Einzelbild herunterladen
 

Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 112. Dienstag den 14. Mai 1830.

Die Raff. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährigePränume- »ationsvreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßberzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. IO fr. Jnfera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch ellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Der vierte Mai in Paris.

Deutschland. Darmstadt (Prozeß gegen Rosenberg, Heldmann und Bogen). Braunschweig (Arbeiterverein). Berlin (Der Unions­kongreß). Wien (Abreise des Kaisers).

Frankreich. Paris (Die Arbeiterbewegung in der Vorstadt St. Antoine).

Spanien. Madrid (Englische Note. Jahresfeier des 2. Mai).

Großbritannien. London (Kolonialfrage. Nordpolerpedition. Die große Ausstellung).

Italien. Rom (Die organischen Gesetze. Die Anleihe).

Der vierte Mèai in Paris.

Es wird schwer halten, das zauberhafte Schauspiel zu beschreiben, das die Pariser am gestrigen Abend erlebten; die Schilderung wird die Großartigkeit desselben nur anstreifen und den Eindruck, den der Anblick hervorbrachte, nicht wiedergeben können. Wir wollen versuchen, durch eine rasche Zeichnung der Umrisse einen Begriff davon zu geben. Man denke sich den unermeßlichen Konkordeplatz als Mittel- und Gipfelpunkt. In der Mitte desselben, am Fuße des Obelisk auf ungeheu­rem röthlichen Granitsockel, an den vier Seiten des Mono­liths monumentale ägyptische Gottheiten von dunklem Por­phyr, in bekannter eckiger steifer Haltung, geheimnißvoll da­sitzend, wie verzaubertes Leben ; auf den Winkeln des Sockels, gleich versteinerten Räthseln aus uralter Zeit, vier gleich ko­lossale Sphinre von hellbläulicher Farbe. Auf beiden Seiten die prächtigen Springbrunnen, deren emporsteigende dreifache Schalen mit Blumen und Laubwerk angefüllt; vom untern Becken bis zum Asphaltboden im Kreise herabhängende Gär­ten von Rasen, Moos und Blumenanlagen; die Flußgölter und Nereiden innerhalb des Beckens, verbunden durch Schnüre von geschliffenen Glaskugeln, deren mattweißes Licht unmuthig absticl't gegen das blitzende Licht von mächtigen Krystallkugeln und farbigen Flammen über den Blumenvasen; dazwischen die wasser- speienden Schwäne und Delphine, die auswärts schießenden Wasserstrahlen sich brechend an den Glaskugeln und zurückstäubend in Tausenden von blitzenden Wasserperlen, ein feenhafter An­blick. Auf den vier Seiten des Platzes vier- mächtige Triumph­bogen, den Wissenschaften, den Künsten, dem Handel und Gewerbe, dem Ackerbau gewidmet, mit Inschrift der Namen berühmter Männer Frankreichs, auf daS geschmackvollste mit Blumengewinden verziert, auf das glänzendste erleuchtet. Der ganze Strich längs der elyseeischen Felder eine förmlich durch, brochene Wand von farbigen Lichtsäulen, die großen vergolde­ten Bronzekandelaber beleuchtet und mit Blumen verziert: das gewaltige Säulengebäude des Gardemeuble, welches durch die Naiionalstraße in zwei Flügel getrennt wird, in der üp­pigen Beleuchtung ein wahres Feenschloß. Links vom Mittel­punkt des Platzes, nach Süden, die prachtvoll erleuchtete und ausgeschmückte Brücke mit dem Versammlungs-Palast der

Assemblee im Hintergrund, der am dunkeln Himmel in blitzenden Umrissen hervortritt; weiter hinaus der glühende Dom der Invaliden, gleich einem mächtigen Stcrnenbilv am Himmel. Rechts zwischen den beiden Flügeln des hohen Gebäudes noch die schöne breite National - Straße nebst zwei andern, auf beiden Seiten am Fußwege hinablaufen­den Reihen hoher Granitpostamente in ägyptischem Styl, darauf von Blumen und Laub umgeben auf vergoldetem Dreifuß mächtige Becken mit bengalischem Feuer; abwech­selnd mit den Postamenten riesige bewimpelte Masten mit Schildverzierungen; int Hintergründe der herrliche griechische Tempel in seinen grandiosen Verhältnissen, die Madaleine, in hellen Lichtumrissen sich ablrcnnend vom nächtlichen Himmel und ruhend auf einem Feuermeer, ausstromcnd aus der reichen Beleuchtung der Riesentreppe und des hohen eisernen Gitter» mit blitzender Vergoldung. Hinten, nach Osten, der prall tvolle Baumgang des Tuileriengartens mit dem reizenden frischen Grün in glänzender Beleuchtung; im Hintergrund das alte wetter-schwarze Schloß. Vorn, nach Westen, die elyseeischen Felder mit vierfachem geschweiftem Feuerstrom, vier Reihen hoher Säulen und Masten mit herabflatternden Wimpeln, Fahnen, Trophäen, verbunden durch Guirlanden von erleuch­teten Glaskugeln, kolossale Perlen,chnüre in verschiedenartiger Windung mit herabhängenden ungeheuern Kronleuchtern und Lichtbildern in allen Farben; darunter wie Ameisengcwirre auf gigantischer Bühne die wogende Menge;' im Hintergrund der Triumphbogen der Barriere de l'Etoile, gleichfalls als rie­senhafte Lichtzeichnung am Firmament. Dieß, aus dem gröb­sten gehauen, das Bild. Was ließe sich hier noch viel davon berichten, unter Vermeidung der schon zu ost und dennoch nicht oft genug vorkommenden angemessenen Prädikate des Kolossalen und Wunderbaren zumal? (A. A. Z.)

Deutschland.

Darmstadt, 10. Mai. Unter diesem Datum bringt das Mannheimer Journal folgende interessante Einzelnheilen über die Verhandlung der Anklage gegen Heldmann, Bogen und v. Rosenberg. Ludwig V. Rosenberg, der erste Angeklagte, ist 34 Jahre alt, ein Mann von mittlerer Statur, einem brau­nen Bart und regelmäßigen Zügen, er war früher Obcrlieute- nant im großh. Hess. 4. Infanterie - Regiment; auf die Frage nach seinem Stand erwiderte er, er habe keinen Stand. Lud­wig Boqèn, früher Mitglied dcS Parlaments, ist ein langer hagerer Mann mit hagerem Gesicht , 40 .Jahre alt,früher Jurist". Dr. Heldmann, ehemaliges Mitglied der hessischen zweiten Kammer und des Parlaments, 42 Jahre alt, ist ein kor­pulenter Mann mit hellen Haaren und fleischigem, bleichen Gesicht. Vertheidiger sind die Advokaten Metz und Joh. K. Hoffmann. Der Staatsanwalt entwickelte den Gegenstand der Anklage, nach­dem alle vorhergehenden Förmlichkeiten erledigt waren. Hierauf beginnt das Zeugenverhör. 1) Oberpostmeisier Reuning sprach im Juni v. I. Rosenberg, der ihm miltheilte, er wolle nach Michelstadt, um M. Beck zu besuchen. Auf Frage des Vet-