Erzeugung sie jeden Tag fruchtbarer wird Ein Artikel im gestrigen Äbendblatte, für welchen die Redaktion übrigens die Verantwortlichkeit ablehnt, macht Hru. v. Radowch für den Mordversuch auf den König verantwortlich. Die Maßregeln der Regierung, heißt eS N, welche unter dem Einflüsse jenes Staatsmannes ergriffen wurden, verletzen das Nauonalgefühl und den Nationalstolz so tief und empfindlich, daß es nach allem Vorausgegangenen nicht zu verwundern ist, wenn ein politischer Fanatismus entsteht, welcher den Demokraten nicht anders als sehr gelegen kommen muß, so lange man von oben herab daS patriotische Feuer niederhält. Der JesuiliSmus hat den Staaten noch nie Legen gebracht, die Jesuiten sind schon zu oft mit Königsmördern Hand in Hand gegangen, als daß man üe nicht verabscheuen sollte, auch wenn sie uns alS Freunde nahen". Man sieht, Goethes Wort: „Nichts ist so pumm, vaS eine Partei nicht als Hokuspokus zu brauchen wüßte", hat immer noch seine Wahrheit. Schließlich empfiehlt dieser Neue Preußische Jesuitenfeind zur Wiederherstellung von „Religion und Moral und Sitte und Zuchl" den Regierungen „Galgen und Knute, um die verderbten Richter für Recht und Wahrheit zu begeistern", alS Heilmittel für die Presse schlägt er vor, einstweilen die „Verfasser der giftigsten Schriften den Raben zur Mahlzeit dienen zu lassen".
Berlin, 3. Juni. Das Bülletin von heute Morgen lautet: „Seine Majestät der König haben den ersten Theil der Nacht schlaflos und unter Schmerzen im Fuße zugebracht, nach Mitternacht aber bis zum Morgen ruhig geschlafen. Die Entzündungsgeschwulst am Fuße hat nicht zugenommen. Die Beschaffenheit der Wunde ist durchaus befriedigend".
Berlin, 2. Juni. (Lith. Korr.) Seitens einer großen Anzahl in Berlin ansässiger Juden war man Willens, die „Neue Preuß. Zeitung.", wegen ihres neulichen Artikels, der zur Judenverfolgung aufreizte, beim Staatsanwalt zu denun- ziren. Man ist hiervon jedoch zurückgekommen und wird auf andern! Wege und an anderer Stelle Schritte gegen das genannte Blatt thun. Wir machen hierbei auf das Sonntagö- blatt aufmerksam, welches mit der „Neuen Preuß. Ztg." als populäres Volksblatt ausgegeben wird. In diesem wird den Lanbleuten, für die es zunächst bestimmt ist, mit dürren Worten gesagt: die Juden seyen cs, die den König ermorden lassen wollten, „die Juden, die durch ihre Kleidermagazine die Schneider, durch ihre Stiefelmagazine die Schuhmacher, durch ihren Güterschacher euch um Haus und Hof betrügen".
Berlin, 2. Juni. Es soll in Warschau den Bemühungen des Prinzen von Preußen und seiner Begleiter vollkommen gelungen sein, die österreichische Behauptung, die Unionspolilik sey eine gefährliche revolutionäre Ausgeburt des preußischen Ehrgeizes, zu widerlegen und die österreichischen Hoffnungen auf die eventuelle Intervention Rußlands zu Gunsten der schwarzenbergischen BundeSrechtS-Auslegungen gänzlich zu vernichten. Man zweifelt hier nicht mehr, daß die bisher vom Fürsten v. Schw arzenbe rg ' vertretene Ultra-Ansicht im Wiener Kabinette unterliegen und die durch v. Schmerling 2C. vertretene Neigung zur Verständigung der beiden deutschen Großmächte nunmehr den Sieg davon tragen werde. Ob der Fürst selbst nun austreten, oder ob er diese Schlappe hinneh- men wird, bleibt dahin gestellt. Die preußische Regierung wünscht natürlich vor Allem eine friedliche Verständigung mit Oesterreich. Sie würde eS auch, selbst wenn eS zum Aeußer- sten käme, nicht gern sehen, daß eine echt deutsche Sache durch fremde Einmischung entschieden würde. Die Vermittlerrolle aber, die sich Rußland zugetheilt hat und in der eS jetzt der preußischen Politik von freien Stücken seine Anerkennung zu Theil werden läßt, kann sich die preußische Regierung wohl gefallen lassen, da sie nichts weniger alS eine Gefährdung der Selbständigkeit Preußens involvirt, vielmehr ausdrücklich beiden deutschen Großmächten, so lange keine von beiden zum Kriege oder vielmehr zum LandfriedenS-Bruche greift, ihre endlichen Entschließungen völlig freiläßt.
Memel, 28. Mai. (D. Z.) Zwei orientalische Gestalten, nestorianische Christen, auS Persien durchwandeln die Straßen Memels und ziehen die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Sie kommen aus Rußland und erzählen durch den Dolmetscher, der sie begleitet, Folgendes: Beide hätten in den Gebirgen Pcrsienö mit ihren zahlreichen Familien glücklich und zufrieden gelebt, als plötzlich das Dorf von' einer Schaar von Türken
überfallen und sie mit ihren Frauen und Kindern in die Sklaverei geführt worden seyen. Ein Lösegeld von 15,000 Silberrubeln sey ihnen aufgelegt, wenn sie die Freiheit wieder erlangen wollten. Durch die Verwendung des englischen Konsuls sey es den beiden Männern gelungen, von den Türken die Erlaubniß zu erhalten, eine Reise durch die europäischen Länder zu machen, um durch die Sammlung von Beiträgen das Lösegeld sich zu verschaffen und ihre eigene Freiheit und die ihrer Familien zu erkaufen." Die Neue Königsberger Zeitung fügt hinzu, daß die Thatsachlichkeit dieser Angaben durch glaubwürdige Zeugen verbürgt werde. Die Nestorianer hatten 5000 Rubel in Rußland gesammelt und seyen vom Gouverneur in Kurland, sowie von dem Generalsuperintendenten in Mitau empfohlen.
Hamburg, 30. Mai. (Wes. Z.) Der in Berlin ohne jeden Rechtsgrund ausgewiesene dramatische Dichter Dr. jur. R. Gottschall wendete sich nach Hamburg, wo er schon früher gelebt, und wo man ihm auch jetzt ohne Weiteres den Aufenthalt bewilligt hat. Zu den interessanteren Details von Gothschall's Ausweisung gehört, daß ihm vom Polizeirath Winckler als besondere Vergünstigung die Frist von zweimal 24 Stunden verwilligt wurde, um während dieser Zeit zu versuchen, bei dem schwer zugänglichen Polizeipräsidenten eine Audienz zu erlangen. Es gelang auch, sie war aber sehr kurz und erfolglos, da Hr. Hinkeldey, wenn auch „mit Bedauern" erklärte, er habe in Betreff des Hrn. G. strikte Ordre, so zu handeln, wie geschehen. Dabei ist zu wissen nöthig, daß der Ausgewiesene niemals in politischer Untersuchung gewesen, auch nicht einmal wegen eines Preßvergehens verurtheilt worden ist. Seine Tragödie „Ferdinand v. Schill" hat eine preus« sich-palriolische Tendenz und ist auf den meisten preußischen Bühnen, in Potsdam aber auf ausdrückliches Begehren von Gardeoffizieren dargestellt worden. — Dr. Gottschall hat eine energische Beschwcrdeschrifl wegen deS gegen ihn (einen Preußen !) eingeschlagenen Verfahrens an den Minister des Innern, Manteuffel, abgehen lassen.
Hamburg, 31. Mai. (W. - Z.) Es sind nunmehr Nachrichten über die erste Reise der „British Queen" von Hamburg nach Newyork hier eingegâgen, welche diese Fahrt als die gefahrvollste darstellen, die ein Dampfboot nur bestehen kann. Die Details, welche die gestrige „Börsenhalle" nach dem Berichte des Kapitän Bell in einer Newyorker Ztg. über die Reise enthielt, sind nur andeutender Natur. Der Muth und die Ausdauer der Mannschaft, so wie der Passagiere, am meisten aber die Kaltblütigkeit und Tüchtigkeit deS Kapitäns, sind auf ßharle Proben gestellt worden. Seit dem Verlassen der Elbe (4. April) bis der Nothhafen von St. JohnS (Newfoundland) erreicht wurde, hatte die British Queen ohne Unterbrechung ungünstigen Wind, mehrfach aber bis zur Wuth deS Orkanes rasende Stürme zu bestehen. Unter vielen andern Zerstörungen, die das Schiff erfuhr, ward auch der Kompaßbehälter zerschellt, und Kap. Bell befestigte die leitende Magnetnadel so gut, als eS eben gehen wollte und mit erstaunlichem Glücke, denn sie blieb während der ganzen noch übrigen Reise in genügender Thätigkeit. Als man noch 1000 Meilen von Newyork und 480 von Halifax entfernt war, machte sich Kohlenmangel bemerkbar, weßhalb Kap. Bell mit den noch übrig gebliebenen Segeln letzteren Hafen anlaufen wollte, aber nachher durch widrigen Wind gezwungen war, den Kurs nach St. JohnS zu nehmen. Die ZwischendeckS-Passagiere mußten hier, da die Mannschaft, darunter beide Steuerleute, krank oder verletzt darniederlag, beim KohleniEinnehmen Hülfreiche Hand leiten, wofür der Kapitän sich dankbar erwies. Von St. JohnS nach Newyork (Der dritte Theil der Enfernung von hier nach Newyork, 1200 Meilen) ging die „British Queen" binnen 5 Tagen. — Die Maschinen haben daS Schiff gerettet, bei dem geringsten Unfall wäre eS gesunken unter den furchtbaren Sturzwellen, die es häufig bedeckten. Die Maschinen waren auch am Ziel der Reise noch in vollkommen gutem Stande. Von den Passagieren, 180 an der Zahl, hatte eine Dame auS der zweiten Kajüte daS Unglück, auf dem Verdeck niederstürzend, ein Bein zu brechen, sah jedoch ihrer Wiederherstellung entgegen.
Wien, 3. Juni. Kaiser Franz Joseph ist nach Warschau abgereist.