Einzelbild herunterladen
 

Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 130» Mittwoch den S. Juni 1850

Die Raff. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Prâniime- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgraffchaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl., in ven übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 10 fr. - Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 8 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

ragaa^sfflKMaEsaaw^awHMMMflassaSga^SSS^lpiraiaa^S^^

Uebersicht.

Amtl ich er Theil.

Dicnstnachricht.

Nichtamtlicher Theil.

Politische Ebbe.

Deutschland. Mainz (Verlegung des HostagerS). Mannheim

(Ein Verschollener. Die badischen Truppen). Baden-Baden

(Kurgäste). Freiburg (Rotteck'S Denkmal). Kassel (Besuch deS Großherzogs von Hessen). Thüringen (Eisenbahn durch das Werrathal). Dresden (Geheime Sitzungen. Auslösung der Kam­mern). M ü.nche n (Schell). Berlin (Die deutsche Frage. Auf­findung von Pechkränzen). Wien (Erzherzog Johann. Telegraphische

Signale auf Schiffen).

Schweiz. Bern (Stimmenverhâltniß. Wahl in Genf).

Frankreich. Paris (Stimmung. Einzelne Vota. Die Petitionen.

General de Barral ff).

Griechenland. Athen (Budget).

China,.(Einc angUkanisch« Kirche).

Amtlicher Theil.

Der Pfarrvikar Stöckicht zu Massenheim ist zum Pfarr­vikar zu Freiendiez ernannt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Politische Ebbe

(Schluß.)

Fügt sich die preußische Regierung der Entscheidung des Frankfurter Kongresses, dann hat bas deutsche Volk wieder ein­mal vergebens gehofft, vergebens gerungen; dann war das Temporisiren das aUmâhlige Rückwârtsschreiten der preußischen Regierung ein planmäßiges, um die Thätigkeit deS Frankfurter Kongresses in keiner Weise und in Vorhinein zu hemmen, um sich gegen gerechte Vorwürfe hinter einen MajoritätSbe chluß fluchten zu können.

Tritt Preußen aus dem Bunde oder begnügt es sich, die Kompetenz deS Frankfurter Kongresses und die RechtSbeständig- kctt des Bundesdeschlusses zu bestreiten, dann erscheint diese Maßregel nur als eine verspätete und zwecklose, dann versucht die preußische Regierung einen Schritt, der nur, wenn er früher unternommen worden wäre, Aussicht auf Anerkennung und Erfolg gehabt hätte.

Wäre Preußen auf seiner Weigerung, den Frankfurter Kongreß zu beschicken, bestanden, hätte Preußen nach Annahme der Erfurter Unionsverfassung gleich die UnionSregierung ein­

gesetzt , dann hätte eS mit dieser vollendeten Thatsache den Restaurativnsgelüsten der verbündeten Regierungen entgegentre- ten können. Damals hätte Preußen noch die Mehrzahl wenn nicht die Gesammtheit der Unionsfürsten und die Sympathicen eines großen Theiles des deutschen Volkes für sich gehabt. Seine Stellung wäre eine weit günstigere gewesen. Jetzt hat Preußen den Rechtsboven verlassen, auf den es sich den verbündeten Regierungen gegenüber gestellt; jetzt wird sich ein Unionsfürst nach dem andern von Preußen und der in der Luft schweben­den Union zurückziehen, weil ihnen der neu entstehende Bun­destag denselben Rückhalt und nebstbei größere Garantiern für die Erhaltung ihrer Souveränitätsrechte bietet, und von den Sympathieen des Volkes bleiben der preußischen Regierung höchstens jene der Kreuz- und neuen preußischen Zeitung und die der unwandelbaren ukkermärkischen Royalisten.

Der Beschickung des Frankfurter Kongresses durch Preußen läßt sich wohl noch eine andere Seite abgewinnen.

Die preußische Regierung hat nämlich in ihrer letzten Note an daS Wiener Kabinet sich zur Beschickung des Frankfurter Kongresses in der Hoffnung bereit erklärt, möglicherweise eine Verständigung mit Oesterreich herbeizuführen.

Wie viel Aussicht auf eine solche Verständigung vorhan­den ist, beweisen die neuesten Wiener Nachrichten, nach de­nen Oesterreich entschlossen ist, bei Gestaltung bes Proviso- rtüms wie des DefinitivumS von den Grundzügen der Mün­chener Uebereinkunft nicht abzuweichen, und ver Brief deS Königs von Preußen an den Kaiser von Rußland, worin vie­ler erklärt, daß eine Verständigung zwischen Preußen und Oesterreich so lange erschwert sey, als die gegenwärtige Poli­tik Schwarzenbergs, welcher dem Programm von Kleinster zuwider eine staatliche Konzentration Deutschlands hindern will, von österreichischer Seite verfolgt werde.

Diese Verständigung würde auch, abgesehen davon, daß sie die Gefahr eines vielleicht drohenden ernsten Zerwürfnisses beseitigt, zu einem wünschenswerthen Resultat nicht führen.

Oesterreich will den Bundestag, Preußen den Bundes­staat ; die Verständigung müßte zu etwas drittem in der Mitte zwischen beiden Strebepunkten liegendem führen, und kann da­her unseren gerechten Erwartungen nicht genügen.

Wenn Preußen seinem Ausspruch: der alte Bund ist er­loschen, nur Berathungen und Unterhandlungen, und keine energisch durchgreifende Maßregel, keine rettende That folgen läßt, dann ist wohl nicht zu erwarten, daß die Unionsidee zu einer Wahrheit werde.

Wenn andererseits Oesterreich die wesentlichen Bedingun­gen deS alten Bundes für unanwendbar hält, so fragt'sich, worin sollen und werden die zeitgemäßen Aenderungen be­stehen , die uns dadurch in Aussicht gestellt werden?

Die Antwort ist leicht; sie ergiebt sich von selbst aus den einzelnen Noten, aus der Zustimmung zur Münchner Ueber­einkunft. Den Regierungen steht Oesterreich aus dem diploma­tisch-praktischen, den Völkern gegenüber auf dem metaphy­sisch-theoretischen Standpunkte. Beide Standpunkte find spekulative.

Wo die Bevollmächtigten von Holland und Dänemark millagen, da ist wohl eine den Forderungen deS deutschen