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hier erwartet wurde. Es ist dies der Grund, daß die Abreise deS Prinzen von Preußen von hier nach Warschau nicht um einen Tag früher erfolgt ist. Wir haben bereits in unserm letzten Schreiben darauf hingedeutet, daß namentlich auch die dänische Angelegenheit einen Hauplbestandtheil der Sendung des Prinzen nach Warschau bilvet. Nun erfahren wir noch, daß dem Begleiter des Prinzen, dem Adjutanten des Herrn v. Manteuffel, ein Schreiben des Königs an den Kaiser von Rußland mitgegeben wurde, welches in Bezug auf die deutsche Angelegenheit wohl von der größten Wichtigkeit seyn dürfte. ES soll in dem Schreiben angedeutet seyn, daß eine Ber, stândigung zwischen Preußen und O esterreich so lange erschwert sey, als die gegenwärige Poli, tik Schwarzenbergs von österreichischer Seite verfolgt werde.

Die von Seite deS Herzogs von Nassau erfolgte Ratistka­tion der Beistimmungen deS Vertreters Nassaus, des Hrn. v. Wintzingerode, zu den Beschlüssen deS hiesigen Fürstenkongresses hat die Hoffnungen für die deutsche Union hier in höherem Grade belebt, da man von der Ansicht auSgeht, daß Nassaus treueS Festhalten an dem Bündnisse nicht ohne Rückwirkung auf die beiden hessischen Lande bleiben kann. Alle Besorgnisse, welche in Bezug auf Nassau gehegt worden waren, haben sich als durchaus unbegründete erwiesen.

Berlin, 28. Mai. Nach der Lith. Corresp. ist es sicher, daß die Behörden bereits eine andere Auffassung der Sach­lage gewonnen haben. Sorgsame und gewissenhafte Untersu­chungen hätten demnach gezeigt, daß auch in diesem Falle die weit verzweigten Komplotte und Verschwörungen nichts weiter alsPhantome der politischen Gespensterseherei und Phantas« magorien dummer oder betrügerischer Spione" seyen. Von Allem, was derZuschauer" der N. Pr. Zeitung in dieser Sache wieder mit unheimlicher Geschäftigkeit und Fruchtbarkeit enthüllt hat, bestätigt sich nicht das Mindeste.Die große An­zahl von Haussuchungen, die meist auf Denunziationen hin vorgenommen wurden, haben keinerlei Ergebniß geliefert."

Die Voss. Ztg. berichtet: Es ist von zwei Pistolen gespro­chen worden; cs ist aber überhaupt nur eins bei dem Thäter gefunden. Die Angabe, daß man das mit welchem er ge­schossen, nicht, dagegen das zweite gefunden habe, ist bereits > widerlegt. Auch die Angabe, daß ein Schutzmann ihn mit der Waffe über den Kopf gehauen habe, ist falsch. Der Thäter hat nur leichte Verwundungen durch die Umstehenden erhalten. Eine rheinische Zeitung bemerkt, daß der wunderlich lautende NameSefeloge" keinen ausländischen Ursprung zu suchen habe, sondern die provinzielle Verstümmelung vonSeifen, lauge" sey.

Wien, 25. Mai. Die Reichszeitung vom 25. Mai bringt einen Artikel mit der Ueberschriftdie Kosten der russi­schen Hülfe in Ungarn". Laut eines StaatsvertrageS, der im Mai 1849 zwischen Oesterreich und Rußland abgeschlossen, habe sich letzteres verpflichtet Sold und KriegSzulagen seiner Hülfs- truppen ohne Anspruch auf Vergütung selbst zu zahlen. Da­gegen hatte Oesterreich die Naturalverpflegung und den nöthi­gen Vorspann zu leisten. Die Stärke der russischen Armee wird auf 200,000 Mann und 90,000 Pferde angegeben. Da nun beim plötzlich erfolgten Einrücken weder in Galizien noch in Mähren ausreichende Mundvorräthe vorhanden gewesen, habe man solche auf österreichische Kosten aus den Magazinen im Königreich Polen über Duckla, Bartfeld, Kaschau bezogen. Für das Verzehrte und den in Ungarn zurückgebliebenen Rest sey Oesterreich gegenwärtig nach der letzten Abrechnung noch 3,600,000 Silberrubel an Rußland schuldig.

Frankreich.

Paris, 28. Mai. Die gesetzgebende Versammlung bera­thet heute Art. 3 des Wahlgesetzes lautend:Der Wohnort deS Wählers wird dargethan 1) durch die Einschreibung auf dem Register der Personalsteuer, oder auf dem der persönlichen Naturalleistungen zu Vizinalstraßen; 2) durch die Erklärung der seit drei Jahren wohnhaften Eltern, was die volljährigen Söhne anbetrifft, die bei ihren Eltern wohnen, und welche in Anwendung des Art. 12 deS Gesetzes vom 21. April 1832 nicht auf dem Register der Personalsteuer eingetragen sind; 3) durch die Erklärung der Meister ober Brovherren in Betreff

derjenigen Volljährigen, die bei ihnen dienen oder beständig arbeiten, wenn diese bei ihnen im Hause oder im Fabrikge­bäude wohnen". Gegen diesen Artikel wurden verschiedene AbänderungSanträge vorgelegt, und die Abgg. Raudot, Sain, Charamaule, Lamoriciere und Monnet vertheidigen dieselben; L. Faucher und Berryer bekämpfen sie bei Abgang der Post.

Italien.

Florenz, 23. Mai. (A. Z.) Endlich ist zwischen der öster­reichischen und der hiesigen Regierung eine Militärkonvention abgeschlossen und in den letzten Tagen ratifizirt worden. Nach derselben sollen die jetzt in Toskana flehenden, sich auf 10,000 Mann belaufenden Truppen auf unbestimmte Zeit, so lange dies zur vollkommenen Herstellung ruhiger Verhältnisse nöthig erscheinen dürfte, verbleiben. Erforderlichen Falles können die­selben nach beiderseitigem Uebereinkommen auf 6000 M. ver­mindert werden. Die Räumung darf nur im Einverständniß beider Regierungen statthaben. ' ,

DerNazionale" von Florenz behauptet, Lord Palmerston habe eine zweite Note an die neapolitanische Regierung gerich­tet, in welcher er nochmals Entschädigung für englische Unter­thanen verlangt. Der König von Netchel hätte hierauf die Gesandten der übrigen Mächte um Rath gefragt, die es jedoch in Folge der letzten griechischen Ereignisse nicht für geeignet gefunden hätten, ihre Meinung über jene Angelegenheit auS- zusprechen.

Großbritannien.

Loudon, 27. Mai. Der Großkanzler, Lord Cottenham, hat wegen seiner schon lange dauernden Krankheit und der da­durch entstaudenen Verhinderung in Besorgung der Geschäfte deS obersten Gerichtshofes diese Stelle niedergclegt.Times" betrachten diesen Rücktritt als ein wichtiges Ereigniß. Lady Franklin hat von Herrn Searle, Baumeister in der königl. Marine, eine schöne Barke von Guttapercha nach einer neuen Form zum Geschenk erhalten. Sie ist 23 Fuß lang, 5 Fuß 8 Zoll breit, 2 Fuß 2 Zoll lief und trägt 6 bis 7 Mann nebst 16 Zentner Lebensmittel. Mit der Dauerhaftigkeit ihrer Bau­art verbindet sie den Vortheil, daß sie leicht getragen werden kann. Diese Barke wird der Erpedition des Kapitän Forsyth beigegeben, welcher in den ersten Tagen zur Aufsuchung deS Sir I. Franklin absegelt.

Amerika.

New-Aork, 14. Mai. Für den Fall, daß die neue an­gebliche Erpedition gegen Cuba nicht in titeln Dunst und Rauch aufgeht, ist es interessant, einen Blick auf die Verthei- digungsmiitel zu werfen, welche den Spaniern gegen die-Aan- kecs zu Gebote stehen. Die regelmäßigen Truppen auf der Insel werden gewöhnlich etwa aus 25,000 Mann veranschlagt; doch soll ihre Zahl in Wirklichkeit gegenwärtig 16,000 nicht übersteigen. Allerdings werden täglich noch 6000 Mann , die sich in Barcelona eingeschifft haben, erwartet. Ein beträcht­licher Theil deS cubanischen Heer-s ist erst so kürzlich auS Spanien gekommen, daß bis jetzt wohl noch wenig Gelegenheit da gewesen ist, die Truppen von ihrer Pflicht abtrünnig zu machen. Der spanische Soldat auf Cuba erhält als Sold täg- lich 25 Cent, d. h. beinahe dreimal'ffo viel, als in seiner Hei, Math, und selbst mehr als die Soldaten der Vereinigten Staaten. Kleidung, Nahrung und Quartier sind gut, so daß der Soldat auf Cuba ein bequemeres Leben als die meisten seiner Stan, bcsgenossen führt. Hierzu kommt, daß die Truppen, Gemeine sowohl als Offiziere, mit besonderer Rücksicht auf ihre Zuver­lässigkeit auSgewählt worden sind und daß man irgendwie Ver­dächtige ausgeschieden hat. Auch hinsichtlich der Sympathieen der Eingebornen könnten sich dic AankeeS verrechnet haben, da, wenigstens im Innern der Insel, das stärkste und bitterste Vorurtheil gegen Fremde und Ketzer herrscht. Namentlich er­streckt sich dieser Haß aus die NankecS und nächst ihnen auf die Engländer. Gegen diese Gesinnung der Mehrheit werden die Pflanzer und Grundeigenlhümer, selbst wenn sie den frem­den Abenteurern günstig wären, schwerlich ein bedeutendes Ge­gengewicht in die Schaale legen können.

Verantwortlicher Redakteur; W. H. Riehl.