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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M LLL Dienstag den 28. Mai 1S5O*

Die Nass. Mg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume­rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogtbumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSjchen BerwaltungSgebieteS 8 fl. Kl kr. - Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit » fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- .erg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die zweite Versammlung der Sektionen des Vereins für Naturkunde zu Dillenburg.

Deutschland. Darmstadt (Prof. Liebig). Hockenheim (Hecker­lied). Neckarsulm (Konflikt). Kassel (Haffenflugs Antwort. Anträge). Berlin (Bulletins. Hr. v. Kunowski und dessen Be­ziehungen zu Sefeloge). Schwerin (Beschickung des Frankfurter Kongresses). Königsberg (Falsche Banknoten. Prof. Simson).

Frankreich. Straßburg (Bittschriftensturm. Deutsche Flüchtlinge.

Die rheinischen Besatzungen).

Italien. Venedig (Feldzeugmeister Baron d'Aspre).

Die zweite Versammlung der Sektionen des Vereins für Naturkunde zu Dillenburg am 22. und 23. Mai 185 0.

H Bereits am 19. und 20. Mai hatte sich eine Anzahl Sektionsmitglieder in Dillenburg eingefunden, wohin nach Be­schluß der Weilburger Versammlung für dießmal die Einla­dung deS Vorstandes sie gerufen und begann mit Durchstrei­chung der Gegend, welche mancherlei Interessantes darbot. Für den Mineralogen war das Wiedersehen deö merkwürdigen Schichtenbaues der Gesteine, für den Botaniker das Vorkom­men des wilden türkischen Bundes, Lilium Martagon L. und der europäischen Trollblume, Trollius europams L., für den Zoologen die so reich entwickelte Conchylienfauna vorzüglich anziehend. Zudem wurden diese Vorerkurstonen, wie auch die Versammlung selbst vom schönsten Wetter begünstigt. Von den mit größter Liberalität von ihren Besitzern geöffneten Privat­sammlungen nahm die Conchyliensammlung deS Präsidenten Winter, der leider der Versammlung nicht'beiwohnen konnte, die allgemeinste Aufmerksamkeit durch die vielen und ausge­zeichnet erhaltenen Exemplare, worunter gar manche Selten­heiten, für sich in Anspruch.

Am Abend deS des 21. waren alle Tbeilnehmer der Ver- sammlung, worunter auch mehrere hannöverische Bergbeamten und Geh. Rath Professor Bischoff aus Bonn, eingetroffen nnd hatten sich über die Ordnung der Verhandlungen geeinigt. Am Mittwoch den 22. Morgens wurde die Versammlung durch den Geschäftsführer, Berggeschwornen Vietor, eröffnet und schritt darauf zur Mahl eines Vorsitzenden, welche auf Herrn Assessor Obernheimer von Wiesbaden fiel. Zum Protoll- führcr wurde Reallehrer Sch übler von Diez ernannt. Ueber den Erfolg der Beschlüsse der Versammlung zu Weilburg, so­wie über die literarische Thätigkeit des Vereins gab der Se­kretär desselben, Dr. F. Sandberger aus Wiesbaden die gewünschte Auskunft. Die Verhandlungen der mineralogischen Sektionen begannen mit verschiedenen Mittheilungen des Dr. F. Sandberger.

DaS Vorkommen deS Glimerporphyrs als Gang in der Gegend von Langenschwalbach und als Lager bei Kidrich, das

Alter des mit dem Sandstein von Wiesbaden vollständig über, einkommenden Sandsteins von Münzenberg in der We'tterau, welches jetzt durch Entdeckung der Cyrenâ Faujavii in dem­selben sestgestellt ist, endlich die Stellung in der Braunkohlen­formation von Bonn und von Gießen vorkommenden Horn- steine, in welchen sich die Versteinerungen deS Wiesbadener Kalkes gefunden haben, bildeten den Hauptgegcnstand der Er» örterung des Redners. Derselbe hob nachdrücklich hervor, wie jetzt nicht blos die Wirbelthierrechte, sondern durch die Kon- chvlien ein gleiches geologisches Alter der Braunkohlenformation des Vogelsberges, Westerwalbes, der niederrheinischen Abla­gerung und der jüngeren Schichten deS Mainzer Beckens er­wiesen sey. Sodann zeigte derselbe verschiedene im Herzogthum neu aufgefundene Mineralien vor: Apatit von Diez, Nickelglanz von Ems, Nephelin und Granat von Naurod, Kupferschauur von Weilmünster und schloß mit der Charakteristik eines von ihm neu entdeckten, aus arsenik-saurem Bleioxyd und Eisenoxyd bestehenden Minerals, welches er Karminspath benannt.

Dr. L i st aus Wiesbaden theilte das Resultat seiner bis­herigen chemischen Untersuchungen über den Taunusschiefer mit. Derselbe ist kein Talkscbiefcr sondern ein Gemenge eines neuen Minerals aus Kieselerde, Thonerde, Alkalien (ungefähr 7"/,) und Wasser bestehend mit Quarz. DaS neue Mineral ist auch isolirt aufgefunden worden und wird wegen seines Seidenglanzes den Namen Serizit erhalten. Dr. F. Sand­berger verlas hierauf im Auftrage des Verfassers eine von dem Berggeschworenen Stein aus Wiesbaden eingesendete Abhandlung über ein neues Dasaltvorkommen bei Espenschied, welches sich durch eine außerordentliche Menge eingeschlossener Schieferbruchstücke auszeichnet.

Hierauf gab der Vorstand der zoologischen Sektion, Pro­fessor Kirschbaum aus Wiesbaden Nachricht von den Ar­beiten derselben; sowie von dem Zustande der entomologischen Sammlungen deS Wiesbadener Museums. Derselbe zeigte außerdem alle Lebensstufen der Pysochroa coccinea vor und theilte mit, daß man durch Zusatz von (kalkhaltigem) Brun­nenwasser zu dem Alkohol im Staude sey, Raupen von Schmet­terlingen ihren ursprünglichen Farben aufzubewahren. Die Proben, welche er davon vorlegte, überzeugten die Versamm­lung von der Vortrefflichkeit dieses Verfahrens.

Dr. G. Sandberger aus Wiesbaden berichtete hierauf über den Fortgang des von ihm und seinem Bruder herauS- gegebenen Werkes über die Versteinerungen des rheinischen Schichtensystems in Nassau. DaS Werk hat im In- und Aus­lande so viele Unterstützung gefunden, daß eine erschöpfende Behandlung deS Stoffes in Aussicht steht und neben den geo­gnostischen Verhältnissen Nassaus auch die analogen Bildungen anderer Länder besser als bisher erkannt und klassifizirt werden können. Dr. Fr. Sandberger erläuterte hierauf die Charak­tere der Mineralien der Feldspathfamilie, welche am häufigsten in Gesteinen vorkommen und zeigte, wie sich dieselben auf eine einfache Weise unterscheiden lassen. Zum Schluffe der Sitzung zeigte Markscheider Dannenberg auS Dillenburg eine große Anzahl von Mineralien und Felsarten der dortigen Gegend vor, worunter sich die Bournonitkrystalle von Bergebersbach, die Kalkspathe von Donsbach und Oberscheld, die schönen