Uhr AbendS. Se. Maj. der König haben auch in dieser Nacht ruhig geschlafen. Kein Fieber. Die Reinigung des Schußkanals hat begonnen; Anschwellung und Empfindlichkeit sind nur noch in der nächsten Umgebung desselben bemerkbar. 30. Mai, 10 Uhr Morgens.
Berlin, 28. Mai. In Betreff des Attentats auf den König bringt die Wehr-Zeitung über Die Umstände, welche unmittelbar auf das Verbrechen folgten, einiges Detail. So erzählt sie: 21(3 der Prinz Avalbert in dem Verhörzimmer erschien, sank der bis dahin ruhig und gefaßt scheinende Sefeloge zerknirscht auf die Knie. Auf die Frage eines der Schutzmänner, was ihn zu der grausamen That veranlaßt? antwortete er: Man hat mich zu sehr maltrailirt! (Welcher Vorgesetzte in der Armee, fragt hier das militärische Blatt, kennt diese Klage aller schlechten Subjekte nicht?) Kaum in das Wachtzimmer der Eisenbahn-Polizeimannschaft geschleppt, erzählt Die Wehr-Zeitung ferner, noch halb bewußtlos von den Mißhandlungen, die eine verzeihliche, aber unkluge und übereilte Volksjustiz an ihm verübt, rissen die Konstabler dem Verbrecher die Uniform mit den Worten herunter: „Ein solches Scheusal ist nicht werth, die Uniform des Königs auch nur einen Augenblick länger zu tragen! UebrigenS urtheilt dieses Blatt mit soldatischer Besonnenheit. ES erklärt, sich alles Kombinirens über das Vorhandenseyn politischer Motive enthalten zu wollen. „Wir wollen das Ergebniß der Untersuchung abwarten, um auch gegen den offenkundigen Verbrecher nicht ungerecht zu seyn", eine Besonnenheit und Zurückhaltung, die sich die Kreuzzeitung und die Deutsche Reform zum Muster nehmen sollten. Wenn es wahr wäre, was behauptet wird, daß die Wehr-Zeitung als daS Organ des Prinzen von Preußen angesehen werden dürfe, so würde diese Art, sich über den politischen Charakter des Ereignisses zu äußern, erfreuliche Konsequenzen gestatten.
Schleswig-Holstein, 27. Mai. DaS General-Kommando hat folgende Bekanntmachung erlassen: Um entstandene Mißverständnisse zu heben, macht das General-Kommando hiermit bekannt, daß deutsche Offiziere aller Waffen noch immer in die schleswig-holsteinische Armee ausgenommen werden können, falls sie hinreichende Atteste über ihre Führung und über ihre Brauchbarkeit beibringen. ES wird dabei darauf aufmerksam gemacht, daß Generalstabs- und Ingenieur-Offiziere verhält- nißmäßig unter den vortheilhaftesten Bedingungen angestellt werden. Die geehrten Redaktionen der deutschen Zeitungen werden um weitere Verbreitung deS Obigen ergebenst gebeten. Hauptquartier Kiel, den 27. Mai 1850. DaS General-Kommando der schleswig-Holsteinischen Armee.
Breslau, 29. Mai. (Tel. Dep. d. D. R.) Heute Abend gegen 10 Uhr ist das Verdikt der Geschwornen gegen die Maiangeklagten ergangen; und gegen etwa 40 ist das Schuldig ausgesprochen. Schlehan, Semrau, Close, Eisner sind wegen Erregung von Aufruhr, resp. Versuchs dazu, für schuldig erklärt, Stein ist dagegen für nichtschuldig erachtet.
Breslau, 27. Mai. Gestern Abends kam der Prinz von Preußen in Begleitung des Prinzen Friedrich Karl auf der Durchreise nach Warschau hier an. Die Mittheilung der „Schl. Ztg." über die vom Prinzen von Preußen bei dem Empfange gethanen Aeußerungen lautet folgendermaßen: „Der Prinz von Preußen äußerte sich über die ihm erwiesene Aufmerksamkeit in einigen freundlichen Worten. Seine Stimme wurde indeß bald eine sehr ernste, als er, in Bezug auf die von dem Bürgermeister Bartsch ausgesprochene Kondolenz über daS schaudervolle Attentat, der Stimmung und der Leiden des Königs gedachte. Er ehre, sagte er, die Gesinnung, die er hier finde. Se. Majestät hätten vielen Schmerz zu leiden. Gern würden sie aber diesen Schmerz ertragen, könnten sie dadurch Die Schmach von Preußen abwenden. Ja, mit der Gesinnung wäre eS jetzt nicht abgethan. Thaten müßten jetzt gezeigt werden. Es komme eine Zeit schwerer Prüfung. Dinge würden offenbar werden, von denen man sich keine Vorstellung gemacht habe. Darum müsse jetzt gehandelt werden, und man werde handeln. (Schl. Z.)
Wien, 28. Mai. Aus der melniker Gegend wird uns ein trauriges Beispiel der Volksjustiz gemeldet. Ein Gauner aus der Gegend hat in der Nacht vom 17. bis zum 18. Mai i. I. in dem Orte Bosin eine Kuh entwendet und dieselbe
etwa eine Stunde von Melnik in dem Walde Chlomek geschlachtet und das Fleisch auf einem Schubkarren nach dem Orte seines Aufenthalts abgeführt. Aber am 18. Mai kam man ihm auf die Spur, seine Wohnung wurde gewaltsam geöffnet, er selbst schrecklich gemißhandelt und an Stricken, die man ihm an Die Füße band, unter großem Zudrange des Volks und unter den furchtbarsten Mißhandlungen in den Wald Chlomek geschleppt, bis er da halb todt niedersank. Er wurde ins Spital nach Melnik gebracht.
Triest, 23. Mai. (Wand.) In Den Berichten über die Festlichkeiten hat man eines Vorfalles nicht erwähnt, der leicht Die traurigsten Folgen hätte haben können. Bei dem Schein- Gefechte (bis jetzt hatte unsere Flotte noch wenig Gelegenheit, andere Gefechte zu bestehen) auf der Höhe von Pirano, befand sich daS Dampfboot, welches den Kaiser trug, mitten im Kampfe, da sauSte eine Kugel über Den Kopf des Monarchen dahin. „Die pfeift gut", sagte er unbefangen zu den neben ihm stehenden Adjutanten. Im Eifer des Befehles hatte man (man nennt die Karoline) vergessen, eine Kugel aus den Drehbüchsen zu ziehen.
Frankreich
Paris, 30. Mai. Die National-Versammlung ist heute mit Der Berathung des Wahlreform-Gesetzes, weit vorgerückt. Die Artikel 4 bis 8, letzterer Die Kategorieen der wegen Ver- urtheilungen vom Wahlrecht auszuschließenden Personen enthaltend, wurden angenommen. Die Annahme deS ganzen Gesetzes ist mithin unzweifelhaft. Wie verlautet, will Die Berg-Partei sich an der Haupt-Abstimmung nicht betheiligen und einen Protest erlassen. Die Regierung setzt Die Departements durch telegraphische Depeschen fortwährend vom Gange der Diskussion des Wahlreform-GesctzcS und vom Zustande der Hauplstadl in Kenntniß.
Die Nachrichten auS den südlichen Departements lauten noch fortwährend sehr beunruhigend. In Lyon soll bei einer Haussuchung der Plan einer daS ganze südliche Frankreich umfassenden Verschwörung entdeckt worben seyn. Die beunruhigenden Nachrichten über Die Zustände PiemontS sollen die Zusammenziehung einer neuen Alpen-Armee veranlassen.
Man spricht davon — und es ist dies auch nicht gerade unwahrscheinlich — daß Die Regierung gleich nach der Annahme des Wahlreformgesetzes beabsichtigt, fürs erste ein strenges Preßgesetz und sodann ein Gesetz über den Belagerungszustand vorzulegen.
Amerika
New-Aork, 13. Mai. (K. Ztg.) Wie in San Francisco das Journalwesen besteht, mag man aus folgender Kostenberechnung der „Pacific News" entnehmen, welches Blatt seinen beiden Herausgebern jedem jährlich 6000 Dollars zahlt, dem Geschäftsführer 5000, achtzehn Setzern jedem 4000, dem Buchhalter 3600, dem Stadl-Korresponbenten 3600 und dem Korrespondenten für Uebersceisches 6000 Dollars. Trotz dieser enormen Kosten macht dieses Journal gute Geschäfte. Außer demselben erscheinen in San Francisco täglich noch drei amerikanische Blätter, ein Wochenblatt („Wekely Pacific News"), ein französisches und ein deutsches. In Stockton und Sakra- mento werden auch Wochenblätter herausgegeben.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Fruchtpreise.
Namen der Städte.
Datum der
Pr eise.
Waizen vr. Malter
Pfd 1 ftJEv.
Korn »v. Malter Pfdlfl.lkr.
Gerste »».Malter
Mbl ff. |fr.
Hafer
vr. Malter
»fblff.
fr.
Bingen ....
29. Mai
260
7
26
266
5
25
147
4
25
129
3
10
Die;.....
24. Mai
310
12
13
290
8
14
260
6
1
—
4
11
Dillenburg . . .
18. Mai
300
11
30
300
9
10
260
7
20
190
5
50
Friedberg . . .
31. Mai
215
7
—
196
4
45
75
3
40
136
3
—
Hadamar....
21. Jul.
14
30
8
50
7
—
4
10
Herborn ....
25. Mai
320
11
25
360
9
25
260
7
—
200
4
40
Mainz. .* . . .
24. Mai
200
7
40
200
5
13 200
4
48
200
6
8
Wiesbaden . . .
29. Mai
170
6
30
160
4
—
[144
—
—
96
2
33
Druck und Verlag der & Schelleuberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.