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Woischnik in Schlesien, 21. Juni. (Bresl. Z.) Zu dem am 17. d. M. hier gehalten Jahrmarkt erschienen unter andern Käufern auch gegen 60 Kosaken aus dem benachbarten Polen. Alle waren gut mit Geld versehen, und es wurde von ihnen für einige Hundert Thaler Tuch eingekauft. Sie äußerten dabei, daß ihnen der Markt sehr erwünscht gekommen wäre, da sie mit nächstem nach der Heimath entlassen würden, und sich daher gut equipiren müßten. Sollte eS sich bewähren, baß ein Theil der Kosaken nach Ver Heimath entlassen wird, so wäre dies ein Vorzeichen für den Frieden. Uebrigens ist bei den übrigen Truppengattungen kein Anschein dafür vorhanden, da man im Gegentheil alle militärischen Uebungen mit Eifer forttreibt und Lie Truppen noch immer konzentrit hält.

Wien, 23. Juni. (A. Z ) Es bestätigt sich , daß Graf Gyulai das Portefeuille des Kriegs nicdergelcgt hat, um daS Kommando des fünften Armeekorps in Italien zu übernehmen. Wer sein Nachfolger im Ministerium sein wird, ist noch immer nicht bestimmt. So viel scheint gewiß, daß der F. M. L. v. Degenfeld, der während der letzten Abwesenheit des Grafen Guylai das Portefeuille interimistisch versah, die definitive Uebernahme desselben abgelchnt, und daß der General von SchönhalS, dem man es nun angetragen hat, sich auch nur unter einer gewissen Bedingung hierzu bereit erklärt hat, deren Erfüllung jedoch noch sehr problematisch zu sein scheint, obgleich man dadurch nur einem ziemlich allgemeinen Wunsche cntge- genkommen würde. Die Schwierigkeit liegt nämlich in der ganz ausnahmsweisen Stellung des Kriegsministers zum gan­zen Kabinet, indem der wesentlichste und bei weitem wichtigste Theil des zum Kriegsministerium gehörigen Ressorts, der ober­sten Militärkanzlei des^Kaiscrs, als deren Ches der erste Ge- neraladjutant Sr. Majestät Graf Grünne fungirt, also eigent­lich der Generalabjudantur Sr. Majestät ausschließlich vorbe­halten ist.

Frankreich

Paris, 25? Juni. Ueber die Aussöhnung der beiden Bourbonen-Linien habe ich nach erhaltenen positiven Auf­schlüssen Folgendes hinzuzufügen: Die Herzogin von Orleans ist so wenig als irgend ein anderes Mitglied der Familie, ei­ner Versöhnung dèr beiden Zweige entgegen; allein sie will keinen Antheil an irgend einem öffentlichen oder offiziellen Akte nehmen, welcher diese Versöhnung als eine f ö r m l ich e^ Ver­schmelzung der beiden Linien barstellen würde,' weil sie sich kein Recht zuerkennt, im Namen ihrer Kinder auf Ansprüche ober Vortheile zu verzichten, die dieselben von ihrem Vater ererbt haben. Hr. ThierS ist mit dieser Ansicht einverstanden, arbeitet aber darum nicht minder als die anderen Führer der Majorität, Mole, Broglie, Montalembert und Berryer, auf die Rückkehr Heinrichs V. hin. Da aber Hr. Thiers bei Heinrich V. nicht die nöthige Kraft voraussetzt, um auf einem Throne sich zu erhalten, den Karl X und Louis Philipp ver­lassen mußten, so rechnet er darauf, der Herzog von Bor- deaur werde, nachdem er durch seine Thronbesteigung dem Prinzip der Legitimität Geltung gegeben, seinen Rech­ten zu Gunsten des Grafen von Paris entsagen In dieser Voraussicht hält eS der ehemalige Minister-Präsident für wünschcnswerth, daß der Graf von Paris nicht nur als legitimer Thronerbe, f o n b e r,it auch als Erbe deS volkslhnm« lichen JulithroneS die Gewalt antrete; darum wünschte Herr ThierS eben so wenig, als die Herzogin von Orleans, daß die Versöhnung oder Verschmelzung in irgend einer Weise öffcnt- verkündet werde. Er meint man müsse von beiden Seiten, und von beiden Parteien auf dieses Ziel hinarbeiten, und seu eS einmal erreicht, dann sey die thatsächliche Anerkennung der alten Linie von Seiten der jüngeren alles, waS in der ,Sache zu thun zweckmäßig und nothwendig wäre. Dem legitimistischen Korrespondenten desUniverS" behagt natürlich diese Haltung des Hrn. ThierS nicht; denn jene Legitimisten, die von den Ansprüchen der Parteien, welche eine sechözigjährige Revolution, wenn nicht geheiligt, doch geschaffen hat, völlig Umgang neh- mehmen und nichts als das Prinzip der Legitimität anerken­nen , verlangen ein unbedingtes Aufgehen der einen Linie und ihrer Partei in die andere. Daher ziehen sie cs vor, in Herrn ThierS einen ganzen Feind statt eines halben Freundes zu sehen.

Großbritannien.

London, 25. Juni. Das Haus der Gemeinen hat heute seine Berathungen über das Roebucksche Vertrauensvotum noch nicht zu Ende gebracht. Kein Minister hat im Verlaufe der Verhandlung das Wort ergriffen. Zuvörderst vertheidigte der Antragsteller die auswärtige Politick des Kabinets. Hr. Roe­buck gab zu, daß er im Einzelnen an dieser Politik Manches verwerflich finde, im Ganzen aber, sagte er, sey er mit den Grundsätzen, welche Palmerston für seine Poliiik zur Richt­schnur genommen habe, vollkommen einverstanden. Palmerstons Ziel sey, den wandernden Söhnen Englands den Schutz der britischen Regierung in größtmöglichstem Umfange angedeihen zu lassen, so weit es die Gesetze fremder Staaten erlaubten, zweitens den Weltfrieden zu erhalten durch das moralische Gewicht des englischen Namens und ohne dem Despotismus den Hof zu machen.

Nach ihm ergriff Hr. Hume (von der radikalen Opposition, die jedoch in dieser Frage wie in den meisten Lebensfragen des Kabinets zum Ministerium hält) daS Wort, um zu er­klären, daß er sein eigenes Amendement zurücknehme, um nicht etwa eine Spaltung in der ministeriellen Mehrheit zu veran­lassen. Er sagte unter andern:Mein heißester Wunsch ist, daß das gegenwärtige Ministerium im Amte bleibt, damit es die großen und wichtigen Maßregeln auSführt, die eS unterstützt hat und noch unterstützt, und die für die Wohlfahrt deS Lan. des nothwendig sind".

Gegen die Palmerston'sche Politik erklärten sich Sir F. Thesiger und Sir I. Graham (erster Lord der Admiralität im Greyschen Ministerium von 1830 bis 1838, dann Staats­sekretär für das Innere unter Peel von 1841 1846.) Die Verhandlung wurde hierauf vertagt.

London, 25. Juni. Se. königliche Hoheit, der Prinz von Preußen, hielt gestern in Buckingham Palace ein diplomatisches Lever. Der türkische Gesandte, der belgische Gesandte und Chevalier Drouet, der baierische Gesandte, der Gesandte von Buenos Ayres, der portugiesische Gesandte, der russische Ge­sandte und Hr. Canofari, der niederländische Getankte, der schwedische Gesandte, der österreichische Geschäftsträger, der frunzösische Geschäftsträger, der sardinische Geschäftsträger, der spanische Gesandte und Hr. J. Davis, Sekretär der amerika­nischen Gesandtschaft, wohnten demselben bei. In der Begleitung des Prinzen befanden sich Hr. Bunsen, Graf Pückler, General- Lieutenant Lindheim und Graf Karl von Goltz. Die gestern bei der Königin in Buckingham Palace versammelte Miltags­gesellschaft schloß außer dem Prinzen von Preußen unter Än­dern den spanischen Gesandten, Sonor Jsturiz, und die danach folgende Abendgesellschaft den preußischen Gesandten und den russischen Gesandten ein. Am vorigen Sonnabend ist Garibaldi auf dem DampferQueen" von Gibraltar in Liverpool an,ge­kommen.

Italien.

Rom, 15. Juni. Die mehrseitig erwartete neue Regie- rungskommisfion ist definitiv gebildet worden ; sie besteht auS sieben Kardinälen , denen Kardinal Antonelli präsivirt. Die eigentliche Kompetenz und der Thätigkeilsbereich dieser Kom- miision ist noch nicht bekannt.

T ü t f e t

lieber den in Bulgarien ausgebrochenen Aufstand verneh­men wir über Belgrad und Semlin folgendes Nähere: Nicht gegen die kaiserliche Pfortenregierung ist derselbe gerichtet, die veranlassende Ursache desselben sind lediglich die Bedrückungen der Pfortenbeamten (Wlastniks). Der Pascha selbst ist von dieser Ueberzeugung durchdrungen und daher für versöhnliche Schritte gestimmt. UcbrigenS bestätigt sich die Einnahme von Belgradczicza. Nach einem anscheinend etwas übertriebenen Berichte der zu Agram erscheinendenNarodne Novine" wären etwa 200 Ortschaften mit 40,000 kriegsfähigen Männern auf­gestanden. Die Provinz sey von türkischem Militär entblößt, da Omer-Pascha mit dem größten Theile der disponiblen Macht nach Bosnien aufgebrochen sey; auch betrage die türkische höchstens ein Zehntel der gesummten Bevölkerung der Bulgarei.

Verantwortlicher Redakteur r W. H. Riehl.