hat Mich sehr befriedigt. Wenn auch die letzten zwei Jahre Jedermann aufregten, so blieb der gute Sinn, die Liebe zum Kaiser und zum Vaterlande bei der großen Mehrzahl unverletzt. Es handelt sich nun, zum Wohle deö Landes und zur Unterstützung der Regierungsmaßregeln, zur Erhaltung des innern Friedens und der gesetzmäßigen Ordnung, daß alle Wohldenkenden sich zusammenschaaren und eines Sinnes und Herzens zusammen wirken, und dieses werden sie auch, davon bin ich überzeugt. Dieses ist Meine Aufgabe und nicht allein in der Steiermark, sondern in Ihrem Mir so werthen Vaterlande. Es mag gar Manchem, der Alles überstürzen möchte, dieses nicht gefallen, daher muß Ich Mich gefaßt machen, als Stichblatt jener Partei zu gelten, welcher Ich in Frankfurt beharrlich entgegentrat. Sie muß damit anfangen, Meine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit zu verdächtigen, davon zeigen sich bereits die Spuren; wenn es Wahrheit wäre, so könnte Ich, so sehr es Mich auch vielleicht schmerzte, nichts dagegen einwenden, aber wenn es Lüge ist, so kann man Mir nicht verargen, daß es Mich empört. Mein Denken und Handeln; rücksichtlich Deutschlands ist Ihnen bekannt, daher muß Jh« ; nen der im „Frankfurter Journal" in der Beilage Nr. 98 v. ' 24. April dieses JahreS enthaltene Artikel auS Gratz aufge- . fallen seyn; da er aus der Kölner Zeitung entnommen ist, i sy scheint mir, daß er aus der nämlichen Quelle kommt, auS; welcher während Meinem Aufenthalte in Frankfurt a. M. ähnliche geflossen, Ich muß nur Mich über die Unverschämtheit wundern, zu sagen, Mir sey Dctmolt, welcher Mir stets treuer Freund war, zuwider, und daß «Ich mit General von Radowitz auf so freundlichem Fuß stünde, was Mir wirk-; lich ganz neu vorkommt. Dieses Alles wäre noch zu ertra-' gen , allein das Aergste bleibt Auerbachs Machwerk : „Andree Hofer", wo ich als ein falscher, das Vertrauen eines, biedern Volkes mißbrauchender Mensch erscheine. Wer die Geschichte Tyrols kennt, weiß, ob Ich es redlich mit diesem Lande gemeint habe, und ob Ich nicht zu jeder Zeil, selbst zu Meinem eigenen Schaden und Verdruß, nicht ein ehrlicher. Vertreter seiner Rechte und Freiheiten war. Nur ein Fremder,; der in den Oktobertagen in Wien nicht unbefangen war, kann ' so Etwas schreiben. Mein Trost ist, daß man in Tyrol eine andere Meinung hat, und die Wahrheit durch ehrliche Freunde, i da Ich, obgleich Ich eS im Stande wäre, nicht selbst auftre» ’ ten will und es einer spätern Zeit Vorbehalte, — wird vertreten werden. — Ich denke oft an Deutschland, und namentlich an Frankfurt a. M.; in letzterer Stadt habe ich viele; ehrenwerthe Männer kennen gelernt. Was Deutschland be- ' trifft, so ergreift mich tiefe Wehmuth, wenn ich denke, was" hätte werden können und was Leidenschaften und Vergröße- ' rungssucht verdorben haben. Die Nation wäre eines bessern ' Schicksals werth ; sie wird aber leider noch manche Leiden durchzumachen haben; möchte sie doch einmal das Ziel eines glücklichen Zustandes erreichen. Ich hoffe im Laufe dieses Sommers unser Landl zu sehen und Meine Winlerprojekte I auszuführen. Nehmen Sie Mir nicht übel, daß Ich Mich einer andern Hand bediene, aber Ich schone Meine Augen. Schreiben Sie Mir, wenn Sie Zeit haben, sowie ein Landsmann dem andern schreibt, mit der unseren Bergen eigenen Aufrichtigkeit. Gratz, am 2. Mai 1850. Ihr J.o Han n."
Worms, 6. Mai. Mit Bestimmtheit kann ich nun berichten, daß baldigst eine RegierungSkommission hierher kommt, denn gestern wurde von der hiesigen Stadtbehörde eines der schönsten Häuser hiesiger Stadt gekauft, um als Regierungs- gebäude verwendet zu werden. Es wurde dieses Haus, das in der Andreasstraße, dem Dome gegenüber liegt, und früher Herrn v. Valkenberg gehörte, um den Preis von 19,000 fl. angekauft. Hierdurch hat die Stadt gezeigt, daß sie die neue Einrichtung freudig begrüßt und jedes Opfer dafür zu bringen bereit ist. (Rhh. Z.)
Berlin, 7. Mai. Es ist seit geraumer Zeit kein Geheimniß mehr, daß in gouvermentalen Reihen keine volle Einstimmigkeit über die deutsche Frage herrscht. So bietet denn auch ein gewisser Widerspruch in der Auffassung dessen, was in Frankfurt geschehen soll, wenig überraschendes. An ziemlich hochliegender Stelle soll sich die Ansicht hervorgewagt haben, Preußen könne es unter allen Umständen mit Oesterreich aufnehmen, da es der Majorität gewiß sey. Man dürfe nur sogleich die Revision der Bundesakte, auf die ja Oesterreich eingehe, auf die Tagesordnung bringen. Die Majorität werde dann für ein Parlament beim Bunde stimmen, und Oesterreich
werde unterliegen oder, was noch wahrscheinlicher, vom Kongreß sich zurückziehen. So wäre das ganz feindliche Manöver vereitelt. Es wird Ihnen gewiß, wie uns, etwas unheimlich bei dem Gedanken zu Muthe, daß unser Regiment die Wege der Feinheit und Diplomatie, Oesterreich gegenüber, betreten könnte. Hier sind wir noch immer unfehlbar geschlagen wor, den, und zwar durch die Inferiorität der pr-ußischen Staatskünstler weit weniger, als in Folge der schiefen Stellung, in die eine Politik gerâth, wenn sie den natürlichen und durch die Umstände ihr angewiesenen Weg des offenen Bündnisses mit dem nationalen Geiste aufgibt für, ich weiß nicht, welche, kluge Berechnungen. Preußen hat jetzt die Majorität der Bundes-Stimmen; aber wird es dieselbe während der Dauer des Kongresses bewahren? Niemand wollte sicherlich dafür einstehen. Die beregte Ansicht scheint von einer in diesem Augenblicke gerade nicht einflußreichen Minorität vertreten zu seyn.
FrankreilH.
Paris, 6. Mai. Ein Vorfall hat gestern großes Aufsehen unter der Bevölkerung des dem Jnvalidenhause zunächst angrenzenden Stadttheils erregt, obschon, seltsam genug, die pariser Blätter, die sonst auf daS Kleinste Jagd machen, fast gar keine Notiz davon genommen haben, während die wohlunterrichteten Korrespondenten der Jndependance belge seiner mit Nachdruck Erwähnung thun. Als nämlich der Präsident der Republik auS dem Dom der Invaliden, in welchem die gebräuchliche Trauerfeier zum Andenken an Napoleon's Sterbetag stattgefunden hatte, eben heraustrat, umringte ihn eine Maffe Neugieriger mit dem lauten Ruf: „Vive l’Empereiir! Vive Napoleon ! Vive le premier Consul!“ Die Frage ist, ob die Leute aus freiem Antriebe oder auf Anstiftung diese den Ohren des Präsidenten sehr angenehm klingenden Rufe erschallen ließen, und waS sie im letzteren Falle bedeuten oder vorbedeuten sollen?
Von den Oppositionsblättern rathen zwei, die Presse und die Republique, die freilich nicht als tonangebende Organe der sozialistischen Partei betrachtet werden können, vor jedem gewaltsamen Unternehmen Seitens der Sozialisten dringend ab, die Presse, weil sie glaubt, daß die beabsichtigten Maßregeln zur Beschränkung des Wahlrechts wahrscheinlich beide entgegengesetzte Parteien gleich stark treffen werden, die Republique, weil sie an dem Erfolg einer Insurrektion zweifelt, letzteres Blatt unter dem Vorbehalt, daß alle von dem Tage der Verletzung des allgemeinen Stimmrechts an erlassenen Gesetze im Jahre 1852 bei den allgemeinen Wahlen als ungültig zu betrachten und dann nöthigenfalls zur Insurrektion zu schreiten. Die übrigen sozialistischen Blätter führen eine drohende Sprache und lassen die Möglichkeit einer Insurrektion ziemlich deutlich durchblicken.
Italien.
Rom, 30. April. Um der dringenden Finanznoth abzuhelfen , will man die Güter der römischen Er-Deputirien kon- fisziren. Am 26. ist ein Kardinal- und Ministerrath abgehalten worden, in welchem diese Frage behandelt wurde. Man will die Er-Deputirten und diejenigen, welche in Rom an der Spitze der Geschäfte während der Revolution standen, mit ihren Gütern für allen während der Belagerung angcrichtelen Schaden verantwortlich machen. Privatleuten sowohl als auch den Gemeindebehörden soll cs freistchcn, Entschädigungen zu verlangen. Diese Maßregel soll bei mehreren Kardinälen heftigen Widerstand gefunden und einige sogar erklärt haben, sie werden nie mehr an den Berathungen Theil nehmen, wenn man eine so gehässige Maßregel in Ausführung bringe. Bis zum 30. April scheint noch nichts Bestimmtes entschieden gewesen zu seyn.
Der General Baragnap d'Hillierâ sollte nach Einigen am 2. Mai, nach Anderen am 10. von Rom abreisen. Der Kardinal Dupont wollte ihn begleiten, wenn es sein Gesundheitszustand erlaubte.
In Abwesenheit des Redakteurs für die Redaktion verantwortlich: A. Boczek.