Berlin, 7. Juni. (K. 3 ) Das StaatS-Ministerium hat feinen Beschluß vom 18. Januar v. I., wonach sämmtliche . Zivilbeamte, welche eine Dienst-Uniform tragen, die deutsche Ratio nal-Kokarde neben der preußischen anlegcn mußten, durch Beschluß vom 18. Mai d. J. außer Kraft ^gefetzt.
Schloß Charlottenburg, 8. Juni, Morgens 9V» Uhr. Die nächtliche Ruhe Seiner Majestät deS Königs wurde zeitweise durch Schmerzen im Fuße unterbrochen, an dem die Ent- : zündung fast ganz abgelaufen ist. Die Heilung der Wunde ; schreitet rasch fort.
Posen, 6. Juni. (D. A. Z.) Hier ist der Behörde eine ; unter das polnische Volk verbreitete Schrift in die Hände gefallen, die zu einer neuen Schilderhebung geradezu auffordert. Die Schrift führt den wunderlichen Titel: „Worte der Wahrheit für das polnische Volk, Erschienen unter der Obhut der Allerheiligsten Mutter Gottes zu Czenstochau, der Schutzpatro- ; nin Polens". Sie predigt den tödtlichen Haß gegen Deutsche ( und Russen, sucht das polnische Landvolk durch kommunistische ' Lehren, die als künftige Gesetze verkündigt werden, zur Em- , pörung zu verlocken, und sagt geradezu, daß Errettung von ' dem schmachvollen Verderben des Polnischen Volks nur noch durch einen lodesmuthigen allgemeinen Kampf gegen die Unterdrücker möglich sey. Die Eidesformel der Bundesmitglieder, ; welche 'vor einem Kruzifix und einer geweihten Kerze knieend zu sprechen ist, lautet: „Ich N. ^. schwöre im Angesichte deS allmächtigen Gottes, bei dem Kreuze und Leiden des Heilandes^ daß ich von ganzem Herzen und von ganzer Seele nach dem zukünftigen glücklichen Polen verlange; daß ich zu jeder Zeit ' und soviel in meinen Kräften steht Andere über Polen beleh« ’ ren und zur Leistung des EideS heranziehen werde. Ich schwöre, ; daß ich mich, sobald der Ausbruch des Aufstandes angekündigt ; wird, ohne Verzug mit gehörig zugerichtcter Sense oder andern ' Waffen einstellen werde". Schließlich werden die Polen ermahnt, den Spaniern nachzuahmen : Alle, Die Waffen tragen können, sollen die Waffen ergreifen; Weiber, Kinder, Greise sollen die Feinde zu Hause morden; in den Städten soll man auf sie herab siedendes Wasser gießen oder Steine werfen. , Ueberall müssen sie vernichtet werden. Hoffentlich werden diese ■ gutgemeinten Lehren erfolglos bleiben, eine neue Schilderhebung würde wahrscheinlich mit dem gänzlichen Untergänge der Pole» i endigen. _____________________
Amerika
Ein zu Louisville in Kenucky erscheinendes Blatt berichtet Nachstehendes: Gestern früh erlebten wir einen Auftritt, der für den Menschenfreund etwas ungemein NiedcrschlagendcS hat. Der Dampfer „Kendall" lag bei der Wallstraße am Werft und : war im Begriffe, nach Neu - Orleans abzufahren. Auf dem f Decke des Vorderkastells stand eine eigenthümliche Gruppe, ein ■ Sklavenhändler mit einem halben Dutzend Sklaven, unter wel- ; eben eine Mutter, die ihr Kind an der Brust hatte. Offenbar ; sollten sie im Süden verkauft werden. Eben als die SchiffS- * glocke zum letzten Male schellte und Die Taue vom Werft ab- ; gelöst werden sollten, forderte man der Mutter das Kind ab I und bedeutete ihr, daß sie ohne dasselbe fortreifen müsse. DaS ■ arme Weib wurde beinahe wahnsinnig vor Schmerz. Sie | drückte das Kind krampfhaft an sich, küßte es mit Thränen und lief dann zu einem Koffer, in welchem sie allerlei Klci- I dungSstücke für daS Kleine verpackt halte. Diese drückte sie noch einmal an die Lippen und hüllte dann daS Kind hinein. Der Sklavenhändler befahl ihr, rasch zu folgen, und sie gehorchte mechanisch dem Gebote. Aber daS Muttergcsühl war zu mächtig, als daß eS sich hätte unterdrücken lassen; unter lautem Ängstgeschrei kehrte sie wieder um, packte daS Kind wieder und wollte eS nicht mehr lassen. Ihr Jammern, ihr bis zum Wahnsinn gesteigerter Schmerz erregte die innigste Theilnahme der am Ufer Stehenden. Der Sklavenhändler wurde gefragt, ob er nicht Mutter und Kind zusammen verkaufen wolle. Er ließ sich willig finden, Beide für die Summe von 650 Dollars loszuschlagen. Man schoß sogleich Geld zusammen; Manche gaben 10 Dollars Inzwischen war der Kapitän deS Dampfers, Norton, aus seiner Kajüte gekommen, sah, waS vorging , erklärte dem Sklavenhändler, er werde ihn nicht am Bord behalten, sch'ckte Händler und Sklaven wieder ans Land und fuhr ohne sie hinunter nach Neu -Orleans.
Verantwortlicher Redakteur r W. H Riehl.
gleitet, wobei sich auch der Staatsarchivdirektor, Dr. V. Rommel , ferner der Architekt der Marlinskirche rc. befanden; die Fürsten verweilten hier am Grabdenkmal Ihres beiderseitigen Ahnherrn, Philipps deS Großmüthigen. Se. königl. Hoh. der Kurfürst begleitete sodann mit Generalität, Adjutantur und Hofstaat Seinen Durchlauchtigsten Gast auf den Bahnhof, wo Höchstdieselben um 8 Uhr eintrafen, und nachdem Se. königl. Hoh. .sich von dem Kurfürsten, der den Großherzog bis an den Waggon führte, verabschiedet hatte, traten Höchstdieselben die Rückreise nach Darmstadt mit dem Morgenzuge der Main- Weserbahn an.
Seit 1628, wo Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt den Landgrafen Wilhelm V. zu Kassel besuchte, ist — so viel unS bekannt — kein regierender Fürst der jüngern Linie des hohen HauseS Hessen zum Besuche in Kassel gewesen, wohl aber zu zwei verschiedenen Zeiten die Erbprinzen, nämlich 1648 und 1818; im letztgenannten Jahre war eS der damalige Erbgroßherzog, nachmalige Großherzog Ludwig II., Vater des jetzigen Großherzogs königl. Hoheit, welcher den greisen Kurfürst Wilhelm I. hierselbst zu begrüßen kam.
Leipzig, 5. Juni. (D. Z.) Heute wurde in der Sitzung der Stadtverordneten von Heinrich Brockhaus der Antrag gestellt, den Rath zu ersuchen, daß er sich mit einer Vorstellung an den König wende, um ihn auf die Gefahr aufmerksam zu machen, mit welcher der Verfassungsbruch das ganze Land, also auch die Stadt Leipzig bedrohe. Auf den Antrag des KramermeisterS Poppe wurde jedoch kein Beschluß gefaßt, sondern der Antrag, nebst dem von BrockhauS vorgelegten Entwurf eines Schreibens an den Rath einer Deputation zur Begutachtung zugewiesen. Die Stimmung ist immer noch sehr gedrückt. Im Ganzen neigt sich aber auch die Meinung dahin, daß die vom Tode erweckte alte Kammer dem Rufe folgen, aber in Dresden gegen ihre eigene Existenz protestiren müsse.
Magdeburg, 7. Juni. (S.3) Sicherem Vernehmen nach ist gestern hier der Befehl eingetroffen , die Armirungs- Arbeiten an unserer Festung vorläufig zu sisti - rcn, und in der That sieht man heute keine Leute mehr beschäftigt, die Palissaden einzurammen. Ob jener Befehl sich auch auf das Jnnehalten der Mobilmachung der Truppen bezieht, ist uns nicht bekannt.
Berlin, 6. Juni. Die schwebende Hauptfrage, die Differenz zwischen Preußen und Oe st erreich, reift einer Lösung noch immer nicht entgegen. Obschon von Seiten Oesterreichs nach der Rückkehr des giften Schwarzenberg keine weitern Schritte hierher geschehen sind, so soll, wie man vernimmt, Fürst Schwarzenberg von Warschau auS seine preu- stenfeindlichen Agitationen in München und Dresden unausgesetzt betrieben haben.
Man ist hier davon unterrichtet, daß die sächsischen Ordonnanzen vorher die Billigung des österreichischen Ka- binets erhalten haben, daß man sogar mehr oder weniger eine österreichische Weisung befolgt hat, wenn man mit der Auflösung der Kammern schon jetzt vorgegangen ist. Daß für alle Eventualitäten der sächsischen Regierung österreichische Truppen zur Disposition gestellt sind, versteht sich von selbst. Ebenso behauptet man, daß die durch telegraphische Depesche hierher gemeldete Vertagung der Landesversammlung in Stuttgart in der Intervention deS Fürsten Schwarzenberg gelegen habe. Man ersieht hieraus, daß die Abhängigkeit der „selbständigen" Königreiche von Oesterreich keine geringe ist. In München wahrte man auch den Schein, und die Worte: „lieber der rothen Republik zum Opfer fallen, als Bayerns Selbständigkeit aufgeben", welche man einer hohen Person in den Mund legt, sind in der That nur eine eigenthümliche fafon de parier.
Der Konflikt einiger schlesischer Gerichte mit dem höchsten Gerichtshöfe der Monarchie ist in ein neues Stadium der Verwickelung getreten. DaS KreiSgericht zu Oppeln hat die Frei- Fassung deS verhafteten Grafen v. Reichenbach von dem Breslauer Stadtgerichte gefordert, das Stadtgericht die Ent- fcheldung des AppeUationSgerichtS in BreSlau erlrahirt und dieses die Freilassung verfügt. Inzwischen soll daS Odertribu-
bei allen diesen Justizwirren zumeist beteiligte Ge- Tiojt darüber entscheiden, ob daS KreiSgericht zu Oppeln recht gehandelt, ob die Mitglieder desselben mit Recht von dem wrgefetftttr Disziplinargerichte freigesprochen sind, und ob die Breslauer Gerichte mit Recht den Grafen Reichenbach freigesprochen und der Haft entlassen haben.