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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

Jta 82. Sonntag den 7. April 1S5O»

Bestellungen auf das mit dem 1. April begonnene neue Quartal derNassauischen Allge­meinen Zeitung" werden baldigst erbeten, damit die Expedition in den Stand gesetzt ist, von vornherein vollständige Exemplare zu liefern.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- rationSpreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Heffen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisfchen Verwaltungsgebietes 8 fl. 10 kr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schelle»» herrschen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dicnstnachrichtcn.

Nichtamtlicher Theil.

Briefe aus Erfurt. Deutschland. Weilburg (Die Beisetzung). Frankfurt (Die Main- Weserbahn zwischen Kassel und Marburg eröffnet). Da rmstadt (Der Stausssche Prozeß). Erfurt (Parlament. Neue Mittheilung von Seite des Verwaltungsrathes).

Frankreich. Pari« (Vermischtes).

Amtlicher Theil.

Der Lehrgehilfe Wintcrmeyer in Dillenburg ist zum Lehrer daselbst ernannt worden.

Am 27. März ist der Lehrer Weidcnfeller zu Gierod und am 28. März der Lehrer Medenbach zu Bogel mit Tod abgegangen.

Nichtamtlicher Theil.

Briefe aus Crfurt.

I.

{** Erfurt, 4. April. Nachdem bei der am 25. v. M. vorgenommenen Wahl resp. Auslassung der Mitglieder der verschiedenen Kommissionen daS LooS gegen mich entschieden hatte (auf mich und einen kurhesfischen Abgeordneten von der entgegengesetzten Partei waren gleichviele Stimmen für den Verfassungsausschuß gefallen, Letzterer aber zog bei der AuS­loosung den Treffer), und nach Anhörung der trefflichen Ra- dowitz'schen Rede am 26. v. M. begab ich mich zur Ausfüh­rung eines schon längst gefaßten Beschlusses während der Osterferien in die Sächsischen Lande, hauptsächlich nach Leip­zig und Dresden. Auf der Reise dahin, mittelst der in jeder Hinsicht ausgezeichneten (sogar die TaunuSeiscnbahn, die doch auch bekanntlich sich einer gewi ssen Art von Berühmtheit zu erfreuen hat einiger Maßen in Schatten stellenden Thü- ringer- und Sächsischen-Eisenbahn) drängte sich mir der Ge­danke auf, daß auch dieses treffliche Kommunikationsmittel, so nothwendig eS zur Vergrößerung der großen und zum Unter­gang der mittleren und kleineren Städte führen wird, eine

gleiche Wirkung hinsichtlich der verschiedenen Staaten und Stäälchen Deutschlands zu äußern nicht verfehlen kann, in­dem sich bei einer nur eintägigen Fahrt auf einer deutschen Eisenbahn dem Reisenden ein lebhaftes Bild der traurigen Zerstückelung des deutschen Bodens und Volkes entrollt, auch die Zeitfrist, welche man zur Durchschneibung eines solchen, sich souverän nennenden Gebietes seiner größten Länge nach bedarf, bet der Entscheidung der Frage, was eS mit diesen Souveränitäten eigentl ch auf sich hat, unwillkührlich mit in Erwägung kommt. Daß aber der deutsche Eisenbahn-Verkehr, der sich in wirklich großartiger Weise entwickelt hat, durch die Kleinstaaterei nicht unmittelbar und materiell widerwärtig be­rührt wird, ja daß eine solche großartige Entwickelung über­haupt nur denkbar und möglich war, wem anders verdankt dies Deutschland als dem unter Preußens Aegide abge­schlossenen Zollverein, welcher, wie deutsche Patrioten schon bei seiner Gründung hofften, und diejenigen, die dynastisch- partikularistische Tendenzen für ihre egoistischen Zwecke mit Er­folg auszubeulen wußten, fürchteten, für die verbündeten Län­der nicht nur enormen materiellen Gewinn brachte, sondern auch naturgemäß zur immer größeren politischen Vereinigung führen mußte. Der in der Paulskirche unternommene Versuch, eine solche politische, alle deutschen Stämme umfassenbe Verei­nigung aus einem Guße zu formen, ist gescheitert; wir haben einen Beleg mehr für die Richtigkeit der alten Lehre der Welt- Geschichte, daß staatliche Umgestaltungen, wenn sie zum Bes­seren führen sollen, niemals sprungweise, sondern immer nur durch stufenweise Entwickelung erreicht werden und Wurzel fassen können. Wer aber wollte leugnen, daß die deutsche Union etwas Anderes sey, als die dermalige Stufe, auf welche Die deutschen Staaten mittels deS durch Gründung des Zollvereins betretenen Weges naturgemäß ge­langen mußten! Beiden Bündnissen liegt ein und dasselbe Prinzip: freie Selbstbestimmung der Einzelstaa­ten! beiden dieselbe zwingende Ursache: Ueberzeugung von der Unzulänglichkeit der eigenen Mittel und von der daraus folgenden Nothwendigkeit des engsten Anschlusses an einen mächtigen wirklichen Staat zu Grunde.

Daß diejenigen der demokratischen Partei, welchen es um die Gründung eines einigen freien Vaterlandes Ernst ist, deren politische Ansichten aber sich nicht auf Verstand und Geschichte, sondern auf Phantasie und Romanenluteratur gründen*), in heilloser Verblendung auf daS Entschiedenste in die Hände ar­beiten den, lebhaft an die Fabel von dem sich aufblâhenden

*) Von dem AuSwurfe der menschlichen Gesellschaft, der nur deßhalb jetzt einen so grimmigen Preußenhaß entwickelt, weil er genügsame Erfahrungen gemacht hat, und noch täglich macht, daß die

Haltungslosigkeit und Feigheit der Kleinstaaten-Regierungen daS eigent­liche LevenSelement für fröhliches Aufblühen feiner giftigen Saat ist» rede ich natürlich nicht.