daS Gebäude des Bundesstaats erst in seinen Fundamenten gefestigter, ehe man in einzelnen Theilen einen Umbau versuche, der leicht den Einsturz des Ganzen herbeiführen könne. Da jedoch die Mehrzahl der Abgeordneten sich für sofortige Revision zu erklären, und diese auch für die Regierungen zum Theil Bedingung der vorhergehenden Annahme en bloc zu sein scheint, so bringe man vor Allem die Regierungen in die Lage, nur über bestimmte Punkte sich äußern zu müssen. Man lege, wo möglich auf Veranlassung der Berfassungsausschüffe, in einer besondern Akte die bestimmten Abänderungsvorschläge, die man nothwendig findet, zur Genehmigung vor. Die verbündeten Regierungen werden sich bann leichter verständigen, ob und nach welchem Abstimmungsverhâltniß untereinander sie diese Vorschläge annehmen wollen. Man beschränke diese Abänderungsvorschläge auf daS Allernolhwendigste, etwa auf eine Anzahl von Paragraphen, welche die Verschiedenheiten der deutschen Grundrechte von den preußischen aufheben, und schlage auch bei ihnen dem Parlamente Annahme en bloc vor. Diese RevistonSakte würde dann den Hauptbestandtheil einer zweiten Additionalakte im oben angegebenen Sinn bilden, und es würde neben ihr die Annahme der Verfassung en bloc Raum finden, welche von der höchsten Bedeutung ist, theils um Hannover und Sachsen noch weiter formell zu binden, the'ls um allen etwa noch weiter im Geheimen vorhandenen Gelüsten, sich von dem Bündnisse loszuwickeln, jeden Vorwand zu nehmen. Der Verfasser weist schließlich die Vermuthung zurück, daß er dem Vcrwaltungsrathe angehöre. Habe er zum Theil die Ansichten mehrerer Mitglieder desselben getroffen, so erkläre sich dies daraus, daß Männer, welche demselben Jdeen- kreise angehören und zur fortgesetzten Beobachtung desselben Entwickelungsganges Veranlassung haben, bei Behandlung gleicher Fragen sehr leicht zu verwandten Resultaten gelangen.
Berlin, 1. April. (O.-P.-A.-Z.) Die Osterfeiertage sollten dem allgemeinen Glauben nach hier und in Potsdam wichtige, namentlich für die Erfurter Verhältnisse entscheidende Beschlüsse zu Tage fördern. Soviel wir jedoch über die verschiedenen Vorkommnisse vernehmen, sind Entscheidungen positiven Inhalts nicht getroffen. — Herr v. Manteuffel hat sich für das Fest nach Krümmlitz bei Luckau begeben, um dort ungestört im Schooße seiner Familie fern von den Staats- geschäften sich zu erholen. — Herr v. Radowitz hat mehrfache Audienzen bei Sr. Majestät gehabt. Hier in allerhöchster Instanz darf auf ein strenges Festhalten an dem Erfurter Projekte gerechnet werden. Hr. v. Bismark ist ebenfalls bei Hofe gewesen. Wenn aber auch die Ferien deS Erfurter Parlaments nicht feste Beschlüsse der preußischen Regierung gereift haben, so muß doch die Stimmung als maßgebend betrachtet werden, welche selbst in den höchsten Kreisen einen, wir möchten fast sagen für Erfurt enthusiastischen Charakter angenommen hat. So erzählt man sich namentlich im Publikum, hier, für sprechen die Aeußerungen des Prinzen von Preußen und Prinz Karl.
Der frühere österreichische ReichStagSabgeordnete Dr. Zim- mer, der sich seit etwa acht Monaten ungestört hier aufhalten und literarischen Beschäftigungen leben durfte, ist auf Verlangen der österreichischen Regierung vor einigen Tagen verhaftet und in der letzten Nacht mit der niederschlesischen Bahn nach Oesterreich tranSportirt worden. Zimmer war in Wien und Kremsier Führer der deutsch-böhmischen Partei und Mitglied der äußersten Linken. Als Abgeordneter nach Frankfurt gesandt, begab er sich mit dem Rest der dort tagenden Versamm« lung nach Stuttgart. Ein in Prag gegen ihn eingeleiteteS Verfahren hat seine Betheiligung an den Stuttgarter Beschlüssen zum Gegenstände. DaS Loos, daS seiner wartet, wird hier in allen Kreisen bedauert. — Verfasser der vielbesprochenen Broschüre „Erfurt," die als russische Inspiration bald dem Herrn Huber, bald dem Hrn. v. Meyendorff zugeschrieben wurde, versichert nun die „Lithographirte Korrespondenz," sey der Preus, sische LegalionSrath a. D. Hr. Kupfer, bekannt aus der Raiio- nalversammlung als Stellvertreter des zum Abgeordneten gewählten Prinzen von Preußen und aus der zweiten Kammer wegen der eigenthümlichen Jncidenzfälle, welche feine Wahl
-gleitet hatten. — Auf der Friedrich.Wilhclmstädtifchcn Bühne ’ ^d: gestern Abend eine neue Posse von Feldmann, „Kaiser ' unter großem Andrang des Publikums zum ersten- âg-fsthkt. Die weitern Aufführungen sind heute Polizei« .um^gt lv0r6tn Die Maöke, die sich der Darsteller der , "trolle Stählt hatte, soll den Verdacht erweckt haben, daß
eine Kopie beabsichtigt werde, die nicht für statthaft erachtet werden konnte.
Schwerin, 30. März. Die „Meckl. Ztg." enthält Folgendes: Die Mitglieder des Gesammt-Ministeriums, Slaats- Minister von Lützow, Erz., die Staatsrâthe v. Liebeherr, Meyer, Stever haben gestern Abends ihre Demission eingereicht, welche von Sr. königl. Hoheit dem Großherzoge angenommen ist. Außerdem erklärt sie zur Berichtigung der vom „Hamb. Corr." gebrachten Nachricht, daß in der Mecklenburgischen Angelegenheit nunmehr der Beschluß der BundeS-Zentralkommission in Frankfurt erfolgt sey, welche dahin laute, daß die Kompromiß- Instanz aufrecht zu erhalten sey : daß der Beschluß der Bundes- Kommission nicht erfolgt ist, und erst erwartet werden kann, wenn die beiderseitigen Mitglieder der Bundeö-Zentralkommis« sion die definitive Ansicht ihrer Regierungen über die obschwebende Frage werden erfahren haben, wobei sie noch bemerkt, daß die Rückäußerung des Verwaltungsrathes, den die preuß. Regierung zum Aussprechen seiner Ansicht über die mecklenb. Angelegenheit vor Ertheilung dieser definitiven Instruktion an die Preuß. Mitglieder der Bundeskommission veranlaßt hat, bis jetzt nicht erfolgt ist.
Frankreich.
Paris, 1. April. Die Polizei hat heute eine seit längerer Zeit mit dem größten Geheimnisse vorbereitete Maßregel auS- geführt. Alle gewesenen Sträflinge, Landstreicher, unbeschäftigte Arbeiter und Fremde ohne Erwerb mußten unmittelbar Paris verlassen. Man hielt militärische Maßregeln zur Ausführung dieses Schrittes bereit. — Es scheint gewiß, daß das Ministerium ein neues Wahlgesetz bereit hält, damit aber noch nicht auftreten will. Nach diesem Gesetz kann man das Wahlrecht erst mit dem zurückgelegten 25. Jahre ausübcn und nur, wenn man StaatSabgaben zahlt. Soldaten unter den Waffen und Dienstboten find vom Wahlrecht ausgeschlossen. Ein solches Gesetz würde einen Theil der vielen Nachtheile des allgemeinen Stimmrechts beseitigen; die Partei der „Burggrafen" (die Anhänger V. HugoS) in der gesetzgebenden Versammlung firchtet sich jedoch, die Verfassung anzutasten, und eS ist wahrscheinlich, daß der in der Rede stehende Gesetzentwurf nicht vorgelegt wird. — Nächstens soll der republikanischen Garde ein Ärtilleriebataillon zugetheilk werden. — Seit zwei Tagen wird in dem Ministerralh über den Rückzug deS Gesetzentwurfs die Maires betreffend, berathen; man fürchtet seine Verwerfung.
Spanien.
Madrid, 27. März. (O.-P.-A.-Z.) Die Differenz zwischen England und Spanien soll endlich durch Belgiens Vermittelung auSgeglichm seyn. DaS englische Ultimatum wird stündlich erwartet.
Amerika.
Die Sklavenfrage ist noch nicht weiter von der Stelle gerückt. Zu Rewyorl wurde zur Unterstützung von Clay'S Ver, gleichSvorschlâgen in Castle Garden eine große Volksversammlung gehalten, worin besonders die Handels-Interessen dieser Stadt vertreten waren, ohne Unterschied einer politischen Partei. Mehr als 10,000 Menschen waren in dem geräumige« Amphitheater von Castle Garden versammelt. Unter großer Begeisterung wurde die Aufrechthaltung der Einheit als daS höchste, jedes andere Interesse überragende Zweck Aller erklärt.
Die ungarischen Flüchtlinge in Newyork, welche neuerdings um 35, mit dem Schiffe „Mount Stuart Elphinston" von Glasgow Neuangekommene vermehrt wurden, haben an daS Volk der „Vereinigten Staaten" eine Adresse erlassen, worin sie für die gastfreundliche Aufnahme in dieser Republik ihr tiefstes Dankgefühl aussprechen. In diesem fteien Lande, heißt eS, wollen wir von den Mühen des Kampfes auSruhen, und den Tag erwarten, welchen die Vorsehung für die Wiederauf- richtung unseres unglücklichen Vaterlandes bestimmt hat.
Verantwortlicher Redakteur r W. H. Riehl.