der besonnenen und rechtlichen freien Entwickelung erschüttert, beseitigt werden. Darauf hinzuwirken, ist daS Interesse aller Bessern, aber die Moralpredigten jeder Art helfen in der Regel wenig, und am wenigsten, wenn sie von den Regierenden kommen.
Mehr kann der Staat nicht durch die Leitung des öffentlichen Unterrichts, durch sittliche Bildung der Lehrer und durch vorsichtige Anstellung und Beaufsichtigung derselben thun. In Beziehung auf die Lehrer sind in den neuesten Revolutionsge« schichten traurige Erscheinungen zu Tage gekommen; aber man irrt sich, wenn man sie größtentheilS den Mängeln der Bildungsanstalten für Lehrer oder einer fehlerhaften Anstellung und Beaufsichtigung der Letztern zuschreibt. Anstellen kann man nur Diejenigen, die vorhanden sind, und die Auswahl ist unter den Befähigten nicht groß. Auch ist die Beaufsichtigung in der Regel von keinem großen Erfolg, da sich dazu nicht überall geeignete Organe finden, die Aufsicht jedenfalls keine ununterbrochene ist, und bei strengerer Handhabung, wo sich die Gelegenheit dazu bietet, leicht Reibungen entstehen, die besonders dann verderblich sind, wenn der Lehrer dem Beaufsichtigenden in der Fachkenntniß überlegen ist. An den Anstalten für Bildung der Lehrer kann man oft wenig aussetzen, und wenn der junge Mann auch mit sittlicher Bildung, so weit sie in so kurzer Zeit ihm beigebracht werden konnte, herauskommt in das Leben, etwa in eine vom radikalen Geiste verdorbene Ge, meinde, so ist die Zumuthung oder doch wenigstens die Erwartung zu groß, daß er der Ansteckung und Verführung immer wiederstehen werde. Schon der Umstand, daß die Lehrer der Volksschule wegen der für die Verhältnisse des Lebens jetzt nöthigen größern intellektuellen Bildung über die Scholle, auf der sie früher standen, hervorgehoben wurden, erregt in ihnen größere Begehrlichkeiten, für die sie keine Befriedigung finden.
Daher ihr Drängen und Treiben nach Verbesserung ihrer Lage. Damit werden sie leicht zu Werkzeuge in den Händen der Wühler, die ihnen von einer neuen Gestaltung der Dinge ein besseres LooS in Aussicht stellen, ohne daß der Eine ober der Andere klar wäre, wie und durch welche Mittel das be
wirkt werden soll. Was indessen in den verschiedenen Kreisen vom Staat für die sittliche Bildung des Volks, sey eS im ^wunuegn, mu in mm,.. Ni^— g'i'Mtn kann, darf nimmermehr vernachläßigt werden. Es mäg^Mr mwiwrm zur Annäherung an das große Ziel wenigstens einen Beitrag geben. —
Eine besondere Wirksamkeit hierin hat die Kirche, da
in der Religion die Sittlichkeit ihre größte Stütze findet, und die Glaubenskraft am ehesten die innere Zerri ssen h eit oder Auflösung zu heilen, und in der Sittlichkeit ein gemeinsames Banner für Freiheit, Ordnung und Recht zur Geltung zu bringen vermag. Von daher kommt der regelmäßig und zum Theil auf schauverhafte Weise sich kunvgebende Haß der Um- sturzprediger gegen die Religion*). Allein der Gott im Innern, der von verwahrlosten oder selbstsüchtigen Menschen keck geläugnet wird, ist dennoch vorhanden, und in den gewaltigen Schritten, womit der aus den Herzen Verstoßene sich zurückzieht, hinterläßt er seine mächtigen Spuren, die das Bedürfniß nach ihm unwiderstehlich wieder erwecken. (Forts, folgt.)
Deutschland
^ Von der Höhe. Am 12. d. M. unternahm die Versammlung der süddeutschen Forstwirthe zu Kreuznach ihrem Programme gemäß einen Ausflug in den nass. Kammerforst bei Lorch. Die Gesellschaft fuhr von Bingen rheinabwärts in Nachen bis Lorch, wurde daselbst von mehreren herzoglichen Forstbeamten unter Böllerschüssen willkommen geheißen und alsdann ohne Verzug in die Höhe zu den Waldungen geleitet. Nachdem die Forstwirthe mehrere Stunden lang die verschiedenen Walddistrikte, ihre Bewirthschaftung, die bestehenden Transportanstalten (Schlitten auf s. g. Schmierwegen) mit vielem Interesse besichtigt hatten, wurde eine Rast auf dem TeufelS- kadrich gemacht. Dieser wundervoll gelegene Punkt war freundlich hergerichtet, unter dem Schatten der vaterländischen Eiche waren Tische und Bänke aufgeschlagen, auch für einen guten
*) (Note B ekkS.) Nach öffentlichen Blättern hat bei der Blumsfeier in Zürich ein badischer Flüchtling in seinem Trinkspruche auSgerufen: die große leidende Idee der badischen Revolution sey gewesen: es gibt keinen Gott!
Imbiß gesorgt, im Hintergründe ein Musikchor ausgestellt und von dem in der Tiefe gegenüber liegenden preußischen Dörfchen Trechtlingshausen tönten von Zeit zu Zeit Böllerschüsse herüber, deren vielfaches Echo sich noch lange grollend vernehmen ließ. Nur befremdend war es uns, die bayerische Flagge, entfernt von den übrigen nassauischen, preußischen und deutschen, auf einem einzelnen Felsen aufgepflanzt zu finden.
Die Gesellschaft benutzte diesen Augenblick der Ruhe, um ihre Ansichten über die diesseits und jenseits deS Rheins (im Soon) gesehenen Waldungen gegenseitig auszutauschen, welches zu der Erklärung führte, daß die nass. Waldungen viel rationeller bewirthschaftet seyen als die preußischen, und zur Anerkennung dieses wie überhaupt der Verdienste deS Herrn Oberforstraths Dern von Wiesbaden um die nass. Forstwirthschaft wurde derselbe durch die beiden Veceinspräsidenten mit einem Eichenkranze geschmückt.
Auch Trinksprüche wurden auSgebracht, der erste von dem geheimen Oberforstrath v. Wedekind auf Se. Hoheit den Herzog zu Nassau, den unionsgetreuen Fürsten, dem viele andere folgten.
Da die übrige Tageszeit nur noch kurz, dagegen noch sehr viel zu sehen war, so wurde hier nicht allzu lange geweitet und die Wanderung alsbald durch die Waldungen nach dem Tempel hin fortgesetzt; der nächtliche Schatten hatte sich schon längst über die Erde ausgebreitet, als die Versammlung in den Nachtstationen RüdeSheim reSP. Bingen anlangte.
Alle waren darüber einig, auf Nassaus Boden einen sehr angenehmen Tag verlebt zu haben.
Für 1851 ist Passau und für 1852 Dillenburg als Versammlungsort bestimmt.
Mannheim, 12. Juni. (RH. Zeitg.) Obergerichtsadvokat Brentano ist, weil er den gemachten Beweisauflagen nicht nachgekommen, verurtheilt, an die Groß. General-Staatskaffe 11,382 fl. zu bezahlen. Wie bekannt, ist derselbe in Amerika , sein Vermögen aber schon früher mit Beschlag belegt worden.
Kassel, 12. Juni. (N. H. Z.) In der heutigen Sitzung der Ständeversammlung nahm der L and t a g sko m m rs fâ r das Wort: Er müsse den Budgetausschuß bitten, zu erklären, ob er dem gestern gegebenen Versprechen gemäß seinen Bericht über den Wefoyrrrennrrs wegen Forterhebung der Steuern und Abgaben noch heute erstatten werde. Da der Vorstand des Budgetausschusses, der Vizepräsident, augenblicklich abwesend ist, erklärt der Abg. Hildebrand: Der Ausschuß habe heute Morgen 9 Uhr eine Konferenz gehalten, worin man dem Regierungskommissär erklärt habe, baß Bet Ausschuß die Verweigerung der Verwilligung beantragen werde. Jener sey für diesen Fall nicht einftruirt gewesen und habe noch eine weitere Nachricht versprochen. Da diese bis jetzt nicht erfolgt, so sey der Bericht noch nicht erstattet. Abg. Eberhard: Jedenfalls werde doch der Ausschuß irgend einen Vortrag über die Sache halten müssen. -
Der Vizepräsident (welcher inzwischen eingetreten ist): Der Bericht sey entworfen und könne im Ausschusse vorgetragen werden. Der Präsident: dann werde eS zweckmäßig seyn, zur Berathung eine Abendsitzung zu halten. Der Abg. Pfeiffer beantragt bei der Wichtigkeit der Sache, den Bericht drucken und vertheilen zu lassen und die Berathung auf morgen früh 10 Uhr nnzuberaumen. Damit erklärt sich der Abg. Gräfe einverstanden. Der Landtagskommissär: Er müsse den Wunsch wiederholen, daß die Berathung so bald als irgend möglich statlfinde; es werde der Regierung sehr angenehm seyn, wenn sie noch heute thunlich sey. Da der Abg. Henkel bemerkt, daß eS schwierig seyn würde, auch wenn der Bericht morgen früh gedruckt vertheilt werde, alsbald über denselben zu berathen, so wird vom V i z epräsidenien vorgeschlagen und von der Versammlung beschlossen, der Verlesung deS Berichtes im Ausschusse sämmtlich beizuwohnen, übrigens denselben drucken zu lassen und in einer morgen 10 Uhr zu haltenden Sitzung zu berathen.
Dem Vernehmen nach ist um 5 Uhr Nachmittags aus Verlangen des Herrn LandtagSkommissärS die Ständeversammlung zu einer g eh ei m en Sitzung zusammenberufen und derselben eröffnet worden, daß die Staatsregierung noch heute die Versammlung aufzulösen beabsichtige und deßhalb beantrage, Ben Bericht auf der Stelle in Berathung zu nehmen und darüber zu beschließen. Hierbei ist darauf hingewie- sen, daß der Landesherr verfassungsmäßig zu jeder Zeit zur