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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M LOS Samstag den L. Mai 1850*

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährigePränume- »ationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgraffchaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSfchen VerwaltungSgehieteS 8 fl. 1O fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch ellen- terg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

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Uebersicht.

Die Katastrophe zu Angers.

Deutschland. Wiesbaden (Asfisen.) München (Eröffnung des

BockkellerS). Erfurt (Parlament). Berlin (Vermischtes).

Wien (Räubereien tu Mähren).

Frankreich. Paris (Die Wahl).

Italien. Rom (Das päpstliche Anlehen).

Die Katastrophe zu Augers.

(Schluß.)

Einem andern Berichte entnehmen wir noch die folgenden Einzelheiten. Das Bataillon des 11. Regiments war gleich den beiden andern desselben Regiments auf dem Marsche nach Afrika. Schon seit längerer Zeit halten sich unter den Sol­daten dieses Regiments Symptome einer sehr laj gewordenen Disziplin gezeigt und auch auf dem Marsche hatte das dritte Bataillon desselben Regiments am 8. April zu Angers eine eben nicht sehr vertraueneinflößende Haltung gezeigt. Dieses nämliche 3. Bataillon war eS übrigens, welches ungeachtet seines üblen Rufs am 16. April zu Saumur, den Befehlen seiner Führer gehorsam, einen Demokratenhaufen mit dem Bayonnet auseinanverjaale, der den General Castellane zu insultiren wagte. Indessen herrschte doch vielseitig die Mei­nung , daß nur die wenigstens zweifelhafte Gesinnung einer Anzahl von Soldaten des Regiments der Grund der Sendung desselben nach Afrika ist. DaS unglückliche erste Bataillon nun war am 16. April gerade in dem Augenblick an der Kettcn- Brücke zu Angers an der einen Seite angekommen, wo auf der andern Seite eben eine von Nantes kommende Schwadron Husaren dieselbe verlassen hatte. Diese hatte die Brücke ohne Unglücköfall passirt, aber natürlich ein Schwanken derselben hervorgebracht, welches noch erhöht wurde durch den in dem­selben Momente loSbrechenden Windsturm mit Platzregen, der in Strömen sich ergoß. Dieser Umstand war auch Ursache, daß der ausdrückliche Befehl des Oberstlieutenants , außer Schritt zu treten, zwar befolgt wurde, aber keine Wirkung that, weil die Soldaten nun zwar nicht in gleichem, aber doch in sehr beschleunigtem Schritt auf die Brücke sich dräng­ten, so daß die drei ersten Kompagnien bald fast eine Art ge­schlossener Kolonne darauf bildeten. Und in solchem Moment erfolgte der Einsturz! Von allen Seiten eilten zwar alsbald Fahrzeuge herbei, aber die Führer derselben waren bei dem rasenden Sturm unmächtig, sie zu lenken, ja, sie hatten in mehr als einem Falle den Schmerz, die Unglücklichen, welche sie zu retten gedachten, vollends zu zerschmettern. Man hat ganze Sektionen gesehen, die an Theilen der Brücke sich an­klammerten , welche noch nicht völlig unter Wasser standen, und nun vergeblich die Hülfe der Barken anriefen, die nicht schleunig genug zu ihnen herankommen konnten; allmälig ver­sank die Brücke unter ihrer Last und dem Andrange der Wo­gen; einer nach dem andern wurden die Unglücklichen von den Wellen verschlungen und erschienen nicht wieder. Einige

auf dem Wasser schwimmende Käppis allein zeigten noch die Stelle, wo der Tod feine Opfer erfaßt hatte. Indessen sah man da Beispiele bewundernswerther Hingebung und Aufopferung. Soldaten, die kaum erst dem Verderben durch Schwimmen entkommen waren, rissen sich in Hast die Kleider vom Leibe und stürzten sich aufs neue in die Fluthen, um ihren Kameraden zu Hülfe zu eilen. Unter denselben bemerkte man den Schwimmeister des 11. leichten Regiments. Dieser brave Mann hatte bereits drei Mann ge­rettet; zum vierten Male stürzt er sich in die empörten Wogen, faßt einen vierten, bringt ihn glücklich ans Ufer; aber da ist feine Kraft erschöpft und er erliegt der übermenschlichen An­strengung, entseelt liegt er bald zu den Füßen der durch ihn Geretteten! Er hätte auf keinem Schlachtfelde einen gleich rühmlichen Tod finden können! Der Gendarm Briquet, ein Mann von herkulischer Stärke, hatte sich am rechten Uferdamm in einen Kahn gestürzt, und war rasch auf einen Kapitän zu« gefahren, der sich noch über dem Wasser erhielt. Glücklich er­faßt er ihn, allein der Kapitän ist nicht allein, zehn, vielleicht zwanzig Unglückliche halten sich an ihm und ancinanver ange, klammert; Briquet hebt sie langsam nacheinander in seinen Kahn, ohne darauf zu merken, daß derselbe so neuer Gefahr zum Untersinken ausgesetzt wird. Schon sind feine Anstren­gungen mehrmals von Erfolg gekrönt gewesen, aber ach! ein WeUenstoß gibt dem Kahne plötzlich eine andere Richtung und zerreißt sogar die Kette von Menschen, von welcher der Kapitän gewissermaßen nur das erste Gliev gewesen war. Auf einer Wiese am rechten Ufer in der Nähe der Brücke sah man mehre Geistliche und barmherzige Schwestern tief im Wasser stehen, um den Unglücklichen, die aus den Wellen herauSgezogcn wur­den, Hülfe zu bringen. Drei Geistliche entkleideten sich ihres Gewandes, um Soldaten damit zu bedecken. Alle möglichen Tröstungen der Religion waren überhaupt sogleich den Solda­ten gebracht worden. Eine Anzahl von Priestern waren auf die erste Kunde von dem Unglück in aller Hast herbeigeeilt, und hatten den in den Wellen versinkenden und sterbenden Soldaten sowie Denen, die noch in den letzten Zügen am Ufer lagen, die Generalabsolution, mehren der Lctzlern sogar noch die heilige Oelung ertheilt. Ein Priester, der sich in einem Fahrzeuge befand^ sah, wie mehrere Soldaten noch unter dem Zeichen des heiligen Kreuzes die Hände nach ihm ausstreckten, während er leider nichts weiter für sie mehr thun konnte, als ihnen die Absolution ertheilen. Die Einwohner von AngerS haben sich selbst überboten in Beweisen der Theilnahme für die armen verwundeten und jetzt kranken Soldaten. Am 18. April "hat daS feierliche Leichenbegängniß der Gebliebenen stattgefun­den, dem der Präsident der Republik in Person beiwohnte.

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Wiesbaden, 2. Mai. (AssiseNverhaNdluIIgeN.) Förster Weimar gibt an, daß der Versteck so beschaffen war, daß man von Außen Niemand drin sehen konnte (Phi­lipp Bayer gab an, er habe den Karl Balzer mit halbem