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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M ALS. Dienstag den L. Juni 1830«

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Prânnme» rationSpreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogtbumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgraffchaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 3 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. (O fr. - Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit iS fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Politische Ebbe.

Deutschland. Wiesbaden (Mord). Koblenz (Denkmal für Görres). Münster (Landwehrartillerie. Temme). München (Schell). Schwerin (Militärkonvention). Hamburg (Formelle Auslösung der Konstituante). Kiel (Aenderungen im Ministerium. Endbedingungen Dänemarks). Posen (Prinz Adalbert). Wien (Medem. Die Ligorianer. Graf Stadion).

Schweiz. Zürich (Radehky's Rücktritt).

Dänemark. Kopenhagen (Proklamation des Königs. General Krogh). Frankreich. Paris (Endabstimmung über das Wahlgesetz. Verhaf­tungen. Tumulte).

Italien. Neapel (Sinnreiches Mittel zur Abschaffung der Repräsentativ- regierun/. .. ... _ ____ _

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Politische Cbbe

O Wiesbaden, 30. Mai. Preußen hält den alten Bund in der Hauptsache für erloschen; Oester­reich in den wesentlichen Bestimmungen aus die jetzigen Verhältnissen u n a n w e n d b a r.

, ®° schreibt ein Korrespondent der Augsburger allgemeinen Zeitung über die Stellung der beiden Großmächte zum Frank­furter Kongreß. Diese beiden Ansichten sind die einzigen Ven­tilatoren für die noch zu hoffende Bewegung. Beide stellen Veränderungen in Aussicht; beide lassen erwarten, daß wir dem allgemein gefürchteten Loose der Wiederherstellung des alten Bundestages entgehen.

Wenn wir aber die Sache näher ins Auge fassen, so ist bei der jetzigen Gestaltung der Dinge wenig oder gar nichts von diesen Offenbarungen der beiderseitigen Kabinctspolitik, von , diesen sichtbaren Zeichen einer unsichtbaren Gewalt zu gewärtigen. °

- . Preußen hält den alten Bund in der Hauptsache für er­loschen. Eine nothwendige Folge bei dem in beständiger Fort­entwicklung befindlichen StaatSleben, und bei den vorwârts- Ereignissen ist daher, daß etwas anderes an die Stelle des alten Bundes gesetzt werden muß.

« ^I'ußen trug wohl bisher den Zeitverhältniffen die meiste stellte, ehe noch eine Regierung daran dachte, in der deutschen Sache einen Schritt vorwärts zu thun, S V-rfaffungsentwurf auf; dieser wurde, obwohl B bekannten königlichen Botschaft nicht unähnliche Kationen des VerwaltungSrathes abermals bedeutend ,2 ^V T be'den Häusern berathen und ange- und nun üiBerlln von den versammelten Unions- H ^nehmigt. Die Durchführung der Unionsverfassung doch aufgeschoben bleiben, da eine Uebereinstimmung der UmonSglieder außer bei Verabreichung gemeinschaftlicher Trinkgelder an die Hofbeamten und die Dienerschaft nicht zu Protokolle über den Fürstenkongreß, welche W ^ ^""'^ war, veröffentlicht sind enthalten wenig, was den Erwartungen und Wünschen jener entspräche, die

noch treu an der Unionsidee festhälten und in dieser den ersten Schritt zur Einheit sehen.

Zu irgend einem Resultate in dieser Richtung hin ist eS daher noch nicht gekommen, cS müßten denn die Reservatartikel der Protokolle, oder die ebenfalls nicht veröffentlichte, bei Ent­lassung deS Fürstcnkongresses gehaltene Schlußrede veS Königs von Preußen, auf welche von den Unionsorganen ein beson­deres Gewicht gelegt wird, Andeutungen enthalten, geeignet, die gesunkene Hoffnung wieder zu beleben. Darüber muß uns die Zukunft belehren.

So viel ist gewiß, daß Frankfurt nicht der Ort ist, wo Preußen seine Pläne realisiren, wo Preußen seinen Verheißun­gen Nachkommen kann. Wir wollen nicht so weit gehen zu behaupten, daß Preußen durch Beschickung des Frankfurter KongreffeS sich,-selbst Vie Hände gebunden habe, oder seinen Versprechungen und der übernommenen Führerrolle untreu geworden sey. Wir sprechen nur die Besorgniß auS, daß Preußen dadurch, daß es Vie Rechte des Bundes, deS in Frank­furt nun tagenden Repräsentanten der alten Ideen, durch die Mitbeschickung anerkannt hat, sich auch den Konsequenzen un­terworfen habe, die auS dieser Anerkennung sich ergeben.

Eine der wichtigsten Konsequenzen der Milbeschickung deS Frankfurter Kongresses ist die, daß Preußen sich der Majorität deS Bundesplenums fügen muß.

Eine gemeinschaftliche Vertretung der Unionsfürsten auf dem Frankfurter Kongreß wurde nicht erzielt, ein gemeinsames Zusammenwirken derselben läßt sich nicht erwarten. Wenn Preußen gleichwohl. den Frankfurter Kongreß als etwas ganz unerhebliches, bei Entscheidung der deutschen Frage gar nicht in Betracht zu ziehendes ansieht, und dieß dadurch bethätigt hat, daß es sich auf demselben nur durch Staatsmänner zwei­ten RangeS vertreten läßt; das Faktum der Mitbeschickung läßt sich dennoch nicht wegläugnen. Wurde auch das Recht Oesterreichs einseitig eine Präklusion festzusetzen, bestritten, so wurde durch die dennoch erfolgte Betheiligung am Kongreß das Recht desselben anerkannt, in Sachen des deutschen Bun­des , der Neugestaltung unseres Vaterlandes ein entscheiven- des Votum abzugeben.

Der Frankfurter Kongreß hat eine den Bestrebungen Preu­ßens direkt entgegenstehende Tendenz. Sein oberstes Prinzip ist die Aufrechterhaltung der Verträge vom Jahre 1815 und allenfalls die zeitgemäße Abänderung einiger unwesentlichen Punkte deS früheren Vertragsverhältnisses.

Die Bestrebungen Preußens sind in erster Linie dahin ge­richtet gewesen, ganz Deutschland mit Ausschluß Oesterreichs, dann der holländischen und dänischen Besitzungen in einen Bundesstaat zu vereinigen ; in zweiter Linie mit den der Union treugebliebenen Fürsten sich als Bunvesstaat zu konstituiren, und als selbstständiger Staatskörper dem weiteren Bunde bei­zutreten, und sohin eine Regelung des quantitativen Stimm- verhältniffes mit Rücksicht auf dieses neu entstandene BundcS- glied zu erwirken.

Läßt sich nun die preußische Regierung, bevor der engere Bund sich gebildet hat, mit dem Frankfurter Kongreß in Un­terhandlungen über Deutschlands Neugestaltung ein, so setzt sie sich der Eventualität auS, daß die Bildung deS neuen