Der „Lloyd" bemerkt über die Motive, welche Lord ^(itomton zur Unterstützung der revolutionären Bewegungen veranlaßten. „Seit der nächste Wog nach Ostindien über Egypten geht, seitdem Frank« reich Algier erworben, seitdem Rußland sich immer leister der türkischen Hauptstadt nähern kann, ist eS eine Lebensfrage für England geworden, seine Herrschaft im Mittelmeere fest zu begründen. Die geographische Lage Italiens, ein schmales, von drei Seiten meerumspültes Land, die insularische Lage Siziliens machen diese Länder besonders zu englischen Schntzlândcrn geeignet. Hierzu ist aber erforderlich, daß weder Frankreich noch Oesterreich in Italien festen Fuß fassen können. Der lombarbisch- venetianische Ausstand paßte zu den Planen der enalifchen Minister. Weil England den Aufstand in Italien gern sah, begünstigte eS auch den Aufstand gegen Oesterreich überall. Und während Lord Palmerston seinen eigenen Vortheil überall suchte, und die armen irregeleiteten Menschen zu seinen Werkzeugen mißbrauchte, wähnten diese, der brit- tische Minister suche auf uneigennützige Weise die Forderung ihrer eigenen Interessen und sey euthu- stastischer Schwärmer für Dasjenige, was ste Frei- Heil zu nennen beliebten"! Die Schwärmereien des britischen UnterstaatSsekretärs im Sinne, wie selbe der „Lloyd" auffaßt, bekundeten sich neuestens in den griechischen Gewässern in eklatanter Weise.
Der ehrenwerlhe Lord wollte nicht sowohl Griechenland russischer Sympathien wegen züchtigen, als vielmehr das kühne Schiffervolk der Griechen, das die Waaren auS der Levante nach allen Häfen des Mittelmecres hin zu erstaunlich billigen Preisen verfrachtet, in seiner Handelöthätigkeit auf eine gewisse Frist beschränken, und hierzu erwies sich die Blokade als ein geeignetes Mittel. Durch sie wurde der griechischen Handelsmarine auf Jahre hinaus- bebebeuteno geschadet, und diesen scheinbar sekundären Zweck zu erreichen, verschmäht England nirgends, wo es gilt, unbequeme Eventualitäten von sich fern zu halten. Sämmliche Maßnahmen Palmerstons im mittelländischen Meere reoujiren sich ihrer innersten Natur nach auf daS Bestreben, den Einfluß Englands daselbst dauernd festzustellen, darum kokc- tirte der Lord mit den revolutionären Fraktionen in Italien, darum cffekluirte er die Blokabe im Piräus, darum belästigt er die toskanische Regierung mit auS der Luft gegriffenen Forderungen. Daß seine Handlungsweise nunmehr von einem gewichtigen Faktor der englischen StaaiSmstitutionen — vom Hause der Lords — mißbilligt wurde, bedingt freilich noch seinen Fall nicht; der Krämergeist der Majorität deS Unterhauses dürfte seinen Vertreter für die Schlappe zu entschädigen suchen, die er am 17. b. M. im Oberhause erlitt. Allein gewiß ist, daß Palmerston feine bisherige Politik bedeutend modi- ffziren muß, um die Mächte des Kontinents nicht zu Repressivschritten zu drängen, die neben seinem Falle auch bedeutende Nachtheile für die britische Nation im Gefolge haben dürften.
Der „Ordre" spricht sich folgender Maßen über ein Vorhaben aus, daS er den Freunden L. Napo, leon's zuschreibt: „WaS die Verlängerung der Vollmachten deS Präsidenten angeht, welche nach Bewilligung der drei Millionen den Gegenstand der beständigen Bestrebungen der bonaparlistischen Par- tei bilden wird, so ist es eine Täuschung, wenn man glaubt, daß die Mehrzahl der Generalräthe zu dieser Verlängerung auffordern oder daß die Ver- sammlung dieselbe dekretiren werde. ES gibt keinen General, wie hoch er auch in der öffentlichen Meinung stehe, welcher im Stande wäre, in diesem Punkte die Stimmung der Versammlung zu bewältigen".
Der „Ordre" fügt bei, daß bis über zwei Jahre die Lage sich ändern und das, waS jetzt unmöglich scheine, nothwendig werden könne. Für jetzt aber würde jede Täuschung über diesen Gegenstand gefährlich sein; auch fehle wohl im Augenblick jeder Beweggrund oder selbst Vorwand zu einer Beschwerde, auf welche man die Forderung einer Veranlassung der präsidentiellen Vollmachten stützen könne.
Deutschland.
△ Wiesbaden, 30. Juni. Gestern Nachmittag sind Seine Königliche Hoheit der Kursürst von Hessen hier, zu einem Besuche bei unserem Hofe eingeiroffen und haben auch heute daselbst verweilt. Seine Hoheit der Herzog, sowie die drei Mi- nisteriaivorstände (in Galla) empfingen Hochbicselbcn und fand hieraufDasel bei Hof statt. — Ein Ehrenwache mit Musik und Fahne war weiter zu Hoch- dessen Begrüßung ausgestellt. — Wenn unS auch bestimmte Andeutungen darüber fehlen, ob diesem Besuche ein politisches Motiv zu Grunde liegt, so glauben wir doch und hoffen eS auch, daß etwaige anliunionische Gelüste in Biebrich keinen fruchtbaren Boden finden würden.
* Wiesbaden, 1. Juni. Eine glückliche und biS jetzt bei uns noch nicht vorgenommene Opera
tion bildet hier daS Tagesgespräch deS einheimischen und fremden Publikums. ES gelang nämlich dem hier praktizirenden Ärzte, Dr. Brau n, durch beffen Hand schon so manche schwierige Operation glücklich auSgeführt wurde, einen vierjährigen Knaben, der von der häutigen Bräune befallen und nach fruchtloser Anwendung aller bekannten Mittel schon als hoffnungslos aufgegeben war, durch eine buchstäblich während der letzten Züge desselben vorgenommene Tracheotomie vom sicheren Tode zu reiten.
Diese Operation bestand 'darin, daß in die Luftröhre unterhalb der entstandenen, die Alhmung verhindernden Haut auf eine kunstvolle Weise ein Einschnitt gemacht, dieser durch besondere Instrumente eröffnet und auseinandergehalten, sodann aber durch daS Einführen einer silbernen Röhre eine künstliche Alhmung so lange erzeugt wurde, bis nach Beseitigung deS obenerwähnten Hindernisses daS Athme» auf natürlichem Wege wieder erfolgen konnte, worauf die Röhre entfernt und die Wunde wieder geschlossen wurde. Dem Vernehmen nach ist die Wunde bereits vernarbt und der Knabe vollkommen wieder hergestellt.
Da die häutige Bräune eine der schrecklichsten Kinderkrankheiten ist und schon unzählige Opfer auf die schauderhafteste Weise dahin gerafft hat, so ist eS wahrhaft ein beruhigender Gedanke, auch in solchen Fällen Rettung noch möglich zu wissen, in denen die Kinder, ungeachtet des hohen wissenschaftlichen Standpunktes der jetzigen Heilkunde oft rettungslos verloren waren. Wir erfüllen daher nur eine Pflicht, wenn wir hiemit diesen Fortschritt auf dem Gebiete der Medizin, so wie das erfolgreiche Wirken unseres Dr. Braun zur öffentlichen Kenntniß und zur verdienten Anerkennung bringen.
München, 27. Juni. (D. Z.) Der Herzog von Leuchtenberg, auf der Insel Madeira völlig wieder hergestellt, ist hier eingeiroffen. Den eidweigernden Landwehroffizicre» ist eröffnet, daß ihre Entlassung angenommen sey.
Dresden, 26. Juni. Mit Sachsen-Weimar ist ein Staatsverlrag über die Forderung der Rechtspflege abgeschlossen. Die Gerichte leisten sich in Zivil- und Strafsachen gegenseitige Rechtohilfe wie die Gerichte des eigenen SiaatS. Urtheile in Zivilsachen werden in dem andern Staate vollstreckt und flüchtige Verbrecher ausgeliefert.
Während die Regierung das Turnen in den Lehrplan der Schulen ausnimmt, tritt sie gegen die Turnvereine sehr entziehen auf: die beiden Turnvereine in Hohenstein und der Lausitzer Turnerbund in Löbau sind aufgelöst, die andern werden folgen.
Meiningen, 24. Juni. (O.-P.-A.-Z.) Am 22. d. M., Abend, ist der hiesige Landtag vertagt worden, nachdem zuvor eine vollständige Vereinbarung mit der Siaaisregicrung über die Etats für 1850 — 1853, über Die von dem Landtage beantragte Art der Rechnungslegung und über eine Reihe durch die jetzigen Zeitumstände bedungener Gesetze und sonstiger Einrichtungen erfolgt war.
Hildesheim, 25. Juni. (RcichSz.) Hier verlau, tet, daß nun braunschweigischer Seits auch allen Ernstes an die Eisenbahnverbindung in der Richtung nach Kassel gedacht wird, indem aufs Schleunigste ein detaillirteS Projekt über eine Bahn von der Harzbahn ab zum Anschluß an die k. hannoverscher SeitS projektirte Südbahn entworfen und speciell veranschlagt werden soll.
Berlin, 28, Juni. Graf Bernstorff, unser Gesandter in Wien ist hier eingetroffen. Er hatte vielfache Konferenzen mit Herrn v. Schleinitz. Bei Sr. Majestät hat der Gesandte am Wiener Hofe Audienz gehabt und Vortrag über die letzt in Wien gepflogenen Verhandlungen gehalten. Von großer Bedeutung ist für den Augenblick die Zusammenkunft zwischen dem russischen Kanzler, Grafen Nesselrode, und dem russischen Gesandten am hiesigen Hofe, Hrn. v. Meyendorff.
Die Entziehung des Post-Debit der Zeitungen hat noch immer ihr Ende nicht erreicht. Die Zeitungen suchen ihrem Schicksal dadurch zuvorzukomme», daß sie ihre Tendenz ändern oder auf die Besprechung politischer Fragen verzichten. Die Presse kann unter diesen Umständen natürlich keinen Anspruch mehr darauf machen, der Ausdruck der öffentlichen Meinung zu seyn.
Die „konstitutionelle Zeitung" erklärt, daß sie, trotz aller Anerkennung den Fall des jetzigen Ministeriums wünschen müsse. Die „Deutsche Reform" spottet über die geringe Macht, welche hinter der „Const. Ztg." stehe. — Die Einführung der neuen Gemeinde-Ordnung fängt an, die öffentliche Theilnahme mehr und mehr in Anspruch zu nehmen; besonders sind die sogenannten demokratischen Organe in der Presse sehr thätig , die Genossen ihrer Partei zur Betheiligung an den bevorstehenden Wahlen zu mahnen, woraus sich die konservative Partei die geeignete Lehre ziehen mag.
Der Ziegler'sche Prozeß hat nach zweitägiger Verhandlung in Brandenburg gestern AbenbS sein
Ende erreicht. Die Geschwornen haben den Angeklagten schuldig gefunden; er ist zu viermonatlicher Festungsstrafe 1C. vcrurtheilt.
Die Besorgnisse, welche die große Masse hier umlaufenden nicht preußischen Papiergeldes in der Geschäftswelt rege macht, haben einen hiesigen Kaufmann zu der Aufforderung veranlaßt, die fremden Geldscheine zurückzuweise». Es ist in der That zu besorgen, daß Fabrikanten und Kaufleute sich hierzu vereinigen, und dürfte, da die Summen, die hier umlaufen, sehr bedeutend sind, eine beträchtliche Eitlwcrlhuiig der Papiere dadurch herbeigeführt werden.
Altona, 26. Juni. (N. Br. Z.) Was in mehreren Blättern über die Absicht der dänischen Re, gierung, beim WiederauSbruch der Feindseligkeiten eine Proklamation an das schleswig-holsteinische Heer^zu erlassen, verlautet hat, sehen wir uns jetzt im Stande als gegründet zu verbürgen. Ueber den wesentlichen Inhalt der Proklamation haben wir aus sicherer Quelle folgendes erfahren: 1) Die in Schleswig oder in Holstein gebornen Soldaten, welche gleich die Waffen niederlegen und sich ent« tveber zur dänischen Armee begeben oder in ihre Heimat zurückkehren und sich dort ruhig verhalten, sollenalles Mililärdienstes enibunben fein bis nach ein« getretenem Frieden die Verhältnisse der Wehrpflicht aufs Neue geordnet worden. 2) Eingeborne Unteroffiziere, welche die obigen Bedingungen erfüllen, können fernerhin in ihrer'Stellung verbleiben, ober, falls sie es vorziehen, den Abschied mit Pension erwarten. 3) Offizieren, aus einem der beiden Her- zoglhümer gebürtig, welche erst nach dem 24. März 1848 angefteüt sind, wird völlige Amnestie zugesichert, wenn sie gleich die Waffen »Überlegen und entweder zur dänischen Armee oder auch nach irgend einem Orte in den Herzogthümern gehen und von da ihre Unterwerfung und den Eid der Treue an den San« desherrn cinsenden; es wird ihnen die Wahl gelassen, in ihrer Charge forlzudienen oder den Abschied mit Pension zu erhalten.
Reichenbach, 22. Juni. '(Reichend. W.) Der erwartete Besuch, Hr. Handelsminister v. d. Heydt, ist gestern von Glatz hier angekommen. Als derselbe sich mit dem Postpersonale zu VolperSdorf unterhielt, bemerkte er bei einem der Herren die schwarz-roih-golbene Kokarde auf der Dienstmütze und dieses veranlaßte den Herr» Minister zu der Bemerkung; „daß man diese Kokarde nicht mehr trage". —
Wien, 26. Juni. (A. A. Z.) Bei uns mehren sich leider seit den letzten Tagen die Krankheitsfälle mit chvleraähnlichen Symptomen, von denen mehrere binnen wenig Stunden tödlich waren. In den Vorstädten, Landstraße und Leopolkstadt sind bis jetzt die meisten Beispiele vorgekommen. (Karl Beck hat eben seine junge Frau an einem Cholera- Anfalle verloren.) Der kgl. Preuß. Gesandte Graf Bernstorff ist gestern nach Berlin abgereist.
Schweiz
Bern, 22. Juni. Von der neuen Regierung befürchtet man ernste Maßregeln in Bezug auf die Hochschule. Zwei Gründe sind es, welche einen Antrag auf Aufhebung dieser Anstalt sehr populär bei der konservativen Mehrheit des Volks machen könnten: einmal die unbestreitbare Thatsache, daß die Universität seit ihrer Gründung die vorzüglichste Pflanzschule deS Radikalismus war und die Hauptträger dieses Systems: Slämpfli, Bützberger und Niggeler, Schüler des früher geliebten, später gefürchteten, jetzt gehaßten und verachteten Professors Snell sind. Ein zweiter Grund ist finanzieller Art. Die Anstalt kostet jährlich 80,000 Fr., allerdings eine bedeutende Summe und eine bemerkenSwcrlhe E.sparniß, wenn sie möglich gemacht werden könnte, zumal durch die Aufhebung der berncrschen Hoch, schule die Gründung der eidgenössischen Universität sehr gefördert wurde. Aber gerade jetzt, in diesem kritischen Momente, zeigt es sich, daß die Erhaltung dieser Anstalt gerade von konservativer Seite gewünscht wird. Wohl mag aber auch die Regie, rung besorgt seyn ; ein Antrag auf Aufhebung der Universität möchte ein gefährliches Agitationömiltcl in der Hand der Radikalen seyn, abgesehen davon, daß, wenn die große Zahl von deutschen Professoren ohne Pension entlassen würde, hierin eine Rechtsverletzung läge, da mehre derselben lebenslängliche Anstellungen in Deutschland verlassen haben und nur unter bestimmten Bedingungen dem Rufe nach Bern gefolgt sind. So gibt man sich der Hoffnung hin, daß die Existenz der Hochschule nicht gefährdet sey, wenn eS auch gleich im Interesse der Anstalt liegen dürfte, einige Männer von derselben entfernt zu sehen. (D. A. Z.)