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Berlin, 26. Mai. Der heutige Tag hat mit Kirchen- feierlichkeiten begonnen, an denen Andächtige und Patrioten zahlreich theilnahmen. Auch der Treubund hält heute im Tivoli ein Dankfest ab. Fortwährend treffen Abordnungen und Adressen aus allen Theilen des Landes ein.

Ueber die gegen die Presse beabsichtigten Maßregeln be­merkt die Voss. Ztq.:Dem vielfachen Andringen auf Nie­derhaltung der Presse der Umsturzpartei, soll nur in so weit nachgegeben werden, daß die Regierung von der ihr verfas­sungsmäßig zustehenben Befugniß Gebrauch macht, ein vor­läufiges Gesetz zu erlassen. Ein solches würde dahin gehen, daß Organe, welche die Schuld auf sich laden, gegen Sittlich­keit, Gesetz und Staat offenbar anzukämpfen, suspendirt wer- den können".

Verhaftungen aus Anlaß von Aeußerungen über den Mordversuch gegen den König, fanden in den letzten Tagen noch immer und meist auf offener Straße Statt, so daß es den Anschein hat, als werde dem Prozesse gegen Sefeloge eine lange Reihe von Verhandlungen wegen Majestätsbelei- digung folgen.

Der Justizminister hat den Gerichten eine Reihe von katho­lischen Feiertagen, die bisher als gesetzlich nicht anerkannt waren, mitgetheilt und den Behörden empfohlen, an diesen Tagen Schwurgerichtssitzungen und Subhgstationstermine nicht anzuberaumen.

Berlin, 25. Mai. Gestern ist hier eine Note Oesterreichs überreicht worden, welche sehr kategorisch von Preußen das Aufgeben seiner Unionsbestrebungen fordert, indem dabei eine Art Ultimatum der Verständigung gestellt, im Weigerungsfälle aber mit bewaffneter Einschreitung gegen Preußen gedroht wird. Die entschiedene Sprache der Note, die schroffe Alternativstel­lung in derselben haben selbst die Ultrakonservativen in Harnisch gebracht und man kann aus deren Sprache entneh- men, wie ihnen der KasuS höchst unerwünscht und ungelegen kommt.

Die Lith. Korr, gibt die Sache in folgender Version: Eine neue österreichische Note fordert, so viel wir gehört ha­ben, wiederholt die Beschickung des Frankfurter Kongresses und droht eventuell mit der Ansetzung eines Präklusiv- Termins. Die Beschickung Frankfurts war bekanntlich bereits

beschlossene Sache; sie wird also trotz dieser Note jedenfalls erfolgen. Für ein Nichtnachgeben an Oesterreich mag der Be­schluß des Verwaltungsraths sprechen, daß innerhalb zehn Tagen die Mitglieder des Fürstenkollegiums zu ernennen seyen.

Schweiz

Bern, 25. Mai. (O.-P.-A.-Z.) Die Zahl der deutschen Flüchtlinge, welche sich noch im Kanton Bern aufhält, ist sehr gering. Von den gewesenen Parlamentsmitgliedern ist noch Simon von Trier, Reinstein und Vogt hier; die beiden Ersteren werden Bern bald verlassen, Letzterer beschäftigt sich mit wis­senschaftlichen Arbeiten. Dr. Löwe hat seinen Wohnsitz nach Neuenburg verlegt, Nanwerk ist mit seiner Familie nach Zürich gereist, Hartmann ist nach London, Rösler nach Amerika ge­gangen. Von der Menge der Flüchtlinge sieht man nichts mehr; sie sind theils in die Heimath, theils über das Meer gezogen. Fortwährend wird hier gesteuert, um Einzelnen die Uebersiedelung nach Amerika möglich zu machen; selbst Pa­trizier und entschiedene Gegner der Flüchtlinge opfern starke Beiträge, nur um die ungebetenen Gäste loszuwerden. Was man in einigen deutschen Blättern von der entsetzlichen Noth einzelner Verbannten berichtet hat ist größtentheilö unwahr oder doch sehr übertrieben.

Frankreich

Paris, 26. Mai. (Rheinh. Ztg.) Die Differenzen mit der englischen Regierung haben sich bis jetzt nicht beigelegt und scheint die unserige die ParlamentSdebatten abwarten zu wol­len, ehe sie sich auf die angebotenen Versöhnungsanschläge ein- läßt, welche möglicher Weise den Sturz von Lord Palmerston zur Folge haben könnten. Die Effekten unseres Gesandten in London sind sämmtlich hier eingetroffen, deßhalb seine Rückkehr in sehr ferner Aussicht steht. Von der Abreise Lord Normanby ist nicht mehr die Rede.

Die Berichte aus den Provinzen lauten viel beruhigender und hat allen Anschein, als hätten die Sozialisten nur auf ein Signal von Paris gewartet, um loszufchlagen. Durch das Zurückweichen der Revolutionspartei ermuthigt, sollen die Führer der Majorität und die Regierung entschlossen seyn, nicht nur jedem Amendement zu dem Wahlrcformprojckt, daS dessen Wirkung schwächen könnte, ihre Zustimmung zu versagen, sondern auch in Kürze eine Reihe von Gesetzentwürsen, zur Bekämpfung deS Sozialismus, gegen die Presse und den un- stäten Theil der Bevölkerung in den großen Städten vorzu­schlagen, wie auch die Anwendung des DeportationSgesetzes auf cie früheren Verurteilten der Prozesse von Bourges und Versailles zu verlangen.

Man versichert uns, daß im Elisee von einer Aenderung im Ministerium die Rede sey, welche nichts Unwahrscheinliches hat. Darnach würde der Kriegsminister austreten und Gene­ralgouverneur von Algerien werden, der General de Lahitte das Kriegsdepartement und der aus London abberufene Ge­sandte Drouin de l'Huys das Ministerium des Auswärtigen übernehmen.

Gestern wurden im Walde von Vincennes eine für den Barrikadenkrieg von einem Artillerieunteroffizier erfundenen Art von Handgranaten probirt, welche sich bei allen Versuchen so zweckmäßig bewiesen, daß ein Dutzend Granaten hinreichen würden, um die furchtbarste Barrikade von Vertheidigern zu säubern.

Der ehemalige Gesandte, Marquis von Falaru, ist vor einigen Tagen gestorben und hat dem Grafen von Chambord zwei Millionen Franken vermacht.

Ein Kurier ist mit wichtigen Depeschen gestern Abend nach Rom abgegangen. Der als Sozialist sehr bekannte Blanqui, zu Doullens wegen deS Attentats vom 15 Mai gefangen gehal­ten, soll sehr krank seyn.

General Ao re y, Kommandant der bei den Invaliden stationirenben Brigade, soll seit einigen Tagen eine große An, zahl Briefe erhalten haben, worin ihm angezeigt wurde, daß, falls eine Emeute ausbrcchen würde, die erste Kugel für den General Changarnier, die zweite für ihn und die anderen für die übrigen Offiziere seiner Brigade seyn würden. Man hin- terbrachte dem General, diese Briefe rührten von einigen repu­blikanisch gesinnten Soldaten her, die bis jetzt noch nicht in Strafkompagnien gesteckt worden seyen, worauf der General eine Inspektion der Tornister vornehmen ließ. In 25 derselben fanden sich republikanische Schriften, deren Besitzer ohne Wei­teres nach dem Gefängniß abgeführt wurden.

Paris, 26. Mai. Der gestern nach Verwerfung mehre­rer Amendements angenommene 1. Artikel des Wahlgesetzes lautet wie folgt:Innerhalb 30 Tagen nach Verkündigung des Gesetzes wird in jeder Gemeinde die Wahlliste vom Maire nebst zwei vom Friedensrichter ernannten Abgeordneten ange­fertigt. Diese haben das Recht, ihre Bemerkungen beizusetzen. Die Wahlliste muß Jedem auf Verlangen vorgelegt werden".

Italien.

Rom, 20. Mai. In einem heute abgehaltenen geheimen Konsistorium wurde über 26 Bischofsitze verfugt. Zum Erzbi­schof von Prag ward der Erzbischof von Salzburg, Kardinal Fürst Schwarzenberg, ernannt, als Bischof von Mainz Probst Ketteler bestätigt. *

Turin. Die öffentlichen Verhandlungen des Prozesses Franconi werden am 20. d. beginnen. Die Geschwornen sind auf 9 Uhr Morgens an Ort bestellt. *

Turin, 22. Mai. In Eer gestrigen Sitzung des Senates wurde die andere Abtheilung der Siccardi'schen Gesetze und zwar mit 30 gegen 18 Stimmen, das Gesetz angenommen, wonach allen Gesellschaften und juristischen Personen, gleich­viel, ob weltlichen oder geistlichen, der Erwerb unbeweglicher Güter ohne Erwirkung der Regierung untersagt wird.

Florenz, 21. Mai. Gestrrn trat der Großherzog mit Ge­mahlin und Familie die schon seit längerer Zeit beabsichtigte Reise nach Wien an. Im Gefolge desselben befindet sich der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Duca di Cassigliano.

Verantwortlicher Redakteur; W. H. Riehl.