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M LSI. Samstag den 28. Juni 1830»
Zweite Ausgabe.
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Uebersicht.
Zeitungschau.
Lesefrüchte aus Bekk's Geschichte der badischen Revolution. Deutschland. Frankfurt (Die Mörder Lichnowsky's und von Auers- Wald's). — Darmstadt (Jaup's Rücktritt). — Karlsruhe (Korrespondenz zwischen den Gefangenen in Bruchsal). — Aus dem Bückeburgischen (Vermischtes). — Ulm (Probefahrt). — Woischnik in Schlesien (Friedensanzeichen). — Wien (DaS Kriegsministerium). Frankreich. Paris (Die Aussöhnung der beiden Bourbonen-Linien).
Großbritannien. London (Verhandlung im Unterhaus. Lever des
Prinzen von Preußen. Garribaldi).
Italien. Rom (Die neue Kardinalskommission).
Türkei. (Der Aufstand in Bulgarien).
Zeitungschau.
Ueber die gegen die Kreuzzeitung verhängte Beschlagnahme äußert die „Reform": „Die „Neue Preußische Zeitung" hat am Sonnabend nunmehr auch die „Weihe" der Konfiskation erhalten. Dieselbe galt, wie wir annehmen dürfen, ihrem Leitartikel, in welchem sie im Gegensatz zum wahren preußischen Königthum und dessen Bedingungen von Neuem den „Despotismus der Bureaukratie" zum Gegenstände heftiger Angriffe machte. Wir müssen uns natürlich die Anführung der bèmer- kenswcrthesten, pikantesten Stellen diesmal versagen." Die Kreuzzeitung selber weist entrüstet auf ihre Anstrengungen zur Haltung und Unterstützung des Ministeriums hin „zu einer Zeit wo es in der ganzen Presse kein Blatt für sich gehabt". Sodann fragt sie: „Sollte denn das ein Verbrechen seyn, die Krone gegen einzelne verfehlte Maßregeln ihrer Minister und sonstiger Diener zu vertheidigen? Indeß, wie dem auch sey, hat man auch weiter Nichts beabsichtigt, als uns einen „heilsamen Schrecken" einzuflößen, man hat sich entschieden in dem Mittel vergriffen. Daß wir gar nicht mehr schreiben, daS kann man vielleicht, ja vielleicht sehr bald erreichen, denn eine Stellung, wo von Seiten der Demokratie Leben und Ehre, und von Seiten der Regierung Freiheit und Nationalkokarde gefährdet, ist in der That unhaltbar. Daß wir aber anders schreiben als bisher, das wird man nicht erreichen: niemals, niemals, niemals"!
Die brünncr „Presse" schreibt: „Die Thätigkeit, oder vielmehr die Unthätigkeit der in Frankfurt versammelten Diplomatie erinnert lebhaft an die HH. Eisele und Beisele in den Fliegenden Blättern, die zehn Nummern hindurch in derselben Attitüde auf ihr Gepäck warten. Unsere gouvernementalen Blätter versuchen allerdings mit löblichem Eifer und sichtlicher Anstrengung ihrer geistigen Gaben einige Abwechselung in daS uninteressante Tableau zu bringen; bald versichern sie unS, in Frankfurt sey allerdings bis jetzt noch nichts geschehen, binnen kurzem aber würden ganz außerordentliche Ereignisse erfolgen,
eine Versicherung, der wir freilich nur in ihrer ersten Hälfte Glauben schenken können; bald erfahren wir'zu unserer großen Befriedigung, unsere Regierung habe sich über die glänzenden Erfolge des Plenums und seines energischen AbwartenS gegen unsern Bevollmächtigten äußerst anerkennend geäußert, was uns natürlich alS Beweis der diplomatischen Genügsamkeit unserer Staatslenker äußerst schätzbar sein muß; bald wieder werden wir mit einer Abhandlung über die eigentliche Natur des RechtSbodenS regalirt, den das Plenum durch die Wiederaufnahme deS alten Rechtsbodens gewonnen. Indessen erschöpft sich am Ende auch die reichste gouvernementale Phantasie an einem so unfruchtbaren Thema, und wir sehen ahnenden Gemölhs die Zeit herannahen, wo die Frankfurter Korrespondenten deS Lloyd und der Reichszeitung über die Fliegen werden berichten müssen, die das Plenum pour passer le temps in seiner letzten Sitzung erlegt, zur ewigen Kränkung des Herrn Mathis und der übrigen Nnionsbevollmâchiigten , die wegen strafbarer Renitenz gegen die Autorität deS Plenums von jeder Betheiligung an diesem ebenso unterhaltenden als verdienstvollen sport ausgeschlossen blieben".
Die Deutsche Allgemeine Zeitung fügt hinzu: Man kann gewiß nicht umhin zu gestehen, daß in diesen sarkastischen Zeilen mehr Inhalt ist als in den langatmigen Korrespondenzen deS Lloyd und der ReichSzeitung, die nicht ermüden, von den Niederlagen der preußischen Diplomatie zu berichten, während wir doch keine Siege der österreichischen bemerken, im Gegentheil daS alte Geräusch neuer militärischer Rüstungen in unseren Ohren und Kassen gellen hören. Einberufung der Beurlaubten, Uebungslager da und dort, Festungsbauten an allen wichtigen Punkten und einen herausfordernden lächerlichen Ton in den Regierungsjournalen, wir können in diesem Allen keinen Erfolg einer glücklichen Politik vermuthen.
Der Brüsseler „Jndependance" wird von Paris Folgendes geschrieben: „Die wahre Ursache der Krankheit Sr. Majestät Ludwig Philipps ist unbekannt. Ich bin im Stande, dieselbe anzugeben. In der Pathologie vielleicht ein beispielloser Fall. Könnte ich nicht mit aller Sicherheit dafür aufkommen, ich würde mich hüten ihn mitzutheilen, so unerwartet und unglaublich wird er erscheinen. Chenu und Delahodde — an diesen beiden haben sich die Kräfte des alten Königs gebrochen, diese sind die Ursachen jener gänzlichen Erschlaffung, die seines vorgerückten Alters »verachtet die Kraft seiner Konstitution nicht erwarten lassen konnte. Ja, als er, durch Chenu's und Dela- Hodde's Enthüllungen belehrt, einzusehen begann, an welcher Handvoll Elender das Werk seiner achtzehnjährigen Anstrengungen zerschellte, von welchen Condottieri er im Schach gehalten und besiegt worden war, welche geringe Zahl Gegner er zu bekämpfen gehabt haben würde, wie wenig Bestand diese Guerillas hatten, vor welchen das Königthum sich zurückzog ; kurz, als er, um sich seines eigenen Ausdrucks zu bedienen, erfuhr, von welchen Schuften er im Februar überrascht worden war, da erfaßte ihn unsäglicher Schmerz. Die blutige Juni- schlacht hatte ihn fast dahingebracht sich Glück zu wünschen,