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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 92.

Freitag den 19. April

1850.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährigePränum»- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fL, in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fL 1O kr Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- bergischen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Ikonzession zur Vermittelung des Transports von Auswan­derern.

Nichtamtlicher Theil.

Briefe aus Erfurt

Deutschland. Hanau (Der Prozeß gegen die Mörder von Auers­walds und LichnowSky's). Freiburg (Einlieferung des verurteil­ten Pfarrers Uhlmann). Erfurt (Parlament).

Italien. (Der Papst).

Türkei. Konstantinopel (Wiedereröffnung des diplomatischen Verkehrs mit Wien).

Amtlicher Theil.

Konzession zur Vermittelung des Transports von Auswanderern betreffend.

ES wird hierdurch zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß der Kaufmann Jean Blees zu Biebrich als Haupt­agent deS unter der FirmaUnion" zu Frankfurt a. M., London und Liverpool bestehenden Transportgcschâfteö die Er­laubniß zum gewcrbmâßigen Betrieb der Vermittelung deS Transportes von Auswanderern unter den in der Verordnung vom 31. Januar 1849 enthaltenen näheren Bestimmungen er­halten hat.

Wiesbaden, den 15. April 1850.

Herzoglich Nassauisches Staatsministerium, Abtheilung des Innern.

Wintzingerode.

vdt. Ler.

Nichtamtlicher Theil.

Briefe aus Erfurt.

in.

Erfurt, 15. April. Die Würfel sind, wenigstens im Volkshause, gefallen, und wir glauben, der Wurf war ein guter; wenigstens ist, wenn das StaatenhauS wie nicht zu bezweifeln einen gleichen Beschluß saßt, der RechtS- boden für den jungen Bundesstaat gewonnen, und dieß schlagen wir nicht gering an, so wenig wir verkennen, daß in politischen Dingen vom Beschlusse bis zur Ausführung oft noch ein weiter Weg, und daß Letztere überhaupt nur denkbar und möglich ist, wenn Erstere sich der Zustimmung derjenigen erfreut, die sich im Besitze der Macht befinden. Aber auch gerade in dieser Beziehung haben sich, wenn nicht alle Zei­chen trügen, die Verhältnisse günstiger als jemals gestaltet. Alle durch die Organe des PartikulariSmuS, des

f e i nd li chen AuS la nd e S, der R e a k t i o n und der De­mokratie, welche in wahrhaft rührender Harmonie ein fort- währendes Zetergeschrei über den Bundesstaat erheben, einer Harmonie, die billiger Weise allein schon genügen sollte, dem betörten Volke die Augen über die eigentlichen Tendenzen der Demokratie zu öffnen, mit unverholenem Behagen ausge, beuteten und erweiterten Gerüchte vom Abfall einzelner Bun- deSglieder haben sich bis jetzt als gänzlich falsch erwiesen, im Gegentheile steht eS fester als je, daß die Idee der Noth, Wendigkeit des Bundesstaates und die Ueberzeugung von seiner dcmnâchstigcn unwiderstehlichen Anziehungskraft, trotz aller Anstrengungen jener feindlichen Mächte nicht nur in den Staaten der dermaligen Union, sondern auch in allen übrigen Theilen Deutschlands immer mehr Wurzel faßt; ja, einem hier verbreiteten Gerüchte zufolge warten die Regierungen von Sachsen und Hanover nur auf den definitiven Abschluß deS Werkes, um sich sofort und aufrichtig der Union wieder an zu, schließen. Ein solcher Entschluß kann nur bestärkt werden, wenn sich das Gerücht bestätigen sollte, daß Bayern und Wür- tcmberg aus dem Zollverein treten, dagegen Hannover, Ol­denburg und die Hansestädte mit den in nahe Aussicht gestellten Zollkongresse zu Kassel, behufs deS Anschlusses, in Unterhand­lung treten werden. So tief wir im klebrigen eine Abschei, dung von den tüchtigen urdeutschen Stämmen (jedoch nicht Stammbäumen) der Bayern und Schwaben beklagen, so müssen wir doch ein momentanes Austreten dieser zwei süddeutschen Staaten vorerst für ein den Interessen des Bundesstaates und somit der Einheit Deutschlands günstiges Ereigniß halten, indem es vor Allem Bayern, der in dem Zollvertrag am Mei, sten begünstigte Staat, der die wenigsten dem Zolle unter, worfene Artikel konsumirt, gleichwohl aber an den Jntraden nach gleichem Maßstabe wie alle übrigen Theil nimmt, der sich überdieß notorisch in der größten Finanzklemme be­findet, gleichwohl aber qua Großmacht dermalen eine bedeu­tende Anzahl von Soldaten auf den Beinen hält, durch den Ausfall seines Antheils an den Zollvereins -Revenüen am Schnellsten und Sichersten inne werden wird, welche Bewandtniß eS mit seiner Großmächtigkeit eigentlich habe, da vorzugsweise in politischen Dingen daS alte Sprüchwort, daß man nur durch Schaden klug werde, leider von Staaten beinahe ebenso oft als von Einzelnen gilt. Ebenso find die, durch die neuesten mystischen Erklärungen des Herrn V. Ra« dowitz, der gegen seine Kollegen im Verwaltungsrath ebenso verschlossen, wie gegen jeden Andern seyn soll , erregten Be­denken gegen die Ansichten der preußischen Regierung durch daS Versprechen, welches Hr. v. Manteuffel nach erfolgter Abstimmung mehreren Mitgliedern der Majorität sicherem Ver- nehmen nach ertheilt hat, sofort nach Berlin zu gehen, und dem Könige die Einwilligung zu dem gefaßten Beschlusse drin­gend zu empfehlen, gänzlich beseitigt worden, um so mehr als auch sogar von hiesigen Gegnern deS Bundesstaates unverho- len und mit Ausdrücken des Bedauerns die Ansicht ausgespro, chen wird, daß bei der dermaligen Sachlage allein schon die Rücksicht auf Preußens Ehre dem Könige jedes Abgehen von der einmal betretenen Bahn unmöglich mache. Auch wird ohne Zweifel allenfallsiger Widerwille gegen den Inhalt der