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Frankreich

Paris, 30. Mai. Die hierarchisch gesinnte Partei, der Bischof von Langres, Montalembert u. s. f. haben eine Sub- skriplion eröffnet um dem Erzbischof von Turin, wegen seines Widerstands gegen das weltliche Gesetz, ein Zeichen ihrer Be­wunderung unv Verehrung darzubringe». Die Gabe soll in einem Kreuz bestehen. Die Beiträge sind 10 oder 5 Fr.

Paris, 3. Juni. DerMoniteur" bringt heute das vom Präsidenten der Republik amtlich verkündigte Wahlreformgesetz.

Einem Gerüchte zufolge wird daS Ministerium morgen der Nationalversammlung einen Vorschlag wegen Vermehrung des Gehaltes deS Präsidenten der Republik auf drei Millionen Franks machen. . . ,.

Einzelne Verhaftungen, die mit den früheren in Verbin­dung stehen, werden noch vorgenommen. Die Kasernen wer­den strenge bewacht, um den Verkauf von Patronen zu ver­hüten. Im Uebrigen herrscht vollkommene Ruhe in Paris.

AuS Buenos Ayres wird vom 10. Mai gemeldet, daß General RosaS wieder zum Diktator gewählt worden.

Louis Napoleon hat einen eigenhändigen Brief an den König von Preußen geschrieben, um ihm das lebhafte Interesse zu bezeugen, das der dem Letzteren zugestoßene Unfall in ihm erregt hat.

Großbritannien.

London, 30. Mai. Die Zeitungen veröffentlichen ein liebenswürdiges Schreiben des wegen des letzten verunglückten irischen Aufstandsversuchs zur Verbannung verurteilten Meag­her, ehemaligen Herausgebers der Zeitschrift Nation. Das Schreiben ist aus Vandiemensland vom 1. Dezember. Statt wie Friedrich Hecker und andere Chefs der deutschen Revolu­tion in forcirter sittlicher Entrüstung seinenEkel" an der al­ten Welt auszusprechen und gegen die Bourgeoisie und die Zweibrittel des badischen Bauernstandes, die dem Hecker-Bren- tano'sche Projekt Gut und Blut nicht opfern, d. h. sich und die Ihrigen nicht zu Grunde richten lassen wollten, wie gegen seine MitchefS die maßlosesten B^chulbigungen auszustoßen, berichtet Meagher einfach über die Umstände seiner Ankunft auf dem fremden Boden, über die zuvorkommende Behandlung, deren er sich während der weiten Meerfahrt von Seiten des Kapitäns, des Schiffsarztes ic. zu erfreuen hatte, über den herzlichen Empfang,' welcher ihm nach der Landung zu Theil wurde, über den Abschied von seinen Leidensgefährten, von denen Jeder nach einem andern Orte verbannt ist, und über seine Weiterreise nach Campbell-Town, dem ihm angewiesenen Bestimmungsorte. Er kommt auf dieser Reise durch Hobart- Town (den Verbannungsort O'Donohue'S) bei erstem Mor- gendämmern und erzählt darüber:WaS ich von Hobart-Town auf diesem raschen Durchfluge sah, war eine oder zwei Del» lampen, daS Schilderhäuschen und ein Soldat an dem Ein­gänge des GouvernementSgebäudeS, daS Postamt und der Her­ausgeber einer Zeitung, welcher als eifriger Diener des Publi­kums schon so früh auf dem Platze war, um über die interes­santen Umstände meiner Abfahrt als Augenzeuge berichten zu können".

Italien.

Wir erhalten d. d. Rom, 25. Mai, die am 20. d. M. im geheimen Konsistorium gehaltene Allokution deS Papstes die erste nach seiner Rückkehr in seine Hauptstadt. Sie gebens deS göttlichen Schutzes, der in diesen schweren Zeiten, wo der Fürst der Finsterniß alle seine Wuth gegen den heiligen Stuhl ergossen, die Kirche aufrecht gehalten habe, und dankt den Staaten, die seine Heiligkeit gegen die Revolution unterstützt und seine endliche Heimkehr ermöglicht, in beredten Worten: zuerst dem König beider Sicilien, der ihm die edelste Gast­freundschaft gewährt, dann der tapfern französischen Nation, welche in militärischer Hinsicht das Meiste geleistet habe, dem Kaiser von Oesterreich und der Königin von Spanien. Auch die akatholischen Staaten gehen bei dieser Danksagung nicht leer aus. Hierauf aber werden die fortdauernden Drangsale der Kirche beklagt,dieser scheußlichste und erbitterliche Krieg

zwischen dem Licht und der Finsterniß, zwischen der Wahrheit und dem Irrthum, zwischen dem Laster und der Tugend, zwi. schen Beltal und Christus" kurz der Unglaube, die Unbot# Mäßigkeit dieser Zeit, die Verführung der Jugend, die Aufleh­nung gegen alle göttlichen und menschlichen Rechte ic. Mit hohem Preise zwar, als ein Trost und Lichtpunkt, werden die neuesten Maßregeln der k. k. österreichischen Regierung zu Gunsten der Kirche hervorgehoben, hingegen das Verfahren der sardinischen Regierung gegen den Erzbischof Franzoni schmerzlich beklagt, mit dem Bemerken, daß der päpstliche Stuhl dagegen reklamirt habe, und demnächst in einer eigenen Alloku­tion diesen Gegenstand behandeln werde. Auch in dem sonst so eifrig katholischen Belgien sieht der Papst die Kirche von Gefahren bedroht, vertraut jedoch zu der Weisheit des Königs und seiner Regierung. Dringend wird die Geistlichkeit, hohe und niedere, ermahnt, daß sie in diesen Tagen mehr als je sich die treue Erfüllung ihrer Pflichten angelegen seyn lasse. (A. Z.)

Piemont. Der Kampf zwischen der Hierarchie und der Staatsgewalt erbittert sich mehr und mehr. Dem Klerus wird von den Erzbischöfen verboten vor dem Laienrichter zu erschei­nen und im Falle von angewenbetem Zwang sich so zu be­nehmen, daß aus seinem Benehmen kein nachtheiliges Präjudiz für die Kirche erwachse.

Ungarn.

Pesth, 28. Mai. (Ll.) Gestern erlebten wir eine ähnliche Demonstration in Ofen, wie bei der Abfahrt der Kinder Kos- sulh's. Bekanntlich wurde der Jahrestag vom Tode des Ge­nerals Hentzi durch eine militärische Parade gefeiert. Das Volk wollte das Andenken der gefallenen Honveds feiern. Mehrere Hundert Kränze, mit Rational-Bändern geziert, wur­den verfertigt, das Volk strömte schaarenwcise zum Friedhofe, seine Andacht zu verrichten. Und nachdem man ihm gebot, nach Hause zu gehen, da eine ähnliche Zusammenkunft mit dem Belagerungs-Zustand unverträglich sey, wurden die Kränze auf bie Gräber der Honveds gelegt, und das Volk entfernte sich ruhig. Die Behörde ließ die National-Bänder von den Kränzen herabnehmen, und ließ die Kränze dort.

Verantwortlicher Redakteur; M. H. Riehl.

Aufruf

an die Frauen Wiesbadens zur Unterstützung der Brandbeschädigten in Kirberg.

Am 27. d. M. brannten in Kirb erg binnen einigen Stunden 43 Häuser, 26 Scheuern und viele Stallungen nieder, so daß die vom Feuer Betroffenen meistens un­bemittelte Leute nicht viel mehr als das Nackte Leben retten konnten, und deS größten Theils ihrer unversicherten Habe beraubt wurden. Die Noth und daö Elend sind groß, sehr groß, und schnelle Hilfe wird hier doppelt wohl­thätig wirken.

Die Unterzeichneten erbieten sich deßhalb, milde Gaben für die armen Abgebrannten, lediglich in Kleidungsstücken, Leinen, Beltwerk und Möbel bestehend, in Empfang zu neh­men, für schleunige und zweckmäßige Verwendung Sorge zu tragen und s. Z. über das Empfangene öffentlich Rechnung abzulegen.

Wiesbaden, den 31. Mai 1850.

A. Ruß. Henriette Lugenbühl. Emilie Käsebier.

Emilie Reinlein. L. Oeffner. I. Lugenbühl.

K. Fliedner. Elise Löw.

Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Nachmittags um 3 Uhr, ausgegeben oder kann im Expeditionslokale abgeholt werden.

Die Expedition der Nass. Allg. Leitung.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.