lution als Kadetten, ErproprieS, Unteroffiziere oder Gemeine; in der k. k. Armee, später in gleicher Eigenschaft oder als Offiziere im Jnsurgentenheere gedient haben, wird bei ihrer? neuerlichen Einreihung in die k. k. Armee gestattet, die frühere / Dienstzeit daselbst in ihre Kapitulation einrechnen zu dürfen. * 5) Endlich haben Se. Mas. Diejenigen auS Widdin zurückge-; kehrten Insurgenten, welche von der Unteriuchungskommissiou i verurtheilt worden sind, aber weder Rädelsführer noch hervor-; ragende Theilnehmer der Revolution waren, begnadigt.
Wien, 13. Mai. Der „Lloyd" meldet: „Nach einer ( gestern Abend um 6 Uhr hier eingetroffenen telegraphischen i Depesche ist Se. Majestät der Kaiser um 12 Uhr Mittags in | Optschina augekommen und hielt darauf unter dem Jubel der j Bevölkerung seinen Einzug in Triest. Zur Erinnerung an ' die Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph in s Triest wurde die Gründung eines Vereins für Wissenschaft, < Künste, Handel und Gewerbe in Triest in Anregung gebracht # und der diesfällige Vorschlag mit allgemeiner Beistimmung der; zu diesem Behufe zusammenberufenen Versammlung angenom- E men. Bereits ist ein Ausschuß zum Entwürfe der Statuten ■ ernannt worden, und man zweifelt nicht im Geringsten daran, dieses Institut recht bald ins Leben treten zu sehen."
Nachschrift.
□ Wiesbaden, 17. Mai. (Assise N verhaNdluNge n.) Johann Schneider, Wirth in Nassau, 38 Jahre alt, Vater von fünf Kindern, ist angeklagt, am 10. März I. I. ein mit Schrot geladenes Gewehr auf die Jakobine Piskator, ein nicht im besten Rufe stehendes Frauenzimmer, mit welchem er eines Prozesses wegen in Feindschaft lebt, abgcschoffen zu haben. Im Anklageakt wird Johann Schneider als jähzornig und zu Thätlichkeiten geneigt geschildert. Wegen Mißhandlung seines Schwagers Wilhelm Sauerland von Nassau und der Eva Da ubach von Hübingen wurde er zu einer Korrek- tionshauSstrafe von drei Monaten verurtheilt, diese aber im Gnadenweg in eine Anusgefängnißstrafe von 4 Wochen gemildert.
Bei dem Herzog!. Justizamte zu Nassau gab Joh. Sch neider über den Vorfall mit Jakobine Piskatoran, diese habe ihn auf seinem Weg auf dem Schncpfenstrich ausgelacht und geschimpft; Anfangs habe er ruhig vorübergehen wollen; zuletzt habe er sich doch zu einer Gegenäußerung hinreißen lassen; er sey fort- gegangen und habe am Ende der Stadt sein Gewehr, das seit sechs Wochen geladen war, loSgeschossen; er habe absichtlich in die Höhe gehalten um keinen Schaden anzurichten. Der Platz, an welchem I. Schneider sein Gewehr abschoß, wird gewöhnlich von den Jagdfreunden zum Entladen ihrer Gewehre benutzt; ist etwa 84 Schritte von dem Fenster entfernt, an welchem die Piskator saß, und etwa dreißig Fuß höher gelegen als dieses; sodaß S chn eid e r, wenn er auf die P iska io r hätte schießen wollen, die Flinte nach unten hin richten mußte; während ein Zeuge sagt, Schneider habe, als er losschoß, das Gewehr in Die Höhe gehalten und Zeuge Sauerland angibt, Schneider habe den Kolben seines Gewehrs blos unter der Achsel gehabt und ohne anzulegen und zu zielen, das Gewehr losgeschossen. Dagegen zeigte der Laden des Fensters, an welchem Jakobine Piskator saß und die Wand neben demselben Spuren von Schrotkörnern, die jedoch, ungeachtet der Laden blos von Tannenholz und ohne Anstrich ist, nicht haften blieben.
Gegen Jagdgenossen hat Schneider geäußert, „er habe sein Gewehr loSgeschossen, sie möchten rathen nach wem" ? Auf ihre Frage antwortete er, „nach der Piskator, die Person lasse ihm nirgends Ruhe, sie schimpfe ihn beständig und das lasse er sich nicht mehr gefallen; als er geschossen, hätten ihm einige Kinder im Wege gestanden; er habe deßhalb etwaS hoch halten müssen; in dem Augenblick als er geschossen, habe die Piskator sich zurückgezogen, und deßhalb sei er fest überzeugt, daß er sie nicht getroffen habe". Seine Jagdgenossen haben dieS für Scherz gehalten. Alle stimmen darin überein, daß Schneider gar nicht verstört auSgesehen habe; daß er ein sehr guter Schütze sey, und Die Pi skat or gewiß getroffen hätte, wenn es seine Absicht gewesen wäre. Der Zeuge Emmel glaubt, daß eS nicht möglich sey, von dem Platze, wo Schn e i de r stand, das Fenster der P iska tor zu sehen. Er hat die Eindrücke der Schrotkörner an dem Laden gesehen, und gibt an, dieselben seyen kaum zu einem Drittel ihres Umfanges in das weiche Hol-gedrungen. Er erklärt, Schneider, den er von Jugend auf kenne, sey ein friedfertiger Mensch. I. Piskator gibt an, daß Schneider zweimal auf sie angelegt und loSgedrückt habe; daß aber das Gewehr zweimal versagte. Zeuge Emmel bemerkt, daß die Schindlerischen Gewehre, wie Der Angeklagte eines besitzt, selten oder nie versagen; er glaube aber mit Bestimmtheit sagen zu können, daß ein Gewehr, das zweimal versagt, zum Drittenmal sicher nicht loSgehet.
Der Vertheidiger des Angeklagten, Prokurator A. Wilhelmi jun., macht nach näherer Ausführung der Klage durch den Staatsanwalt Flach alle Diese günstigen Umstände geltend.
Der Vorsitzende Trep ka stellt nach Zusammenfassung der Verhandlungen an die Geschwornen folgende Fragen:
Ist Johann Schneider schuldig am 10. März L I. in der ohne Vorbedacht im Affekt gefaßten und auSgeführten Absicht, die,Jakobine Piskator zu tödten, (eventuell; dieselbe an ihrem Körper zu verletzen) eine mit Schrot geladene Flinte auf dieselbe abgcschoffen zu haben, der Tod der Sabine P i s k cu tor resp. eine Verletzung derselben, aber durch von seinem Willen unabhängige Umstände nicht erfolgt sey.
In Abwesenheit des Redakteurs für die Redaktion verantwortlich: A. Boczek.
Frankreich
Paris, 15. Mai. Die Regierung geht immer entschiedener und ungescheuter zu Werke; eS scheint, als ob sie eS zum Bruche treiben wolle. Heute sind die drei sozialistischen Journale Voir du Peuple, Republique und Estafette nicht erschienen, weil der Minister des Innern ihrem gemeinschaftlichen Drucker auf Grund eines Gesetzes von 1814 seinen Gewerbe-) schein entzogen hat. Gestern Abend um 7V, Uhr wurden die | Pressen polizeilich versiegelt. Die bekannte Petition gegen das } Wahlreformprojekt, deren Veröffentlichung vor einigen Tagen f die Beschlagnahme der Voir du Peuple zur Folge hatte, ist ebenfalls in Den Büreaus dieses Journals durch die Polizei weggenommen worden. Ferner sind von den Unterzeichnern i der Petition der Verfassungsfreunde, die bei Goudchaur be- s schlossen wurde, diejenigen, welche bei den Munizipalbehörden von Paris ein Amt bekleiven , vom Minister des Innern ab-' gesetzt, diejenigen, welche Kommandostellen in der Nationalgarde ; inne hatten, suSpendirt und dem DiSziplinarrath der Seine-! Präfektur zur Bestrafung überwiesen worden. Diese Maß« f regeln, die bei der Regierung den Entschluß verrathen, in der Bekämpfung des Sozialismus bis zum Aeußersten zu schreiten, s haben ein großes Aussehen erregt, das sich zwar äußerlich erst nur in der Bildung von lebhaften Gruppen auf den Boulevards und in den Straßen zeigt, vielleicht aber bald zu unruhigen Auftritten führen dürfte. DaS Gefühl einer nahenden Krists ist allgemein; die konservativen Journale wenden heute im Bewußtseyn der Gefahr sammt und sonders der Regierung ihre rückhaltslose Unterstützung zu. Folgende kurze Worte der legitimistischen Union fassen ihre Sprache am besten zusammen: „Wir sind bei einem jener schmerzlichen Augenblicke angekommen, wo die Gewalt im Maße ihrer Rechte mit Kühnheit auftreten muß". — Die KorpSbefehlhaber und der Gencralstab der Armee von Paris befinden sich bei dem General Changarnier fast in Permanenz.
Nachmittags. Die Regierung scheint sich auf eine Bewegung, die so zu sagen von Augenblick zu Augenblick auSbrechen kann, gefaßt zu machen, da nicht allein alle Posten stark besetzt sind, sondern auch jeder Kommandant die Ermächtigung erhalten hat, im Fall eines Ausbruchs ganz nach seinem Gutdünken zu verfahren. 4 Bataillone Infanterie sind heute in Paris eingerückt; das Hotel de Ville ist ganz mit Soldaten angefüllt.
Die Staffeten reiten nur unter Bedeckung. In der Gegend der Rue Montmartre und vor den BüreauS der Voir du Peuple, der Republique und der Estaffette stehen zahlreiche Gruppen. Diese Journale haben einen Drucker gefunden und werden morgen oder schon heute Abend wiedererscheinen. Die Verhaftung GiradinS hat sich bis jetzt nicht bestätigt.
Den neuesten Nachrichten auS Creuzot zufolge sind die Arbeiter meistentheilS in ihre Minen zurückgekehrt. Die ganze Gegend ist militärisch besetzt. Einige Verhaftungen haben stattgefunden. _____