Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M 122 Montag den 27. Mai 1S5O*
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Dritte Ausgabe.
Uebersicht.
Zeitungschau.
Deutschland. Thüringen (Vertretung der halben Kurie). — Leipzig
(DeutschkathslischeS Konzil). — Hannover (Eisenbahnunglück). —
Berlin (Bulletin. Bernstein, Meyen und Streckfuß entlassen. Das
Attentat). — Hamburg (Annahme der Verfassung).
Frankreich. Paris (Neuestes).
Italien. Rom (Ordensverleihung. Das Gesetz Siccardi).
Türkei. Konstantinopel (Baron Stürmer. General Aupick).
Zeitungschau.
Die Hamburger Nachrichten schreiben: Sind wir recht unterrichtet, werden innerhalb kurzer Frist nach Abschluß des „einfachen" Friedens mit Preußen oder Deutschland die preußischen Okkupationslruppen, sowie die neutralen das Herzog- thum Schleswig verlassen und wird eine vom König von Dänemark aus drei Schleswigern ernannte interimistische Regierungsbehörde an die Stelle der Landesverwaltung treten. Diese Behörde wird militärischer Kräfte bedürfen, um sich Gehorsam zu erzwingen, und diese Kräfte wird Dänemark zu Gebote stellen müssen. Die Armee also muß mobil gemacht werden, um in Schleswig einrücken zu können. Daß man im Herzog- thum selbst den Einmarsch der Dänen als sehr nahe bevorstehend, ansieht, ergibt sich aus allen dorther kommenden Mittheilungen; daß die Statthalterschaft daö Ihrige thut, um der feindlichen Macht in Schleswig mit Nachdruck entgegentreten zu können, ist ebenso zuverlässig. Hiernach darf man erwarten, daß in nicht langer Zeit die beiden Armeen in Schleswig sich einander gegenüberstehen werden. Nach einem hier in Hamburg eingegangenen Privatschreiben eines augenblicklich in Kopenhagen sich aufhaltenden, zwar übelberüchtigten, aber wohlunterrichteten Mannes soll sogar in allernächster Zeit von Seiten Dänemarks ein Coup beabsichtigt werden. DaS Her- zogthum Schleswig, heißt eS, wird in diesen Tagen der Schau, platz eines blutigen, aber freilich sehr schnell sich entscheidenden Konflikts werden.
Also Provisorium! ruft die Oesterreichische Korrespondenz aus. Das ist die Frucht vom Baume der deutschen Union, und wenn wir uns an die evangelische Marime halten wollen, den Baum an seinen Früchten zu erkennen, so wissen wir nun, daß den hochtrabenden Redensarten der Gothaer ebenso wenig Bedeutung beigelegt werben darf, als den unendlichen Versicherungen der „Deutschen Reform", daß alles auf die er- wünschteste Weise vorwärts gehe und bezüglich des Festhaltens an der Union die befriedigendste GcsinnungSeinhelligkeit unter den Versammelten Fürsten bestehe. Die provisorische Fest- stellung der Union sagt nicht viel mehr, als daß man auf dem Punkte steht, von welchem man ausaingi und daß mit jedem Schritte auf der einmal betretenen Bahn die Zweifel immer üppiger aufwuchern. UnS kann solches Ergebniß nur als wünschenöwerth und vor der Hand befriedigend erscheinen.
Allein wir betrachten es zugleich als ein nothwendiges; wir waren gefaßt darauf; es konnte nicht anders kommen, wenn nicht die berufensten Träger deö erhaltenden und monarchischen Prinzipes sich in offener Versammlung zur Sanktionirung einer revolutionären Idee herbeilassen sollten. In der widerspruchsvollen Geschichte der Union offenbar der gewaltigste Widerspruch von allen.
Deutschland.
ThüringtN. Die Stimme der den thüringischen und an# Haltischen Staaten im Fürstenkollegium zustehendcn halben Kurie wird der dessauische SlaatSministcr v. Plötz führen. Zum Bevollmächtigten der thüringischen Staaten am Frankfurter Kongreß ist der Staatsrath v. Seebeck ernannt.
Leipzig, 23. Mai. (D. A. Z.) Heute Vormittag 10 Uhr wurde im großen Saale des hiesigen Schützenhauses das dritte deutsch-katholische Konzil in Gegenwart von etwa 40 Abgeordneten eröffnet. Nachdem Hr. Roßmäßler über die Wahlen berichtet, schritt die Versammlung zur Wahl des Präsidiums; mit Stimmenmehrheit wurden zum Vorsitzenden Hr. Wigarv aus Dresden, zu seinem Stellvertreter Hr. Duller aus Darmstadt erwählt. Ueber die Verhandlungen, die gegen 2 Uhr unterbrochen wurden, um nach 3 Uhr wieder ausgenommen zu werden, berichten wir morgen.
Hannover, 22. Mai. Nach hier cingegangenen telegraphischen Nachrichten ist heute Nachmittag ein Theil deö ViaduktS bei Bielefeld (Cöln-Mindener-Eisenbahn) eingcstürzt, als ein Zug sich auf demselben befand. Ob und wie viele Menschen dabei umgekommen, können wir noch nicht berichten.
Berlin, 24. Mai, (Telegraphische Depesche der Kölner Zeitung.) Im Laufe deö gestrigen Nachmittags haben sich bei Sr. Majestät leichte Fieberbewegungen eingestellt. In der Wunde, deren Umgebung schmerzhaft und leicht angeschwollen, begann die naturgemäße Absonderung.
Der Schlaf war ruhig. Das Fieber ist vermindert. Die Absonderung in der Wunde besteht in erwünschter Weise fort.
Die „Deutsche Reform" meldet, daß Bernstein, Meyen und Streckfuß bereits gestern Nachmittags wieder aus der Haft entlassen wurden.
Berlin, 23. Mai. (O.-P.-A.-Z.) Heute Morgen um 10 Uhr ist Sitzung deö Gesammtministeriums bei Sr. Maj. dem König in Charlottenburg. Die Minister haben sich schon frühe nach Charlottenburg begeben. ES dürfte wohl keinem Zweifel unterliegen, daß dieser Ministerrath sich auf das gestern gegen des Königs Person verübte ruchlose Verbrechen bezieht. Wenn sich bis jetzt auch noch keine bestimmten Thatsachen herausstellen, welche auf eine Verbindung des Verbrechers mit der Umsturzpartei unzweifelhaft schließen lassen, so deutet doch der AuSruf desselben beim Abfeuern der Pistole: „ES lebe die Freiheit!^ darauf hin, daß daS politische Gebiet dem Verbrechen nickt fern liegt. Auffallen mußte es außerdem den betreffenden Behörden, daß zwei der bekanntesten Führer der hiesigen