Dem hiesigen Disziplinarhofe ist eine wichtige Prinzipien- age zur Entscheidung vorgelegt worden. Er soll nämlich nen Ausspruch darüber fällen, ob gegen Staatsbeamte, welche >n dem Schwurgreicht von der gegen sie erhobenen Anklage eigesprochen worden sind, eine Disziplinaruntersuchung nach- äglich eingeleitet werden könne. Der Staat sieht sich zur rhaltung eines zuverlässigen Beamtenstandes in die Lage ver- yt, sich gegen die beim Schwurgericht obwaltenden Zufällig- iten zu schützen.
In Bezug auf die gegen die Presse der Umsturzpartei zu greifenden Maßregeln erfahren wir, daß diese Maßregeln sich ach auf Bestimmungen der Gewerbeordnung stützen werden, onach Druckern und Herausgebern, die sich offenbaren Miß- cauchs ihres Gewerbes schuldig machen, die Betreibung deS lewerbeS entzogen werden kann.
Berlin. Die Untersuchung gegen Sefeloge hat bis jetzt archauS kein Resultat ergeben, was zu dem Schlüße berech- gt daß er daS Werkzeug eines Komplottes gewesen sey. So ersichert die Lilh. Korresp. In der „Gerichtszeitung" lesen âr: Bei der in dem Zimmer deS Sefeloge gehaltenen Nach- lchung wurde eine Quantität von etwa einem halben Pfund tulver in einem Pulverhorn, eine Quantität Blei, eine bis ar Hälfte geladene Pistole von überaus grobem Kaliber und 0 Schießscheiben eigenthümlicher Vorrichtung gefunden. Alle iese Scheiben sind durchschossen und zwar finden sich die leisten Schüsse in der Gegend des darauf bezeichneten Herzens, lußerdem wurde nichts Verdächtiges, namentlich aber keine japiere, die auf eine verbrecherische Verbindung Mehrerer deu- eten, vorgefunden.
Berlin. Der Breslauer Zeitung wird von hier eine Verfügung des protestantischen Oberkonsistoriums in Bayern, ie deutsch-katholischen und frei-evangelischen Gemeinden betreffend, mitgetheilt, nach welcher erklärt wird: ) daß die evangelische Kirche in Bayern mit ihnen in Glau- enSgcmeinschaft nicht stehen kann; 2) die von ihnen vollzogene raufe auch als eine christliche Taufe nicht anerkannt werden önnte, sondern eS muß eine solche erst an Denen vollzogen verden, welche, in den genannten Gemeinden getauft, später ur evangelischen Kirche übertreten wollen; 3) daß die Glieder liefet Gemeinden auch bei der Taufe eines der evangelischen kirche angehörigen Kindes als Pathen nicht angenommen verden können.
Glatz, 28. Mai. Nach einem gestern begonnen und heute Norgen beendeten Festungsmanoeuvre, wobei ein Theil der Wälle der westlichen Front der Hauptfestung und deS Schäfer- serges gegen den gewaltsamen Angriff armirt wurde und wo, mit ein Feldmanoeuvre in Verbindung stand, das sich bis in die Gegend von Birkwitz und Bischkowitz auSdehnte, hat sich diese Friedensübung plötzlich in eine für den Ernstgebrauch verwandelt. Es ist nämlich diesen Morgen an den Kommandanten der unerwartete Befehl ergangen, die Festung sofort gegen den gewaltsamen Angriff zu armiren. Artilleriemannschaften, welche bereits den Marsch nach Breslau angetreten hatten, um bei den Vorübungen zur Schießübung, welche im Juli stattfinden sollte, verwendet zu werden, wurden durch reitende Ordonnanzen wieder zurückgerufen. Die Geschütze, welche für den Zweck des FestungSmanoeuvrcs auf die Wälle gebracht worden waren und heute wieder fortgeschaffl werden sollten, blieben nun auf ihren Plätzen. Wir sahen schon heute Nachmittag, die Artillerie in Verbindung mit Infanterie äußerst thätig und die verschiedenen zur Armirung nothwendigen Geschäfte auSführen.
Neisse, 28. Mai. (Schics. Z.) AuS zuverlässiger Quelle kann ich mittheilen, daß heute der Befehl zur Armirung der hiesigen Festung eingetroffen ist und ungesäumt mit der Ausführung der dazu nothwendigen Maßregeln vorgeschritten wird. Gleichzeitig hat die Abtheilung des 6. Artillerieregiments, die übermorgen nach Breslau zum Manoeuvre marschiren sollte, plötzlich Kontreordre erhalten, und wird diese Uebung hier stattfinden. Es dürfte wohl demnächst die Mobilmachung deS 6. Armeekorps erfolgen.
Liegnitz, 26. Mai. (D. Z.) Gestern wurde in der Versammlung der hiesigen Stadtverordneten der Antrag gestellt,
an den König in Veranlassung des Attentats eine Adresse zu richten. Die große Majorität der Anwesenden stimmte durch Sitzenbleiben dagegen l
Wien, 27. Mai. (D. Z.) Der Großherzog von Toskana ist gestern mit seiner ganzen Familie in Schönbrunn an, gelangt.
Frankreich
Paris, 30. Mai. (K. Z.) Die „Patrie" bringt gestern Abends die Nachricht, daß der Kaiser von Rußland sofort, nachdem er den Abschluß der englisch-griechischen Differenz erfahren , seinen Gesandten in London, den Hrn. v. Brunow, zurückgerufen habe. Der betreffende Kourier sey laut seiner Ordre in Paris angekommen, um seine Depeschen dem hiesigen russischen Gesandten mitzutheilen, der dann nach den Umständen dieselben anhalten oder weiter befördern solle. Sie können diese Nachricht als offiziell annehmen, indem, wie ich weiß, die „Patrie" dieselbe aus dem russischen Gesandschafts- Hotel selbst hat, und füge ich noch hinzu, daß der Baron Kiffeleff eine längere Unterredung mit dem Minister deS Auswärtigen Lahitte und Hrn. Drouyn de L'huys hatte und darauf sich entschlossen hat, die Depesche zurück zu halten, von der beabsichtigten Uebermittelung derselben dem Lord Palmerston aber Kenntniß zu geben.
Paris, 30. Mai. (O.-P.-A.-Z.) Das Gerücht, der Prä- sident der Republik werde das Wahlgesetz nicht genehmigen, erweist sich als völlig grundlos. Er hat gestern den Führern der Mehrheit bei einem Diner im Elysee erklärt, daß er sich dem Votum über das Wahlgesetz anschließen werde. Zugleich hat er seinen Plan, sich nach St. Quentin zur Eröffnung der Eisenbahn zu verfügen, aufgegeben, weil eine Petition auS dieser Stadt gegen daS Wahlgesetz der gesetzgebenden Versammlung überreicht wurde, welche auch der Kommandant der Nationalgarde dieser Stadt unterschrieben hatte.
Die Polizei hat so eben wieder zwei wichtige Funde ge- macht, welche beweisen, daß die Rothen den Gedanken an thätigen Widerstand keineswegs vollständig aufgegeben haben, svn- dern sich für alle Fälle fortdauernd rüsten. Eben erst entdeckte sie eine geheime Waffenschmiede am Boulevard Montparnasse und eine geheime Pulverfabrik in Faubourg St. Martin. Jene Entdeckung führte zu der Verhaftung deS Waffenschmiedes, während auf Anlaß des letzteren Fundes nicht weniger als 50 Personen verhaftet wurden, worunter sich mehrere ehemalige Abgeordnete vom Luxembourg (Partei LouiS Blancs) befinden sollen. Dieselben sind nach der Polizeipräfektur gebracht worden.
Amerika.
Vereinigte Staaten. Große Sensation macht die Nachricht der (angeblich cingeweihten) „New York Sun“, daß die neue Expedition zur Rev o lu tionirung Cub a'S von Neu-Orleans wirklich gesegelt sey, und daß die nächste Havanapost wahrscheinlich „die Landung der Patrioten, und den Beginn des Unabhängigkeitskampfes" melden werde. Wirklich hat der spanische Konsul in Neu-Orleans 6000 Dollar für Miethe eines Steamers geboten, um Depeschen nach Havana zu bringen aber er konnte nur einen schnellen Schooner bekommen. Auch telegraphische Nachrichten aus Neu-OrleanS melden, daß die Invasion gegen Cuba vollkommen vorbereitet ist und die ganze Flotte mit 6000 Mann , wohl mit Geld, Waffen und Führern versehen, segelfertig bei Point-Rendez- vouS liege.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an i jedem Werktage, Nachmittags um 3 Uhr, ausgegeben oder kann im Expeditionslokale abgeholt werden.
Die Expedition der Nass. Allg. Leitung.