Einzelbild herunterladen
 

Nassauische

Allgemeine Zeitung.

JK lOO. Molttag de» L» April 1S5O.

Dritte Ausgabe.

feWMMM^«Säiffig^^fflEE^HS5iä8fiiK\W!äSSaflSEEd^^a^^?2SM3m^!M:TEraagffiRaaiHBmBiynaMBj^^

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienstnachrichten.

Nichtamtlicher Theil.

Zeitungschau.

Deutschland. Frankfurt (Die Familie des erschossenen Grafen Fugger). Hanau (Der Prozeß gegen die Mörder Auerswalds und Lichnowsky's). Dresden (Mißhandlung). Berlin (Ohm). Schweidnitz (Mordthat). Wien (Unglücklicher Scherz).

Dänemark. Kopenhagen (Urtheil des Kriegsgerichts in der Eckern- förder Angelegenheit).

erfüllt werden. Es ist dies um so schmerzlicher für uns, die wir uns einem andern, mit dem Sachsenlande in keiner Be­ziehung einen Vergleich auShaltenden Ländchen nachgesetzt sehen. Die Bukowina ist zu einem selbstständigen Kronlande erhoben und das Sachsenland soll völlig verschwinden! WaS hat die Bukowina für Verdienste um Oesterreich ? Die Ge­schichte schweigt. Unsere Vertreter sprechen bei der Krone und bei den Räthen derselben für unser deutsches Recht. Wir hoffen, sie werden Gehör finden; aber damit die öffentliche Stimme von ganz Deutschland sie unterstütze, rufen wir allen Wort­führern der deutschen Sache zu: Gedenket der verlassenen, preis­gegebenen Brüder an der türkischen Grenze!

Amtlicher Theil.

Die durch die Versetzung des Pfarrers Koch von Drie­dorf erledigte Schulinspektion im Kreisamte Herborn ist dem Pfarrer Hatzfeld in Breitscheid übertragen worden.

Nichtamtlicher Theil.

Z ei t u n gsch a u

Aus dem sie be n b ürg i sch en Sachsen lande, im April, schreibt man derDeutschen Allgemeinen Zeitung": Nehmen Sie einen schmerzvollen Klageruf des unglücklichsten aller deutschen Stämme auf! Das sieben bürget Sach­senland ist nicht mehr! Siebenhundert Jahre haben wir uns in den fürchterlichsten Völkerstürmen erhalten, immer sind wir unerschütterlich treu zu Oesterreich gestanden; auch in der letzten schrecklichen Revolution haben wir diese Treue mit äußerster Gefährdung unsers Daseyns bewährt und haben deß­halb Schrecknisse und Gräuel ertragen müssen, wie seit dem 30jährigen Kriege kein Land Europas; wie aus allen Stür­men, so sind wir auch aus dem letzten, wenn auch tief ver­wundet, so doch noch lebenskräftig und voll frischer Lebenshoff- nung hervorgegangen; da soll uns nun das, was wir gegen den Terrorismus der Magyaren behauptet haben, durch Oester­reich genommen werden, für welches wir uns in unwandelba­rer Treue geopfert! Der Militärgouverneur von Siebenbür­gen befiehlt, daß der AusdruckSachsenland" keine Geltung mehr haben soll. Wir werden demnach mit Magyaren, Szek- lern und Walachen in einen Körper zusammengeworfen! Dann ist für uns die durch die Reichsverfassung garantirte Gleichbe­rechtigung der Nationalitäten ein leerer Schall, weil wir sie nie werden geltend machen können, da wir neben den Magya­ren , Szeklern und Walachen stets in der Minorität bleiben. Unsere Hoffnung war, ein reichsunmittelbares Kronland zu werden. Unser historisches Recht, unsere Treue für Oesterreich, die Wichtigkeit unserer Position für die Entwickelung der Mo­narchie begründeten diese Hoffnung und sie soll dennoch nicht

Deutschland.

Frankfurt, 27. April. Der OberpostamtSzeitung wird ge­meldet: Die Gerüchte, welche vor einigen Wochen über die Familie des in Landau standrechtlich erschossenen Grafen Fug­ger in den Zeitungen und im Publikum verbreitet waren: der Vater des Grafen habe, ein zweiter Brutus! an den König von Bayern geschrieben, er werde ihn nicht um Gnade für seinen Sohn bitten, sondern der Gerechtigkeit ihren Lauf lassen; Brüder des Verurtheilten hätten in Würzburg, als sie die Nachricht von der Hinrichtung des Unglücklichen empfangen, auf den Tod ihres Bruders Champagner getrunken" : diese Ge­rüchte können auS der sichersten Quelle als empörende Unwahr­heiten bezeichnet werden. Der Vater des verurtheilten Fugger hat vielmehr den König zweimal inständig um Gnade für seinen Sohn angefleht und Briefe seines Bruders in Würzburg be­kunden den tiefsten Schmerz desselben über den seine Familie betroffenen fürchterlichen Schicksalsschlag. Diese Familie hat Alles aufgeboten , was die Umstände gestatteten, dem trauri­gen Geschick ihres Angehörigen eine bessere Wendung zu ge­ben , und wahrlich kein Mitglied derselben hat die Gefühle zu verleugnen vermocht, die bei einem so traurigen Ereigniß nur natürlich sind. Sie wird dem Hingeschiedenen ein Grabmal setzen, wozu sie bereits die Erlaubniß erhalten hat.

Hanau, 22. April. (D. Z.) (Prozeß Auerswald-Lich- nowsky. Schlußsitzung.) Die Sitzung wird abermals unter ungeheurem Andrang des Publikums eröffnet.

Um 10 Uhr werden die Angeklagten eingeführt, dieselben zeigen, obgleich sie bereits von dem Wahrspruche der Geschwor­nen Kenntniß zu haben scheinen, wenig Veränderung in ihren Gesichtszügen. Nur Ludwig wirft sich unmuthig auf seinen Sitz.

Der Sekretär ließt den Angeklagten den Wahrspruch der Geschwornen vor.

Hierauf ertheilt der Präsident, nachdem er die freigespro, chenen Angeklagten Gambel und Schmidt entlassen hat, dem Staatsprokurator das Wort zur Begründung des Strafan­trages. Derselbe zählt die durch den Wahrspruch der Ge­schworenen feststehenden Thatsachen in Betreff jedes einzelnen Angeklagten auf. Danach erscheine die Tödtung AuerSwalbS als Todtschlag, die LichuowSky's in Bezug auf Ludwig als Mord, in Bezug auf Georg ebenfalls als Todtschlag; Georg,