Nassauische Allgemeine Zeitung.
â 84. Mittwoch den 10. April 1850.
Zweite Ausgabe.
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Uebersicht.
Zeitungsschau.
Deutschland. Marienberg (Die landwirthschaftlichen Bezirksverèine).
— Mainz (Mohr freigesprochen). — Hanau (Der Prozeß gegen Lie
Mörder von Auerswald's und LichnowSky's). — Darmstadt (Der Stauffsche Prozeß). — Landau (Ansprache von Fugger'S Beichtvater an die Truppen). — E rfur t (Parlament). — Berlin (Die mecklenburgischen Angelegenheiten. ^««Weisungen. Kongreß der Zollvereins- Staaten. Die Erfurter Angelegenheiten. Telegraphenzug in Rußland). Wien (ZollvcreinSplan. Postübereinkunst mit Preußen und Bayern).
Zeitungsschau.
Der Globe spricht sich über die deutschen Angelegenheiten folgendermaßen auS: DaS von den Staaten der Union gewählte Parlament hat seine Arbeiten glücklich eröffnet und seine Mitglieder haben, so viel wir sehen können, ihr Werk mit der Bescheidenheit, dem praktischen Sinn und der Umsicht begonnen, wodurch die Aussicht auf gesunde und praktische Resultate dargeboten wird. Solche Bestimmungen und Benennungen, welche den andern deutschen Mächten einen gegründeten Anstoß hätten geben können, sind ganz vermieden worden. Der König von Preußen und seine Verbündeten sind bei der Eröffnung der neuen Versammlung nur durch ihre Bevollmächtigten vertreten gewesen, und die Verhandlungen begannen eher entmu- thigcnd mit der Gewißheit, baß zwei der ursprünglichen Theilnehmer an dem Bündniß vom 26. Mai ihrem Verbündeten die Treue gebrochen hätten (had broken faith with thefr al- lies) aber der Verwaltungsrath der Union ergriff zugleich seine Maßregeln, um die Abtrünnigen zu ihrer Pflicht zurückzuführen , die Union hat die ganze materielle Macht Preußens hinter sich, und die Abgeordneten haben daö trockene Geschäft der Wahlprüfungen und der Konstituirung ihrer Bureaux so geregelt angefangen , als ob ihre ganz neue Organisation schon Jahrhunderte bestanden hätte. Da giebt eS nun eine Klaffe von Politikern in Deutschland, welche die von Preußen erstrebte Suprematie als den Kern und die eigentliche Hauptsache der Union betrachten und die deutsche Nation einer neuen Zeit des Despotismus und der Anarchie überantworten würden, wenn nur das HauS Hohenzollern gedemüthigt würde.
Aber ein flüchtiger Rückblick auf die letzten zwei Jahre können dieselben zu einer Milderung ihrer scharfen Beurtheilung der preußischen Politik führen. ES ist zwei Jahre her, als Deutschland bei dem ersten Ausbruch der Revolution in Hellen Flammen stand, und seine gekrönten Häupter in der Hast ihrer trügerischen Reue und in der Verschwendung mit unpraktischen Konzessionen sich einander überboten. Nach dem Verlauf eines Jahres ging die Frankfurter Nationalversammlung unter der doppelten Gewalt deS Aufruhrs und der Intrigue auseinander, während Baden, Würtemberg, Sachsen und Hannover nahe daran waren, der Empörung anheimzufallen bei dem Untergang einer Versammlung, womit die langersehnte
und lange vorenthaltene Einheit wiederum begraben zu seyn schien. Der von dem preußischen Kabinet aufgestellte Entwurf verstand in diesem Augenblicke geschickt, die wilde Leidenschaft des Volks zu besänftigen, und wenn das Bündniß vom 26. Mai auch keine andere Wirkung gehabt hatte, als die, daß dadurch den deutschen Königen und ihren Staaten auf ein Jahr Zeit zum Ausalhmen gegeben wäre, so würde dasselbe einen ehrenvollen Platz in der deutschen Geschichte verdienen. Indessen glauben wir, daß weit entfernt von einem solchen Ausgang, die deutsche Union einen das Ganze umfassenden Platz unter den Mächten des Kontinents cinnehmen wird und daß es fortan nur der Fehler seines Parlaments seyn würde, wenn die verschiedenen Glieder desselben nicht stufenweise in eine einige und befriedigte Nation aufgehen sollten.
Man erinnert sich noch der hastigen Begierde, womit Hannover und Sachsen damals die Anerbietungen Preußens auf« griffen und ihrer freiwilligen Annahme der als nothwendig anerkannten preußischen Suprematie. Das österreichische Kabinet, welches immer bereit ist, seine eigenen Angelegenheiten unter* zuorvnen, wenn cs gilt, seinem alten Nebenbuhler Schaben zu thun, sparte keinerlei Mühe, um diese beiden Mächte zu einer andern Politik zu bestimmen, und reüssirte am Ende, indem es den wirklichen Abfall derselben durchsetzte. Dieser Erfolg ist mit solchem Jubelgeschrei ausgenommen worden, daß über die wirkliche Lage der Dinge wohl ein Wort zu sagen ist. Wenn man die deutschen Absolutisten sprechen hört, so sollte man denken, daß die Handlungsweise der Könige von Sachsen und Hannover höchst chrenwerth und höchst uneigennützig gewesen wäre, daß sie, indem sie von dem Bündnisse sich lossagten, sich blos ein Herz gefaßt hätten, um eine gefahrvolle aber unzweifelhafte Pflicht zu erfüllen. Das aber entgeht diesen Bewunderern des Königs Ernst August und seines königl. Bruders von Sachsen, daß Diese beiven Potentaten sich in Der wenig ehrenvollen Lage (bas englische Blatt gebraucht einen noch stärkeren Ausdruck) von Personen befinden, welche sich zu gewissen Leistungen als Entgelt für unmittelbare Hülfe vertragsmäßig verbunden haben, und hinterher einfach die Erfüllung ihrer Verpflichtungen verweigern. Hannover und Sachsen liehen unter dem Druck einer bevorstehenden Revolution ihre Hand zu dem Bündniß vom 26. Mai. Wie auch immer dieses Bündniß hinter der ihm zugetrauten Ausdehnung zurückgeblic« den, was auch von ihnen dem Ehrgeiz Preußens nachgegeben seyn mag, in federn Falle haben sie dasselbe mit gute : Bedache angenommen. Sie erwogen sehr wohl Die gewissen Verbindlichkeiten, welche sie übernahmen gegen die ungenauen Gefahren, welche ihnen im eigenen Hause drohten, und ihr Zutritt zu der Union war nicht weniger eine Verflichtung gegen ihr eigenes Land als gegen das preußische Kabinet. Die andern deutschen Staaten, mit Ausnahme von Bayern und Würtemberg beeilen sich, sämmtlich, der Union beizutreten. Wenn Treu und Glauben für einen Staat mehr als Der Schallen.einer Phrase ist, so würde ein Bruch dieser-neuen Verbindung von Seiten dieser Staaten sieb nur dem Grade nach von der Unredlichkeit unterscheide», womit Hannover und Sachsen ihnen vorangegangen sind. Und doch ist es kein Geheimniß, daß der Fürst Gortschakoff alS russischer Bevollmächtigter zu den Hei#