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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 131» Donnerstag den 6» Juni 1850»

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungschau.

Deutschland, Mainz (Förderung der örtlichen Interessen). Vom Rhein (Die Ermäßigung der Rheinzölle). Darmstadt (Die Sammlung für die Verwundeten und Gefallenen des vorjährigen Feld­zugs). Stuttgart (Dr., Röfe. Annäherung des Königs an Preu­ßen). München (Gammaschenknöpferei). Magdeburg (Rafi- runa der Festungswälle). Berlin (Der landwirthschaftliche Kongreß. Verhaftungen. Die Neue Preuß. Zeitung denunzirt Hrn. v. Radowitz als moralischen Urheber des Attentats. Günstige Nachrichten auâ War­schau). Memel (Sammelnde Nestorianer). Hamburg (Die Aus­weisung Gottschall's aus Berlin. Gefahrvolle Seefahrt). Wien (Der Kaiser nach Warschau).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Großbritannien. London (Meagher).

Italien. Rom (Allokutiou des Papstes). Piemont (Die Bischöfe verbieten dem Klerus, vor dem Laienrichter zu erscheinen).

Ungarn. Pesth (Demonstration).

Z e i t u n gs eh a u

Der Deutschen Zeitung wird unterm 2. Juni aus Leipzig geschrieben: Die gestern hier bekannt gewordene Auflösung der Kammern in Dresden, macht einen sehr niederschlagenden Ein­druck. Schon vor 8 Tagen hieß es, die Regierung wervc eine au­ßerordentliche Bewilligung von 14 Millionen, die durch eine Anleihe beschafft werden sollten, verlangen, jetzt gibt das Ge­rücht die Höhe der in geheimer Sitzung geforderten Summe sogar aus 16 Millionen an; das wäre also eine Vermehrung der Staatsschuld um fast 10 Thaler auf den Kops. Vielleicht lst noch in keinem Staate eine so monströse Forderung gestellt; mdeffen das möchte noch gehen, wenn man bedenkt, baß die Zeit eine außerordentliche ist, daß der sächsische Staat bisher

^reDit genossen hat, und daß ein großer Theil der Anleihe, wie gesagt wird, für Eisenbahnen, also für hoffentlich rentirende Unternehmungen, verwendet werden soll. DaS Ueber- raschendste bleibt aber, daß dieses Ministerium, welches in und außerhalb des Laiideâ nicht das geringste Vertrauen genießt, mit einer solchen Forderung aufzutreten wagen konnte, und daS zu einer Zeit, wo man täglich die Besorgniß aussprechen hort, daß das Land durch Schuld eben dieses Ministeriums der Kampfplatz werden mochte, auf dem sich vielleicht bald Oesterreich für den Bundestag und Preußen für die deutsche J Mutigen Kriege messen. Man hat häufig auch b*e aufgelösten Kammern nicht sehr günstig geur- theil ; aber was man ihnen Schuld gibt, fällt zum größten Theil auch aus das Ministerium zurück. Es war in den Kam­mern so viel Einsicht und guter Wille, daß die Regierung auf einem ehrlichen und geraden Wege ganz wohl mit ihnen hätte auskommcu können. Daß das Ministerium keine bequemere». Kammern finden werde, hält man für so unzweifelhaft, daß hin und wieder die Befürchtung ausgesprochen wird, es werbe nicht mit neugewähltcn Kammern, sondern mit österreichischen Bajonetten regieren wollen. Die gewöhnlichen Steuern sind

bis zum 15. August bewilligt, und eS möchte der Regierung verfassungsmäßig zusteheir, diese Frist noch um 6 Monate zu verlängern. Da sie aber für die außerordentlichen Bedürfnisse, welche doch dringend genug seyn werden, keine Bewilligung hat, so begreift man nicht, auf welchem gesetzmäßigen Wege sie das nöthige Geld werde schaffen können. Die Aussichten sind sehr trübe. Möchte ein ehrlicher und muthiger Fortschritt des Bundesstaates uns wenigstens für die Zukunft eine Hoff­nung eröffnen.

DerAllgemeinen Zeitung" wird aus Berlin geschrieben: Die Mobilmachung unserer Armee bildet noch immer den Hauptgegenstand des Tagesgespräches, und leider nicht den er­freulichsten. Denn daS ruhige Urtheil entscheidet sich fast ein­stimmig dahin , daß die Maßregel eine voreilige sey , daß die Ereignisse und Verwickelungen noch lange nicht auf den Punkt gediehen seyen um einen so ertremen Schritt nothwendig zu machèn. Der vorige Kriegsminister v. Strotha war auch be­ständig dagegen, wiewohl er von oben her, wie man sagt vor­zugsweise durch den Prinzen von Preußen, fortdauernd dazu gedrängt wurde. General Stockhausen hat sich nachgiebiger gezeigt! Wie man sagt, auch nicht ohne einige Kämpfe. So werden denn die großen Summen, welche die Maßregel, wenn, gleich sie nur ein Drittheil der Armee umfaßt, kostet, darauf verwendet werden. Allein die 8000 Pferde, deren die Artillerie bedarf, sind zu einer Million Thaler zu veranschlagen. ES war unstreitig ein sehr gefährliches Ding einen so ungemeinen Kredit wie die 18 Millionen im voraus zu bewilligen, und es nachher rein von der persönlichen Ansicht der Minister abhängig zu machen, ob die wirkliche Verausgabung erfolgen solle.

Deutschland.

Mainz, 3. Juni. Mit der freudigsten Anerkennung müssen wir die große Aufmerksamkeit erwähnen, welche in jüngster Zeil von unserem Ministerium der Hebung deS materiellen Wohlstandes Rheinhessens zugewendet wurde. Wie sich diese anerkennenswerlhe Sorge für das Wohl unserer Provinz schon bezüglich des letzten RefkriptS in Betreff der Eisenbahnangele­genheil zeigte, so werden auch,? wie wir auS sicherer Quelle wissen, baldigst von Seilen der großherzoglichen Regierung die schon längst erwarteten endlichen Bestimmungen über den hie­sigen Winterhafen, wie über Herabsetzung des Brückenzolls erfolgen.

Vom Rheine, 3. Juni. (K. Z.) In Betreff der Ermäßi­gung der Rheinzölle sind seit einiger Zeit wieder lebhafte Un­terhandlungen mit den betreffenden Uferstaaten im Gange, bei welchen, wie wir hören, namentlich Preußen bestrebt ist, end­lich in dieser so wichtigen Verkchröfrage eine den Zcilbedürf« wissen entsprechende Reform zu erwirken. Es wird wahrschein­lich eine Verständigung in so fern erfolgen, daß vorläufig die bis jetzt bestehenden Flußzölle um die Hälfte herabgesetzt werden.