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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^L 106,

Sonntag den 3. Mai

1850»

Die Raff. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Prünume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und KurfürstenthumS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S sl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 2 fl. fr. Jnsera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Naum mit S fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen» berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

U e b e r s i ch r.

Das Straßenbauwesen in Nassau.

Deutschland. Wiesbaden (Assisen.) Aus dem Amte Hochheim (Räubereien). Kreuznach (Süddeutscher Forstvcrein). Köln (Gottfried Kinkel). Donaueschingen (Brand des Hoftheaters).

Dresden (Hauptmann von Rohrscheidt). Münch en (Donau- dampfschifffahrtsvertrag). Berlin (Kongreß der Unionsfürsten). Großbritannien. London (Die Königin von einem Prinzen entbunden. Westindien. Cuba (Freischaarenzug).

Das Straßenbauwesen in Nassau

(Fortsetzung.)

â Das Straßen-System in Nassau schreibt sich in seinen wesentlichen Theilen noch auS älteren Zeiten und ist mit vie­len Gebrechen behaftet, die nur der niedrige Standpunkt der staatswirthschastlichen Begriffe und der Wegbaukunst der dama­ligen Periode entschuldigen kann. Sie scheinen alle nur als Transil-Straßen betrachtet worden zu seyn, indem sie aus den innern Verkehr nur unbedeutende Beziehungen zeigen. Alle sind eine Plage für Menschen und Thiere, denn anstatt daß sie naturgemäß Die Thäler einhalten sollten und allmählig die. Wasserscheiden überstiegen, gehen sie unausgesetzt über Berg und Thal, und lassen die meisten gewerbreichen und bevölker­ten .Orte, die in den Thälern liegen, unberührt. Wir sind natürlich weit entfernt, diese unzweckmäßige Führung der al­ten Straßen der jetzigen Verwaltung aufzurechnen, obgleich Verbesserungen an denselben, welche in neuerer Zeit vorge­nommen wurden und große Summen in Anspruch nahmen, aber auch nur in wenigen Fällen gesunden Prinzipien entspre­chen. Wir glauben aber auch an neuen Straßenanlagen die Bemerkung gemacht zu haben, daß sie in Ansehung ihrer Füh­rung vortheilhaftere Linien haben könnten, die weniger nach Anwendung kleinlicher und wenig haltbarer veralteter Grund­sätze schmeckten. Wir erinnern hier nur an die kostspielige Straße von Ems über die Donserhaide nach Koblenz, wofür daS Geld so gut wie weggeworfen ist; an die neue Chaussee von Lahnstein nach Ems, die mehrere ganz unnothige Berge aufzuweisen hat u. s. w.

Wir wissen recht gut, daß in unserem Lande der Stra­ßenbau von gar vielen Nebenrücksichten abhängig ist und daß namentlich unsere Kammer es sich hat angelegen seyn lassen, durch planlose zersplitterte Anlagen, der Entwicklung eines zweckmäßigen Straßennetzes entgegen zu arbeiten; wir wissen aber auch, daß die Regierung diesem Ansinnen entgegen tre­ten mußte, um die Ausführung von Straßen zu ermöglichen, wie sic im Interesse des ganzen Landes liegen.

' .Das vermissen wir aber besonders, daß wir kein natur- 'mâß entwickeltes Straßenbau,Verwaltungs-System haben, us dem. sich von selbst die Anhaltpunkte und Bedürfnisse er­geben würden, welche in unseren Verhältnissen die Straßen- inlagen bedingen.

u Wie ist dieses aber unter den gegebenen Verhältnissen 'glich, wo die zwei Inspektionen vollauf zu thun haben,

den Wust von Papierarbeiten in erträglichem Niveau zu hal­ten , der beständig von Oben und Unten anströmt. An gründ­liche Ermittelungen und Studien zum Behuf einer rationellen Fortbildung des WegbauwesenS ist da gar nicht zu denken, und würden diese auch keine Würdigung finden, da alles selbstthätige und strebsame Verhalten mit Ungunst angesehen wirb und noch viel weniger Anerkennung findet.

In der Straßenbaukunst wie in jedem anderen Zweige der Technik, hängt ein günstiger Erfolg wesentlich davon ab, daß neben einsichtiger Oberleitung, die untergeordneten Gehil­fen mit sachdienlichen Kenntnissen und Erfahrungen, so wie mit Eifer für ihren Beruf ausgerüstet sind, den sie aber nur dann erlangen können, wenn sie eine s. g. Schule burchge­macht haben und dadurch mit den Verrichtungen, welche ihnen anvertraut sind, verwachsen. Wir können deßhalb das Prin­zip, wonach z. B. zu Chausseewärtern abgetakelte Unteroffiziere, auSrangirte Bedienten ic. gut seyn sollen und beständig in ansehnlicher Zahl zum Rekrutiren in Bereitschaft gehalten werden, nur im höchsten Grade verwerflich finden. Dieses Institut ist aber, so verwaltet, herrlich geeignet, sich ohne alle Mühe nach vielen Seiten hin gefällig zu erzeigen und wichtig zu machen; ein vortreffliches Mittel bie Reformrrungs- Gelüste Der Techniker nieder zu halten und in Dem ganzen Geschäfte eine Verwirrung zu nähren, Die den Stoff zu er­baulichen Reskripten nie versiegen läßt. (Schluß folgt.)

Deutschland.

Us Wiesbaden, 3. Mai. (AssisenverHandlungen. N a ch m i tt a g s s itzu n g.) Zeuge Kiel von Braubach hat bei Phil. Bayer gearbeitet, als dieser eine Oeffnung im Gartenzaun, der denEuropäischen Hof" von denVier Jah­reszeiten" trennte, und welche Asch er mann, der Besitzer des letztgenannten Gasthofes verwahrt hatte, aufriß. PH. Bayer soll damals dem Aschermann, als er ihn zur Rebe stellte, eine Pistole auf die Brust gesetzt und mit dem Tode bedroht, ferner auch den Aschermann mit einem Stock über die rechte Hand geschlagen haben, daß sie blutete.

Zeugin Esch vom Heinrichshof gibt an, daß Karl Bal­zer eine dunkle Kleidung und keinen Kittel hatte, als er am Abend deS 28. Juni bei ihr int Hause war und sich ein GlaS Milch geben ließ. Ueber seine übrige Jagdausrüstung und den Zeitpunkt seiner Ankunft weiß sie nichts zu sagen. Zeuge Esch gibt ebenfalls an, daß Balzer einen Rock und nicht einep Kittel angehabt habe. Balzer soll jedoch eine Doppel­flinte bei sich gehabt haben. An dem Wesen des Angeklagten haben diese Eheleute etwaS Auffallendes nicht bemerkt. Den Zeugen Esch hat Balzer zwei Tage darauf wieder besucht und auf Die näheren Umstände seines ersten Besuches und hauptsäch­lich darauf aufmerksam gemacht, daß er keinen Kittel gehabt.

Nach der Aussage Der Kath. Kaffe ne, Die auf dem HeinrichShof dient, war Balzer zwischen 7 und 8 Uhr auf Dem Heinrichshof. Er trug eine dunkle Kleidung. Das Ge­wehr hat sie nicht genau besehen.