Baden das herbe Schicksal verdient. Die vortrefflichsten Eigenschaften des HerzenS zeichnen ihn aus, ihm gebührt im vollen Maße das Prädikat des „Gütigen" und nur zu große Schwäche war sein Fehler.
Die Gewaltstreiche, welche in Neapel geschehen, haben hier entschiedene Mißbilligung hervorgerufen, und man hat daS Recht der nahen Verwandtschaft zu den dringendsten Vorstellungen benutzt. Leider ist bei der heftigen Gemüthsart König Ferdinands nicht viel davon zu hoffen.
In den letzten Tagen ist die zweite Rate der an Rußland für die ungarische Intervention zu zahlende Entschädigung, im Betrag von 1% Mill, fl., abgetragen worden. Man hat dazu einen Theil der sardinischen Kriegscontribution benutzt. Die dritte und letzte Rate von gleicher Summe ist bis Ende des JahreS zugesagt. Alles zusammen beläuft sich die Entschädigung auf 4 Mill. Gulden; hiernach sind die übertriebenenen Gerüchte zu ermäßigen.
Der englische Botschafter Lord Ponsonby wird hohen Alters wegen seine Entlassung nehmen. Alsdann soll die Botschasterstelle ganz eingehen und der diplomatische Verkehr nur durch einen bevollmächtigten Minister unterhalten werden. Oesterreich ist in London seit 1848 sogar durch nicht mehr als einen Geschäftsträger vertreten. Ueberhaupt dürften im auswärtigen Departement noch andere Reduktionen vorgenommen werden, zunächst durch Verwandlung der Gesandten an den kleinen Höfen in Geschäftsträger, dann durch Kombinirung einzelner unbedeutenden Stellen und Uebertragung der diplomatischen Geschäfte an die Generalkonsuln, wie z. B. in den Hansestädten. Die hiesige sogenannte orientalische Akkademie für Vorbereitung der nach dem Orient bestimmten Diplomaten wird aufgelöst, da das Institut der Consularzöglinge diesem Zwecke besser und billiger entspricht.
Heule wird der österreichische Gesandte in Paris, Herr von Hübner, hier erwartet, und da er ein sehr, gewandter Diplomat ist, so vermuthet man, daß sein Gönner, der Ministerpräsident, mündlich feine Ansicht über unsere Verhältnisse zu dem Auslande vernehmen will, und es würde nicht unter die Unmöglichkeiten gehören, daß er einen interimistischen Auftrag nach Frankfurt oder Berlin erhielt.
Wien, 6. Juli. Die „ReichSzeitung" theilt eine Zuschrift des Baron Gehringer an die Pesthcr israelitische Gemeinde mit, in welcher derselben die bekannte von Feldzeugmeister Heynau aufgelegte Strafkontribution dahin erlassen wird, daß sie einen Betrag von 1,200,000fl. oderwenigstens 1,000,000 fl. der Kammerverwallung in Ofen einzuzahlen habe, wofür ein eigener Cultus- und Unterrichtsfond unter Administration des Staates für sie gebildet werden soll. Die Redaktion der Reichszeitung kann nicht umhin eine Randglosse zu machen über diese eigenthümliche Art einen ReligionS- und Schulfond zu bilden. Sollte diese Entscheidung durch das Ministerium einer von Haynau ausgegangenen Sache mit zu der gestern durch telegraphische Depesche gemeldeten Entlassung desselben beigetragen haben? Sonderbarerweise stützten die Altkonservativen in der neuesten Zeit selbst auf Haynau ihre Hoffnungen , wie früher auf Windisch-Grätz.
Frankreich.
Paris, 8. Juli. ES ist wohl niemals einer Kammer ein Gesetz vorgelegt worden, welches so allgemeine Mißbilligung findet, als das auf der heutigen Tagesordnung stehende Preßgesetz. Außer dem „Bulletin de Paris" gibt eS wohl in ganz Frankreich nicht ein einziges Journal, welches dem Gesetze nicht die heftigste Opposition macht. Ich habe wenigstens gestern in dem Bureau eines hie, sigen Journals 300 Provinzialblätter durchgesehen, die zur größten Hälfte der konservattiven Partei an, gehören, aber alle übereinstimmend die National« Versammlung mit ihrem Analhem bedrohen, wenn sie daS Gesetz votiren werde. — Die MontagnardS hatten die Absicht, in den ersten Tagen der Vertagung der National-Versammlung, eine große demokratische Wallfahrt nach London zu organistrcn. ES sollte dort ein großes Bankett unter dem Vorsitze Lcdru-Rollin'S Statt finden, dem die Flüchtlinge aller Nationen assistiren wollten. Es wird dieses Projekt nach der Wirkung, welche der Artikel Ledru- Rollin's auf die Herrn vom Berge hervorgebracht, letzt wohl nicht ausgeführt werden, wenigstens nicht in der beabsichtigten Weise.
lAreibt aus Toulon, daß die französische Flotte vor Neapel bis zur Ordnung der englisch- neapolitanischen Differenz bleiben werde. Der König von Neapel soll von der französischen Regierung die Verlängerung dcS Aufenthalts der Flotte vor Neapel verlangt haben. Die englische Flotte befindet sich immer noch in Malta.
Nach einem Briefe auS Oran vom 25. Juni befinden sich nur noch 44 Gefangene, wovon 12 Sol. daten, welche seit dem 12. wegen politischer Ursachen verhaftet worden sind, in den Gefängnissen dieser
Stadt. Ueberhaupt scheint daS großartige Komplot, von welchem man so viel gesprochen, ganz ohne Bedeutung zu sein und demselben nichts als eine Art geheimer Gesellschaft zu Grunde zu liegen.
Paris, 9. Juli. (K. 3 ) Der gestrige Stnrm in der Nationalversammlung hat dem Ministerium neuen Muth eingeflößt. ES halte sich nämlich schon zu mehreren Konzessionen verstanden gehabt und die Kommission war in dieser Beziehung mit der Regierung einverstanden. Seit gestern hat Baroche frischen Muth geschöpft; denn er dachte mit Recht, daß ein Theil der Rechten einen erwünschten Vorwand in dem heftigen Benehmen der Linken sehe, um von seiner Opposition gegen daS Preßgesetz zurückkommen. Im heutigen Ministerrache wurde diese Ansicht auch gellend gemacht und einstimmig beschlossen, kein Haar breit nachzugeben.
Bezeichnend ist, daß Ludwig Bonaparte, welcher den Vorsitz führte, dem Justizminister freundlich zu- lächelte und ihm 6 k Hand drückte.
Herr Dupin hat versprochen, lieber die Sitzung neuerdings aufzuheben, ehe er darein willige, der Linken zu willfahren, auch die Protestation der Linken , welche in ihrer gestrigen Plenarberathung beschlossen wurde, zurückzuweisen. Herr Dupin sagte zu einem Mitgliede der Linken : Ich habe Ihre Entlassung ganz ernst genommen und derQuästur den Auftrag gegeben, von heute an keine Diäten mehr für Ihre Freunde auSzuzahlen.
Paris, 9. Juli. (K. Z.) Vor Abgang der Post erfahre ich, daß gestern, nach dem Sturm in der Kammer, ein sehr lebhafter Wortwechsel zwi' schen General CharraS und dem Justizminister Rouher Statt gefunden, in welchem der Erstere den Letzteren der Art verletzt haben soll, daß ein Duell nicht leicht vermeidlich wäre. Der Minister hat in der That zwei seiner Freunde zum General geschickt und Genugthuung verlangt. Da man daran zweifelt , daß Charras zu einer befriedigenden Erklärung sich verstehe, jo glaubt man, daß sie noch heute oder morgen sich schlagen werden. Sonderbar wäre eS in der That, wenn in dem Augenblicke, wo die Gesetzgebung daS Duell als Verbrechen verpönen will, der Chef der Justiz ein solches Verbrechen beginge. — Man versichert ziemlich allgemein, Girar« din werde seine Entlassung einreichen. Hätte er unter dem neuen Wahlgesetz Aussicht, wieder gewählt zu werden, so wäre er allerdings Charlatan genug dazu, um der Linken den Streich zu spielen, welchen er der Opposition unter der Monarchie kurze Zeit von ihrem Sturze gespielt hat. Allein diese Wahrscheinlichkeit ist nicht vorhanden, und so wird Girardin so wenig, als die Linke in Masse austreten, in deren Namen er mit dem Austritt gedroht hat.
Italien.
Teramo, 24. Juni. (Oesterr. Korr.) ES sind hier mehrere politische Prozesse von dem als besonderen Gerichtshof konstituirten Kriminalgerichte er, ledigt worden. Zwei Priester welche bei einer, den am 15. Mai 1848 gefallenen Neapolitanern zu Ehren gehaltenen Todtenfeier eine Messe gelesen hatten, wurden zu fünfjähriger Haft, 100 Dukaten Geldstrafe und in die Gerichtskostcn verurtheilt. Gegen drei weitere Angeklagte ist ein Urtheil auf achtjährige Kerkerhaft ergangen. Ein vierter ist dem Zuchtpolizeigerichte zugewiesen, und der Stadt- Arzt von Teramo, Dr. Marinis seines Amtes entsetzt und nach Penne gefangen abgeführt worden.
Bologna, 29. Juni. (Oest. C.) Hier läuft daS Gerücht die Verkündigung der bereits im September 1849 zugesagten organischen Statute sey bis zum September 1851 verschoben worden.
Livorno , 28. Suhl Oest. C.) Ein auf tele. graphischem Weg eingelaufener Befehl beordert die in Garnison liegenden österreichischen Jäger zum Abmarsch in die Romagna gegen die dort hausenden GuerrillaS. Einige jetzt in Lukka liegende Kom. pagnien KinSky Infanterie werden nach Livorno versetzt werden. An der römisch-roskanischen Gränze treiben sich römische Flüchtlingen in äußerster Noth herum. Sie begehen jedoch keine Gewaltthaten, sondern erflehen bloß Lebensmittel um sich vor ccm Hungertod zu wahren.
Aus den Mittagsposten.
Mainz, 11. Juli. Die hiesige königl. preuß. FestungSartillerie trat heute einen Uebungsmarsch an, was zu dem Gerüchte Anlaß gab als sei dieselbe nach WormS beordert, wo Unruhen auS- gebrochen sein sollten, waS jedoch ganz unbegründet war.
Mannheim, 11. Juli. Gestern wurde der hiesige Wirth Blind, Vater des bekannten Karl Blind, hier verhaftet.
Karlsruhe, 11. Juli. (D. Z.) Nach Beschluß der Bundeskommission werden die Verluste an den Werken und dem Bundeseigenthum in der Bundesfestung Rastatt , gleichviel ob sie durch die Aufständischen oder durch die sie bekämpfenden preußischen Truppen erfolgt sind, von der BunbeSkaffe getragen werden. Man hat begründete Hoffuunp, daß dasselbe Prinzip für die von Baden in Anspruch ge« noommene Kriegökostenentschädigung maßgebend seyn werde.
Dresden, 9. Juli. (D. A. Ztg.) Heute fand die Einweihung des Denkmals statt, welches den im Maikamps gefallenen sächsischen und preußischen Solvaten errichtet worden.
Wir kommen auS den Maierinnerungen nicht heraus! Der ehemalige Stadtverordnete unv De- Putirte Klette, der sich seit 14 Monaten hier in Haft befand, nimmt heute zeitweiligen Abschied von feinen Freunden. Er ist gestern zur Abbüßung seiner zweijährigen Gefängnißstrafe nach HubertuS- burg abgegangen. — Die Teutscher'sche Angelegenheit ist noch immer nicht beendet. Zwar hat Teutscher die auferlegten Strafen, mit Ausnahme deS FestungSarresteS, bereits abgebüßt, allein eS soll dem Vernehmen nach die Länge dieses letzten: von den höhern Behörden ermäßigt worden sein.
Eine Verordnung deS Ministeriums deS Innern hat alle bestehenden Arbeitervereine ohne Ausnahme aufgehoben.
Kiel, 7. Juli. (N. fr. Pr.) Gestern ist daS dänische Kriegsschiff, welches die Mündung deS Eckernförder und Kieler Hafens bewachte, durch die Fregatte „Freya" abgelöst worden. Das Schiff hält einige Seemeilen von FriedrichSort Station.
Fleusburg, 8. Juli. (D. 3 ) Die Landes- Verwaltung hat sämmtlichen Obrigkeiten angezeigt, daß eine Abtheilung der russischen Flotte an der Ostseelüste von Schleswig Station nehmen wird, und sie angewiesen, den Schiffen und der Mannschaft auf jede mögliche Weise und namentlich durch die Zuweisung von tüchtigen Lootsen zur Hand zu gehen. —
Wien, 8. Juli. (O.-P.-A.-Z.) Diesen Morgen ist der Großherzog v. ToSkana nach Linz gereist. Ein Theil der kaiserl. Familie gab ihm daS Geleite. Der toskanische Ministerpräsident, Baldasse- roni, tritt heute seine Rückreise nach Florenz an.
Der „Abend-Kourier" enthält einen förmlichen Widerruf einer in der „Kölner Ztg." aus Berlin mitgetheilten telegraphischen Nachricht, wonach Oesterreich der Präsidentschaft bei der deutschen Zentralgewalt entsagt habe. In bestimmten Ausdrücken wird hinzugefügt, daß Oesterreich seine äußere Politik, seitdem Fürst Schwarzenberg sie leitet, in keinem Punkt verändert, noch irgend eines jener Rechte in Frage gestellt habe, welches Oesterreich oder irgend einem andern Staate, durch die Verträge verbürgt erscheine. Es hat sich bisher auf legalem Boden erhalten und wird ferner auf demselben verharren. Der Präsidentschaft entsagen, hieße von der geraden Linie abweichen, welche das Wiener Kabinet verfolgte, und anderweitige Rechte der Anfechtung augsetzen, welcher man vielmehr ein Ziel zu setzen Willens ist.
Paris, 10. Juli. (K. Z.) Der Präsident "der Republik wird nächstens nach Vincennes reisen, um alle dort liegenden Truppen zu mustern.
Lord Palmerston soll, wie man unS versichert, sich sehr eifrig mit der sardinischen Flotte beschäftigen.^ Derselbe will diese benutzen, um nötigenfalls die österreichische Flotte des mittelländischen MeereS zu neutralisiren.
In Plymouth werden gegenwärtig mehrere Schiffe für die sardinische Regierung gebaut.
Madrid, 5. Juli. Die Königin hatte gestern einige GeburtSschmerzen; die jedoch keine weiteren Folgen gehabt haben. Man erwartet übrigens jeden Augenblick die Niederkunft derselben.
Man glaubt allgemein, daß die Auflösung der CorteS vor Ende dieses MonatS Statt finden werde.
Der französische Gesandte hatte heute eine lange Konferenz mit dem Minister der äußeren Angelegenheiten; eS ist von dem zwischen Spanien und Frankreich abzuschließenden AuSliefcrungS-Vertrage in derselben die Rede gewesen. Die Haupt-Grunv- lagen dieses Vertrages sind von beiden Regierungen angenommen worden.
London, 9. Juli. Der Herzog von Cambridge, Oheim der Königin, geschwächt durch mehrwöchent« lichc Krankheit und Alter, starb gestern, wie eS im letzten Bulletin heißt, „nach einer ruhigen Nacht etwas plötzlich und ohne zu leiden".
Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Boczek.