meinung sind, Deutschland sey bloS dazu bestimmt, „die Monarchie Friedrich des Großen" zu arrondiren. — Eine Folge dieses Grundsatzes ist eS, daß weder O e st e r r ei ch noch P r e u- ß e n in Deutschland fehlen dürfen , weil es weder ohne das eine noch ohne daS andere ein ganzes Deutschland gibt nur durch die Macht beider die Nation den ihr gebührenden Rang einnehmen kann. — Es folgt daraus aber weiter, daß auch eine ausschließliche Herrschaft dieser Beiden unzulässig ist, da darin ebenfalls eine Theilung läge und eine Ausbildung dieses Verhältnisses selbst den geographischen und nationalen Begriff von Deutschland unabwendbar zerstören müßte; eö würde fortan nur ein Oesterreich und ein Preußen geben und würden die Länder, deren Einverleibung un- thunlich wäre, wie etwa die durch Pcrsonaleinheit mit einer fremden Krone verbundenen, dieser endgültig anheimfallen. — Die Gefahr eines vorherrschenden und zersetzenden, Dualismus kann aber nur durch die Stärke deS dritten Elements, der übrigen deutschen Staaten, welche keine Großmächte sind, beseitigt werden. — Die Stärke dieses dritten Elements hängt aber wesentlich davon ab, daß seine einzelnen Bestandtheile möglich stark und lebensfähig seyen. — Gelingt es, nach Lage, Interessen und Stammesverwandschaft sachgemäße und natürliche Vereinigung zu Stande zu bringen, so wird nicht nur jener Zweck erreicht sondern zugleich auch der damit innig verbundene, daß die Zusammensetzung der Zentralregierung erleichtert und das Elend der Kleinstaaterei gehoben wird.
Das System der Gruppiriing ist daher ein folgerichtiges, nothwendiges , natürliches und zweckmäßiges, im Interesse der Nation das einzig mögliche. Wie jede Vergrößerung der preußischen Macht aus den angegebenen Gründen für Deutsch, land schlechterdings nachiheilig ist, ebenso würde z. B. eine Stärkung Sachsens vortheilhaft sein. Dieses System beruht auf demselben Grunde, wie die Bildung der verschiedenen Armeekorps, aus denen die Kriegsmacht des Bundes besteht. Die Staaten, welche groß genug sind, um ein selbstständiges Kriegsherr zu stellen, bedürfen hiezu kei- ner Vereinigung, wohl aber diejenigen, 'deren Kräfte hiezu nicht hinreichen. Darin liegt auch der Maßstab dafür, welche Staaten, ohne eine weitere Vereinigung einzugehen, als die allen gemeinschaft
liche, als einheitliche Glieder bestehen können, nämlich Oesterreich, Preußen und Bayern. — Erwägt man nun, mit welcher Bereitwilligkeit die meisten Staaten, welche hier in Betracht kommen, in ein vollständiges Abhängigkeilsverhältniß zu Preußen getreten sind, o sollte man glauben, daß wenigstens von ihrer Seite die Ausführung dieses Planes kein Hinderniß fände. Allein daS ist eben daS Unglück der Nation, daß selbst die Opferwilligkeit der Einzelnen ihr nur zum Schaden gereicht. Würden die Fürsten eben so bereit seyn, dem allgemeinen Interesse dienstbar zu werden, als sie es einem Partikularinteresse sind, würden die Herzoge von Sachsen und die übrigen thüringischen Fürsten, würden die Herzoge von Oldenburg und von Braunschweig eben so viel Eifer, als sie der preußischen Union bewiesen, für eine ober- sächfische und niedersächsische an Tag legen: die Eintheilung Deutschlands in naturgemäße Kreise würde bald hergestellt seyn. Hiernach würde der Bund, ohne Rückst 1t auf die innere Organisation der einzelnen Staatengruppen, etwa auS folgenden stammheillichen Gliedern bestehen: 1) Oesterreich, 2) Preußen, 3) Bayern, 4) Wür- temberg und Baden (gemeinschaftlich), 5) Sachsen mit Sachsen-Weimar, Sachlen-Koburg- Gotha, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Anhalt-Dessau und Bernburg, Schwarzburg.Sondershausen und Rudolstadt und den Fürstenthümern Reuß, 6) die beiden Hessen mit Homburg, Nassau, Luxemburg und Limburg, Waldeck und der Stadt Frankfurt, 7) H a n n o v e r mit Braunschweig, Oldenburg , Holstein und Lauenburg, Mecklenburg- Schwerin und Strelitz, Lippe-Detmold und Schaumburg und den Städten Hamburg, Bremen und Lübeck. — Die vier freien Städte könnten auch füglich, und vielleicht zweckmäßiger, eine Sonderstellung beibehaltcn.
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Dè 1» t sch l a N d
□ Wiesbaden, 15. Juli. (Asstfenverhand- lungen.) Der Vorsitzende Langhaus eröffnete die Verhandlungen des bevorstehenden Assisenguar- tals mit einer Ansprache an die Geschwornen. — Der Geschworne Feldgerichtsschöffe Joseph Knaut auS Eltwille wird auf sein Ansuchen wegen ®e« hörleidens von seiner Fungirung enthoben. Gegenstand der Verhandlung ist die Anklage gegen Peter Münch von Eddersheim, 49 Jahre alt, Taglöhner und gegen dessen Ehefrau Katharine gcbornc Christ, 50 Jahre alt, wegen Verbrechens des MeineitS und Betrugs (Artikel 227 und 296 deS Strafgesetzbuches.) Die Genannten haben nach der Anklageakte in der Absicht ihre Gläubiger zu betrügen, nach erkanntem Konkurs mehre Sachen heimlich auf die Seite geschafft und den vor dem Herz. Landober- schulthciscn in Hochheim am 3. Januar 1850 ab- geschworcne Offenbarungseid: alles Vermögen gewissenhaft angebcn zu wollen, nichts davon verbracht , oder Kenntniß von Verbringung desselben durch einen Dritten Kenntniß zu haben — verletzt. Die weggeschafften Gegenstände haben einen Werth von 96 fl. 27 kr.
Die beiden Angeklagten gestehen das Verbringen der Gegenstände, läugnen jedoch die verbrecherische Absicht.
C. T. Wiesbaden, 13. Juli. Wiesbaden wird seit einem Jahre von einem Manne bewohnt, der nicht zu den gewöhnlichen zählt. Obschon nur temporär als Gast und Privatmann hier ansässig, nicht StaatS- oder Gemeindcbürger und daher ohne direkte Beziehung zum öffentlichen Leben, versäumt er eS doch nicht, den städtischen Anstalten seine Aufmerksamkeit zuzuwenden, Gutes und Schönes, was hier erstrebt wird, zu fördern und so seinen Aufenthalt für Viele wohlthätig und segensreich zu machen. Keine Aufforderung für Feuer und Wasserbeschädigte, keine Subskriptionsliste für Anstalten, die von milden Beiträgen leben, gehen an ihm unbeachtet vorüber. Sein Name wird oft verschwiegen; sein reichlicher Beitrag fehlte nie. Nur die, welche der Wohlthaten theilhaftig werden, wissen darum; Niemand erfährt eS sonst; er wirkt im Stillen, wie es dem Edelmuthe geziemt. Dieser Mann ist —
Graf M o n s. Einsender dieses könnte mit That, fachen dienen, die ihm gelegentlich als Beweise von der Freigiebigkeit desselben mitgetheilt worden ftnb; er beschränkt sich aber hier nur auf die Bekannt- machung eines Falles, den er aus eigener Anschauung kennen zu lernen Gelegenheit (hatte. Es ist die großartige Schenkung, welche der Graf dem hiesigen naturhistorischen Museum hat zufließen lassen. Besitzer ausgedenter Plantagen auf der Insel Cuba» hat Graf Mons, als er vor einigen Jahren daS hiesige Naturaltcn-Kabinet besuchte, sich ohne Aufforderung erboten, die auf seinen Besitzungen verkommenden zoologischen Gegenstände sammeln zu lassen und dem Museum zu Wiebaden damit ein Geschenk zu machen.
Bald,darauf reiste er von Europa nach Westindien zurück, und eine schöne Sammlung wohlkon- servirtcr Säugelhicre, Vögel, Reptilien^ Insekten, Holzarten 2c. welche nach einigen Monate bei der Direktion deS Museums dahier anlaugte, bezeugte, daß Gr.MonS sein Versprechen nicht vergessen hatte. Nicht lange darauf, im Sommer 1849, fuhr unerwartet ein ganzer Wagen voll großer plombirter Kisten vor das MuseumSgebäude. Sämmtliche Verschlüge wurden franko inS HauS geliefert und enthielten abermals ein Geschenk an Naturalien im Werthe von mehreren Tausend Gulden.
Diese Sendung verbreitet sich in fast allen Zweigen der Zoologie über die Staaten von Nord- Amerika bis zum Hueson;~ sie enthält eine große Zahl gut präpartirter mit Sachkcnntniß ausgewähl- ler Säugelhicre, Vögel, Vogelèier, Insekten, Korallen 2C. und hat seitdem die Präparateure deS Museums fast ausschließlich beschäftigt, die Gegenstände aufzustellen. Den Kenner auf diesen reichen seltenen Zuwachs unserer Sammlungen aufmerksam zu machen, wäre überflüssig.
Dem Publikum, welches sich bei dem Besuche des Mufcums vorzugsweise für Neues intcressirt, kann jedoch bemerkt werden, daß die Gegenstände dieser Schenkung jetzt größtentheils aufgestellt und dem Auge zugänglich sind. Die Vögel bilden allein einen großen dichtbesetzten Schrank für sich; die größeren Säugelhicre, Jnseklcn, Vogeleier, Korallen, Mineralien 2c. sind bereits den vorhanden gewesenen entsprechenden Sammlungen eingeordnet worden/
Neuerlich wurde das Museum von Lucian Bonaparte, dem ehemaligen Fürsten von Cani no , und Dr. Sch l eg e l, dem Inspektor deS großen kgl. holländischen NaluralicnkabinetS zu Leyden, besucht. Beide Gelehrte stehen im Begriff, gemeinschaftlich ein ornithologisches Werk über Nord. Amerika herauSzugeben und besuchen die deutschen Museen, um das, Material für ihren Zweck möglichst zu vervollständigen. Für das Museum zu Wiesbaden, in welchem sie vielleicht wenig Ausbeute erwartet hatten, halten sie nur eine kurze BesuchSfrist in Aussicht genommen; sie wollten nur eine Stunde verweilen, um dann ihre Reise — wie verabredet — wieder fortzusetzen; sie fanden aber in der Gräfl. Ak o n s'schen Schenkung einen solchen Schatz, daß sie vier volle Stunden dabei verweilten, und angenehm überrascht, gestanden sie gern, bis jetzt auf ihrer Reise kein Kabinet in Deutschland getroffen zu haben, welches sich in Absicht auf den Reichthum an amerikanischen Vögeln mit der Sammlung zu Wiesbaden messen könne. Beide Gelehrte fanden hier Manches, was ihnen bisher neu und fremd war und nahmen Veranlassung , viele interessante Notizen zu machen, die in ihrem Werke demnächst als wesentliche Beiträge erscheinen werden. — Leute, die außer den pekuniären Mitteln den guten Willen besitzen, solche Geschenke zu ma, chcn, sind selten und verdienen daher als Ausnahmen gekannt und geachtet zu werden. Der Verein für Naturkunde hat unter Darreichung eines geschmackvoll ausgeferligten Diploms den Grafcn Mons zu seinem Ehrenmitgliede ernannt.
j * Rauenthal, 10. Juli. In der Freien Zeitung vom 2. I. M., Num. 154, wird ganz nach dem Geiste und der bekannten Tendenz dieses Blattes gegen mehrere Korrespondenten IhreS ^DlatteS, welche den sittlichen Zustand einzelner nassauischen Schullehrer zur Sprache gebracht, mit jugendlichem Uebermuthe und in gewohnter Form zu Felde gezogen. Ich habe mich sehr gewundert, daß dem Verfasser dieses schönen Leitartikels noch keiner der