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Berlin, 30. Mai. In einem Briefevom Alsener Sunde", der aus denHamburger Nachrichten" u. A. auch in die Deutsche ReichSzeitung" übergegangen ist, wird die Frage aufgeworfen, ob nicht einer der geheimen Artikel zur Waffen« stillstandskonvention vom 10. Juli v. I. den Dänen ausdrück­lich freigegeben habe, die Schanzen zu zerstören. Die Seelen­ruhe, mit welcher die preußische Regierung die Zerstörung der Düppeler Schanzen und nenervingS einen ähnlichen Bruch des Waffenstillstandes mit ansah , macht es um so nothwendiger, jene Frage zu erledigen, da die geheimen Artikel, wie schon einmal angcveutet, daS Beste an dem ganzen Bertrage sind und Dänemark mehr Ursache halte, sie zu verschweigen, als Preußen. Im ersten dieser Artikel verpflichtet sich Dänemark, das Herzogthum Holstein ungefährdet zu lassen und im Kampfe mit Schleswig keiner fremden Intervention sich zu bedienen, dagegen Preußen verpflichtet sich, bei ausbrechendcm Kriege zwischen Schleswig und Dänemark seine Offiziere zurückzube­rufen und die Rechte des deutschen Bundes in Holstein wahrzu« nehmen. Der zweite Artikel bestimmt, daß für die Dauer der Konvention die holsteinischen Schiffe unter deutscher Flagge fahren dürften. Gemäß dem dritten Artikel, der von Wichtigkeit werden konnte, wenn Bayern mit seiner Nichtanerkennung des Waffenstillstandes Ernst machen, und wenn der ReichSverwefer sich der Herzogthümer .annehmen wollte, hinderte das Verbleiben von 3000 Mann Reichslruppen die Geltung des Vertrags nicht; eiue jede größere Anzahl machte Denselben nichtig. Im Artikel 4 ist der Landesverwaltung die Residenz angewiesen. Endlich der fünfte und letzte der^geheimen Artikel betrifft den Herzog von Augustenburg. DieS ist der wesentliche Inhalt der geheimen Artikel. Ueber den ersten war bereits genug transpi- rirt; die vier übrigen sind entweder antiquirt oder ohne Bedeutung. Es geht aber daraus hervor, daß Preußen in Ansehung der Schanzen eben so wenig eine schimpfliche Ver­abredung eingegangen ist, wie mit Bezug aus dieGefion."

Berlin, 30. Mai. Der Prinz von Preußen in Gegen­wart mehrerer Staatsmänner soll kurz vor seiner Abreise nach Warschau folgende Aeußerung gethan haben:Ich gehe nach Warschau, um Den Kaiser von Rußland, der bisher einen dem un­sern ganz diametral entgegengesetzten Weg verfolgte, dahin zu bestimmen, seine Politik zu ändern und die Ansichten Preußens zu Den seinen zu machen. Ich hoffe, daß mir dies gelingen wird. Aber, wäre es auch anders, so würde Preußen nichts­destoweniger den Weg verfolgen, den es betreten hat, ohne sich durch entgegengesetzte Absichten beirren zu lassen."

Berlin, 1. Juni. (D. Z.) Heute sollte die Unions- Regierung eingesetzt werden. Die Verzögerung ist nur dadurch zu erklären, daß noch nicht alle Mitglieder des Fürsten-Kolle- giums ernannt sind. Die Ernennung wird in den letzten Tagen erwartet. Unterdessen erhält der Verwaltungsrath dieKon, tinuitäl der Union".

Für die Armirung der sächsisch-schlesischen Festungen ist schon eine halbe Million verausgabt. Es wird aber höchstens eine Demonstration damit bezweckt, und Diese Dürfte kaum gegen Oesterreich gerichtet seyn. Auch sind die 18 Millionen zu die­sem Zwecke nicht verlangt worden, wenn auch vielleicht bewil­ligt. Wer hier halbwegs weiß, wie die Sachen stehen, der zuckt die Achseln über die Eventualität eines Krieges zwischen Preußen und Oesterreich.

Berlin, 2. Juni. DaS neueste Bulletin über das Befin­den Sr. Maj. des Königs lautet: Se. Maj. der König haben in der vergangenen Nacht ruhig geschlafen, obgleich während derielben ein leichter Gichtanfall am Ballen des rechten Fußes zur Entwickelung gekommen ist. Der Zustand der Wunde ist in jeder Beziehung zufriedenstellend.

Berlin, 2. Juni. Die Ernennungen zum Fnrsten-Kol, leglum sind zum bei Weitem größten Theile eingetroffcn. So für die Hansestädte, Braunschweig, Oldenburg, die thüringischen Herzogthümer, für Nassau ic., Baden ist noch im Rückstände. Unter den Ernannten befinden sich Nollpracht, Mosle, Banks, Liebe, Seebeck. Natürlich fungirt für die beiden Letzteren ein Stellvertreter , so lange sie in Frankfurt sind. Für Seebeck fungirt Plötz. Die beiden Hessen haben noch keine Erklärung abgegeben; eg scheint aber, daß sic ihre Stimmen im Fürsten- Kollegium nicht ruhen lassen werden, und daß ein Beschluß hierüber, namentlich in Darmstadt, nahe bevorsteht. Aus die­sem Grunde wird man hier wahrscheinlich Die Einsetzung der Unions-Regierung noch auf 6 oder 8 Tage hinauSschiebcn, um für Die Deliberationen Zeit zu lassen. ES kommt hierbei übri­

gens die nicht unwichtige Frage in Betracht, daß der besondere Unionsbestand mit Dem 1. Juni für Die Staaten aufhört, welche sich nach eigener Erklärung außerhalb der Union befin­den. So für Strelitz, das die besondere Kourloisie hat, sich an den Frankfurter Konferenzen noch immer nicht zu betheiligen, weil Preußen noch nicht da ist. Nach allem, was ich über die Frankfurter Konferenzen höre, muß ich annehmen, daß die meisten Unions-Regierungen mit Preußen sich in keiner Weise vor Erledigung Der bekannten Schwierigkeiten an denselben be­theiligen werden, und daß über deren Beseitigung in Frankfurt wird verhandelt werden. Es befinden sich im Augenblicke meh­rere Bevollmächtigte von Unions-Regierungen hier in Berlin, um mit dem zweiten preußischen Kommissar nach Frankfurt abzugehen.

Kiel, 1. Juni. (D. ZI Die Statthalterschaft hat heute beschlossen, die Wahlen zu einer ordentlichen LandeSversamm- lung nach dem Wahlgesetz vom 20. Oktober 1848 auszu­schreiben.

Breslau, 31. Mai. (Schl. Z.) Nach einer uns heute zugekommenen Mittheilung aus Myslowitz ist der österreichische Ministerpräsident Fürst Schwarzenberg gestern Abends von Warschau dort angekommen und heute früh mit dem ersten Zuge über Ratibor nach Wien abgereist. Personen, die den Fürsten in unmittelbarer Nähe zu beobachten Gelegenheit hat­ten, wollen eine große Verstimmung an ihm wahrgenommen haben und schließen daraus, daß derselbe bei Dem Kaiser Nikolaus in Warschau keineswegs die Unterstützung gefunden habe, deren Oesterreich bedarf, wenn es gegen Preußen kriege­risch vorschreiten sollte.

FrankreirÄ

Paris, 2. Juni.. Unsere Stadt ist äußerlich ruhig, ob­schon nicht zu verkennen tst, daß Die geheimen Gesellschaften neuerdings sehr thätig sind. Die Polizei hat an verschiedenen Orten Vorräthe von Pulver, Kugeln, fertigen Patronen und Substanzen zur Pulverbereitung entdeckt. Die Behörden sind benachrichtigt worden, baß seit mehreren Tagen Personen, die ihrer Kleidung nach zu schließen, dem Arbeilerstande angehö­ren, bei den Materialhänblern des Quartier des Lombards bedeutende Quantitäten von schwefel- und salpetersaurem Kali, sowie gepulvertem Zucker kaufen. Diese Substanzen bienen bekanntlich zur Verfertigung eines Pulvers, welches von viel bedeutenderer Erpansivkraft als das gewöhnliche Schießpulver ist, weßhalb man auch Den Verkauf dieser Materialen denselben Formalitäten wie die der Gifte unterwerfen will. Zum all­gemeinsten Erstaunen ist imMoniteur" bis heute das vorge­stern von der Nationalversammlung votirte Wahlreformgesetz im Namen des Präsidenten Der Republik noch nicht ver­öffentlicht, und sieht man deßhalb mit Spannung dem Er­scheinen der nächsten Nummer des Moniteurs entgegen. Da die Verkündigung bei Gesetzen , welche für dringend erklärt worden sind, binnen 3 Tagen statifinden muß, e3_ sey denn, daß der Präsident Der Republik von seinem verfassungsmäßi­gen Rechte Gebrauch machend, eine abermalige Berathung ver­langen will, so wird diese Spannung sehr erklärlich. Wenn daher morgen das Gesetz nicht publizirt wird, so ist eine Bot­schaft von LouiS Napoleon an Die Nationalversammlung zu er­warten. Vielfach wird behauptet, daß dieß geschehe, da er dem eindringlichen Zureden seiner persönlichen Freunde, Die dem Wahlgesetz entgegen sind, besonders dem ehemaligen Pair Rey de la MoScowa nachgegeben habe. Der morgen früh erschei­nende Moniteur wird diesen Zweifel lösen.

Alphonse von Lamartine hat einen Urlaub von 2 Monaten erhalten, und wird sich nach Smyrna begeben, um daselbst Besitz von den ihm von der türkischen Regierung überlassenen Gütern zu nehmen. In den ersten Tagen des Monats August wird er in Paris zurückerwartet.

Die Regierung hat beschlossen, einen Bevollmächtigten zu den Konferenzen , welche in Frankfurt eröffnet werden sollen, zu schicken.

Die nächste Berathung der Nationalversammlung wird daS Deportanonsgesetz seyn, und sind die Legitimisten sowohl, alS auch Orleauisten und Bonapartisten darüber einig, dieS Gesetz so bald alS möglich definitiv zu votiren, und wo möglich den Artikel, der die Rückwirkung desselben auf die Verurthcilten von BourgeS und Versailles verbietet, daraus zu beseitigen.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.