Einzelbild herunterladen
 

So geht uns von Seite des herzoglichen Kreisamtes zu Limburg nachstehender Aufruf zu:

Ein schreckliches Unglück hat sich in Kirberg ereignet.

Am 27. 6. Mts. nach 12 Uhr Mittags brach in einer engen, durch die Mauer, die Kirberg zum Theil umgibt, von der hinteren Seite nicht sehr zugänglichen Straße in einem Stalle Feuer aus, welches durch den heftigen Wind und den Umstand begünstiget, daß sich in diesem Theile des Fleckens viele eng zusammenhängenden mit alten Strohdächern belegten Gebäulichkeiten befanden, mit einer solchen reißenden Schnellig­keit um sich griff, daß Nachmittags gegen 5 Uhr an 40 Wohnhäuser, 19 Scheuern und 50 Nebengebäuden, wie wohl um dem Feuer Einhalt zu thun Alles geschehen war, was nur menschliche Kräfte vermochten, in Flammen stan­den und dem bei weitem größten Theile nach gänzlich nieder­gebrannt waren.

Die Gebäude waren sämmtlich in der Brandassekuranzan­stalt ausgenommen und die Entschädigungssumme wird nach vorläufigem Ueberschlage über 60,000 fl. betragen, welche in­dessen den Schaden und die Kosten durch die erforderlich wer­denden Neubauten bei Weitem nicht decken.

Der Verlust an Mobilien, wovon keine versichert waren, ist sehr beträchtlich und daö Brandunglück hat an 27 arme Hauseigenthümer betroffen, deren gesummter Nahrungsstand bedroht ist; die übrigen Abgebrannten gehören dem Mittel­stände an.

An 60 Familien sind obdachlos geworden.

Sowie cs wahrhaft ergreifend war, mit welcher ächt christ­lichen Ergebenheit sich die Abgebrannten in diesen harten Schlag des Schicksals zu finden wußten, so gewährte cs auch auf der anderen Seite tröstliche Beruhigung, wie sich allseitig von der Einwohnerschaft in Kirberg in christlicher Liebe bestrebt wurde, den Unglücklichen Unterkunft und Unterstützung zu gewähren.

Von Kirberg allein kann und darf solche nickt auSgehen, da von dieser Gemeinde durch die Aufnahme der Abgebrannten in die Wohnungen schon viel geschehen ist.

Eine allgemeine Kollekte ist hier angezeigt und diejer Maß­regel kommt dermalen schon der in hiesiger Gegend herrschende Mildthäligkeitssinn von allen Seiten entgegen.

Von den Gemeinden Dauborn und Neesbach wurden gestern schon Wagen mit Kartoffeln und Brod zur Vertheilung cingeliefert, von vielen Gemeinden in der Nachbarschaft Zu­sicherung zu gleichen Einleitungen gegeben, heute leistete die Gemeinde Oberneisen Vrodunterstützuiig und heute schon findet in hiesiger Stadt durch eine ernannte Kommission unaufgefor­dert, die Einsammlung von Liebesgaben statt.

An alle Menschenfreunde ergeht daâ dringende Ersuchen, zur Linderung dieser Noth nach ihren Kräften beantragen. Rasche Hülfe ist die doppelte!

Die Bürgermeister und Gemeinderäthe des Bezirks werden mit den Einsammlungen in den betreffenden Gemeinden und mit der Ablieferung an den Gemeinderath in Kirberg beauf­tragt, welcher pflichtgetreu für die Verwendung nach der Unter, stützungsbedürfligkeit der Einzelnen Sorge tragen wird.

Limburg, den 29. Mai 1850.

Herzoglich Nassauisches Kreis-Amt. Langen.

Gleichzeitig erhielten wir den folgenden Aufruf eines Ko- mites, welches sich in Kirberg selbst zur Uebernahme und Ver­theilung milder Gaben gebildet hat, mit dem Ersuchen, die Redaklion dieses Blattes möge auch ihrerseits sich zur Ueber­nahme von Beiträgen bereit erklären.

Diesem Ansuchen entsprechen wir hiemit mit dem größten Vergnügen und bemerken nur, daß der Hr. Hofbuchhändler August Schellenberg den gestern von uns veröffentlichten Aufruf bereits milunterzeichnet hat, wir daher nicht für nöthig gehalten haben, auch unserer Seils unS zur Uebernahme von Beiträgen bereit zu erklären.

Der Aufruf des Kirbersser Komitcs lautet:

Am 27. Mai brach hier zwischen 12 und 1 Uhr eine furchtbare Feuersbrunst aus, die mit so unglaublicher Schnel­ligkeit um sich griff, daß in Zeit von einer Stunde nicht we­niger alS 112 Gebäude in Asche lagen. Viele der Unglückli- chen trugen kaum das nackte Leben davon. Von diesem trau­rigen Ereignisse sind 78 Familien, bestehend aus 287 Perso­nen , betroffen und 55 Familien obdachlos geworden. Die übrigen 23 Familien haben sämmtlich mehr oder weniger Schaven durch das Feuer erlitten, so daß fast ein Viertheil

der hiesigen Einwohner gänzlich verarmt ist, um so mehr, da vor 12 Jahren ein Theil derselben durch Einäscherung von 14 Häusern in ihren Vermögensumständen sehr beeinträchtigt wurde. Hierzu kommt noch, daß eine erhebliche Anzahl von Vieh bei diesem Brande umgekommen ist.

Wir legen dieses traurige Ereigniß allen Menschenfreun­den ans Herz, und bitten sie dringend um wohlwollende Un­terstützung, bestehe dieselbe worin sic wolle.

Wvhlihun trägt Zinsen.

Die Unterzeichneten sind bereit, Gaben jeglicher Art an­zunehmen und nach Pflicht und Gewissen »ertheilen zu lassen. Kirberg, den 29. Mai 1850.

C. D. Vogel, Dekan und Pfarrer. Seebold, Rentmeister. Wilh. Schepp, Apothekerverwalter. Wilh. Reuberling, Kirchenvorsteher. H. Rei- newald, Kaufmann. K. P. Müller, Lehrer. Dr. Forell. I. Schnug, Thierarzt. Philipp Wiegand, Gerichlsschöffe. Bender, Bürger­meister.

Deutschland.

* II * Wiesbaden, 31. Mai. Wir glauben der Nachricht in dem heutigen Blutte Ihrer "Zeitungdaß Regierungsrath Bertram zum Bevollmächtigten für den Staatenkongreß in Frankfurt ernannt sey" auf daS bestimmteste widersprechen zu können. So geeignet durch den ehrenhaftesten Charakter und die gediegensten Kenntnisse Ministerialrath Dr. Bertram ist, die Interessen Seiner Hoheit deS Herzogs und des Land es bei dem Staatenkongreß zu Frankfurt a. M. auf würdige und ersprießliche Weise zu vertreten, so wenig dürfte dessen län­gere Abwesenheit die innere Verwaltung deS HerzogthumS und namentlich die Fortsetzung der noch lückenhaften Gesetzgebung wünschenSwerth erscheinen lassen. Den kleinen Staaten Mittel- deutschlands thut vor allen Dingen, wenn sie ihre Existenz sichern wollen, eine kräftige innere Verwaltung Noth. Daß in dieser Beziehung auch im Herzogthum Nassau, dessen Fort­bestand wir für ein Glück des Landes, namentlich aber auch für eine Lebensfrage für die Stadt äßieëbacen halten, noch Vieles zu thun und seither gar oft vergeblich gewünscht wor­den ist, wird Niemand läugnen können, der unsere Zustände kennt. Die diplomatischen Präludien, an denen Herr Ber­tram ohnehin nicht viel Gefallen zu haben scheint, können der­malen auch von einer andern Person besorgt werden. Nur möchten wir denn doch rathen, eine solche zu wählen, die in Frankfurt nicht blos figurirt, sondern auch befähiget ist, wenn es gilt, ein kräftiges deutsches Wort zu reden. Sollte es dem­nächst, was Gott gäbe, an das Hauptwerk gehen; so ist eS immer noch Zeit, Herrn Bertram den hiesigen, sehr wichti­gen Geschäften zu entziehen, wenn anders der Herr Minister­präsident v. Wintzingerode verhindert seyn sollte, selber zu Frankfurt das Herzogthum Nassau zu vertreten.

Vom Neckar, 29. Mai. Die Ministerkrisis, deren ich in meinem Briefe vom 24. Mai Erwähnung that, ist überstanden. Die Minister bleiben vorläufig in ihren Aemtern. Es ist dieS der klugen Berechnung zu verdanken, mit welcher der Minister des Innern v. Schlayer die Protestation der Standesherren gegen die Bildung einer Staatsverfassung ohne Beachtung der ihnen in Art. 14 der Bunbesakte vom 8. Juni 1815 versicher­ten Rechte, wiewohl sie nur an den König gerichtet war, der Ständevermmmlung im rechten Moment überliefert, und die Gelegenheit benutzt hat, sich in einer entschiedenen Weise für das Prinzip der Gleichheit und gegen die Forderun­gen der vormaligen ReichSstände auszusprechen.

Spandau, 26. Mai. (A. P.) Heute ist Kinkel in der Kirche gewesen. Nach der Versicherung des Aufsehers ist die Arbeit, welche er liefert, ungleich feiner und ausgezeichneter, als die der übrigen Arbeiter. Er hat drei Viertel Arbeit zu liefern und kann die übrige Zeit zu seiner Lektüre verwenden. Diese darf aber nur in solchen Schriften bestehen, welche ihm der Direktor und der Prediger der Anstalt gestatten, d. h. in religiösen Erbauungsschriften. Der Prediger ist zwar für die reformirte Gemeinde erwählt , gehört aber der pietistischen Richtung an. Kinkels Haar ist eben so verschnitten, wie daS der übrigen Sträflinge.

Berlin, 28. Mai. (O.-P.-A.-Z.) Der Kaiser von Ruß­land ist in Warschau einen Tag früher eingetroffen, als es