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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 128. Montag den 3 Juni 1850»

Dritte Ausgabe.

Uebersicht.

Deutschland. Stuttgart (Die Landesversaminlung über den Protest der Standeshcrrn). Dresden (Nene Todesurtheile). Magde­burg (Rechtsfall). Berlin (Die Bedeutung der Rüstungen Preußens. Maßregeln gegen die Presse. Die Untersuchung gegen Sefeloge. Ver­fügung des protestantischen Oberkonststoriums in Bayern in Betreff der Deutschkatholiken). Glatz und Neisse (Armirung der Festungen).

Liegnitz (Keine Adresse an den König).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Amerika. Vereinigte Staaten (Die Expedition nach Cuba).

DeutschLauS

Stuttgart, 31. Mai (D. Z.) Der bekannte Protest der Standesherrn und die eben so bekannte Aeußerung des Mini­sters der auswärtigen Angelegenheiten, Freiherrn v. Wächter- Spittler, daß der deutsche Bund noch fortbestehe, standen auf der heutigen Tagesordnung. Man hat eine lebhafte Sitzung erwartet, die Gallerten waren dicht gefüllt und die Sitzung verlief in schönster Ruhe und Eintracht und endigte, da beim gänzlichen Mangel von Gegnern nicht einmal alle eingeschrie­benen Redner sprachen, sehr bald mit der dem Wesen nach einstimmigen Annahme der Anträge der Verfassungskommission. Um vom Gang der Verhandlung noch etwas anzuführen, ist Vor allem zu erwähnen, daß kein Minister derselben anwohnte, wohl, wie Römer köstlich bemerkte, weilmit Schweigen sich verredt Niemand". Römer und der Berichterstatter Reyscher sprachen ihr gerechtes Staunen über diesen Umstand aus. Die Erklärung dürste einfach seyn: Wächter würde anders sprechen «' Schlayer und Schlayer anders als Wächter, und die Zeit, daß ein Zwiespalt öffentlich werden darf, ist vielleicht noch nicht gekommen. Darauf deutet auch ein königliches Reskript, welches dem Willeu der Landesversammlung, blos ein zwei- statt eines dreijährigen Budgets zu berathen, die Zustimmung versagt, die Versammlung aber anweist, die EtatSberathung anzufangen, denn die Verfassungsberalhung sey jetzt in der Lage, daß die Minister an der weitern Debatte sich nicht be­theiligen können. Also keine Auflösung, denn über die Frage der StandeSherrn soll eS so wenig jetzt als auf der Dezem. berversammlung zum Bruch kommen.

Dresden, 29. Mai. (D. Z.) Abermals sind Todesurtheile gesprochen und zwar gegen den Kaufmann Lange jr., den Stubenmaler Anders und den HandlungSviener Krahn von Dresden, sowie gegen den Handlungsdiener Wolf auS Braun­schweig. Ein Ziegeldecker Biedermann auS dem Reußischen ist zu lebenslänglichem Zuchthaus verurtheilt.

. Vor wenig Tagen kam in der öffentlichen Sitzung deS Kriminalgerichts zu Magdeburg ein Fall zur Verhandlung, bei dem viel gelacht wurde. Ein dortiger Kaufmann hatte sich nämlich im Verlaufe des letzten Winters zweimal in der Uniform eines preußischen Landwehr-OffizierS dem Publikum projenhrt und gegen zwei Offiziere, die ihn deßhalb befragten, auch zu behaupten gewagt, er sey Offizier bei dem 26. Regi­

ment. Die deßhalb erhobene Anklage nun veranlaßte jen Verhandlung. Der Angeklagte behauptete nämlich die von ihr getragene Uniform sey keine preußische, sondern ein Phanlasit Kostüm gewesen, und er habe sie getragen, weil ein Waf f e n r o cf für ben Winter daS wärmste Kleidungs stück sey. Eine nähere Erörterung dieser Vorzüge hielt de Gerichtshof nicht an der Stelle, verurtheilte vielmehr den An geklagten wegen ungebührlicher Anmaßung deS Charakters eine« preußischen Offiziers au S Eitelkeit zu 20 Thaler Geld­event. vierzehntägiger Gefängnißstrafe.

Berlin, 30. Mai. (O.-P.-A.-Z.) Die Rüstungen Preu ßenS haben daS hiesige diplomatische Korps in Bewegung ge setzt. Von allen Seiten wird unser Minister der auswärtiger Angelegenheiten, Herr v. Schleinitz, um Auskunft wegen bei Zweckes dieser Rüstungen angegangen. Den Grund der stungen glauben wir dahin angeben zu können, daß Preußer bei dem gegenwärtigen Stande der auswärtigen und deutschen Verhältnisse für alle* Fälle gesichert sein will. Namentlich if eS die in letzter Zeit von Oesterreich angenommene Stellung, welche Preußen veranlaßt, von dem Vortheil, welchen ihm bis Organisation seines Heeres bietet, Gebrauch zu machen. Ent­schieden wird Preußen aber an dem Grundsätze festhalten, nicht anzugreifen, da eS nicht zuerst deutsche Waffen gegen deutsche Waffen gekehrt haben will. Ebenso fest ist aber auch entschlossen, jedem feindlichen Vorschreiten gebührend zu begegnen. Die preußische Volksvertretung hat für solche Fälle unserm Ministerium die Mittel bewilligt. Letzteres wird daher auch eine Stellung einnehmen, wie es sie, dem Lande gegenüber, verantworten kann. Den Vorwurf, trotz der be­willigten Mittel das Land Angriffen Preis gegeben zu haben, will unser Ministerium nicht auf sich laden. Bei den gegen­wärtigen Rüstungen ist die Aufmerksamkeit namentlich auf unsere Artillerie gerichtet, da die Mobilmachung derselben län­gere Zeit erfordert. Das übrige Heer wird bei den vortreff­lichen Einrichtungen binnen 14 Tagen schlagfertig dastehen kön­nen. Auf diese Weise sieht Preußen, auf alle Fälle vorberei­tet, der Entwickelung der deutschen und auswärtigen Verhält­nisse mit Ruhe entgegen.

Von Warschau ist die Nachricht hier eingegangen, daß der Flügeladjutant unsers Königs, Hr. v. Manteuffel, auf das freundlichste vom Kaiser von Rußland empfangen worden sey. Wir haben in unserm letzten Schreiben darauf hingewiesen, daß Hr. v. Manteuffel eine Eröffnung Preußens in Betreff der deutschen Angelegenheit dem Kaiser überbracht hat. Mit dieser Eröffnung, die keinen Zweifel über ben von Preußen in dieser Angelegenheit eingenommenen festen Standpunkt übrig läßt, war Hr. v. Manteuffel dem Prinzen von Preußen, wel­chem die weitere Darlegung übertragen ist, bereits nach Warschau vorausgeeilt. Die Aufnahme deS Hrn. v. Manteuffel beim Kaiser ist hier mit Befriedigung vernommen worden. Der Wunsch Preußens an Rußland geht namentlich auch dahin, daß im Falle eines ernstlichen Zusammenstoßes der beiden deutschen Großmächte Rußland sich aller Einmischung oder Be­günstigung der einen oder andern dieser Mächte enthalten möge, damit kein europäischer Krieg entzündet werde.