daß der Berliner Verein für Zentral-Amerika die Beachtung der Auswvnderer verdient und haben gern die Mittheilung der obigen Data in diesen Spalten übernommen. Wegen wei- terer Auskunft verweisen wir nach Berlin an die Quelle, 54 unter den Linden, wo das AuskunftS-Bureau für Auswanderer errichtet ist.
Außer diesen Kolonien, welche durch Vereine vertreten find, sind auch San Franzisko und die australischen Kolonien als Punkte bekannt, wohin sich die deutsche Auswanderung richtet und haben beide schon mehrfache Beurtheilung gefunden, als daß es nöthig wäre hinzuzusetzen, daß sie hinreichend durch sich selbst vertreten sind. Sowohl Kalifornien wie auch Australien trägt dazu bei, den bisher uns wenig bekannten stillen Ozean zu beleben. Chinesen und Europäer rühren sich, um | an der Entwickelung Theil zu nehmen, während die Amerikaner am Leichtesten haben, festen Fuß am stillen Ozean zu fassen. Die Welt und die Schifffahrt haben sich ausgedehnt. Amerika scheint nur eine Zwischenstation. Wir müssen den Blick darüber hinauswenden, wenn wir am Weltverkehr theilnehmen wollen und wünschen das Unsrige zu thun, ungeachtet der Ungunst der politischen Verhältnisse, dem deutschen Volke den gebührenden Platz zu verschaffen und ihm wenigstens den Weg zu zeigen, auf dem die Auswanderer die Früchte ihres Muthes und Fleißes ernten können.
D e u t s <h l a r? d
□ Wiesbaden, 10. Mai. (As sisen verhandln« gen.) Dr. Kirsch bringt nachträglich ein von einem andern Arzte j ausgestelltes Krankheitszeugniß bei. Gegenstand der heutigen i Verhandlung ist die Anklage gegen Oswald Klas, 21 Jahr alt, Metzger von Wiesbaden wegen ausgezeichneten Diebstahls. |
Oswald Klas ist beschuldigt, in der Nacht vom 18. auf; den 19. Nov. vorigen Jahres in dem Laden des hiesigen Sil- j Herarbeiters Philipp Kölsch in der Kirchgaffe durch ein Loch, ; welches er in die äußere Backsteinwand deS dem Handelsmann s Isaak Baer gehörigen HauseS gebrochen hatte, eingestiegen zu seyn, und auS demselben eine Menge von Silber- und; Goldgegenständen, im beiläufigen Werth von 800 fl., entwendet ; zu haben. Der Angeklagte Klas hatte früher einen Dieb-! stahl an dem Kastnoaufwärter Hartier in Frankfurt begangen;- dieser ist ebenfalls Gegenstand der Untersuchung. Oswald : Klas war schon einmal Diebstahls wegen in Heidelberg zu < einer Arbeitshausstrafe von 5 Monaten verurtheilt und nach- i her in Hanau wegen Bettelns und Vagabundirens mit: einem 8tägigen Gefängniß bestraft worden. Zur Zeit seiner Verhaftung war der Angeklagte im Besitze guter und vieler Kleidungsstücke, über deren Erwerb er sich nicht auSweisen konnte. Im Gefängniß zu Hanau hat er sich wenigstens gegen einen Mitverhafteten geäußert: Alles, was er am Leibe habe, sey gestohlen.
Oswald Klas wurde in der obenerwähnten Nacht um zwei Uhr von dem Polizeidiener Seibel und dem Landjäger F a s s e l, welche ihn schon in der Wilhelmsstraße als verdächtig verfolgten, Äi der Gegend der Jahn'schen Landhäuser gefangen genommen; der entwendeten Silbersachen suchte er sich durch Wegwerfen derselben zu entledigen. Diese Gegenstände wurden nachträglich auf dem Mühlwege gefunden, bilden jedoch nur die kleinere Hälfte der dem Silberarbeiter Kölsch entwendeten Gegenstände; der andere Theil scheint von den Verbündeten des Oswald KlaS in Sicherheit gebracht worden zu seyn. Der Diebstahl wurde übrigens mit großer Kühnheit und Frechheit begangen, da im Laden noch ein Stück Talglicht gefunden wurde, welches die Diebe angesteckt haben mußten, um eine recht sorgfältige Auswahl unter den vorftndigen Gegenständen treffen zu können.
Die Untersuchung leitet derstellvertretende Asstsenpräsident Forst, für die Staatsanwaltschaft fungirt StaatSprokurator Flach; als Vertheidiger: Prokurator Lang. (Forts, folgt.)
□ Idstein, 7. Mai. In Ihrer Zeitung sind in den letzten Tagen mehrere Artikel, darunter einige aus Idstein, erschienen, welche in zum Theil so ätzender Sprache Nassauische Zustände behandeln, daß sie unserer Ansicht nach nicht den Erfolg haben werden, welchen eine weniger zornige Rede hervorgerufen haben würde. Wir sind nicht gesonnen, alle Maßregeln von dieser oder jener Seite zu billigen ober zu verfechten; wir halten uns jedoch für verpflichtet, hinsichtlich deS
letzten aus Idstein datirten Artikels zur richtigen Würdigung des darin berührten Regierungsverfahrens zu bemerken, daß der Kandidat, von welchem dort die Rede ist, wohl deßhalb mit einer strengen Maßregel bedroht worden sey, weil derselbe ohne besondere höhere Genehmigung in unserer Stadt Unter- rich ertheilt hat. Wir berichten diese Sache, wie sie uns mitgetheilt worden ist, ohne daß wir uns einer genauern Kenntniß deS eigentlichen Sachverhältnisses rühmen können; doch scheint unsere Kenntniß wenigstens ebenso genau zu seyn, wie die deS Schreibers des betreffenden Artikels.
II Camberg, 3. Mai. Am heutigen Tage hat ein Theil unserer Bürgerschaft eine Art der Nothwehr begangen. Er hat nämlich eine Privatschule errichtet für die Kinder von 8—10 Jahre und dieselbe einem jungen, wie man allgemein hört, sehr tüchtigen und braven Schulamtskandidaten übergeben, um nicht mehr genöthigt zu seyn, seine Kinder dem durch feine radikalen Grundsätze bekannten Lehrer R. anzuvertrauen. Alles Suppliziren und Lamentiren hat Nichts geholfen, deßhalb haben wir unS selbst geholfen. Fast die Hälfte der Kinder (38) hat bereits den Lehrer R. verlassen und ist in die Privatschule eingetreten. Wir hoffen, daß bald noch viele nachfolgen werden.
Frankfurt, 8. Mai. (D. Z.) Die gesetzgebende Versammlung befindet sich in der peinlichsten Verlegenheit. Zu derselben Stunde, wo Oesterreich mit der alten Bundesverfassung in der Hand den leerstehenden Präsidentensessel im Thurn- und TariS'schen Palais neu zu besteigen im Begriff steht, uud die „bundestreuen" Staaten Hessen-Homburg nicht ausgenommen, um sich versammeln will, zu derselben Stunde wird der Bericht fertig, in welchem der für die deutsche Frage niederge- setzle Ausschuß, nicht etwa auf die schleunigste Ernennung eines Bevollmächtigten zur „Plenarbundesversammlung", sondern abermals auf den Beschluß an das Bündniß vom 26. Mai und auf die Zurückweisung jeder unberechtigten Einsprache Dritter anträgt. Aber die Wühler, aus welchen die Majorität des Ausschusses zusammengesetzt ist, werden ihren Zweck nicht erreichen. Dem Präsidium, durch mehrere zusammentreffende glückliche Umstände und der gesunde Geist der Versammlung selbst unterstützt, ist es für ben Augenblick bereits gelungen zu verhüten, daß Frankfursfioor den Augen der ganzen hohen Bundesversammlung sich unwiderruflich kompromittire. Es ist des Himmels sichtbarliche Fügung, daß der sehr umfängliche Bericht erst gestern beim Büreau eingegangen ist und daß auf morgen, wie der Herr Präsident mit Nachdruck hervorhob, ein christlicher Feiertag fällt: der Vorschlag dès Präsidiums, die Berathung auf heute über 8 Tage anzusetzen, ein Vorschlag, welchem die Versammlung mit Eifer beitrat, war hiernach eine logische Nothwendigkeit. Acht Tage sind damit gewonnen. In acht Tagen, so rechnet die Versammlung, wenn sie es auch vielleicht sich selbst nicht einmal gesteht, in acht Tagen kann sich mancherlei ereignen, was jeden Beschluß überflüssig macht, und im schlimmsten Fall, d. h. in dem Fall, wo sich dergleichen nicht ereignen follte, bleibt es ihr unbenommen, abermals zu thun, was sie schon einmal gethan, Gott und dem Senat zu vertrauen und schließlich zu beschließen, Nichts zu beschließen.
Frankfurt, 8. Mai. Die O.-P.-A.-Z. theilt ein Schreiben des Erzherzogs Johann an den Frankfurter katholischen Stadtpfarrer Beda Weber mit, welches neben einem tiefgemüthlichen Ausdruck eine so zeitgemäße politische Färbung hat, daß man dasselbe fast als ein geschichtliches Aktenstück betrachten kann. Auffallend ist es, daß der Erzherzog mit bekannter Offenheit wohl die dort ihm beigemessene Abneigung gegen Detmold , nicht aber zugleich auch die dort viel stärker markirte gegen H. v. Gagern in Abrede stellt. Die Worte Sr. Kais. Hoh. lauten:
„Seit meinet Abreise von Frankfurt a. M. habe Ich Ihnen noch kein Lebenszeichen gegeben; glauben Sie nicht, daß Ich auf Sie vergaß. Ich erfuhr öfters wie es Ihnen geht und was Sie machen. Nach einem kurzen Aufenthalte in Wien, habe Ich Mich hierher nach Gratz begeben, wo Ich mit Frau und Kind Mich aufhalte. Meine Zeit verging, Meine Besitzungen nachzusehen , verschiedene Einleitungen zu treffen, endlich wie die Witterung besser wurde, die verschiedenen Theile deS Landes zu bereisen, um Mich von den Ge- sinnungen der Bewohner und dem Zustande Meiner Vereine in Kenntniß zu setzen. Das, was Ich bisher gesehen habe,